.... und Lernunfähigkeit sind Verwandte. Denn den Missbrauch eines anderen Lebewesens für sein Zwecke und Wünsche setzt voraus, dass das andere Lebewesen gar nicht anders sein darf oder nur in den Grenzen, die ihm gestattet werden. Der Rest an Eigenständigkeit hat sich unterzuordnen. Daher kommt es vor, dass viele der Instrumentalisierer so empört reagieren, wenn das andere Lebewesen sich erlaubt, sein Anderssein auch einmal durchzusetzen und so sein zu wollen wie der instrumentalisierende Mensch. Ja, Mensch, Tiere instrumentalisieren wirklich nicht. Aber sie nutzen natürlich Rudel- oder Herden-Ordnungen, um Macht herzustellen.
Eine dieser Formen zwischen reinem Gesellschaftsverband zum Zweck der besseren Beutemachens oder der Verteidigung der Nahrungsressourcen samt Existenz-Erhalt der Gruppe und diesem Installieren von Interessen-Gleichheiten (bei Menschen sind das Bünde, Pakte, Fraktionen, Vereine, Clubs, Parteien etc.) beherrschen die dem Menschen am nächsten stehenden Bonobos. Auch andere Primaten verstehen sich darauf, Ränke zu schmieden, um die Führung zu übernehmen. Nicht selten müssen sie zuerst die Weibchen auf ihre Seite bringen, denn sie sind - bemerkenswert genug, oft aber nicht verstanden von den Herrschaften - meist die "Innenminister" einer Gruppe.
Diese moderierenden Ordnungshüter innerhalb einer hochintelligenten Gruppe sind der Kit und der Lebenshalt dank vielschichtiger Beschwichtigungssignale und mehr oder weniger ausgeklügelten Herdenordnungsregeln. Je besser eine Gruppe zusammenhält, um so erfolgreicher besteht sie ihre Aufgaben. Ist sie heillos zerstritten, können Gegner sie leichter aufreiben.
Das sind die biologischen Ordnungen, die man eben nicht nennen kann. Andere zum Instrument für sich zu machen, wiederum dienen nicht gesellschaftlichen Verbesserungen, sonder nur egoistischen Zielen. Ich bin mir sicher, dass die meisten Egoisten nicht wahrnehmen wollen, dass sie welche sind. Sie lügen sich und andere an, in dem sie vorgeben, doch im Interesse anderer zu handeln. Ja, das ist die Krankheitsform: andere meinen, aber nur an sich denken und für sich handeln. Ich bin mir auch sicher, dass die meisten Egoisten nicht wissen, was das Wort (nach wie vor) heisst: Selbstsucht, Eigenliebe. Ego heisst ich.
Exakt so werden viele "Instrumente" tierlicher Art gewünscht, ausgesucht, gekauft, dressiert und - wenn sie zuwiderhandeln oder sonstige "Umstände" herbeigeredet werden - abgeschafft. Das nächste Instrument muss besser funktionieren.
Es sind schlicht handlungsorientierte Egoisten, die andere für sich einnehmen und missbrauchen. Sie denken nur an sich, brauchen zum Durchsetzen ihres Egoismus aber auch andere Lebewesen als Stütze, als Motivations-Werkzeug. Hier: der Hund muss so sein, wie sich ein Ego das vorstellt, äusserlich, und er muss das tun, was sich der Mensch von ihm verspricht. Oft vorgeschobene, angeblich zweckgerichtete Gründe: der Hund soll Spielkamerad für Kinder sein, denen sonst langweilig ist, weil die Eltern acht Stunden ausser Haus sind, Schutzhund sein, weil eigenbildete (nicht zu verwechseln mit erfahrenen!) Ängste ein Sicherheitsgefühl schenken, dazu wird der Hund eben präventiv zum aggressiven Abschrecker umfunktioniert, oder der Sport- und Freizeitpartner Hund, der das mitmachen muss, was der Mensch gern tut - oder täte, ganz im egomanen Sinne von kompensierenden Eislaufmüttern und Tennisvätern.
Der Hund wird dazu abgerichtet, dass er diese Ziele erfüllt. Muss wahnsinnig Spass (sorry: Fun) machen, weil der Mensch es so will. Zwanghaft Spass machen müssen. Notorisch in Bewegung, weil der Mensch diese Bewegung selber braucht bei seinem Bürojob, der Hund auch, weil er zehn Stunden eingesperrt wartet.
Wie lächerlich muss dieses Gehabe und die Lüge "der Hund braucht das" (obschon mal den Hund für sich brauchte, und wenn es nur Liebesstreichelersatz ist für eigenen Entzug) auf einen Menschen ausserhalb unseres "Kulturkreises" wirken, der mit seinem Hund bis auf die Ruhezeiten draussen lebt und arbeitet? Der muss nicht Spazierengehen und Joggen und Disken und Dogdancen und derlei, mit und ohne Instrumente (Clicker, Disks, Flyball, Hetzärmel, künstliche Hindernisse etc.) Die Idee des Clickerns ist heute zum Instrument der Dressur für Kunststückchen verkommen. Dann war es wohl auch das grosse Missverständnis. Warum frozzeln Clickerfans denn auf ihren Internetseiten darüber, dass sie ihren Chef oder Freund beclickern könnten. Verräterischer kann die wirkliche Absicht nicht sein. Das Instrumentalisieren macht diesen Menschen "Fun". Instrumentalisieren ist offensichtlich geil.
Wenn es nicht funktioniert, ist das Instrument Hund schuld. Eine Katze hat Glück, sie lässt sich nicht so leicht instrumentalisieren. Auch ein Herdenschutzhund oder ein Schlittenhund nicht. Die Instrumentalisierer nehmen zu ihren Zwecken dann schon auch die besonders willfährigen Opfer. Hundetypen, die sich leicht - Sie ahnen es - i. lassen. Ich kann das Wort I. nun nicht mehr hören und lesen. Es ist nur gerade wieder eine modische Neufassung, ein ätzend treffliches Wort für das, was gemeint ist. Noch mal, doch, zum Nachdenken für jene, die ich gar nicht meine (die anderen, die Gemeinten, ignorieren weiter): "Instrument" heisst nichts anderes als Mittel, Gerät, Werkzeug. Hier der willfährige Hund zur eigenen Erbauung, meist schlicht vermenschlichter, manchmal perverser Wünsche. Diese Menschen glauben auch noch, sie verstünden ihre Tiere! Diesem Irrglauben frönen sie mit allerlei Formeln (Freakstatus mal Methodismus mal technisierte Dressurmittel). Sie glauben, sie handelten im Einvernehmen mit den Instrumenten, die nur in Form von Hunden angeschafft und dressiert wurden, mitunter mit lächerlichen Posen. Sie glauben daran, weil sie das Bestechen und die Intoleranz perfektioniert haben.
Missbrauch ist das ehrliche Wort anstatt dem modisch gestylten I., wenn ein anderes Lebewesen zum Funktionsgerät gemacht wird. Wenn ich absichtlich schreibe: anderes Lebewesen, dann gilt das für Menschen und Tiere. Die Verfügbarmachung eines ausgesucht zweckdienlichen Tieres (wobei auch "exotische Tiere" nur der eigenen Zurschaustellung samt Statussymbolik dienen) wird Zukunft haben. Auf Kosten der Tiere, die dazu gebraucht werden. Zu Gebrauchttieren im abwertenden second hand-Sinne werden sie erst danach: abgelegte, weil meist missgestimmte Instrumente.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr
Rainer Brinks
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