• Razzia bei Schäferhundverein

    Razzia bei Schäferhundverein

    1. Februar 2002

    Manche Hundler schimpfen doch immer gern auf die Medien als kollektive Hundehasser. Wenn wir manche Medienvertreter nicht hätten, blieb manches unterm Teppich.

    Die Presseinformation der Polizeidirektion Pforzheim im Wortlaut: "In der "Pforzheimer Zeitung" vom 16.Januar wurden unter der Überschrift "Tierquälerei im Hundeverein?" schwere Vorwürfe gegen Mitglieder des Schäferhundevereins OG Keltern e.V. erhoben. So sollen im Rahmen der Hundeausbildung Methoden angewandt worden sein, die den Vorschriften des Tierschutzgesetzes in erheblichem Maße widersprechen. Ein Hund sei mit einem angespitzten Stachelhalsband schwer misshandelt worden, so dass dem Tier das bloße Fleisch in Fetzen vom Hals gehangen sei. Trotz dieser Verletzungen habe der Übungswart mit dem Hund mittels des Stachelbandes weitergearbeitet. In einem weiteren Fall sei ein Hund durch zwei Leinen bis zur Bewusstlosigkeit gedrosselt worden. Über den Vorwurf der Tierquälerei hinaus wurde behauptet, der Verein hätte eine Zwingeranlage ohne die erforderliche Genehmigung erstellt. Aufgrund der Vorwürfe in dem Presseartikel wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

    Die Staatsanwaltschaft Pforzheim ordnete die Durchsuchung des Anwesens des Schäferhundevereins an. Diese wurde durch Polizeihundeführer der Polizeidirektion Pforzheim durchgeführt. Die Dokumentation übernahmen Beamte der Kriminaltechnik. Der Leiter der Polizeidirektion Pforzheim, Leitender Kriminaldirektor Karl-Heinz Arnitz, war persönlich vor Ort. Er war erschüttert und bestürzt über die vorgefundene Gesamtsituation und über den Zustand der fünf in den Zwingern gehaltenen Hunde. Diesen stand zum Teil keine Schutzhütte zur Verfügung. Die Zwinger waren verkotet und den Hunden stand kein Wasser zur Verfügung. Bei zwei Hunden wurden auffällige Verhaltensstörungen festgestellt.

    Aufgrund der massiven Verstöße gegen die Tierschutzverordnung wurde der zuständige Veterinär des Landratsamtes Enzkreis zugezogen. Dieser verfügte die sofortige Wegnahme der Hunde, die daraufhin in das Pforzheimer Tierheim verbracht wurden.

    Bei der Durchsuchung wurden in den Räumlichkeiten des Schäferhundevereins unter anderem mehrere Stachelhalsbänder mit angespitzten Stacheln, sowie Geräte, bei deren Einsatz den Hunden Stromschläge versetzt werden, gefunden und beschlagnahmt. Gegen die Verantwortlichen wird wegen des Verdachts mehrerer Vergehen gegen das Tierschutzgesetz ermittelt und gegen die Tierschutz-Hundeverordnung ermittelt."

    Der - zu diesem Zeitpunkt - Vorsitzende des Vereins, Helmut Vogt, als auch dessen Stellverteter, Eduard Rübenacker, sind selbst Polizisten.

    Polizeisprecher Schroth: "Es ist selbstverständlich, dass ohne Ansehen der Person mit Nachdruck gegen die Verantwortlichen wegen des Verdachts mehrerer Vergehen gegen das Tierschutzgesetz und wegen Verstoßes gegen die Tierschutz-Hundeverordnung ermittelt wird."

    Ich bat ihn eine Woche nach dem Einsatz um eine aktuelle Stellungnahme: "Gegen die Verantwortlichen wurden Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen sind. Bitte haben Sie Verständnis, dass die Polizei über laufende Ermittlungen keine Auskünfte erteilen kann. Der Stand der Ermittlungen würde eine solche Auskunft auch nach Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft noch nicht zulassen."

    Nach dem Bekanntwerden dieser Zustände ging mehrere Hinweise bei der "Pforzheimer Zeitung" ein. Ein Ehepaar: "Wir haben schon mehrmals bei Spaziergängen gesehen, wie zwei Männer Schäferhunde misshandelt haben. Ein Hund wurde am Halsband genommen und der Hals des Hundes zugezogen. Bei diesem Vorfall, vor etwa sechs Wochen, hatten wir deshalb keine Anzeige erstattet, weil das so brutale Menschen waren, dass wir Angst bekommen hatten und nicht schlafen konnten. Falls es zu einer Verhandlung kommen sollte, stehen wir aber zur Verfügung."

    Mitglieder dieses Ortsvereins kämpften dem Zeitungsbericht nach "schon seit langem für eine Verbesserung der Zustände" gegen das Duo der Vorsitzenden.

    Warum reagierte der SV auf höherer Ebene nicht?

    Man möge die Finger, die auf den gesamten SV zeigen, in der Hosentasche stecken lassen. Meist weisen die Finger auf einen selber zurück. Es ist nur wieder mal ein Beispiel dafür, dass das Bild, das sich manche Naive von grossen Vereinen und Verbänden machen, so schief hängt, dass es verzerrt. Ein Zerrbild. Die Selbstbeweihräucherung über den Dienst am treuesten Freund des Menschen, die auf Papier steht, stinkt oft zum Himmel. Man gewöhnt sich inzwischen auch an derart Abartiges, und an die Ausreden, die das unintelligente Bild der schwarzen Schafe bemühen.

    Fast hätte ich es vergessen: Anklage gegen die Vorsitzenden wurde bisher noch nicht erhoben. Eine Stellungnahme des SV-Hauptvorstandes... Ich klickte eine Woche nach diesem Vorfall die Homepage des SV an, suchte unter "Aktuelles Pressestelle" nach einer Erklärung (schliesslich geht es um den Ruf des SV) und fand das Datum der letzten Pressemitteilung vom 30. Oktober 2001. Selbst die vermutete Tötung eines Mädchens durch einen DSH (aber der Hund wurde sofort eingeschläfert) vor einigen Monaten fand darin keine Erwähnung. Das Aktuellste ist ein Ticker: "Ein gutes neues Jahr wünscht ihnen die SV-HG".

    Danke, ich wünsche dagegen gute Besserung.

    "Heilung ist eine Frage der Zeit, aber manchmal auch eine Frage der Gelegenheit." (Hippokrates)

    Passen Sie gut auf alle Hunde auf!

    Ihr Rainer Brinks

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