• Was uns eine Statistik sagt

    1. September 2003

    Die "neueste" Welpenregistrierungsstatistik des grössten deutschen Rassehundeverbands sagt viel und doch nichts. Das Nichts kann man so werten, dass es Mischlingshalter und andere wie jene Hundefreunde, deren Typen dieser Verband nicht anerkennen mag, schlicht nicht juckt, was die da registrieren. Und warum sie es tun.

    Seit drei Statistik-Jahren stagniert die Welpenregistrierung, 2002 bei exakt 86 908. Auf dem Zehnjahres-Höchststand (1995) waren es ein Viertel mehr, nämlich 114 060. Der Absatz an Welpen aus diesem nationalen Verband sank seitdem und stabilisiert sich nach 2000.

    Und dann ist da noch ein neues Nichts.

    Denn alle diese Zahlen sind nun in dieser neuesten Welpen-Registrierungs-Statistik um einige bestimmte Typen "bereinigt". Denn diese Statistik ist auch rassepolitisch geschönt: In der neuesten Registrierung an Welpen, die das Jahr 2002 einschliesst, sind die Rassen Bullterrier, American Staffordshire Terrier, English Staffordshire Terrier und Minature Bullterrier nicht mehr enthalten.

    Man könnte ja noch rein statistisch verstehen, wenn sich dieser Verband bemüssigt fühlte, das nun durch Gerichtsurteile und folglich länderweit wieder rückgängig gemachte Einzelverdikt an vier pauschal für gefährlich betrachteten Rassen, eben diese für ihn zu Unhunden gemachten Rassen für die Zeit nach dem "Kampfhundesommertheater" 2000 zu eliminieren. Aber nein, dieser Verband hat in seiner neuesten Statistik, die erstmals zehn Jahrgänge für die von ihm anerkannten Rassen umfasst, die Auflistung dieser betroffenen vier Listen-Rassen schlicht unterschlagen. Als ob es nie diese Hunde in diesem mächtigen Verband gegeben hätte. Das sagt einiges.

    Wiewohl die Vereinsmitglieder jener Clubs, die diese Rassen mehr oder minder betreuten unter der kostenpflichtigen Obhut des Zentral-Verbands, doch jahrelang Beiträge zum Erhalt ihrer Clubs und abschlägig auch des Verbands zahlten. Nun sind sie alle weg, aus der Welpenstatistik. Schön frisiert. Ich nenne das die betroffenen Hunderassen verraten. Die statistisch saubere Endlösung. Ziehen Mitglieder eines dieser Clubs ihre Konsequenzen?

    Was kann man sonst noch draus lesen aus diesem Zahlentheater? Der Deutsche Schäferhund, gewohnt unerreichbar an Welpenabsatz (macht in dieser Aufzählung meist etwa ein Viertel aller Rassen aus), registriert wieder mal weniger und verzeichnet innerhalb von zehn Jahren den Tiefstand mit 20 352 Welpen. 1996 waren es noch 30 802.

    Der ewige Zweite mit üblich gehörigem Abstand mit allen Dackelvarianten auch. Danach wird alles ziemlich unwesentlich, weil mit wenigen Würfen ganze Relationen verschoben werden können, die aber faktisch in der Statistikwertung keine Bedeutung haben. Deren Registrierung bewegt sich mehr oder minder um Nuancen auf und ab, je nach Wurferfolg weniger Züchter.

    Einige Rassen landen auf Zehnjahres-Tiefstand wie Irish Wolfhound, Siberian Husky, Malteser, Afghanischer Windhund, Französische Bulldogge, Bouvier des Flandres, Pyrenäenberghund, Bullmastiff (die Ex-Listenhunde Bordeaux-Dogge wie der Fila Brasileiro scheinen sich erholt zu haben vom Wurfmeldungs-Niedergang).

    Andere dagegen sind im Aufwind, auch nur in der relativen Anzahl. Der Labrador hat unter den Retrievern nun den Golden überholt und steht an fünfter Stelle der Statistik, hinter den erwähnten beiden ewigen Spitzenreitern und Deutsch Drahthaar, Pudel (wobei hier wie bei den Teckeln in statistisch willkürlicher Zählart alle Varianten zusammengezogen werden) und Cocker Spaniel. Die Vermehrung der Deutschen Dogge scheint seit Jahren sanft, aber unaufhaltsam. Erwähnenswert noch, bitte, rein statistisch, der kontinuierliche Auftrieb bei Weimaraner, Glatthaar-Foxterrier, Eurasier, Malinois (zum Vergleich mit dem "Konkurrenten" Deutscher Schäferhund: 490 Registrierungen für 2002 ), Australian Shepherd, Manchester Terrier oder Kloikerhondje. Auch zwei österreichische Bracken wurden stets stärker gefragt. Und wenn vom Tschechoslowakischen Wolfshound nun für 2002 viermal so viele Welpen registriert wurden als im Vorjahr, dann waren es eben nur 36. Gut so, auch rein statistisch.

    Qualitativ hat das nichts zu bedeuten. Für manche Hunde, die gerade nicht so gefragt sind, könnte ein "Down" eine Erholung bedeuten, Könnte. Muss nicht, denn das entscheiden die Käufer und die Züchter. Zurück zur Ignorierung jener "Rassen", die für diesen Verband nicht mehr existent sind, seit die Hysterie unter den Verordnern ausbrach.

    Wie bemerkenswert ist dies doch in einer Zeit, in der immer mehr dieser Rassen-Ausmerzungs-Verordnungen sogar aus verwaltungsjuristischen Begründungen kippen, eine Landesverordnung nach der anderen. Jüngst: "Die Bundesrichter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erklärten die Verordnung des Landes Brandenburg über das Halten und Führen von Hunden vom 25. Juli 2000 insoweit für ungültig, als sie die Gefährlichkeit von Hunden allein aus der Zugehörigkeit zu bestimmten Rassen herleitet."

    Demnach müsste dieser Rassehundeverband die vier letztlich verbliebenen diskriminierten Hunderassen in seiner nächsten Welpenregistrierungs-Statistik wieder aufnehmen.

    Ich beantworte aber die Eingangsfrage in diesem Fall so: Hinter jeder Statistik steckt ein Geist. In Abwandlung eines unschuldigen Werbeslogans: Nichts ist uns möglich.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!

    Ihr

    Rainer Brinks

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