• Stellen Sie sich mal vor ...

    15. Februar 2004

    ... Sie würden binnen eines halben Jahres blind.

    Ich habe mal mit diesem Gedanken gespielt. Zu mehr reichte es auch nicht. Aber es genügte mir. Blinder Ochse, in geschlechts- umwandlerischer Abänderung des alten Kinderspiels "Blinde Kuh".

    Ich war ja bei so was immer mittendrin, hatte mir dabei wirklich vor 50 Jahren einen Schneidezahn an einer Hausecke, die vor mir partout nicht aus dem Weg gehen wollte, abgebrochen.

    Schlecht gelaufen für einen Spiel-Blinden.

    Ich habe drei Hunde, keiner kann als Prototyp für einen angemessenen, typischen Blindenführhund gelten. Und doch sind alle drei nicht gering zu schätzen in ihren Möglichkeiten. Denn es gibt keine rassespezifischen Blindenführhunde, nur mehr oder weniger talentierte - Hunde.

    Könnten die mir im Falle eines Falles helfen?

    Mit diesem Gedanken aber, schnell zu erblinden, musste ich in diesem "Spiel" jedoch handeln. Schnell. Wer würde dies von uns so genannt Sehenden nicht mit seinen Hunden bewältigen wollen?

    Geraten Sie jetzt schon in Panik bei dem Gedanken, den ich hier nahelege?

    Ja? Machen Sie mal die Augen zu, und zwar für eine elend lange Zeit. Für fünf Minuten.

    Und dann laufen Sie herum. Nicht nur ein bisschen. Laufen Sie Ihre Wohnung ab. Aber nicht auf den Balkon! Das ginge zu weit und zu tief.

    Ja, wo bleiben sie denn - unsere Sinne? Wenn nur ein Sinn ausfällt, zweifelsohne ein ganz wichtiger, dann sind wir hilflos? Ja. Und wie kommen dann die wirklichen Sehbehinderten bis Blinden zurecht? Sie kommen zurecht. Sie müssen. Sie verlassen sich auf die anderen verbleibenden Sinne, die sie durch erhöhtes Training sensibilisieren, notgedrungen. Aber es geht, fragen Sie mal einen. Dann simulieren Sie wieder, um mehr Verständnis zu bekommen, ob Sie sich auf Ihre anderen Sinne verlassen könnten. Schlecht, oder?

    Wäre aber sehr erhellend für Ihre Sensibilisierung beim Verständnis auch von anderen Lebewesen. Das macht ziemlich bescheiden. Respekt bekommen, ja vielleicht sogar kleiner geworden - falls Sie nun wieder an ihrem Compi gelandet sind, ohne körperlichen Schaden zu nehmen, um dies "offenen Auges" weiter zu lesen? Schneidezahn noch drin? Fein.

    Ist Ihre Vorstellungskraft dabei aber gewachsen?

    Und nun die zweite Runde des Spiels im Reich der Sinne: Stellen Sie sich mal ganz taub. Dasselbe Spiel wie vorher.

    Und nun die dritte Runde: Stellen Sie sich mal taub-blind.

    Genug entdeckt?

    Passen Sie gut auf alle Hunde und deren Sinne auf!

    Ihr

    Rainer Brinks

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