• Dummheit oder Verachtung?

    1. Juli 2003

    Zwei Beispiele innerhalb von zwei Wochen: Die Polizei von Fürth stellte drei American Staffordshire Terrier sicher. Ein 31-jähriger Mann aus Baden-Württemberg importierte die Hunde aus Ungarn. Er soll durch eine Zeitungsannonce auf die Idee gekommen sein, sich diese Erwerbsquelle zu erschliessen. In Fürth verkaufte er die Hunde an eine 20-Jährige weiter, die auch über das Inserat nach einem solchen Hund gesucht hatte.

    In sechs Wochen verkaufte der Mann zwei Staffordshire Terrier- und zwei Bullterrier-Welpen an die junge Frau, obwohl der Handel mit diesen Tieren verboten ist. Die Welpen kaufte der Mann für je 100 Euro von verschiedenen Hundezüchtern in Ungarn und schleuste sie über Österreich nach Bayern. Sie wurden von der Käuferin (sie bezahlte je Welpe 200 bis 300 Euro) entlaust, entwurmt und "aufgebaut". Dann verkaufte sie die Hunde weiter.

    Als der Mann wieder drei American Staffordshire Terrier-Welpen an die Zwischenhändlerin verkaufen wollte, stellten Ermittler die Hunde sicher und nahmen den Mann fest. Zudem fanden sie im Fahrzeug des 31-Jährigen noch 60 Stangen Zigaretten, die dieser nach Deutschland geschmuggelt hatte.

    Die Welpen wurden im Tierheim Nürnberg untergebracht, die Untersuchungen um den Hundehandel noch nicht abgeschlossen. Ungarn ist nur eines der osteuropäischen Länder, die gerade diese Hunde produzieren und in den Westen verschleudern. Der Handel könnte nicht blühen, wenn die ebenso verderbten Hundekäufer im Westen nicht diese "Ware" abnähmen. Zweites Beispiel, damit hier nicht der Eindruck entsteht, der Handel blühe nur durch den Osten:

    Bei Münster in Westfalen wurden auf einer Wohnfläche von 50 Quadratmetern 31 Hunde und elf Katzen aufgefunden, von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und in das Tierheim von Münster gebracht worden. Die Ermittlungen gegen die 64-Jährige und ihre 23 Jahre alte Tochter gehen weiter. Sie werden des "illegalen Tierimports und gewerbsmässigen Handels" bezichtigt.

    Was immer das heissen kann, was immer wirkungslos bleiben wird.

    Solche Dealer machen unter anderen Umständen weiter. Es ist leicht verdientes Geld durch skrupellose Käufer. Wann steht eine Gesetzesmacherin/ein Gesetzesmacher auf, um diesen Tiermachern europaweit das Handwerk zu legen? Soll ich auf das Datum wetten? Lieber nicht.

    Hat dieses Editorial zum diesem Thema Sinn? Nein, wenn man weiss, dass solche Leute das nicht lesen werden. Aber die Leser hier können von der immer noch wirkungsvollsten Werbung, der von Mund zu Mund, unermüdlich aufklären. Ein Lohn für diese Mühe ist dann eingefahren, wenn einer dieser gedankenlosen Käufer nachdenkt und umdreht. Man muss nicht ins Ausland oder nicht in die anderen Städte schauen, denn das Schlechte liegt so nah. In der nächsten Umgebung erfährt man, wie erschütternd das Wissen um die grundlegendsten Bedürfnisse des Hundes ist, welche steinzeitalten Methoden nach wie vor gepredigt und devot befolgt werden. Als ob es keine verständlicheren Erkenntnisse gäbe seit den letzten Jahrzehnten.

    Dafür werden dann auch noch - sogar hundeerfahrene - Menschen, die an diesem Haus ohne ihre Hunde (vorsorglich zu Hause gelassen) vorbeigehen, rüde mit diesem hanebüchenen Unverstand zurechtgewiesen, wenn der grosse Hund ungesichert diese Leute aggressiv anmacht. Der Halter hat keine Ahnung, die aber verteidigt er dann aggressiv, in dem er seine Intoleranz als Freiheit des Hundes reklamiert. Lautstark, so wie seine Tochter den Hund auch schon anbrüllt. Der natürlich ist stumpf geworden.

    Andere, beide sind - welch ein Zufall - auch noch verwandt, lassen ihre Welpenhündin stundenlang allein im Garten. Dann fährt die junge Familie mit dem Rad weg, ohne den Welpen. Der klagt hinterher. Ist den jungen Leuten aber egal. Sie nehmen keine Rücksicht, stellen sich nicht auf den Hund ein. Sie lernen auch nicht daraus, dass der Welpe natürlich woanders seinen Kontakt sucht, wenn er unbeaufsichtigt bleibt. Die Tierheimkontrolle, der Welpe kam aus Teneriffa ins nahegelegene Tierheim, besuchte den Hund natürlich am Sonntag, da blieb man zuhause. Der Welpe büxte mehrfach aus, weil der Zaun nicht nachgesichert wurde. Direktes Ziel sind meine Hunde, da schlüpft der Welpe durch, und er darf bei uns seine hundlichen Erfahrungen machen. Ich übernehme für die Zeit, bis der Welpe überrascht tuend und ermahnend abgeholt wird, auch Verantwortung. Bei uns konnte ich ihm einen Tennisball abnehmen, dessen Filz er fressen wollte. Er wäre daran erstickt.

    Die Halter ignorieren jeden Tip. Der Zaun ist nun verbessert. Der Welpe aber bleibt weiterhin zeitweise unbeaufsichtigt. Jeder kennt solche Beispiele, nicht wahr?

    Es gibt heute keine Ausrede mehr, man hätte es nicht besser gewusst. Einfache Bedürfnisse des Hundes werden in eiserner Lern-Resistenz nicht wahrgenommen. Nur darin sind sie erstaunlich konsequent.

    Warum aber haben wir aus unseren Fehlern gelernt und die nicht? Wir wollen am und mit dem Tier lernen und hören nie damit auf. Wir waren und bleiben dafür neugierig. Das ist der Nährboden für Erkenntnisse.

    Wir sollten daher nicht auf die Hundeverkäufer (Händler, Tierheime, Züchter) mit dem Finger zeigen. Der Hundekäufer macht den Hundemarkt. Niemand anders.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf

    Ihr

    Rainer Brinks

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