• Welche Zukunft?

    15. Oktober 2002

    Immer mehr Zwänge sollen die "Hundedichte" in den Städten reduzieren. Immer häufiger gerät der Hund in Verruf. Immer mehr europäische Länder übernehmen rigide Vorschriften und "Abschaffungen" von Deutschland. In den USA ist dies nicht besser, nur anders. Fluglinien fangen an, bestimmte "gefährliche" Hunderassen nicht mehr zu transportieren. Aber vermutlich fliegen sie weiterhin Krokodile oder Giftschlangen. Absurd.

    Wenn ein Hund seinen Halter beschützen will und sich bei einem tätlichen Angriff fast unnatürlich verhält und seinen Rudelführer nicht verteidigt, dann darf der Täter sich freuen. Der Hund wird, sollte er beissen, eingeschläfert. Der Halter also muss darauf achten, dass der Hund nicht mehr seiner Natur entspricht. Gewalttätige Übergriffe werden damit folgenfrei für den Täter.

    Bei immer häufiger auftretender Aggression und Gewaltbereitschaft wird so ein natürlicher Schutz per Gesetz dem Täter ausgeliefert. Die immer schärferen Würgegriffe schützen den Täter und nicht das Opfer. Eine Folge wäre: Die sich bedroht fühlenden Menschen, vornehmlich das hier wirklich schwächere Geschlecht, werden zu Handfeuerwaffen greifen. Das ist schneller geschützt als mit einem langwierigen Kurs in Selbstverteidigung.

    Auch Einbrecher werden verschont. Sollte ein Hund sein Rudel und sein Revier verteidigen - gar mit seinem Multifunktions-Werkzeug, dem Gebiss - wird der Halter und vor allem der Hund bestraft. Der trotzdem gefasste Einbrecher kann erfolgreich den Halter verklagen und wird quasi zum gesetzlich geschützten Rächer seines missglückten Einbruchs.

    Eine Fiktion? Nein, so weit ist es schon.

    Wir sind mittendrin in einer Verdrängung von Haushunden, dem weitaus ältesten Haustier überhaupt. Wir haben es zu uns geholt, wir haben ihn benutzt. Jetzt sollen wir ihn nicht mehr brauchen. Ausrottung auf bürokratischem Weg. Und manchmal auch auf dem Weg der Ausrottung per Gesetz. Gesetzesmacher, die wir selbst auch noch gewählt haben.

    Ist das nun zu pessimistisch gesehen?

    Es gibt eine gute Fernsehsendung mit dem Titel Netz Natur. Wir haben uns aber selbst darin verstrickt, sind in einer globalen Naturschizophrenie gelandet. Wir sponsorn Zoos und lassen die eigenen Tiere entsorgen. Willkommen in Absurdistan. Eine reine Tierschutzpartei würde nicht mal über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Versuche gab es schon mal. Bringt ja auch was an Geldern ein, aber keine Wirkung. Und die "Tierschützer" (Anführungszeichen sind bei diesem Begriff inzwischen angebracht) sind auch nur Menschen. Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. Ich würde als Kalb vor die Menschenrechtskommission ziehen.

    Ich sehe schwarz für Hunde in den Industrieländern. Wir beklagen die Zustände in den "armen" Ländern, wie sie mit Hunden umgehen. Und wir hier? Sind wir etwa besser? Haben es die Hunde besser? Wir träumen. Unsere Sinne sind ohnehin wesentlich denaturiert. Wir sind nicht nur blind. Wir sind überheblich. Wir haben nur ein Kommando verstanden: Machet Euch die Erde untertan. Darin sind wir gründlich. Wir schaffen uns selber ab. Aber erst müssen die engsten Lebewesen um uns dran glauben. Wir tun an ihnen, was wir selbst sind.

    Ich habe einen Traum. Ich möchte in ein Reservat ziehen, wo friedliche Menschen uneigennützig mit Hunden leben müssen. Geschützt vor den anderen Menschen. Es gibt keine Verordnung, kein Gesetz, keine selbsternannten Sheriffs, keine selbsternannten Tierschützer, keine Kontrolleure von irgendwas, keine Klagen und keine Denunziationen, kein Streit, kein Vorwurf, keine Vorurteile. Das gehört aber zum Begriff Menschlichkeit dazu. Da gab es doch mal die andere Definition dieses Begriffs, wie hiess der noch mal? Humanität? Es war eine weise Deutung. Was haben wir davon, wenn wir unsere Artgenossen verachten: Du Mensch, du! (Allgäuer beschimpfen damit eine nicht ganz astreine Frau.)

    Und wir, was sind wir denn anderes? Wir wollen gern Hundler sein und haben nicht mal die erste Qualifikation der Menschlichkeit geschafft. Wir sind wegen Überschreitung des Zeitlimits rausgeflogen. Gut, dann bestrafen wir halt die, die wir als Gebrauchthunde entsorgen. Die wurden ja als die treuesten Freunde des Menschen - haha!

    Der Wecker rasselt. Ooops, I did it again.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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