In all den Versuchen, Hunde dazu zu bringen, unsere eigene Spezies und vor allem die kulturellen Verfeinerungen, die wir an uns so bewundern, zu parodieren, könnte man eine Form der Selbstironisierung sehen.
Das wäre die optimistische Sichtweise.
Diese Versuche können auch anders aufgefasst werden: Indem wir Hunden erlauben, uns zu karikieren, erreichen wir, dass sie noch lächerlicher wirken, was uns wiederum die Möglichkeit bietet, über jegliche Zweifel, die wir an uns selber heben mögen, hinwegzulachen.
Dass wir uns für diese Aufgabe Hunde aussuchen, ist nur folgerichtig, denn vor allem gegenüber Tieren, die wir uns ähnlich wünschen, muss die menschliche Einzigartigkeit betont werden.
Was also, um Hundes Willen, ist noch artgerecht? Wo legen wir welche Massstäbe an andere Lebewesen an?
Wer darüber nicht nachdenken mag, dem gebe ich noch einen Anstoss mehr. Ich habe bis auf die letzten beiden Fragen die ganze Passage in wenigen Punkten verändert. Vorlage war die Erkenntnis des Primatenforschers Frans de Waal, der meine Manipulation verzeihen mag. Ich ersetzte nur die Wort Affe oder Menschenaffe durch Hund. Und auch das passt dann zu seiner (und meiner) Erkenntnis. Wie unmassgeblich ist also der Anspruch, die Forderung, der Massstab ?
Welcher Art werden wir gerecht?
Man sehe sich mal in der Umgebung um, was da ist, man erkenne die Wahrheit, was in unserer Hundehalter-Vergangenheit gewesen sein kann oder soll.
Hat schon wieder jemand, der es noch auf den Lippen hat, an die langsam kindische Wolfsromantik gedacht? Selbst die sammeln wir ein, stecken sie in Freigehege, mal mehr oder weniger frei, und zeigen mit Fingern auf sie: sehet hier, die leb(t)en .
Darüber kann ich nicht mehr lachen, so lächerlich ist dieser Ausdruck . Wem wird jeweils was wie gerecht? Dem Hund, den Hunden wohl am wenigsten.
Kleines Beispiel als Hinbringsel zum Urlaub in Ländern, die wir als tierschutzrelevant bezeichnen und blind sind, was wir den Hunden dann hier im nicht mal goldenen Käfig antun: Wir entrechten sie ja täglich, auch jene, die sich Tierschützer nennen - meist im Urlaub - und einen Hund aus seiner gewachsenen Umgebung in frischerer Luft und vor allem aus seinem Rudel stehlen. Und dann bilden sie sich ein, sie hätten einen armen Hund gerettet! Wehe, er will nicht gerettet werden! Aber er wird ja auch artgerecht gar nicht danach gefragt. Warum retten sie keinen vor der eigenen Haustür? Von fernen Taten denkt man gross, sagte ein polnisches Sprichwort.
Aber es ging ja nur um einen Begriff, den wir uns einbilden.
Und dann gleich noch - masslos, wie Menschen nun mal sind - einer ganzen Tiergattung gerecht werden wollen? Wobei wie üblich bei höheren Lebewesen jedes anders ist - das muss man ja heute immer noch betonen, da finge es ja schon an, einer Art geistig gerecht zu werden. Nein, wir haben für alles artgerecht-genormte Schubladen.
Gut, dass die meisten nicht in der Lage sind zu fragen. Sie müssten über ihre eigene Art gerecht nachdenken. Es würde vollauf als Anspruch und Aufgabe genügen, würde jeder einem Hund auch nur annähernd gerecht. Ich bitte Sie, diesen masslosen, durch biologische Halbwahrheiten oder Märchen unterfütterten Anspruch an andere Lebewesen auf den Müll zu werfen.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!Ihr Rainer Brinks
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