... oder wie Journalisten und Intessenvertreter ihre persönliche Aversionen als Machtinstrument gegen unliebsame Lebewesen anwenden.
Neue Schlagzeilen gegen den Verstand. "Gefährdung von Kindern größer geworden"
Nein, diese Schlagzeile meint nicht die wirkliche Gefahr des Verkehrs, von menschlicher Kriminellen abgesehen: Es ist der wiederholte Angriff auf Hunde, und zwar pauschal. Eine plumpe Behauptung ist e obendrein; ein Beweis würde auch nicht belegbar sein.
Der "Spiegel" bringt selektiv meist nur Themen über Hunde, wenn sie negativ oder lächerlich genug sind. Insider sagten mir: Der Chefredakteur mag keine Hunde. Pferde, übrigens, um so mehr. Seit Aust Chef ist, erscheinen auffallend viele Artikel zum Pferdesport. Schön.
Nicht, dass die Hamburger Journaille total gegen Hunde wäre. Dem "Stern"-Reporter Heiko Gebhardt hat Deutschland einige zum Wohl aller Hunde kritische Serie geschenkt "Deutschland, deine Hunde". Und folgend, weil die Serie sich gut verkaufte: "Du armer Hund". Gebhardt ist Hundefreund und war kritischer Züchter. Er konnte wohl auch seine Chefredaktion überzeugen. Aber das ist nun auch schon ein Vierteljahrhundert her. Da kannte auch weitgehend unkundige Journalisten noch keine "Kampfhunde", und zum Todesfall in Hamburg war es noch weithin.
Mir schien, als wäre die Zeit der primitiven pauschalen Vorverurteilung vorüber. Ich habe mich getäuscht in meinen Pappenheimern.
"Spiegel online" frischt auf, es gab neues Hass-Futter: "Jetzt schlägt die Deutsche Kinderhilfe Alarm. Die Gefährdung von Kindern durch aggressive Hunde sei im Vergleich zum Jahr 2000 "sogar eher größer geworden". Sorge macht der Organisation vor allem, dass die Überprüfung von Leinenzwang und Maulkorbpflicht zunehmend lascher gehandhabt würden. Vorstandschef Ehrmann: ‚Scheinbar braucht es erst einen weiteren tragischen Zwischenfall, damit Politiker endlich reagieren.' Ein häufig wiederkehrender Satz, wenn Politikern und Behörden vermeintliche oder tatsächliche Untätigkeit vorgeworfen wird. Freilich täuscht er darüber hinweg, dass viele Zwischenfälle auch durch schärfere Verordnungen oder Gesetze nicht verhindert werden können. So hatte auch für die Hunde von Ibrahim K. nach einer Anordnung des Bezirksamts Harburg Maulkorb- und Leinenzwang bestanden."
Der Vater eines Hundebiss-Opfers ärgere sich über den seiner Ansicht nach viel zu toleranten Umgang mit "Kampfhundbesitzern", heisst es in Spiegel online und der wird gern zitiert: "In unserer Nachbarschaft sieht man schon wieder Kampfhunde ohne Maulkorb", klagt J. "Ich verstehe nicht, wie es möglich ist, dass die Rechte von Hundehaltern höher bewertet werden als die Rechte von Kinderhaltern, sprich Eltern." Demaskierende Wort "Kinderhalter". Instrumentalisierung der Kinder für die Ängste ihrer Halter? Der Kinderhalter befürwortet einen Leinenzwang für alle Hunde ab einer bestimmten Größe.
Ungekürzt weiter zitiert: "Rüdiger Holecek von der Gewerkschaft der Polizei sieht dagegen keinen Mangel an Gesetzen: ‚Wir können diese Gesetze sowieso nicht durchsetzen.' Der Polizist wirbt für Verständnis für seine Kollegen. Die könnten nicht mit einem Rassebestimmungsbuch Streife laufen. Woran es fehle, sei vielmehr soziale Kontrolle. Wenn ein Herrchen, das seinem Kampfhund keinen Maulkorb anlegt, ständig von empörten Passanten angesprochen werde, werde es ihm schon irgendwann zu dumm werden. Eigentlich müsse man die Hundehaltung viel grundsätzlicher in Frage stellen, findet Holecek - nicht nur wegen der Gefahr, die von Kampfhunden ausgeht. Der Gewerkschafter stört sich auch an ‚tonnenweise Hundescheiße' in der Stadt. ‚Können wir uns Hunde in einer so eng aufeinander lebenden Gesellschaft noch leisten?' Aber natürlich würde sich kein Politiker trauen, diese Diskussion anzustoßen, klagt Holecek. Denn auch die Mitglieder der ‚mächtigen Hundehalterlobby', ahnt er, sind Wähler.* Ende der Spiegel-Zitate.
Die Minderheit der Hundehalter braucht jede positive Meinungsstimme. Jede Zuwiderhandlung, jeder Unfall mit Hunden, jedes Vorkommnis schürt das negative Bild in diesen Medien und damit auch die nie sachliche Argumentation des so genannten Volksmunds. Jeder intolerante Hundehalter, jeder aggressive poliert das Image. Doch die Meinungsmache im Negativen hat auch ihre Grenzen. Dort, wo mit Lügen und Machthuberei geschachert wird, weil letztlich nur Stimmung gegen Tiere und deren Haltung erzeugt wird, weil der Mächtige an der Spitze eines Meinungsmachers dieser Meinung ist. Wahrheit und Lüge sind da zweitrangig. Und zu Meinungsmachern gehören Interessenverbände und die Verbreiter, die Medien.
Was nimmt sich der Verbands-Kinderhalter Ehrmann eigentlich selektiv heraus, ausgerechnet die - wenn beide Lebewesen noch unbeeinflusst/unverdorben - Symbiose Kind und Hund so derart falsch darzustellen, ja geradezu zu konterkarieren? Weil er selber Hunde hasst, das behaupte ich mal. Er benützt aber seinen Verband als negativen Verstärker seiner privaten Ansichten, meinetwegen sogar Erfahrungen. Aber das möge er dann als Privatmensch lamentieren und seinen Verband nicht instrumentalisieren.
Warum nahm er die wirkliche Argumentation nicht wahr? Wobei diese angebliche Lobby den geringsten Beitrag leistete, aber etliche tapfere kleine Hundefreunde und deren Anwälte. Es waren fast immer nur verwaltungsrechtliche Argumente, die diese samt und sonders unlogischen Verordnungen kippten.
Am miesen Verhältnis der Deutschen zu den Hunden allgemein hat sich nichts geändert. Es ist jetzt nur offensichtlicher geworden.
Dass aber ein Kinderlobbyist populistisch und entgegen aller sozialpsychologischer und sogar medizin-hygienischer Erkenntnisse hier ohne sachliche, geschweige denn eben fachliche Begründung sein Süppchen kocht, ist schlicht nur Werbung für seinen Verein. Er muss kein Hundefreund sein, er sollte nur fair sein. Aber er ist nur ein Populist. Und manche Steigbügelhalter markieren dies durch gefällige Meinungsmache. Was ausgerechnet beim "Spiegel", der doch sonst so auf fundierte und vielfältig beleuchtete Recherche pocht und ein brilliantes Archiv zur Verfügung hat, so als billige Polemik herausgebracht wird, kann nur bedeuten: hier legt man absichtlich keinen Wert auf Qualität des Journalismus. Dies fällt eben auf, wenn man andere Medien liest, wobei "Bild", einige schlicht polemisierende Privat-TV-Sender und ein Hundehasser in der Redaktion einer Berliner Tageszeitung nicht als Vergleich genommen werden dürfen. Das wäre dann doch zu viel der Ehre. Selbst, wenn man andere Lebewesen hasst, sollte man wenigstens dies professionell tun. Es hat mit journalistischer Profession nichts zu tun, es ist schlichte und persönlichkeits-defizitäre Meinungsmacht. Die hätten diese Polemiker nicht, wenn sie nicht sich der Medienträger bedienen dürften. Verhasste Tiere haben keine Rechtsanwälte. Wird ein Prominenter von den Medien zu Unrecht behandelt, treten professionelle Medienanwälte auf und stopfen die Lästermäuler. Hunde sind da arme Schweine. Unfälle, auch tödliche, durch Pferde werden verständiger kommentiert.
Was bleibt als rationales Argument für derartig stupende Tiraden, die auch sprachlich die schiere Verächtlichmachung dokumentieren? Es sind letztlich nur persönliche Animositäten oder polarisierende (auf der Hundefanatikerseite natürlich auch, nicht wenige trugen zu diesem miesen Bild bei) Interessen, die hier bekämpft werden. Der persönliche Feldzug gegen den Falschen. Sprichwort mit Wandlung: Sie treten hier mal nicht den Esel, sondern den Hund, wenn man gewisse Menschen meint.
Nun kann ich mir vorstellen, weil die nun mal meinungsbildenden Spiegel- (und auch andere nicht hundefreundlichen) Redaktionen in Grossstädten wie Hamburg oder Berlin leben, dass es in den Verkehrszentren um Sankt Pauli extrem viele so genannter Listenhunde gab. Das ist schon so gewesen. Da gibt es kein Vertun. Die Leute fühlten sich schon bedrängt oder mehr. Es lag - wie immer in solchen "Phällen" - nie an den betroffenen Hunden, aber an den Wirkungen, die die einschlägigen Halter mitunter tätlich förderten. Warum wurden diese Hunde in diesen Kreisen Mode? Dies verleugnen heute noch einige Fans. So aus heiterem Himmel ist das Image nicht entstanden. Die Hunde wurden damals schon verraten, die dienten einem deutlichen Abschreckungs-Anspruch. Und wehe, ein zu lieber Kampfi erfüllte den Auftrag nicht. Die Fans vergessen dies gern. Die Hunde büssten bitter.
Daher rührt auch ein Teil der Aversion, weil ein Pit als Statussymbol in gewissen Kreisen galt - und noch gilt. Man sieht die Hunde jetzt natürlich nicht mehr so häufig.
Meine Nachbarn wohnen dort unter der Woche auch. Sie erzählten mir von einem geballten Aufmarsch dieser Hunde. Das prägt selbst solch ausgesprochene Tier-, und wie meine Hunde geniessen, Hundefreunde.
Das Image von Sankt Pauli hat sich aber stark gewandelt, durch Zuzug von Bürgern, die nicht dem gewohnten Millieu entsprechen. Nur bei den Nicht-Paulianern hängen die alten Klischees, die Vorurteile hängen noch am Tresen herum und wissen nicht wohin... Davon lebt die Boulevardpresse aber immer noch. Die bedienen gern diese ollen Kamellen, diese Klischees. Und wenn sie auf den Kampfhund kommen müssen.
In Österreich, respektive der auch nicht gerade bevölkerungsarmen Hauptstadt Wien, kämpfte eine populäre für den Hund, weil der Chefredakteur ein Hundefreund ist. Der Verlegervater hält einen Retriever, sein Sohn gar einen - wie würde man in Deutschland sagen? - Listenhund.
Ich hätte dieses Editorial (natürlich auch eine Meinungsmache) kürzer machen können, aber im Sinne der Tiere - auch für die gilt die Unschuldsvermutung - muss ich auch positive Beispiele bringen wie dieses mit der Überschrift: Hunde unterstützen soziale Integration von Kindern und stärken die Abwehrkräfte.
Das Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT) untersuchte unter der Leitung von Giselher Gutmann vom Institut für Psychologie und Kurt Kotrschal vom Institut für Zoologie an der Universität Wien an einer Grundschule, ob die Anwesenheit von (geeigneten) Hunden in einer Klasse einen messbaren Einfluss auf die Einfügung in eine Gesellschaft hat.
Die Direktorin der Schule ist auch Hundetrainerin und stellte ihre ausgebildeten Therapie- und Rettungshunde zur Verfügung. Die Wissenschaftler verglichen auch eine Klasse ohne Hundebesuch. Dreimal pro Woche wurde für je eine Stunde das Verhalten der Kinder per Videofilm aufgezeichnet. Am Anfang der Studie und am Ende wurden die Kinder mit psychologischen Testverfahren einzeln befragt.
Ergebnis: Die Kinder legten schnell ihre anfängliche Scheu ab, das Interesse an den Hunden nahm zu, das Klassenklima verbesserte sich. 18 von 21 Kindern gaben an, dass sie lieber in die Schule gehen würden, seit Hunde anwesend seien. Die Kinder liessen sich nicht ablenken, sie folgten dem normalen Unterricht aufmerksamer als die Kinder der Kontrollklasse ohne Hund. Das Aggressionspotenzial nahm bei den Kindern mit Hundebesuch deutlich ab. Stark lebhafte Kinder wurden ausgeglichener, schüchterne hingegen tauten auf. Vor allem Jungen lernten dabei von den Hunden.
Durch Rücksicht und Umgang mit Hunden empfanden die Kinder verstärkt Empathie. Das ist die Fähigkeit, sich in andere Lebewesen hinein zu versetzen. Sie wurden unabhängiger in ihrer Meinungsbildung.
Hochschul- und Grundschullehrer wie die Eltern schlossen aus dem Versuch: Hunde wirken offensichtlich als Filter für die Entwicklung von Sozialverhalten und sozialer Integration in Gruppen.
Eine andere Untersuchung stellte fest, dass Kinder mit Haustieren ein stärkeres Immunsystem haben und dadurch seltener krank sind.
Forscher der britischen Universität Warwick fanden heraus, dass Kinder mit Haustieren seltener in der Schule fehlen als Kinder, die keine Tiere zu Hause haben. Ausserdem wurde bei Kindern mit tierlichen Hausgenossen ein höherer Gehalt von Immunglobulin A festgestellt. Das ist ein Anhaltspunkt für Stärke der Abwehrkräfte.
Haustiere seien auch psychologisch wichtig. Etwa jedes dritte Kind wendet sich nach dieser Studie seinem Haustier zu, wenn es Angst hat oder Streit gab.
Herr Ehrmann, ich wünsche Ihnen diese biosymbiotische Einsicht und weniger instrumentalisierende Ansicht. Wie wärs mit einem Seminar gegen Hundephobie?
Eine kleines geistiges Sommerloch bleibt bei so viel Stimmungsmache nämlich auch bei den eher unwichtigen Medien hängen, wie jüngst in der "frankenpost online". Der Berichterstatter legte gleich eingangs seiner Meldung über eine Bedrohung durch drei Deutsche Doggen (s)ein Bekenntnis ab: "Haustiere zu haben, kann manchmal ganz schön teuer sein. Erst recht wenn es sich um große Hunde, zum Beispiel Doggen handelt, die inzwischen ja als Kampfhunde gelten." Jo freili, do legst di oba dermassen nieda!
Passen Sie gut auf Ihre Kinder und Hunde auf!
Ihr
Rainer Brinks
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