• Ich hatte einen Traum

    22. September 2001

    Achtung: Satire, Ironie des Schicksals, Märchen, alles nicht wahr, gibt es gar nicht, niemand ist gemeint, vereinsschädigend, ich meine ja nur...

    Es gab einmal einen Grossverein, der nannte sich ... für Hunde.

    Das stellte sich als Riesenirrtum heraus, denn es war gar kein Verein für Hunde. Es war nur einer für Menschen, die konforme Hunde hatten. Und eben einen Verein. Und ein Leben darin, und das war sehr sehr wichtig.

    Nachdem dieser Verein jedoch durch böse Unbelehrbare oder Ungläubige(r) immer mehr an Mitgliedern verlor, entschlossen sich die bisher anerkannten, aber nicht stimmberechtigten Hunde, den geradezu telepathischen Takt leinenruckartig zu unterbrechen. Als erste Amtshandlung, wobei natürlich auch Mischlinge stimmberechtigt waren und Hunde aus ganz Europa, beschlossen die Hunde, dass es keinen Verein mehr geben dürfe; die zweite: den Menschen, die nur vereinsgemäss ihre Hunde im Kopf haben, keinen Verein mehr für Hunde zu gestatten. Anderweitig würde die von den anwesenden Hunden sofort gegründete "Von Sponsoren unabhängige Interessen-Gemeinschaft für die Vertretung aller Hundeinteressen" jeden vereinsmeiernden Menschen ausschliessen. Tätig werden würde die IG Hund - so die für Medienmenschen geläufige Abkürzung - nur in dem Fall, wenn sich ein Mensch anschickte, wieder ein Funktionärsamt übernehmen zu wollen.

    Einige wenige Vereine wurden ausgesuchten Menschen überlassen, als Trainingsplatz. Nur jene, die wirklich für Hunde kämpften. Diese Ausnahmeregelungen wurden von geretteten Hunden ausgestellt. Dann würde der Hund des Vereinshundlers sofort eine einstweilige Verfügung erwirken, die auch hier wieder - die einzige Konstante - Anwälten ein gutes Einkommen einbrachten. Dem IG Hund-Hund würde dann auch gestattet, von der Leibeigenschaft und vom unerlaubten Gekauftvertrag (eine Art Sklavenhaltung) zurückzutreten und sich - nebenbei - vereinsfrei zu fühlen.

    Fortan gab es bei den - nicht nur in Tränen aufgelösten - Vereinen keine Streitigkeiten mehr, keine Rausschmisse, keine Verdächtigungen von falschen Papieren oder HD- oder Körungs-Gutachten, keine eidesstattlichen Versicherungen, keine Prozesse wegen Aufnahme in den Verein oder wegen Ausschluss, wegen übler Nachrede und Verleumdung etc. Halt das, was so in einem ordentlichen Menschen-Verein abgeht.

    Leider waren dann einige Funktionäre ziemlich rat- und arbeitslos. Sie wussten nicht mehr, wo sie ihr Bier so billig trinken, das Hundefutter so preiswert beziehen konnten. Sie hatten nichts mehr zu stammtischen und die Vereinszeitung als Bibel einander treu und ergeben vorzulesen. Keine Feier mehr, keine Sitzungen, egal, was da je gesessen haben mag. Keine Vereinsreisen in die Karibik oder nach Thailand (ja nach Geschlechter-Mehrzahl). Keine Spesen. Als wärs für die Katz gewesen. Die Hunde liefen frei umher und wurden nicht mehr vereinsmässig ausgepunktet, sie waren glatt ausgezählt. Die Menschen. Die ehemaligen Vereinsmenschen hatten nun kein Interesse mehr, weil keiner ihre Interessen mehrte. Es gab weder Vereinshunde noch nichtvereinszugehörige Hunde. Keine Prüfungen, die kein Nichtvereinsmensch brauchte, aber Vereinskassen vermehrten. Wesenstester, die im halbstaatlichen Auftrag dieses Ex-Vereins tätlich waren, mussten sich ebenfalls bei ihrem staatlichen Arbeitgeber als wieder einsatzfähig zurückmelden - für den Verkehrsdienst. Einige Vereinsobere wurden therapeutisch behandelt, weil notorisch prüfungs- und richtungsarm geworden, sie fragten vergeblich beim Arbeitsamt nach Unterstützung nach. Nicht mal eine Umschulung auf Vereinswirt würde bezahlt.

    . Ich widme ihn allen Hunden.

    Passen Sie gut auf Ihre hündischen Träume auf! Vielleicht werden sie wahr.

    Ihr Rainer Brinks

    *