Zitat aus der "Rundschau" meiner Gemeinde: "Henry kam am 9. Dezember um 21.30 Uhr durch die Meldung der Polizei ins Tierheim. Ein Mann, der anonym bleiben wollte, hatte dort angerufen, weil er den Hund desorientiert auf dem Rathausparkplatz gefunden habe, er sei von ihm nun am Tierheimschild angebunden worden. Der Rüde trägt ein sehr auffälliges, fast neues Halsband mit der Aufschrift "Pitbull". Er ist schätzungsweise ein Jahr alt, sehr lieb, verspielt und verschmust. Es ist kaum zu glauben, dass ein Finder sich nicht zu seinen Personalien bekennt, viel eher sind die Tierschützer der Meinung, dass sich hier ein Tierhalter seines eigenen Hundes entledigt hat."
Absolut nichts Neues. Es passiert vor Weihnachten und danach, rund um die Uhr. Jedes Tierheim kennt dies. Wenn es für den betroffenen Hund noch gut läuft.
Ich könnte verstehen, wenn die Tierheimmitarbeiter vor ihren Toren einen Kotzbeutel von der Grösse eines Containers bereitstellten.
Diese charakterlich feige An- und Abschaffung kennt jeder aus seiner Umgebung. Die Art der Hunde ist austauschbar, die scheinheiligen Motive der An- und Abschaffung sind es aber nicht. Sie bleibt konstant konsumterroristisch und gefühlskalt. Es sind Menschen, die hart zu anderen sind und weich zu sich. Sie geben gern anonym den "Toughen", aber wenns drauf ankommt, sind sie charakterliche Lauwarmduscher. Sie lügen glatt. Und wenn man sie drauf anspräche, reagieren sie so, wie sie ihre Hunde missbrauchen. Passt zusammen. Da suchten sie und fanden viele Opfer. Der dumme Hund, der treue. Die Treue eines Hundes im selben Augenblick zu beschwören ist triefende Heuchelei.
Klar kann man Gründe finden, die das Verleugnen des "Kameraden Pit & Co." verständlich machen. Aber es ist ja generell Mode geworden, die Täter verstehen zu wollen und nicht die Opfer.
Es sind nicht ohne Grund genau jene Käufer, die solche Hunde wie Henry an sich zogen, vor dem ominösen Jahr 2000. Nach dem unvorstellbar dummen Aktionismus wurden die Hunde für mindestens unerwünscht erklärt, mit Verniedlichungen ad hoc umgetauft oder entsorgt, und zwar in jenem Ungeist, wie sie angeschafft wurden. Entsorgt auch durch die Scheinheiligen selber, die vorher einen echten Kampfhund wollten, der ihnen dann entweder zu nervig wegen der Kontrollen wurde oder zu zahm. Schon vergessen, wie im diesem Sommer auch mal Hunde aus dem Fenster geworfen wurden? Wie sich die Leute schon reihenweise devot zu Tests bei "Sachverständigen" anstellten, obwohl doch noch gar nichts von ihnen verlangt worden war? Wie die Leute logen und ihre Hunde betrogen? Zivilcourage im eigenen kleingeschrieben, aber sonst böse gegen den Staat wettern (wenns keine Folgen für einen selber hat).
Wie meist in solchen Fällen: grosse Klappe, nichts dahinter.
Ein anderes "Objekt" als just solche Hunde wäre für diese Leute gar nicht in Frage gekommen, nur Anfänger griffen zu einem Rottweiler oder Leidgenossen. Pit oder wenigstens AmStaff, das mußte schon sein in diesen speziellen Kreisen. Diese Menschen wollten gar keinen Hund, nur ein klar Aggressivität signalisierendes Symbol, dass auch einen gewissen Status verleiht. Und zufällig das Outfit eines Hundes hatte. Eben die Waffe auf vier Beinen. Es ist nicht abzustreiten, dass diese "Idee" aus einem Land kommt, das für viele als dominant in der Welt gilt. Und alle, die so gewalttätig denken, folgen wie Gläubige. Gar manche Gewaltverherrlichung ging aus eigenartig hintergründigen Hundebüchern oder Internet-Homepages hervor, die Aggressionen unter einem verbrämenden Kynologen-Gewäsch versteckt propagieren. Die Grenze solcher Symbolik und ihrer Übersprungshandlungen mit entsprechenden Hunden ist schwer zu ziehen; sich von jenen abzugrenzen, jedoch noch schwerer.
Mutig und wirklich hundefreundlich sind jene, die sich dieser sozialen Widrigkeiten zum Trotz gerade um solche Hunde wirklich kümmern. Es sind Ausnahmen.
Dagegen sind es nicht ohne Grund leider eben diese Scheinheiligen, die sogar Pitbulls und Co. aus den Tierheimen holten, weil sie dort billiger als Kampfmaschinen angeschafft werden konnten, auch von Jugendlichen.
Woher kommen denn heute noch die Hunde, die von solchen speziellen Hundehassern zu kriminell-asozialen Zwecken angeschafft werden? Diese Käufer finden immer Mittel und Wege und "Produzenten", das war aber auch schon nach dem Juli 2000 abzusehen, bevor die ersten Rufe nach einem Zucht- und Handelsvorbot dieser Hunde laut wurden. Wie dumm. Frei nach dem St. Florians- Prinzip: Verschon mein Land mit diesen Hunden, zünd sie wo anders an.
Dass die Ursache des Unverständnisses über Tiere allgemein wo ganz anders zu finden ist, dürfte inzwischen untergehen wie die Sonne im Meer. Oder wie tägliche Katastrophenmeldungen ausserhalb der eigenen vier Wände. Hier schreib ich's schon bedauerlich: Optimisten sind nur schlecht informiert.
Ein Gesicht erkennt man im Licht, den Charakter im Dunkeln.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr
Rainer Brinks
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