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    15. Juni 2003

    Jüngst geschehen. Jene showhundegeilen Gaffer, die auf der jüngsten Welthundeausstellung in Dortmund ihre Hunde in Autos bei Aussentemperaturen von über 30 Grad elend verrecken liessen und einer, dessen Hund beim Freilassen durchdrehte und dann auch geschlagen wurde, die sind keinen Deut besser als die folgenden.

    Ich will diesen Beweis für die Verrohung, der nicht nur in den Metropolen der Aggression unaufhaltsam scheint, hier reinstellen. Die üblichen Empörungen werden sich in verschiedenen Ausdrucksformen ergiessen. Was bleibt uns übrig als Hundehalter, die wir bemüht sind um ein soziales Verhältnis? Nichts. Nicht mal eine Illusion.

    Ich kürzte einige unwesentliche Stellen aus der Nachricht des Landshuter Wochenblatts:

    Nach einem tödlichen Unfall auf der A 92 wurden die Feuerwehrmänner zum Unfallort gerufen, um die Verletzten zu retten. Einer kümmerte sich um eine 72-jährige Verletzte: "Die ganze Zeit fragte sie nach ihrem Hund. Sie wollte unbedingt ihren Hund wieder haben. Als der Rettungshubschrauber landete, sahen wir das völlig verängstigte Tier im Gebüsch sitzen", erinnert sich ein Feuerwehrmann. Nachdem die Verletzten versorgt worden waren, begannen sie mit der Suche nach dem Hund. 60 Männer riegelten die Fahrbahn ab und versuchten, das Tier in die Enge zu treiben. Immer wieder habe man den Hund gesehen, aber man konnte ihn nicht fangen. Schliesslich wurde sogar eine Einheit angefordert, die mit einer Wärmebildkamera nach dem verängstigten Tier suchen sollte. "Wir wollten der Frau unbedingt den Hund wieder bringen". Und fast hätten sie es geschafft, den Golden Retriever einzukreisen. Dann geschah das Unfassbare: Ein Mann in Alltagskleidung, der die Dienstpistole eines Polizisten an sich genommen hatte, feuert mehrmals auf den Hund. "Wir waren fassungslos, der hat, ohne mit der Wimper zu zucken, den Hund erschossen", schildert ein Feuerwehrmann die Ereignisse. Die Feuerwehrmänner sind fassungslos: Die ganzen Emotionen ob des Unfalls, die Anspannung der Suche, alles bricht angesichts des erschossenen Hundes aus den Männern heraus. Einige brechen weinend zusammen, andere geraten ausser sich vor Wut. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei dem Schützen um den Dienststellenleiter einer Autobahnpolizei, der in seiner Freizeit zum Unfallort gerufen worden war. "Die Feuerwehrmänner versuchten schon einige Zeit, den Hund einzufangen", schildert der Hundemörder seine Sicht. "Plötzlich rief jemand: ,Der Hund kommt!' Also forderte ich einen Kollegen auf, mir seine Pistole zu geben. Ich stand am Fahrbahnrand, als das Tier sich - wenige Meter von mir entfernt - zu mir umdrehte und in meine Richtung gelaufen kam."

    Der Polizist ist zugleich zweiter Bürgermeister einer umliegenden Gemeinde, sagte, er habe schnell entscheiden müssen, ob er das Risiko eingehen wollte, dass der Hund auf die Strasse läuft und womöglich einen weiteren Unfall verursacht: "Ich hatte schliesslich keine andere Wahl, als den Hund zu erschiessen."

    "Der Hund hat weder gebellt noch geknurrt, er war nur vollkommen eingeschüchtert. Und er hat die Autobahn nie betreten", regt sich ein Feuerwehrmann auf. Ausserdem waren bereits sechs Streifenbeamte vor Ort. Warum, fragen sich viele Feuerwehrmänner, hat man den Hund dann nicht schon viel früher erschossen? "Diese Aktion war absolut überflüssig. Wildwestaktionen und Revolverhelden brauchen wir nicht, der Unfall selbst ist schon schlimm genug für uns", macht ein Feuerwehrmann seinen Emotionen Luft. "Ich weiß dass das extrem ausgesehen hat. Aber ich habe garantiert kein Interesse, am Samstag vormittag einen Hund zu erschiessen", so der Täter. Er habe einfach nicht verantworten können, dass noch mehr passiert. "Ich verstehe, dass den Leuten da die Emotionen überkommen. Aber ich sah keine andere Möglichkeit."

    Die Feuerwehrmänner sehen das anders: "Der Hund war kurz davor aufzugeben. Und er ist noch nicht mal auf die abgesperrte Fahrbahn gekommen". Die "brutale Hinrichtung" wollen die Floriansjünger nicht einfach so hinnehmen: Sie haben inzwischen Anzeige gegen den Polizisten erstattet.

    Soweit der Bericht in dem Provinzblatt. Wie das Verfahren ausgeht, muss ich hier wohl nicht mehr mutmassen. Wie der Mann mit seinem psychopathischen Ordnungswesen zurecht kommt, wenn ihm ein populärer bayerischer Landtagsabgeordneter im Ausschuss für Innere Sicherheit mit seinem Golden Retriever begegnet, der Kenntnis von dieser schlicht hundehassenden Hinrichtung hat, das möchte ich bitte als visuelles Psychogramm sehen. Zwischendurch wird er anonyme Hassschreiben erhalten. Jedes Dankesschreiben jedoch bestätigt ihn.

    Noch ein Beleg für geistige Verrohung? Das Wort Schlagzeile erfährt auch hier eine sarkastische Doppeldeutung, gleich dem Namen des Hundes: "Spitz grausam tot geprügelt, weil Vermieter keine Hunde duldete. Sechs Jahre hatte Lucky zur Familie von Agrartechniker Jens S. gehört. Nach einem Umzug verbot der neue Vermieter die Hundehaltung. Da begann die Leidenszeit von Lucky. Jens S.: "Ich sperrte ihn in die Garage, verband ihm die Schnauze." Dann entschied er sich, den Spitz ganz loszuwerden, heuerte seine Kumpels als Mitkiller an... Einer davon ist Tierpfleger.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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