Belohnungs-Prinzip - für wen?
15. Dezember 2002Zur Bescherungszeit ein Dauerlutscher-Thema.
Die meisten Menschen verstehen das Loben/Belohnen nicht, sie haben es ja oft selbst nicht erfahren/gelernt. Wie sollen sie dann einen biologisch eigennütziges anderes Lebewesen mit strengen Strukturen verstehen können? Sie glauben, sie loben ihren Hund - und machen es doch konsequent falsch: meist übertrieben, also zuviel oder am falschen Platz zum falschen Zeitpunkt oder gar nicht.
Sie könnten es lernen, wenn sie endlich nicht von sich ausgehen, sondern sich einfühlen in eine andere Lebensstruktur als unsere, sozial meist defekte. Wenn sie nur das Anderssein von Hunden respektieren lernten! Das Übertreiben löst bei den konsequenten logischen Handlungs-Strukturen Fehler und Irrtümer aus. Das sollten wir doch aus der Computererfahrung wissen: falsche Eingabe zieht logisch eine falsche Ausführung nach sich, wenn überhaupt eine. Loben/Belohnen ist der mehr oder weniger geschickte Umgang mit Glückshormonen (Endorphinen). Es ist immer eine Manipulation, denn der Lobende/Belohnende will ja was erreichen.
Man braucht dazu kein zweites Lebewesen, kann sich also auch selbst loben. Ob das nun künstlich (mit technischen Hilfsmitteln) oder "natürlich" durch laut- oder körpersprachliches Belohnen (Streicheln oder ein als angenehm erlerntes Wort) ist, ist dann eine Frage des Anwender-Geschicks.
Die meisten Anwender können aber eben nicht loben/belohnen. Sie übertreiben, und meist dank "sanfter" Dressurmethoden. Das immer gutmeinende Zuviel (ob schrecklich lieb zuquatschen oder vollstopfen mit Leckerli) ist eben komplett falsch getan. Es führt nur zur Entwertung des Zwecks: für eine gewünschte Handlung belohnen. Die Opfer stumpfen ab. Sie reagieren nicht mehr auf das Lob oder die Belohnung.
Dann muss der Anwender sich einen neuen Trick einfallen lassen und die Manipulation verstärken. Dass ein Reduzieren des Lobs erst den Sinn wieder aufwertet, verstehen just jene Leute nicht, die vermutlich einen falschen Umgang und eine schlechte Erfahrung mit zu wenig Lob gemacht haben.
Früher wurde gar nicht gelobt, heute tun sie des Guten zu viel. Beides war/ist falsch. Früher wurde nur mit Druck gearbeitet, heute nur über "Motivation". Kaum einer kapiert den Begriff, aber jeder hat ihn auf den Lippen.
Motivation heisst aber nicht ständig loben, sondern anleiten. Penetrante Motivation demotiviert jedoch, und bei Tieren dann auch "erfolgreich" konsequent. Siehe auch hier wieder das Prinzip des Überlebens: der biologische Eigennutz. Domestizierte Tiere nehmen alles, was sie kriegen können. Nur der Mensch bildet sich dann ein, das Tier täte etwas zu seiner, des Menschen Erbauung.
Hunde "arbeiten" als Rudeltiere über Futterantrieb. Das wollen wir für uns nutzen. Nun haben die Unverständigen dieses Prinzip serienmässig automatisiert. Es gibt was ohne Leistung. Nur als menschlicher Dank für Gesellschaft. Das aber leugnen die Leckerli-Fetischisten.
So wird auch überfüttert durch das Snack-Unwesen. Die Futtermittellobby freut sich. Nicht ohne Grund ist diese Sparte eine mit der höchsten Zuwachsrate, und wird vollfett beworben. Nebenbei freuen sich nicht mal alle Tierärzte über übergewichtige Hunde. Leckerli-Invasion: ist der Mensch zu fett, muss der Hund auch leiden. Ist der Mensch frustiert, stopft er sich mit Zufriedenmacher (Serotonine) voll. Der Hund bettelt (gut angelernt vom Menschen) und kriegt das, was er will. Soll ja nicht leben wie ein Hund.
Es ist eine inzwischen weitgehend sinnentleerte Zufütterung zum normalen Fressen, das kann niemals Lob sein, aber Selbstlob (Fresssucht über den Hund als Übersprungshandlungssubjekt).
Wer sich über diese Feststellungen ärgert, ist gemeint.
Wenn dieses permanente wie penetrante Zufüttern nun auch falsch auf vom Hund verlangte Leistung angewendet wird, verlagert sich nur die Situation. Auf wirklich ursprüngliche Selbstständigkeit noch veranlagte Hunde nehmen nur ein-, zweimal solch eine Gabe ohne eine Leistung erbracht zu haben. Dann wenden sie sich ab, sie sind dann eben nicht mehr bestechlich. Dies jedoch ist sehr selten geworden, denn die modernen Industrie-Menschen (die in den armen Ländern kamen gar nicht auf die Idee des Zufütterns - sie haben kein Geld dafür übrig) haben es geschafft, sich fast jeden Hund gefügig zu machen. Das ist das Problem. Das ist nichts anderes als diese krankmachende Zufütterung von Tieren im Zoo. Sie gehen in den Zoo, füttern (loben) sich selbst quasi im Spiegel der Kuscheltiere, und dann füttern sie nur Tiere, die sie gut leiden können. Der Industrie-Länder-Hund wäre aber dumm, würde er diese Selbstlob-Automatik seiner Menschen nicht ausnutzen.
Soviel zum humanpsychologischen Hintergrund, warum die meisten Belohnungs- Methoden nicht verstanden werden. Daher funktionieren sie nur kurz. Es ist auch ein Selbstbelohnungs-Prinzip für den Menschen.
Und das ist das Unverständnis, das sich verbreitet wie ein Virus. Weil es eine Gesellschaftskrankheit ist: Vereinsamung, Entzug von Liebe, penetranter Egoismus.
Wie lautet doch der Spruch der netten Selbstlüge - kommt doch gerade lecker zur Weihnachtszeit: Man gönnt sich doch sonst nix?
Abgestandener Spruch. Manipulierte Antwort auf eingedeutschtes Kölsch: Man muss auch gönne könne!
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf
IhrRainer Brinks
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