Wesenstest-Kategorien bleiben fragwürdig. Dies hat nun auch eine Dissertation von Angela Mittmann nachgewiesen (Untersuchung des Verhaltens von fünf Hunderassen und einem Hundetypus im Wesenstest nach den Richtlinien der Niedersächsischen Gefahrtierverordnung vom 5. 7. 2000 Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2002). Die Doktorarbeit am Institut für Tierschutz und Verhalten der Tierärztlichen Hochschule in Hannover wertete die Wesenstests von 415 Hunden der (damaligen) Kategorie 1 (American Staffordshire Terrier und Bullterrier sowie Hunde vom Pitbull-Typus) und Kategorie 2 (Rottweiler, Dobermann und Staffordshire Bullterrier) aus.
Es wurde untersucht, ob es einen signifikanten Unterschied im Verhalten zwischen den Tieren der Kategorie 1 und 2 gibt, der eine Aufteilung der Hunde in zwei Kategorien und die daraus resultierende, unterschiedliche Behandlung in rechtlicher Hinsicht rechtfertigte. Ferner wurde untersucht, ob ein Tier reagierte mit der Skalierung 6 (Beissen ohne vorangegangenes Drohverhalten) und kein Tier mit der Skalierung 7 (Beruhigung nach Eskalation erst nach über zehn Minuten).
395 der getesteten Hunde reagierten nach dem Bewertungssystem den Situationen angemessen. Für diese 95 Prozent der 415 getesteten Tiere gab es demzufolge keine Hinweise für gestört oder inadäquat aggressives Verhalten. 19 Tiere wurden als inadäquat aggressiv und ein Hund als gestört aggressiv beurteilt (zusammen 5 Prozent). Die Situationen, in denen diese 20 Hunde vermehrt gestört oder inadäquat aggressives Verhalten zeigten, waren gekennzeichnet durch ungewöhnliche, schnelle oder abrupte Bewegungen.
Im Vergleich der einzelnen Rassen sowie der Hunde vom Pitbull-Typus ergab diese Untersuchung keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich des gezeigten aggressiven Verhaltens der Skalierungen 3, 4, 5 und 6. Die Aufteilung der Hunde in zwei Kategorien und die daraus folgende unterschiedliche Behandlung ist infolgedessen nicht gerechtfertigt, folgerte die Tierärztin.
Weitere Dissertationen der TiHo Hannover, die Wesenstests und Themen im diesen Komplex herum zum Thema haben, sind in Arbeit: (eine inzwischen abgeschlossene) Internetumfrage "Hundeangriffe in Deutschland"; innerartliche Aggression bei Hunden im Wesenstest entsprechend der Niedersächsischen Gefahrtierverordnung; Untersuchung des Verhaltens der 13 Hunderassen der Niedersächsischen Gefahrtierverordnung im Hinblick auf den Hund-Mensch und Hund -Umwelt Kontakt; Untersuchung einer Bullterrier-Zuchtlinie auf Hypertrophie des Aggressionsverhaltens; Untersuchung des Verhaltens von Golden Retrievern im Vergleich zu den als gefährlich eingestuften Hunden nach der Niedersächsischen Gefahrtierverordnung.
Wetten, dass diese Arbeiten ergeben werden, wonach diese Wesenstests ihrem ursprünglichen "Auftrag", gewisse Hunde aus dem Verkehr zu ziehen, nicht nachkommen können?
Vergesst solche Tests. Sie sind biologischer Nonsens, denn keine Lebewesens-Kategorie kann nach einem Test beurteilt werden, ob sie mehr oder weniger gefährlich ist. Solche Versuche sind auch bei Menschen schon als wissenschaftlich rassistisch untergegangen. Das Motiv für solche Tests ist - hier - zu tierrassistisch. Die Tendenz also unseriös. Ist es nicht eigenartig, dass immer die Deutschen solche Ordnungskategorien für Individuen erfinden müssen? Der Wesenstest ist eine solche, eine Klarsichthülle für die Symbiose Mensch und Hund. Zynismus, im Aktenordner abgeheftet.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr
Rainer Brinks
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