• Geht es schon wieder los?

    15. Februar 2002

    "In letzter Zeit gab es keine spektakulären Bissvorfälle mehr", sagte die Sprecherin des brandenburgischen Innenministeriums, Bettina Cain.

    Ein gutes Jahr lang, bis zur Jahreswende, war dies auch vermutlich auch in anderen Ländern so. Im Neuen Jahr häufen sich zumindest die Pressemeldungen über erneute Attacken von - nach den Meldungen mehrheitlich - "Kampfhunden", sei es auf Menschen oder andere Hunde.

    Und dann dies in Nordrhein-Westfalen: Polizei-Einsatz mit Hubschrauber in Olfen, Maschinengewehr-Salven gegen Hunde, daraufhin eine naiv bis erschreckend plump in einer Homepage dargestellte "Wahrheit". Alles unkontrolliert veröffentlicht - im guten Glauben, dass die Laien-Rechercheure einer dieser Kampfhunde-Aktivisten-Gruppen schon ihre Wahrheit schreiben würden. Wobei gar eine als Journalistin der "SüddeutschenZeitung" fungierende Person dann wieder "bitte herausgenommen" werden musste. Dann ging Die-ganze-Wahrheit-über die tumben Aktionisten Stück für Stück baden. Die Kampfhunde-Ritter der Schoko-Haselnuss machen sich ihre Fantasy-Stories selber. Dagegen ist ja "Bild" wenigstens im Erfinden professionell.

    Selbstinszeniertes Schmierentheater-Serial?

    Geht es so los wie üblich? Eine Weile Vorsicht, mitunter gar Rücksicht, Beruhigung der Hysterie, kein Interesse an "gefährlichen", daher lesetüchtigen Schlagzeilen, und dann kehren die alten Gewohnheiten zurück? Wie meist im Leben. Nach einem gesehenen Autounfall fährt man auch eine kurze Weile langsamer, aber dann... gib Gas, ich will wieder meinen Spass!

    Waren die Halter der "gefährungs-relevanten" Hundetypen nach dem Desaster vor eineinhalb Jahren und den Restriktionen danach nur klammheimlich vorsichtig, und lassen sie nun ihre Hunde wieder los? Nichts dazugelernt oder der Anfang einer neuen Hysterie der Medien? Nicht ganz, was das letzte angeht. Denn die Meldungen bleiben bisher in den Lokalnachrichten.

    Aber die Vorfälle sind nicht wegzureden, sie häufen sich.

    Schon redet man wieder Panik - freilich ohne aktuellen Anlass - wie in "Die Welt": "Die Hundelobby macht so stark mobil, dass die Hundehalter wieder nachlässiger werden und ihre Tiere frei herumlaufen lassen", sagte Geschäftsführer Walter Wilken in Hannover. Es bestünde die Gefahr, dass sich ein Fall wie der des sechsjährigen Volkan, der im Juni 2000 durch die Attacke von Kampfhunden ums Leben gekommen war, wiederholen könnte. In jüngster Zeit häuften sich die Anrufe besorgter Eltern beim Kinderschutzbund."

    In den ersten zwei Januar-Wochen wurden ein Dutzend Vorfälle von Attacken von Hunden bekannt - wobei hundezeitung.de sich ausdrücklich mit solchen Nachrichten zurückhält, denn zu sehr sind Dichtung, Übertreibung und Wahrheit vermengt. Viele Vorfälle, die auch uns geschildert wurden, erwiesen sich als haltlos wie verlogen. Aber nicht alle. Jeder Vorfall, der öffentlich wird, ist ein erneuter Rückschlag für das lädierte Image.

    Es sind oft genau jene fahrlässigen Halter, die ihre Hunde früher wie heute mit fast asozialer Ignoranz - weil letztlich auf Kosten der sozial handelnden Hundehalter und immer auf Kosten auch anderer Hunde - den freien Lauf lassen. Auch immer mehr Halter der diskriminierten Rassen lassen ihren Hunden wieder den falschen freien Lauf, die durch langes Gefangen- und Versteckthalten und durch Unsicherheit der Halter selbst durchknallen - und wieder aggressiv auffallen. Dass diese Hunde auch noch ohne Maulkorb und unangeleint losgelassen werden, ruft wieder den Hundehass aus dem Schlaf.

    Es sind Hundehalter, die nichts gelernt haben aus den Vorfällen, denen es egal ist, was mit ihrem Hund passieren würde.

    Es wird wieder was passieren müssen. Dann wird der ganze Hass noch verschärft. Dann können wir unsere Hunde einpacken.

    Ich war weit davon entfernt, derartige Szenarien zu verbreiten. Aber nun bin ich mir durch Hundehasser, die ihre nun mal indizierten Hunde nicht zurückhaltend halten wollen, nicht mehr sicher, dass diese Hundehasser es provozieren. Eine Art Kollektivstrafe der "Bösen" an den "Guten". Meist sind es jene, die einen wie auch immer fraglichen Wesenstest scheuen müssen. Sie sind womöglich neben der absoluten Charakterlosigkeit, was Verantwortung für Tiere angeht, auch noch Stolz darauf, die Höllenhunde zu geben.

    Sie sind dabei nur unfähig, dazuzulernen. Ihre Hunde würden es ihnen danken, nicht nur mit dem Leben. Wer sich bewusst isoliert (misfits), der darf nicht klagen und nicht andere bestrafen. Schon gar nicht die Unschuldigen. Das ist nur noch schwach.

    Es sind viele Hunde durch Wesenstests gekommen, man kann ihnen für eine erträgliche Zeit den Maulkorb angewöhnen, man kann sie anleinen.

    Oder man kann sie opfern.

    Hysterie hat auch zwei Seiten: Die Täter und die Opfer.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf! Ihr Rainer Brinks

    PS.: Der Webalizer (Zugriffs-Statistik) konnte am 15. Februar den zehnmillionsten Besucher-Klick in der Hundezeitung registrieren. Vielen Dank!

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