• Schlag gegen Dorstener Hundedealer

    15. März 2003

    Der Ort Dorsten hat bei halbwegs Informierten einen üblen Beigeschmack, was Hundeverkauf angeht. Die Stadt und die Bürger können nichts dafür. Aber hier haust einer der seit Jahren unbehelligten und berüchtigtsten Hundemafiosi.

    Auf einem Bauernhof in Dorsten im Ruhrgebiet soll nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Frankfurt das Zentrum einer Hundemafia sein. Der Hof gehört Hubert W. Seine Anzeigen im Internet: "Welpenkauf ist Vertrauenssache, schenken Sie Ihr Vertrauen nicht irgendwem, kommen Sie direkt zu uns." Schenken Sie uns Ihr Geld, wir verschenken Ihr Vertrauen und das Leben des Hundes wäre korrekt.

    Staatsanwalt Matthias Mackenthun: "Wir ermitteln gegen ihn wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Verstössen gegen das Tierschutzgesetz und Arzneimittelmissbrauch." Mehr als 30 Anzeigen liegen bei der Polizei, rund 500 Fälle will die Staatsanwaltschaft nun anzeigen.

    Warum dauerte das so lange, bis sich was tat? Der Fall W. in Dorsten ist seit Jahren bekannt. Hunde, die andere Dealer aus dem Frankfurter Raum bei W. in Dorsten gekauft haben wollen, starben nach wenigen Tagen. W. importiert sie aus üblen Zuchten Osteuropas, die Hunde werden über Holland nach Deutschland verfrachtet. Mackenthun: "In Ungarn etwa werden für einen Hund 20 bis 40 Euro gezahlt, hier 200 Euro."

    Der Giessener Veterinärmediziner Prof. Ernst-Günther Grünbaum untersuchte elf Hunde, die bei einer Razzia auf dem berüchtigten Hof beschlagnahmt wurden. Ergebnis seines Gutachtens: Alle Tiere bei W. waren krank. Durchfall, Staupe oder Parvovirose. Ein Welpe war demnach "hochgradig abgemagert", "ausgetrocknet". Ein anderer hatte Kieferfrakturen, die durch "Gewalteinwirkung" entstanden sein müssen und "tierärztlich nicht versorgt" waren. Obendrein seien die Impf- und Zuchtpapiere der Hunde "offensichtlich falsch". Mackenthun: "Dazu fanden wir bei der Razzia Medikamente, die den Ausbruch der entdeckten Krankheiten hemmen können.

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    Aus Frankfurt wird das Verfahren jetzt an die Staatsanwaltschaft Essen weitergeleitet. W. zynisch: "Immerhin schaffe ich es, Rassehunde zu günstigen Preisen zu verkaufen, so dass sie sich auch Arbeitslose leisten können." Ingo Joa, 32, Konzertmanager aus Kamp-Lintfort, war kurzfristig Besitzer von "Roxy", elf Wochen alter schwarzer Labrador. Nur vier Tage war er Besitzer. "Samstags habe ich ihn mit meiner Freundin für 250 Euro gekauft. Noch am selben Abend hatte er Erbrechen, Durchfall mit Blut. Beim Tierarzt kam er an einen Tropf, und Dienstag ist er verstorben."

    Ich frage mich immer wieder: Welche geringen Ansprüche haben diese Käufer, wenn sie einen Welpen anschaffen? Wie kommen diese Leute dazu, sich einen Hund aus derart schon äusserlich miesen Verhältnissen anzulachen? Wieso informieren sich diese Leute nicht? "Ich habe es nicht gewusst", das gilt nicht mal vor Gericht als Ausrede.

    Es ist die hochgradige Abstumpfung gegenüber Lebewesen, das zu derartigen Missbräuchen führt - der Käufer reguliert den Markt. Und dann dieses scheinheilig unselige Motiv aus einer Melange Mitleid plus Rührung! Zitat eines Betroffenen: "Gewundert hat mich das schon, dass der Mann so viele verschiedene Rassen hatte. Aber dieser Hund, der war so süss, da hat der Verstand wohl ausgesetzt."

    Ja, hat er wohl.

    Es ist nur ein Schlag. Der Mann wird wo anders weiter seien Verbrechen an Tieren ausüben - und bezahlt werden. Es gibt noch andere "Hundeverchecker". Die finden auch solche tierschändlich dummen Käufer.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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