• Persönlichkeitstest für Hunde

    Persönlichkeitstest für Hunde

    1. März 2004

    Ja, die Vermenschlichung ist gnadenlos und unaufhaltsam.

    Auch Hunde haben unterschiedliche Charakterzüge. Hat sich bis vor die Aktendeckel der Rasseverbände durchgeschoben. Was Hundebesitzer schon lange behaupten, wollten amerikanische Psychologen nun auch wissenschaftlich belegen: Samuel Gosling von der Universität von Texas in Austin und seine Kollegen entwickelten einen Test, um den Hundecharakter einzuschätzen. Das Verfahren könnte dazu beitragen, die Biologie des menschlichen und tierischen Charakters besser zu verstehen, meint das Wissenschaftsmagazin "Nature".

    Die Psychologen testeten insgesamt 78 Hunde verschiedener Rassen und Größen. Sie baten die Besitzer der Tiere, vier verschiedene Persönlichkeitseigenschaften ihrer Tiere auf Skalen zwischen zwei Extremen einzuordnen: Aktivität und Faulheit, Friedfertigkeit und Aggression, Ängstlichkeit und Gelassenheit, Intelligenz und Dummheit. Allein diese Begriffe und die Grupperungen sind jenseits aller Wissenschaftlichkeit. Sie sind durchaus dem letzten eben genannten Kriterium zuzuordnen.

    Okayokay...

    Danach stellten sie den Tieren Aufgaben, die mit den jeweiligen Charakterzügen zusammenhingen. Intelligenz sollten die Hunde beispielsweise beweisen, indem sie einen unter einer Tasse versteckten Leckerbissen finden mussten. Bei diesen Tests ließen die Forscher die Hunde von Fremden beobachten, die aufgrund des Gesehenen die Persönlichkeit der Tiere bestimmen sollten. Das Urteil der Fremden stimmte im Allgemeinen mit dem der Hundebesitzer überein, stellten die Forscher fest. Das lege nahe, dass die Persönlichkeit der Hunde real sei und kein Wunschdenken der Besitzer. Mit ihren Versuchen konnten die Psychologen zudem belegen, dass die Wesenszüge der Tiere innerhalb einer Rasse stark variieren. Demnach sind keinesfalls alle Golden Retriever gutmütig und alle Pitbullterrier aggressiv.

    Abgesehen von den nun nicht gerade umwerfenden Erkenntnissen, dass "Wesenszüge innerhalb der Rasse stark variieren", ist auch der biologische Intelligenztest nicht neu. Siehe Bericht aus dem Jahr 2001, und diese Tests u. a. von Biologe Immanuel Birmelin datieren noch etliche Jahre früher: www.hundezeitung.de/hundekunde/intelligenz.html Und die Schlussbemerkung erst, welche Überraschung! Vor allem dies aus der Feder von Psychologen erfahren zu dürfen. Vier Kategorien, welche feinsinnige Abstufung! Und wer erkennt auf Intelligenz oder Dummheit - davon mal unberührt, dass diese Begriffe das Gegenteil einer wissenschaftlichen Deklaration sind? Welche Kompetenz besassen die "Fremden"? Was die Psychologen "belegt" haben wollen, ist dünn und längst bekannt zugleich. Sie hätten es billiger haben können, wenn sie Biologie als Studienfach belegt hätten.

    Diese Psychologen haben vom Individuum noch nie was gehört. Das ist so ähnlich boulevard - mediengerecht, aber unwissenschaftlich, ja gerade zu dumm wie seinerzeit die Tests des kanadischen Human-Psychologen Stanley Coren, der einen Afghanen als dümmsten nach seinen "Tests" (Futterfindung etc.) erkor. Und dies machte dann publikumswirksam die Runde. Der Afghane war plötzlich der Dumme. Wer dies in Wirklichkeit ist, erhellt sich aus den unbiologischen Tests und den einzelnen Probanden selbst.

    Die Quittung: Spott der Boulvevardpresse einschliesslich des Fernsehkomikers Jürgen von der Lippe, der darauf verbiesterte Rechtfertigungen seitens der Afghanen-Vereine ertragen musste.

    Doch die Billigheimerforschung zog einen Bucherfolg nach sich, Sponsorengelder flossen an den Humanpsychologen aus Kanada, der eine seiner sehr schnuckeligen Kleinsthunde Püppi nennt.

    Doch eines ist damit auch klar geworden: tierischer Rassismus ist nicht auszurotten und stösst bereitwillig auf Gläubige. Mal triffts halt den, mal einen anderen.

    Es ist nicht alles intelligent und nicht mal alles neu, was aus US-Forschungen stammt, und das renommierte Magazin "Nature" sollte es besser wissen.

    Wie schrieb doch der Papst der Intelligenztests, Psychologie-Prof. Howard Gardner, der schon lange Abstand nahm von der früheren eigenen Arbeit, zu solchen IQ-Prüfungen: "Solche Tests sagen mehr aus über die Tester als über die Probanden."

    Passen Sie gut auf ihre Hunde auf!

    Ihr

    Rainer Brinks

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