Nur die dümmsten Kälber verraten ihre Rasse selber.
Eine dem Hundezeitungs-Forum bekannte Frau - "zusehends" sehbehindert - wollte schon zu Lebzeiten ihres an Epilepsie dann früh verstorbenen Mixes den Hund selber zu einem Blindenführhund ausbilden. Erst sagte man ihr in einigen einschlägigen Blindenführhunde-Schulen: wir machen das nur mit unseren eigenen Hunden. Dann gelangte sie doch an einen flexibleren und weniger eigennützig denkenden Trainer, der ihr dabei helfen wollte.
Dann starb der Hund.
Aber sie wollte natürlich wieder einen Hund, einen hell-farbigen, damit sie ihn in der Dämmerung besser sieht. Durch Hundezeitungs-Kontakte fand sie eine Möglichkeit, in England einen Labrador Retriever, der in Ausbildung stand bei einem bekannt guten Trainer, zu erwerben. Der Hund wurde nur auf Tauglichkeit selektiert und leicht grundausgebildet. Denn die Frau wollte mit dem Hund lernen.
Es war schliesslich soweit, die Quarantäne sollte der Hund bei einer Freundin mit Hund überbrücken. Alle freuten sich, dass die Beteiligten zueinander gefunden haben. Dann wollte sich die künftige Besitzerin beim örtlichen Rasseverein weiter informieren, ob er die britischen Papiere anerkannt bekommt.
Das Protokoll des Telefonats innerhalb der Bundeshauptstadt:
"Ich platze hier gleich vor lauter Wut bzgl. soviel Arroganz! Habe doch tatsächlich von den Labbileuten welche erreicht.
Bei zweien habe ich angerufen, aber das Ergebnis unter dem Strich eigentlich immer dasselbe:
1) Kennel Club, wenn denn FCI anerkannt, was alle nicht glauben
wollten
es reicht, wenn eine Ahnentafel mit dabei ist. Das
klingt ja soweit doch schon einmal recht positiv.
2) Sollte der Hund nicht FCI anerkannte Papiere haben, soll ich den vergessen, der taugt dann ja sowieso nichts. Nur FCI-Hunde sind richtige Hunde! Bitte das beachten !
3) Was, der ist schon dreizehn Monate alt. Wieso tun sie sich das denn an? Da holen sie sich doch lieber einen Welpen, wir haben hier doch mehrere Würfe verzeichnet, da wissen sie dann, dass sie was vernünftiges bekommen.
4) Was, gebraucht ist der auch schon? Na ok, wenn sie dann die Unterlagen haben, reichen sie die erst einmal bei uns ein. Wir werden dann überlegen und entscheiden, ob wir so einen Hund aufnehmen. Aber Gebrauchte haben wir bisher bei uns noch nicht gehabt!
5) Um Gottes Willen, sie haben kein Auto? Wozu schaffen sie sich dann ausgerechnet einen Retriever an? Bis heute ist mir/uns noch kein einziger Retrieverbesitzer ohne Auto bekannt geworden! Aber einen Führerschein werden sie ja wohl haben, um sich dann an den Wochenenden einen Wagen zu leihen? Nun hören sie aber auf, nicht mal einen Führerschein haben sie? Ok, dann sollten sie sich wohl lieber für andere Hundeplätze interessieren, bei uns braucht man ein Auto! Dann habe ich aufgelegt."
Neuer Begriff bei so viel geistiger Umnachtung und dumpfem Rassismus: der Gebrauchthund, wenn er nicht von den eigenen Rassemeiern kommt. Da kann man nicht mit noch so viel negativer Phantasie drauf kommen, das muss man sich anhören.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf, die sind ggf. auch als Nichtsehende nie so blind Ihr
Rainer Brinks
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