• Promi-Hundeleben

    13. April 2003

    Heute verwechseln die meisten Menschen Prominente mit Vorbildern, das Wort Idol ist längst ersatzlos gestrichen. Obwohl es den Sachverhalt trifft. Für diejenigen, die den Unterschied schon nicht mehr wahrnehmen wollen: Ein Idol ist noch lange kein Vorbild. Ich schreibe hier nur von aktuellen Promis, den besten, die wir grad auf der Glotze haben, nicht von Politikern, die auch mal ein Hund schmückt oder schmückte. Hunde verkaufen sich gut, da springen die Züchter, die es vor Glück trifft. Sie haben ausgesorgt. Alle wollen dann nur eine Kopie dieses Promi-Hundes.

    Die erste, möglicherweise kolportierte Scheinheiligkeit an Tierliebe. Ich fand allein die Darstellung dieser Berichte so typisch, dass ich die Zitate im O-Text bringe: "Ralf Schumacher muss sich schweren Herzens von seinem geliebten Willy trennen. Der Deutsch-Langhaar mit Jagdausbildung habe zurück zum Züchter gebracht werden müssen, weil sich die Nachbarn mehrmals über sein zu lautes Bellen beschwert hätten, berichtete die "Bild"-Zeitung am Samstag. Fünfmal habe deshalb die Polizei vor der Tür der Schumachers gestanden.

    "Er gehörte zu unserer Familie. Aber immer, wenn ich weg war, hat er wie verrückt gebellt", sagte der Formel-1-Pilot dem Blatt. Willy habe über ein Jahr bei ihnen gelebt."

    Wrrrrrooommm. Da heult nicht nur der BMW-Formel-Motor auf! Über ein Jahr hat der Hund gebraucht, um in eine nicht künstliche Familie aufgenommen, aber ernst genommen zu werden, so hoffen wir Unpromis. Dieses Beispiel des Aggregate-Tausches wird aber sicher Nachahmer finden.

    Weiter im völlig verständnisvoll besabbert (beschriebenen) Glück der Massgebenden. Vor allem der sachdienliche Hinweis auf ein wie auch immer entartetes Hundeglück ist der grosse Bringer (Apportierer des Journalismus):

    "Mehr Hundeglück hat Ralfs großer Bruder Michael. Mit einem Privatjet düste er nach Westfalen, um sich schon das fünfte Exemplar zu kaufen, wie das Blatt am Freitag berichtet hatte. Schumi I habe in der Landespolizeischule für Diensthundeführer in Schloss Holte-Stukenbrock einen kleinen Schäferhund-Welpen erworben. Zurzeit sei die zwölf Wochen alte belgische Schäferhündin ein wenig verspielt, doch später solle sie zum Schutz- und Wachhund ausgebildet werden.

    "Ich liebe Hunde. Es sind für mich wirklich gute Freunde", verriet Schumi der Zeitung. Die neue Begleiterin wurde auf den Namen Shiva getauft. Dies sei eine Idee von Heidi Weber, der Frau seines Managers gewesen. Abgeleitet sei der Name von der obersten Hindu-Gottheit. Zu Hause warteten auf Shiva gleich vier Spielkameraden. Jenny, Flo, Bonny und Tracy heißen die anderen Hunde der Schumachers."

    Der echte Shiva sieht und weiss aber alles! Malinois hält Michael Schumacher allerdings schon seit zig Jahren, warum die Presse jetzt erst drauf kam? Weil er gerade eben den fünften kaufte. War Ralfs Ex-Hund Willy auch eine Idee von Auch-Ralf-Manager Willy Weber?

    Dass die Hundehalter Gebr. Schumacher wohl in der Rennsaison kaum Zeit für Hunde, geschweige denn beiderseitiger Ausbildung (seht, die lassen doch auch ausbilden, muss man gar nicht dabei sein!) haben, aber Frauen, die sich um die Tiere kümmern, kümmert wenige. Den Hunden geht es doch gut, sie kriegen womöglich auch noch das beste Futter - gesponsort. Dass Schumachers professionell ausgebildete Bodyguards um sich, also Zweibeiner, fällt hier doch flach. Hauptsache, die Leute verstehen das wahre Motiv der Tierliebe.

    Ist nichts Neues. Früher sammelten die immer noch prominenten früheren Stars des Damentennis Sabatini, Navratilova und Graf Hunde wie Tennisschläger. Zu aktiven Zeiten, wohlgemerkt. Von Navratilova wird in einschlägigen Blättern berichtet, dass ihre Hunde in zweistelliger Zahl stets im Privatjet mitfliegen. , eben. Und wer bringt jetzt was über diese zusammen damals wohl um die 30 Hunde? Eben. Ein anderer, aktueller, gar einer, der über alle Kritik erhaben ist, den nicht nett zu finden fast Promischändung ist - ich zitiere so gern diese Medienfachleute, die mit ihrer Entrücktheit so charakterisierend schlau zur Intelligenz des Volkes beisteuern:

    "Er ist Deutschlands bekanntester Fernseh-Hund.... Er tritt mehrmals am Tag in Quelle-Werbespots mit TV-Starmoderator Günther Jauch auf, und ist zwischenzeitlich so bekannt, dass seine Besitzerin schon auf der Straße angesprochen wird.

    Mogli - ein Australien Shepard hat sich in die Herzen der deutschen Fernsehzuschauer gespielt."

    Break: Macht auch nichts, dass der Journalist oder die Journalistin "Australian" falsch schreibt, also eher französisch mit e hinten raus. Nicht stören, weitersabbern: "Er hat so einen treuen Hundeblick, der fünfjährige Mogli. Mit Günther Jauch dreht er bereits am dritten TV Spot und er hat mit Jauch den Wohnort gemeinsam, fast jedenfalls, denn Mogli ist ein waschechter Berliner und Jauch wohnt im benachbarten Potsdam. Kein Wunder, dass die beiden gut miteinander harmonieren. Aber was in dem Werbespot von Quelle so spielerisch leicht aussieht, ist für Hund und Herrchen am Set knallharte Arbeit, erzählt Günther Jauch: Bis der sozusagen einmal so schaut und den Kopf so schief hält und dann "mmm, mmm, mmm" gemacht hat, das dauert Stunden. Nach zwölf Stunden mit diesem - und alle sagen immer der niedliche Hund - und ich bin fertig, wenn ich den ganzen Tag mit diesem Hund....

    Dabei kann Günther Jauch dankbar sein, dass er mit Mogli die Quellespot drehen durfte. Der Australien Shepard ist nämlich schon ein richtiger Profi, was die Schauspielerei betrifft. Er hat zum Beispiel schon bei den Fernsehserien "Helicops" oder "Unser Charly" mitgespielt. Für die Quelle-Spots wurde er beim Casting vor zwei Jahren entdeckt. Schon bei den ersten Proben hat sich Moglis Talent gezeigt.

    So macht Mogli alle glücklich. Die Patienten, die Fernsehzuschauer und sogar Günter Jauch..." Dazu eines Leserin aus dem Internet, die das auch gelesen hatte (wird ja auch tüchtig verbreitet): "Und die Massenzüchter wird Mogli bestimmt auch glücklich machen - wenn jeder auch ‚so einen süssen Hund wie aus der Werbung mit dem Jauch' haben will." Sein Privatleben hält Günther Jauch strikt diskret, anzunehmen, dass er durch Schläue ein entsprechendes stilles Arrangement mit den Klatsch-Journalisten getroffen hat. Bloss sein Hund kommt in diesem Agreement wohl nicht vor.

    Natürlich hat Thomas Gottschalk, der dritte immer noch aktuelle Supermännerpromi Deutschlands, auch einen Hund, einen Golden Retriever, wenn mich nicht alles blendet. Gottschalk hält seine Familie auch aus dem Medienzirkus heraus, sie wohnen ja meist in den USA, aber es gibt auch meines Wissens keine Homedog Story von seinem Hund. Immerhin!

    Da kann der vierte im Bunde, Harald Schmidt, nicht zurückstehen, bei so vielen auf den Rassehund gekommenen Kollegen. Er will nun auch einen. Bisher galt er aber als bekennender Hypochonder, wenn ich mich täusche, gab er das selbst oft zum Besten. Für mich wäre er schon aus diesem Grund als echter Hundefreund ungeeignet. Schmidt liess sich in seiner Late Night Show von einer Kollegin von Vox, die Tiersendungen moderiert, beraten.

    Klasse Kaffeeklatsch!

    Seine Kollegin hatte einen Riesenschnauzer mit rotem Halstuch dabei. Ich wartete, ob denn Harald Schmidt Kontakt zu dem Hund aufnimmt. Vergebens! Körperkontakt meidend, fremdelnd wie sonst auch. Wenn er seine Gäste nicht aus beruflichen Gründen näher kennt. Aber er stürzte sich auch nicht verknuddelnd auf ihn. Immerhin. Ich find Harald Schmidt sonst klasse.

    Der Riesenschnauzer übrigens schien uninteressiert, was für den Hund spricht. Er definierte sich selber.

    Was ist denn eigentlich mit dem Rottweiler eines anderen "Superstars", Dieter Bohlen, geschehen, der vor etlichen Jahren mal eine Haushälterin gebissen haben soll?

    Ok, sprechen wir nicht drüber.

    Es sind auch Hundehalter unter den Käufern, die solche Blätter kaufen oder solche Sendungen finanzieren. Ich freue mich über die hündische Aufwertung einer alten Verachtung nicht prominenter Hunde in den verschwielten Händen von profanen Gassengängern, die gezwungen sind, jeden Tag bei ihrem Hund zu sein: "Promenaden"-Mischung.

    Wir sehen uns!

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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