Unter der Leitung der Fachtierärztin für Verhaltenskunde Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen studierten Tierärzte das Rudelverhalten von Herdenschutzhunden - in einem Tierheim! Ein beeindruckendes Erlebnis für die menschlichen Schüler für ein positives Bild der Hunde, die teilweise auch schon unter Verordnungs-Argwohn geraten sind.
Das Seminar war schon deshalb erfolgreich, weil die "Schüler" Vorurteile abbauen lernten. Die Kieler Verhaltenskundlerin, zuvor mit zwiespältigen Gefühlen über diese Gattung behaftet - vielleicht aus schlechter Erfahrung mit so genannten Experten und entsprechenden Hunden - war begeistert von der Sozialsicherheit und vom Ausdrucksverhalten der verschiedenen Herdenschutzhunde.
Die Fachtierärztinnen (es waren nur -Innen) sollten den Alpha aus einem intakten Rudel herausfinden. Ein Kuvasz-Rüde im mittleren "Management", also nicht mal Beta, aber auch keineswegs Omega (also der Letztrangige), der suchte sich nun aber unter den menschlichen Schülern instinktsicher das schwächste Mitglied heraus. Hunde, das möchte ich hier gleich einflechten, unterscheiden eher nach psychisch statt nach körperlich Schwachen. Dieser Rüde schaute sich eine sehr zierliche, aber vor allem auch sehr unsichere Frau aus und - überrannte sie einfach mal - vermutlich präventiv. Dann stand er danach ruhig da und schaute seine eigentliche Rudelführerin, die Tierheimleiterin, an. Die musste sich abwenden, bevor sie hätte verschämt - und für die meisten Beteiligten irreführend - loslachen müssen.
Die Umgerannte zeterte wild. Da belehrte sie F-P: Deshalb sind Sie hier, um zu lernen, auch die verschiedenen feinen Unterschiede. Der Kuvasz war Vorkoster - oder Vorstopper? Die eigentlichen hundlichen Rudelführer lassen testen. Der Bodycheck des Kuvasz-Rüden war im Grunde eine deutliche Verächtlichmachung und gleichzeitig ein Signal: seht her, Hundekumpel, das ist der schwächste hier. Ich habe es ihm gerade mal gezeigt. Es war schwieriger für die Fachtierärztinnen, den Alpha herauszufinden. F-P. bewies ein feines Näschen dafür und beobachtete richtig. Ein griechischer Hütehund, höchstens mittelgross, der sei noch Alpha, aber nicht mehr lange, dann löse ihn der Kangalrüde ab.
So viel sei zu den meist unbegründeten Meinungen, was ein Alpha sei, gesagt: Leithund jedoch, eine Art Innenminister und Versorgungsmanager, der ist meist ein weibliches Tier, denn sie sind her unantastbar, stehen nicht so unter Konkurrenz wie der Repräsentant und Aussenminister (Alpha), der normalerweise als Decktier genug zu tun hat, um Konkurrenten abzuwehren. Leittier wird oder ist - wie bei allen Herdentieren - immer das Klügste und Erfahrenste. Meist bis fast ausnahmslos sind dies weibliche Tiere. Da machen auch die angehenden Tierärztinnen für Verhaltenskunde keinen Unterschied.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr Rainer Brinks
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