• Die Etho-Pille

    1. Juni 2003

    Die Pille in zig Varianten gegen jene zig Verhaltensstörungen, die dem Hund durch Menschen beigebracht wurden. Die meine ich, abzuholen bei allerlei Therapeuten. In den Hund reinstopfen, und das Problem ist gegessen. Glaubt ihr nicht?

    Ihr werdetstaunen, wie bald die auf dem Markt sein wird. Vorläufer mit bio- blumigen Namen gibt es schon, sind nicht nicht so richtig in Pille gegossen, meist Placebos. Aber die Nichtwirksamkeit möchte ja auch erst bewiesen werden, gelle. Nichts kann man aber nicht beweisen. Peinlich, dass die Anbeter immer diese demaskierenden Doppelblindstudien igonieren. Viele Gläubige schliessen betroffen die Wahrnehmung: Ach was, bleibt denen doch fort, die nehmen mir den letzten Glauben!

    Wir glauben erst, wenn wir es teuer bezahlt haben und erst dann, wenn das, was vorher beim Schulmedizinarzt nicht so schnell gewirkt hat. Geglaubt hat man dem Doc sowieso von Anfang nicht. Denn die Städter, die vorzugsweise die Homöos vorziehen, die brauchen diesen Glauben für sich. Nur beim Homöo, da hat man ja die Zeit, auf die Wunder zu wirken. Und wenn man lang genug dran glaubt, dann wirkt es auch. Es ist grad nicht so Mode, auch Wirksamkeit bei normalen Veterinär-Medizinen zu attestieren.

    Wie wenige glauben eigentlich, dass die meisten Vets längst auch die Partien an Naturmedizin anwenden, die natürlich auch wirken?

    Die Halbwissenheit regiert.

    Komme mir niemand mit dem Hinweis, dass ja auch viele konservative Vets auf die Homöopathie überschwenken.

    Klar, würde ich auch, weil es die Leute wollen. Dann sollen sie es auch kriegen und bezahlen, warum das Geschäft den Heilpraktikern überlassen?

    Wie gesagt, diese unwissende, aber gläubige Einstellung bereitet den Markt vor für die Etho-Pille. Denn mit diversen Mittelchen wird doch heute schon versucht, Verhaltensstörungen jeder Art zu lindern. Erst wird gelindert, dann therapiert, dann isses wech. Fein. Wir wollen nun aber nicht wissen, ob es das wirklich war, das gewirkt hat. Wir bescheiden uns mit dem Zwischenergebnis. Der Beweis bleibt stecken. Das Wissen geht den Bach runter, der Glaube blüht.

    Ihr glaubt immer noch nicht, dass es die Etho-Pille für Hunde bald gibt? Die Pille gegen das Vergessen ist auch schon bald auf dem Markt. Ja, wirklich. Noch wird sie den Menschen vorbehalten.

    Die ethologisch programmierte Pille für den Hund wird aber ein Heidengeschäft werden! Ganz einfach Ethogramm erstellen, gibt es im Internet dann von an Fernakademien studiert habenden Diplom-Ethologen per Pauschalformular, und dann per E Mail die passende Pille für das Verhaltensstörungs-Syndrom bestellen. Vorgefertigte Dankschreiben werden extra zugesandt. Die positiven Jubeleien werden dann bei selbsternannten Verbraucherseiten veröffentlicht.

    Kann man alles steuern heute. Denn die Scheinaufgeklärten suchen im Netz und finden: Sehet her, das steht es: es sei gut.

    Dann isses ja gut.

    Der Hund bekommt die Pille für ein Package an Verhaltensstörungen, die er nie gehabt hat, aber dann bekommen wird. Denn der Beweis gilt auch nachträglich. Fantasie?

    Es ist nur eine Frage des Zeitgeistes.

    Und diese Pillen sind wirksam, denn die, die sie teuer bezahlt haben, müssen sich rechtfertigen. Der Mensch ist am fantasievollsten in seiner Rechtfertigung. Dieses Geschäft wird blühen. Hundelehrer, stellt euch um, werdet Pillendreher! Irgend ein populistischer Hunde-Guru wird seine Glaubwürdigkeits-Unterschrift - für gutes Entgelt - leisten, auf die niedlichen Verpackungen gedruckt. Damit die Pille besser flutscht, liegt ein Streichwurst-Derrivat aus ökologischem Landbau aus den Niederlanden bei. Für die erforderliche Halsmassage muss bei einer bekannten Tiertouch-Firma ein Wochenend-Seminar besucht werden. Das kann dann der frühere Hundelehrer im Wohnzimmer in Anti-Würg-Seminaren an die Kunden verkaufen.

    Die früher harte Arbeit mit den Verursachern aller Psychodefekte bei unfeinem Wetter auf der rasierten Ackerscholle ist dann mit der Pille gegessen. Ihr müsst euch dann nicht mehr ärgern über die Beratungsresistenz der Hundehalter. schafft (für) euch alle.

    In Heimarbeit Etho-Pillen drehen, Arbeits-Beschaffungs-Massnahme für insolvent gewordene ehrliche Handwerks-Hundeschulen.

    Das ist aber nicht alles. Der Markt der Gläubigen muss weiter bluten für all das, was sie nicht lernen wollten.

    Wir entwickeln als zweite Stufe dieses eigentlichen Mensch-Hund-Syndroms die Problemhundler-Pille, natürlich mit amerikanischem Slogan. Witzig abgeschmeckt, damit sich jeder was glauben darf. Vielleicht Crazy-Dogger-Pill? Wir lassen das von Viagra-Pfizer herstellen. Geld-Tantiemen daraus stiften wir ausgesuchten Tierheimen.

    Könnt ihr euch vorstellen, was ich da in diese rosarote Pille reintun würde? So einen Alpha-Blocker hat die Hundewelt noch nicht gesehen!

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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