• Epi - Gen

    1. April 2003

    Zuerst, wie immer in der Medizin-Forschung, wird es den Menschen dienen, dann erst unseren Haustieren. Hier könnte man nun aber auch sagen: hier sind die Menschen mal - unabsichtlich - Versuchstierchen.

    Bonner Wissenschaftler der Uniklinik für Epileptologie haben jenes defekte Gen entdeckt, das eines Grossteil der vererbbaren Formen dieser Hirnleistungsstörung auslöst.

    Damit ist die Grundlage für neue Medikamente geschaffen, die präziser als seither die Krampfanfälle beherrschen können. Menschen, die trotz familiärer Vorbelastung keine Krankheitssymptome aufweisen, können sich künftig prüfen lassen, ob sie das defekte Gen in sich tragen. Das wird die Veterinärmedizin später auch bei Tieren prüfen können.

    Die Medikamente für die canide Epilepsie basieren voll und ganz auf der Humanpharmakologie. Ja, man kann sagen, es sind die selben Wirkstoffe. So darf man für die befallenen Tiere hoffen, dass bald nach der Markteinführung der neu abgestimmten Medikamente auch den epileptischen Tieren geholfen werden kann. Wer von den Züchtern nun nach dieser Erkenntnis der Forscher noch vertuscht, dass er mit epileptischen Tieren weiterzüchtet, ist ein krimineller Züchter. Durch etliche Hundeschläge und deren Mischlinge ziehen sich nicht vernachlässigbare hohe Befalls-Anteile, bei einer beliebten Schutz- und Diensthunde-Rasse gar bis zu 30 Prozent, wie ein Ex-Züchter mal über alle verfügbaren Daten herausfand.

    Wer als Züchter, zudem als erfolgreicher, ein Zuchttier hat, das in jungen Jahren von Epilepsie befallen wird, meist also idiopathischer, als "nicht erklärbarer" Form, der kann seinen Zwinger schliessen. Sollt man meinen. Also wird er es verheimlichen.

    Nur so breitete sich aber die heimtückische Krankheit aus.

    Es hilft nur radikale Offenlegung. Doch dagegen sind die "befallenen" Züchter. Von solchen Züchtern und Zuchtwarten ist also keine Besserung zu erwarten. Da ist es doch mal eine gute Nachricht, dass es in absehbarer Zeit präzisere Medikamente geben wird, die den armen Tieren wirksamer helfen können. Keine falsche Hoffnung: Geheilt werden kann Epilepsie auch durch diesen Erfolg bei der Gen-Forschung (noch) nicht.

    Bisher ist das immer noch ein lähmend uneffektives Tasten nach der passenden Dosierung mit dem meist schlecht abgestimmten Medikament. Und das kommt auch aus der Humanmedizin. Von Tiermedizinern angewandt, die immer auf die Abfälle der Pharmaindustrie für Menschen angewiesen sind und von der Grundlagenforschung abgekoppelt. Wer sollte denn Geldmittel nur für Hunde-Epilepsie ausgeben wollen? Das lohnt nicht, sagt sich die Tier-Pharmaindustrie. Sie forscht lieber in profitablen Bereichen.

    Da kommt den befallenen Hunden auch mal die Forschung am Menschen zu gute. Irgendwann.

    Die Hoffnung verkrampft zuletzt.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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