• Lachen

    Lachen

    1. Dezember 2003

    Nein, keine neue Comedian-Seriennummer aus dem Brutal-Dauerspass-Fernsehen. Was ganz altmodisches: schlichtes offenes Lachen. Sich selbst anlachen, und so, dass es der Hund sieht.

    Was macht der Hund dann? Ich setze voraus, er kennt das Verhaltensmuster: Alpha lacht. Also ist allgemeine Heiterkeit verordnet.

    Ja, was sehen Sie, was glauben Sie, was sind sie sich sicher: der Hund lacht auch!

    Körpersprachlich: Die Lefzen gehen nur hinten hoch, wie bei einem Delphin. Das Grinsen, das per Computeranimation (göttliche Symbiose dieser Zusammenarbeit zweier Medien...) so hingezaubert wurde, wie in einem längst vergessenen Werbespot, als eine Deutsche Dogge strunzfrech grinste, weil Dummherrchen die Tür von aussen schloss. Da lachte der Hund. Doch die Computeranimateure beobachteten korrekt. Lefzen hinten hoch. Sah aus wie humanes Grinsen. Mundwinkel hoch: grinsen ist eindeutig diagnostiziert.

    Gut, früher, zu Vergötterungszeiten Flippers, da meinten wir doch alle, als wir noch weniger wussten als heute, dass der Delphin an sich ein ganz Netter ist, er grinst, wenn ein Mensch auftaucht am Becken und ihm einen durch die Lebensmittelkontrolle gecheckten Hering anbiedert. Er frass ihn auch. Und grinste, als ob ihn das freute. Na klar, Belohnungsprinzip nach Delphi-Muster, Altgriechenland lässt zitieren.

    Dumm, dass Biologen herausfanden, dass dieses physiognomische "Grinsen" des Delphins, der im Nebenberuf eh Tümmler war, schlicht angeboren war. Er grinst immer, mehr oder weniger. Die Gesichtsmuskeln sind so konfiguriert, anatomisch kann er gar nicht anders. Also ist dieser Ausdruck wieder mal ein vermenschlichter Irrglaube. Ein Goethe`scher Mephisto würde jetzt diabolisch mit verzerrter Grimasse "lachen": haaaaaaahaaaaaahaaaaa!

    Nun sind Hunde keine Delphine, aber manchmal halten wir sie für welche, pauschal intelligent, weil sie das für lustig finden, was wir für lustig finden.

    Die Hunde sind aber rein biologisch humorvoller als wir ihren Lefzen andichten.

    Diesen Humoranfall aber richtig zu bewerten misslingt oft den Menschen, weil deren Humorintelligenzquozient nicht mit dem des Hundes an sich kompatibel ist.

    Man lacht sich eher aneinander vorbei.

    Und doch: hundezeitungsleser sind da informierter, geschweige denn humorvoller: Es funktioniert, wenn wir lachen, der Hund ist dann einfach besser drauf. Er lacht sofort mit, er adaptiert förmlich unsere mitunter unmotiviert und unbegründet ausbrechende, ja oft brutal witzige Heiterkeit. Und was folgt? Wir freuen uns noch mehr. Der Hund hat unseren Affekt verstanden. Unser Hund ist so witzig wie wir. Kein Hund fragt danach, wie die Synapse zustande kam. Es reicht uns, wenn der Hund mit uns lacht. Das ist schlicht unwiderlegbar. Und ich behaupte obendrauf: es stimmt. Meine Hunde wissen, wenn ich lache, ist allgemeine Lockerung angesagt. Was bleibt ihnen übrig, als einzufallen in die auflösende Körpersprache des Menschen.

    So, nun mal im Ernst: Hunde lesen hervorragend die Körpersignale des Alpha, vom dem sie schlicht das Wichtigste - das Futter - beziehen, und ihm deshalb zu Wohlfallen sind. Dafür tun sie alles, sie täuschen so schnell wie wir es gar nicht wahrhaben wollen, ebenfalls vor. Sie wissen freilich eines, und das ist so lange sicher, so lange das Lachen nicht hysterisch und verlogen: es ist momentan grosse Entspannung angesagt! Sie sehen es auf unseren Gesichtern, deren Mimik sie gelernt haben zu verstehen. Lefzen nach oben, dazu ein eigenartiger Ton, der sich aber so gegenteilig zu einem messerscharfen Befehlston anhört.

    Sie lesen uns besser als wir sie, sind auch darin Anpassungskünstler. Sie übernehmen sofort die eben signalisierte "Achtung! Gute-Laune". Zum Auslachen sind nur wir, der wir glauben, sie lachten wegen uns. Schlechtes Gewissen inklusive. Wer glaubt, ausgelacht zu werden, hat einen Grund, dies zu fragen.

    Es wäre doch hundehalterisch-diskriminierend zu befürchten, unsere Hund lachten über uns. Nein, so kompliziert homo-egoman denken sie nicht, dazu sind sie zu sehr Tier. Es ist schwierig, einfach zu sein und einfach, wenn einem danach ist, heiter zu sein und dies durch Laute kundzutun. Hund verstehen das, sie sind oft auch so. Sie verstehen uns aber oft schneller und besser als wir sie. Und das ist kein Grund zum Lachen. Wir sind immer noch Lehrlinge ins Sachen Körpersprache. Ich wette: So mancher Pantomime, der nichts mit Hunden am Hut hat, wird von Hunden besser verstanden als selbst-eingebildete Hundekenner. Nun, vielleicht ist den richtigen Betroffenen das vergangen. Nein, machen Sie lieber einen Lachtest: Sie befreit, ungekünstelt, ihre Hunde an. Was ernten Sie?

    Mooooooment. Wir müssen das noch üben: ich meinte offenes, echtes Lachen. Wie ein guter Schauspieler. Haaaahahaaaa. Nicht verklemmt, mit verkniffenen Lippen wie ein Mhhmhmh. Also nochmal.

    Und? Wie guckt Ihr Hund jetzt? Glaubt er Ihnen?

    Nun gut, Molosser oder Hunde, die überlange Lappen als Lefzen haben, tun sich darin schwer, ersichtlich zu "lachen", wenn sie nicht computeranimiert sind. Aber man kann es selbst an diesen Lefzenmonstern lernen zu erkennen, wann er "lacht". Ich behaupte, wenn ich offen lache, vor meinen Hunden (warum sollte ich vor meinen Hunden, den körpersprachlichen Analysierern, hier eine dumme Show abziehen und verklemmtes vortäuschen? Sie kennen mich doch eh!), dann lachen sie auch. Ihre Körpersprache signalisiert es mir wie eine Bahnübergangsampel, so deutlich. Sie wissen: hallo, Heiterkeit ist angesagt. Und so reagieren sie auch. Sie fangen an zu spielen, mit mir, einem Ästchen oder mit dem Hundekumpel. Eine Übersprungshandlung der glücklichsten Art folgt.

    Das ist tausendmal besser als eine tägliche Portion dumpfer Unterordnung.

    Wer lacht, lacht am besten.

    Nun erwarte ich aber, dass wieder so ein Cleverle eine Lach-Lern-Methode (sorry: LLM - Laughing Learn Method) draus macht. Und alle zahlens ihm: der Geschäftsmann lacht zuletzt.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!

    Ihr

    Rainer Brinks

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