Bleiben wir mal bei diesem uns wohl gefühlsmässig am meisten berührenden Thema sachlich, versucht-sachlich, nur kurz bitte: Ist nun damit die Liebe von Tieren zu uns oder unsere zu ihnen gemeint mit diesem Begriff?
Tja, das ist nur das zweitgrösste Problem. Das erste ist, was wir unter Liebe zu Tieren verstehen. Untergeordnete Frage: Was verstehen wir unter Liebe zu Tieren? Nur unser(e) Tier(e)? Und alle gleich? Und alle Hunde, die so sind wie unserer? Alle anderen Hunde? Alle Tiere?
Soll ich aufhören zu fragen? Nein, ich fang erst an.
Lieben wir nur aus Eigennutz? Glauben wir, Tiere würden genauso über uns denken? Wir wissen es schon hier besser, aber wir scheren uns einen feuchten Kehrricht drum. Weil wir uns selber nicht fragen, was genau lieben wir eigentlich? Wir haben das Problem. Die Tiere nicht. Wir glauben, wir wüssten genau, dass unsere Tiere uns lieben. Wir bilden uns ungeheuer viel ein. Teil unserer vielschichtigen Selbstliebe. Und wenn andere Menschen Tiere nicht lieben, hassen sie sich dann selber, automatisch?
Vielleicht liebt derjenige selbstloser, wenn er andere gar nicht zu lieben vorgibt? Lieben wir uns in einem tierlichen Spiegelbild? Was geht in uns vor, wenn wir zwangsweise loslassen müssen von einem geliebten Tier? Und wie lange dauert dieser Zustand, bis wir uns neu in ein anderes Tier verlieben? Wie ehrlich sind wir in Sachen Tierliebe zu uns, geschweige denn zu dem Tier, dem wir unsere Liebe widmen? Wie teilen wir unser Liebespotenzial, wenn wir statt einem Lieblingstier nun zwei haben, oder drei, oder 15 oder 200? Was bleibt für bevorzugte Tiere dabei übrig? Und für die anderen? Hoffen Sie nicht doch darauf, dass Ihr Tier Ihre Liebe als solche erkennt? Glauben Sie, wenn der Hund wedelt, die Katze schnurrt, dass Sie damit als geliebter Mensch gemeint sind? Glauben Sie, das Tier trennt, wenn Sie ihn zu sich locken (gern so menschenklug mit dem Futtertrieb vermeintlich ausgetrickst, aber wehe, das Tier lehnt ab, nimmt nichts!) zwischen Ihrer Belohnungsliebe (für was eigentlich?) und dem Leckerchen? Glauben Sie, nur Sie könnten Ihrem Lieblingstier eine derartige Liebe zuteil werden lassen? Erwarten Sie nichts von Ihrem Tier für Ihre Liebe? Nicht ein bisschen? Glauben Sie, Ihr geliebtes Tier ist Ihnen "dankbar" für diese, Ihre Liebe? Denken Sie daran, dass das Wort Liebe u. a. von Begehren, von "lieb haben" stammt - lieb und haben? Ist es nicht so, dass wir vor Liebe zu unseren Tieren manchmal schier vergehen, ja verglühen möchten? Warum? Weil wir es brauchen, die Zuwendung und das Verglühen darin. Habe ich noch eine Frage vergessen? Nein, viele.
Ich lasse Sie jetzt liebend gern allein mit diesen Fragen.
Nein, nur noch ein Beispiel als Gedanken-Unterfütterung: Ein russischer Bärenforscher, sein Bruder, seine Frau, sammeln Bärenwaisenjunge, um sie wieder zu renaturieren, auszusetzen. Wenn sie dazu fähig sind. Um sie nicht zu sehr an sich zu gewöhnen, ziehen sie sich so vermummt an, dass die Bärenjungen keine geruchliche und haptische (durch Berührung) Bindung zu den Tierfreunden aufnehmen können. Sonst würden sie nicht draussen überlebensfähig sein. Die Forscher verzichten auf Selbstliebe, weil sie es verhindern, die Bärenkinder so zu "lieben", wie es wohl die meisten Tierfreunde machen würden. Diese russischen Forscher, dem deutschen geneigten Fernsehpublikum nicht unbekannt, verzichten aus wirklicher, selbstloser Liebe auf das, was die meisten wohl unter Tierliebe verstehen.
Und noch eine Empfehlung: Wenn Sie grade sich ertappen, Ihren Hund so richtig nach Herzenslust zu verknuddeln - und jetzt das völlig Ungewohnte: tun Sie es NICHT! Verzichten Sie mal einfach drauf. Wetten, er überlebt es, in Ruhe gelassen zu werden?
Und noch Fragen, dazu?
Passen Sie gut auf alle Hunde auf!
Ihr
Rainer Brinks
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