Wer noch denkt, ach, das geht nur die "Kampfhundler" an, ist naiv. Die Hundehaltungsdezimierung schleicht sich durch die Amtstüren und deren Medien-Vollstreckungshelfer und verbreitet sich wie ein harmlos scheinendes Virus. Verhaltensauffällig ist, dass es immer noch nur gegen Hunde geht, nie gegen die Verursacher.
Bisherige Verordnungen zum Erlass des Zuchtverbots sind nur aus formaljuristischen Gründen gekippt. Aber nicht aus fachlichen, also biologischen Gründen. Nach wie vor hat auch das Bundesverfassungsgericht es nicht für nötig befunden, dass Hunde nicht pauschal als gefährliche Rasse eingestuft werden können. Die Juristen haben nun festgeschrieben, was der eigentliche Grund für die Beschwerde hätte sein sollen. Und das ist der eigentliche, allein ethische Skandal.
Die deutschen Regulierungsbehörden gegen Hundehaltung werden ihre umstrittenen Paragraphen so modifizieren, dass es dem verwaltungsrechtlichen Vorwurf des obersten Gerichts gerecht wird. Mehr nicht.
Das Urteil hat aber Strahlkraft für die ganze EU, denn so, wie die tumbe Soka-Verordnung leider überschwappte auf viele EU-Länder, die meinten, made in germany sei auf diesem nichttechnischen Gebiet noch nachahmenswert, so betulich werden sie auch diese unnötige Erfahrung der deutschen Beamten übernehmen.
Es wird dauern, weil sie die kritiklos gehorsame Übernahme länger verdauen müssen, um sich einzugestehen: wir haben diesen Quatsch geglaubt, wir sind so gehorsam gewesen.
Und nun haut fast die ganze Mediengesellschaft wieder unterschiedslos auf alles, was nach grösserem als 40 cm Hund ausschaut, nicht wie ein deutscher Rassehund und nicht struppig, der Kampfschrei "Kampfhund" füllt wie ein automatisches Eigenschaftswort fast jede Zeile, wo nun auch ziemlich auffällig nach den gewohnten "Kampfhunden" immer mehr Rottweiler, dann auch Dobermänner, ja gar Deutsche Schäferhunde in den Schlagzeilen auftauchen. Diese Journalisten sind einfach zu ignorant, um die Rassen als solche zu bezeichnen. "Kampfhund" kennt nun jeder. Es ist in jeder Hinsicht nun ein Schlagwort.
Vielleicht hilft eine andere Protestklagewelle: jeden mit möglichst hoher Schadenersatzforderung zur Rechenschaft ziehen, der seinen Hund als "Kampfhund" diskriminiert. Vielleicht würde ebenso konsequent wie diese Verhetzung dann diese erneute, vielleicht gar durchschlagende Diskriminierung eingedämmt, wenn es an den Geldbeutel der Tierrassisten geht. Vielleicht auch nicht.
Über Menschen sich rassistisch zu äussern, ist weitgehend strafbar, dann können jene Hundehasser ja ersatzweise bei Tieren die menschliche Rassensau rauslassen.
Die meisten ahnen es noch nicht: Der Kampfhundethemenlochsommer 2000 ist wieder da, im schärferen up date. Man liest es allenthalben. Die Vorfälle häufen sich auf eine verblüffende Weise just nach diesem Urteil, mit leichter Verzögerung. Zu billig ist es jedoch, dies alles den Medien als Märchen in die Modeschuhe zu schieben. Die Täter sind andere, das verheucheln die Amateurempörer gern.
Etliche, nun schon einschlägig bekannte Berliner Journalisten gehen dabei besonders primitiv vor. Sie küren täglich neue Vorfälle, die es bei näherem Betrachten so nicht gab und die vor dem Jahr 2000 ein Gähnen hervorgerufen hätten. Diese "Hetzhunde" stehen auf zwei Beinen.
BILD-online-Schlagzeile, die ihresgleichen sucht als Hetze: "Blut-Dogge wartet auf den Hunde-Henker". Ich halte dies für schlicht psychisch gestört.
"Experten wollen Schnell-Gerichte für Killer-Hunde" schreien sie, wie weiland im Mittelalter, als Schweine vor Gericht verurteilt wurden.
Das fördert ja auch neue Berufsbilder und Aufgabenfelder, vornehmlich für sonst wohl beschäftigungslose Politiker, denn es gibt in Berlin nun auch schon eine "hundepolitische Sprecherin", die fleissig die Journalisten füttert. Siehe weiter unten.
Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft dieser Sprecher. Frei nach früherem Spruch: "Und wenn ich nicht mehr weiter weiss, bilde ich `nen Arbeitskreis."
Es musste auch seit vier Jahren diesen hundepolitischen (ich kann mich gar nicht sattschreiben an dieser Krönung des Zynismus`) Versprechern klar sein, dass bestimmte Halter niemals sich an Auflagen halten werden. Wie es bei Outlaws Sitte ist. Müssten die Kommunalpolitiker und Vollstrecker doch aus dem US-Fernsehen wissen.
Jüngstes Beispiel aus Charlotte (USA), zitiert aus der schweizerischen Zeitung "Blick": "Der Junge spielte im Hof vor dem Haus und ahnte nichts Böses. Doch dann kamen sie plötzlich herangestürmt: Die vier ausgewachsenen Pitbull-Hunde seines Vaters. Die aggressiven Tiere verbissen sich in seinem Nacken und seinen Beinen. Der 8-Jährige schrie um Hilfe, doch niemand schien ihn zu hören. Doch da tauchte auf einmal ein Postbote auf. Der Mann griff nach seiner Tasche und schmetterte sie mit einem Stück Holz gegen die Bestien. Die ausser Kontrolle geratenen Tiere liessen umgehend von dem Burschen ab. Daraufhin eilten endlich der Vater und seine Freundin aus dem Haus. Nicht aber um seinen Sohn zu retten, sondern um den Briefträger von seinem Grundstück zu jagen. Der schwerverletzte Junge wurde zwar noch ins Spital gebracht, erlag dort aber bald seinen Bisswunden. Nun erwägt die Staatsanwaltschaft gegen den Vater eine Anklage wegen Mordes. Der 29-Jährige muss sich aber auf jeden Fall wegen Verletzung seiner Aufsichtspflicht sowie wegen Drogen- und illegalen Schusswaffenbesitzes verantworten." Was fast untergeht: "Blick" schrieb von Bestien und meinte die Pitbulls. Den "Vater" meinten sie mit diesem Urteil nicht.
Kranker Extremismus: Man veröffentlicht eigenartigerweise seit den beiden pointierten Vorgängen (nach Volkan im Sommer 2000 und nach dem Bundesverfassungsurteil in diesem Jahr) jeden Knabberer eines Hundes als Biss (und das erfüllt das Kriterium der Tendenzberichterstattung), die Erforschung der Ursache samt wirklichem Vorgang wird nicht einmal mehr erwogen.
Solche eben erwähnten Fälle von Kriminalität, wo jeder Idiot einen Hund halten (und ausbilden) darf, bleiben ungeschoren. Diese Täter würden erst gerecht bestraft, wenn sie dabei auch ein Handy gestohlen hätten. Eigentumsdelikte werden schärfer geahndet als Vergehen an Lebewesen, ob Tier oder Mensch. Es geschieht mitten in der selbsternannten Zivilisation.
Wie lange müssen inzwischen weitgehend gefügig gemachte Hundehalter noch warten, bis das Übel an der Wurzel gepackt wird mit einem neutralen (also nicht rasseverbandsmanipulierten - die haben Interesse am Geldverdienen durch solche Führerscheine und nur an ihren Rassen) Hunde-Käufer- und einem Hunde-Verkäufer-Qualifikationsnachweis? EU-weit, damit es keine weiteren Verzögerungs-Ausreden gibt. Bin ich nun Phantast? Ja.
Ich bin aber nicht ohne Grund pessimistischer Realist geworden, vor allem, was das Verständnis zu Tieren anbelangt. Sie werden die Hunde anderweitig zur Sau machen. Sie sind längst am Werk.
Siehe Berlin. Berlin hat ein Gesetz schon in der Schublade und wartete nur auf den Spruch, damit sie losschlagen können: Für Pit-Bull, American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Tosa Inu gilt ein Zuchtverbot in der Hauptstadt. Die - ja, sie nennt sich wirklich so zynisch - "hundepolitische" Sprecherin der Berliner SPD-Fraktion, Karla Borsky-Tausch: "Wir haben volle Handlungsfreiheit und werden unseren Gesetzentwurf in den Ausschüssen für Gesundheit und Inneres zügig behandeln. Das Gesetz könnte dann spätestens im Herbst in Kraft treten. Die Rassen, die nicht mehr gezüchtet werden dürfen, müssen in Berlin in der Öffentlichkeit an der Leine geführt werden und einen Maulkorb tragen - ebenso wie die Rassen Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano und Mastiff." Dazu noch weitere Hunde auf Verdacht, die bei Unwillen der Behörden nachgeschoben werden können. Darunter - man lese und staune - auch der Deutsche Schäferhund. Ich gehe jede Wette ein, dass der deutsche Diensthund nur pro forma und um berechtigte Reklamationen, zu vermeiden dort aufgeführt ist und bald aus diesen Papieren verschwindet. Es sind ja schliesslich Diensthunde der ländereigenen Innenministerien. Denn es sind bis auf die ebenso auf der Verdachtsliste stehenden Rottweiler und Dobermänner ausschliesslich ausländische Rassen.
Frankreich ist wieder voraus im Hundeverstand, es hat den Bullterrier von der Liste genommen.
Eine irgendwann uns "ereilende" EU-Verordnung zu diesem Thema wird wieder alles durcheinanderwürfeln. Und was gar das Importverbot angeht, sind auch hier allem Unzüchtigen Tür und Tor geöffnet, neben dem dubiosen Hundehandel. Eine Züchterin erinnert da nur an die Möglichkeiten des Samenimport oder die Hündin im Ausland zu belegen...
Gab es nicht mal Zeiten, in denen Weise ein oberstes Urteil sprachen?
Was bleibt uns übrig?
Auswandern in ein Land, das solche Regularien erst viel später einführt. Bei Leinenzwang, der in Berlin eingeführt wird, eine mindestens 20-Meter-Flexileine kaufen. Hunde nur noch mit maximal 39 cm, und es muss eine "Rasse" sein, die nach 20 Jahren erst Eingang in die Listenköpfe der Verordner eingeht, und sie darf in keinem Buch stehen, die schreiben ja gnadenlos jeden Fehler ab.
Auftrag virtuell erteilt: neue Rasse, sehr deutsch muss sie sein. Ich schlage vor: Schmidt-Schäfer-Terrier. Bisschen Terrierismus muss noch sein.
Eine raffinierte Alternative waren und sind astreine Mischlinge. Es lebe hoch die multikulturelle Mixwirtschaft! Denn wer von den "Sachverständigen" will, ausser mit einem teuren DNA-Test, unwiderlegbar feststellen, was da nun Verdächtiges in einem Karl-Friedrich-Heinz 57 drin steckt? Eben drum.
Wie sagte doch so richtig der stets einfallsreiche Apo-Widerständler Fritz Teufel vor Gericht, als er zur Kleiderordnung gerufen wurde und er schelmisch gehorchte: "Wenns der Wahrheitsfindung dient!"
Ich wähle übrigens Option 1. An Option 3 sollen andere arbeiten. Option 2 ist nur eine Empfehlung an der langen Leine. Leine ist hier erst mal stur Leine. Bis die Flexileine dann auf Schlaufenlänge zurechtreguliert wird, das dauert.
Der angemessene Widerstand gegen diese schleichende Ausrottung ist artgerechter Zynismus. Sie wissen ja: diese Geisteshaltung (auch Weisheit des Alters geschimpft) stammt aus dem altgriechischen Cynos und bedeutet selbst für zweibeinige Aktendeckler Hund. Passt schon zusammen, was zusammen gehört. EU-gestylte Forderung für die Zukunft, so lange wir noch Hunde halten dürfen, wie wir sie wollen: Be a Schelm!
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr Rainer Brinks
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