• Die Farbe Weiss

    15. Januar 2003

    Kurioses aus der Welt der Rassenanerkennung der europäischen Rassehunde- Organisation Fédération Cynologique Internationale (FCI). Kenner wissen um den weissen Schäferhund als AC (American-Canadian). Sie wissen auch: Seit Jahrzehnten vollzog sich eine Geschichte durch das Kabinett der nationalen Rasse-Anerkennung-Ignoranz, die nun in einem fast weisen Wiederaufnahmeverfahren endet.

    Der AC Weisse Schäferhund, früher als Mitbegründer des Deutschen Schäferhunds (DSH) bekannt, ist nun zum Schweizer konvertiert, genauer: Berger Blanc Suisse oder Weisser Schweizer Schäferhund. FCI-Nummer 347.

    Wie kam es denn dazu? Erinnerung an diese Anerkennungs-Groteske:

    Bei einer Ausstellung in Karlsruhe im April 1899 wurden auch einheimische Hütehunde vorgestellt, äusserlich sehr unterschiedlich. Der Name eines der ausgestellten Rüden wurde jedoch zur Säule der deutschen Schäferhundezucht: Hektor Linksrhein - genannt Horand von Grafrath. Besitzer: Rittmeister Max von Stephanitz. Mit dieser ersten Eintragung führte Hektor das Zuchtbuch der Deutschen Schäferhunde an, damit gilt er als Stammvater. Grossvater war der 1879 geborene Rüde Greif, und dieser Hund war - weiss.

    Horand-Sohn Champion Hektor von Schwaben kam ebenfalls aus einer fast weissen Linie. Berno von der Seewiese, auch ein Nachkomme Horands, 1913 geboren, wurde als erster weisser Deutscher Schäferhund im Zuchtbuch des SV registriert. Manche Rassekenner meinen, dass die ersten 15 Jahre der Reinzucht des DSH durch rund dreissig Hunde gegründet wurde. Die Veranlagung für die Farbe Weiss beim DSH ist demnach eben nicht zu verleugnen.

    1933 hätte das Ende für den Weissen Schäferhund bedeutet, wenn nicht Züchter in den USA und Kanada die Zucht der Weissen fortgeführt hätten. Bis heute weiss niemand, warum von Stephanitz und der Verein die Farbe Weiss aus dem Standard des DSH streichen und damit weisse Schäferhunde nicht mehr zur Zucht zuliess. Folge: Weisse Schäferhunde verschwanden aus Europa. Es dürfte den Gegnern der Farbe Weiss im DSH bekannt sein, dass seit Jahrtausenden weisse Hunde zum Hüten und Bewachen von Herden eingesetzt wurden - ohne genetische Schwierigkeiten, siehe Herdenschutzhunde.

    Die Amerikaner legten schon früh Wert darauf, einen deutschen Schäferhund zu züchten.1913 wurde der German Shepherd Dog Club of America gegründet. 1970 kommt der Weisse zurück, zunächst in die Schweiz. 1972 begannen Freunde dieses Farbschlags mit der Zucht. In Deutschland dauerte es etwas länger: 1982 gründete sich der WSV (Weisse Schäferhunde Verein) Kaarst e. V. Nun wird es noch verworrener: In den USA und Kanada züchteten sie den Weissen Deutschen Schäferhund, aber in Deutschland selber durfte er nicht anerkannt werden.

    Die Weiss-Züchter wollten sich nicht mit dem DSH vermischen, sie tauften ihre doch deutsche "Rasse" also in AC-Amerikanisch-Canadisch um, verbauten sich damit aber die Anerkennung durch die FCI, da der Amerikanische Kennel Club nicht Mitglied der FCI ist. Beide Verbände erkennen sich gegenseitig ihre Hunde nicht an. Obwohl nur beim Weissen nur das Ursprungsland, also Deutschland, das Patronat übernehmen könnte.

    Der dem FCI zugehörige nationale Rassehunde-Verband in Deutschland (VDH) hat stets alle Anträge zur Anerkennung des Weissen Schäferhundes abgewehrt. Es fällt leicht zu vermuten, dass hinter dieser Blockade der SV stand.

    Anfangs der 70er Jahre wurden die ersten Tiere aus Amerika in die Schweiz importiert.

    Ende 2001 wurde aus der Schweiz ein Antrag bei der FCI auf "Anerkennung des Weissen Schäferhundes als eigenständige Rasse" gestellt und Ende Mai 2002 wurde der Weisse anerkannt.

    Nun können ein oder mehrere Vereine für Weisse Schweizer Schäferhunde (Berger Blanc Suisse) Aufnahme in den VDH durch die internationale FCI-Anerkennung beantragen. Dann kann der Vorhang um das Theater mit der Farbe Weiss einstweilig verfügt zugezogen werden. Oder beginnt dann eine neue Groteske in der Nationalen Rassehundeoper? Nur, wenn diese deutschen Vereine des Weissen Schweizer Schäferhunds mit neuen Qualitäts-Standards und zeitgemässen professionellen Prüfungs-Merkmalen dem SV einheizen. Sonst bleibt nicht nur die Farbe blass.

    Noch eine Frage: Werden denn nun die AC-Weissen Schäferhunde in ihren Papieren auf Schweizer umgeschrieben?

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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