Gendoping für Workaholicdogs
1. September 2004Achtung, aufgepasst, liebe Freaks aus Leistungsagility, Leistungsobedience, Leistungsdogdancing, Leistungsflyball, Leistungsschutzhundesport, Leistungsbreitensport, Leistungsturnierhundesport, Leistungsrennsport, Leistungsschlittenrennsport, Leistungsfährtensport, Hochleistungschampionate aller Arten, Höchstleistungszuchten, Hyperleistungsusw.!
Jetzt kommt die perfekte Lösung für eure lieben Instrumente, man muss den Hund nicht mehr mühsam scharfkonditionieren mit zeitfensternahen Methoden und zum Leckerchen-Abhängigen machen, es geht bald viel eleganter! Man muss selber dann nämlich fast nichts mehr tun.
Frohe Nachricht aus USA: Forscher haben bei Menschenaffen ein Gen ausgeschaltet, das für das Aufschieb-Syndrom verantwortlich ist.
Barry Richmond vom National Institute of Mental Health in Bethesda, Maryland, berichtet über seine Versuchsaffen im Wissenschaftsmagazin "Nature": "Normalerweise arbeiten Affen nur dann hart, wenn sie wissen, dass sie für die Mühe belohnt werden. Die Versuchsprimaten hingegen sind zu echten Workaholics geworden. Das Ausschalten des Gens hat ihre Einstellung zur Arbeit enorm verändert".
Etwas genauer schrieben es die Forscher um ihn in der Online-Version von "Proceedings of the National Academy of Sciences". Danach haben die Wissenschaftler den Primaten beigebracht, dann einen Hebel zu betätigen, wenn ein roter Farbpunkt auf einem Computer-Monitor grün wird. Mehrere Male mussten die Tiere den Hebel zum richtigen Zeitpunkt ziehen, bevor sie eine Belohnung bekamen. Um ihnen ein Gefühl zu vermitteln, wie nah sie am Ziel sind, blendeten die Forscher einen grauen Balken auf dem Bildschirm ein, der heller wurde, je häufiger sie die Aufgabe korrekt gelöst hatten. Während die Affen am Anfang des Versuches unmotiviert ihre Aufgabe erfüllten, strengten sie sich umso mehr an, je heller der Balken wurde und das Ziel sich näherte.
Die Forscher injizierten den Affen dann ein DNS-Stückchen, das für kurze Zeit ein Schlüssel-Gen im rhinalen Kortex des Hirns ausschaltet. In dieser Hirnregion werden jene Signale verarbeitet, die etwas mit Belohnung zu tun haben. Das ausgeschaltete Gen kodiert dann für ein Protein, das Nervenzellen sensibler für den Neurotransmitter Dopamin (wichtig für die Wahrnehmung) macht.
Mit dem neutralisierten Gen war es den Affen unmöglich, einzuschätzen, wie viel sie noch arbeiten mussten, um an die erhoffte Belohnung zu kommen. Sie arbeiteten also härter und machten dabei auch deutlich weniger Fehler. So mancher Leistungshundler wird bei solchen Ergebnissen an seine wunderbare Zukunft denken.
Als Motivationsmittelchen für faule Mitarbeiter sei die "Gentherapie" aber nicht gedacht, sagen die Forscher. Wie immer wird daraus nichts werden, denn die gutgläubigen Forscher unterschätzen die Motivationsnotoriker, die sich mit und an ihren Tieren beweisen müssen. Gendoping für den Leistungshund!
Gebt diesen Leistungsaffen nur den richtigen Zucker, und sie machen jeden faulen Hund zum Workaholic. Die Zeiten sind dann endlich vorbei, wo Hundehalter und Trainer mühsam natürliche Verständigung herstellen mussten.
Daraus folgt, feine Dreingabe, ein neuer Beruf: Workaholicdog-Therapeut.
Heureka!
Dann, und bitte auch in Grossserie für die Bedürftigen, sollte endlich auch der geklonte Hund nach Wunsch vom Band laufen.
Die wenigen, die sich an der Mühsal des Naturbelassenen laben, wie zum Beispiel ich und meine weitgehend unmanipulierten und wunderbar fehlerhaften Hunde, werden dann in ein Freigehege für Individuen gesperrt. Neben den Primaten.
Passen Sie (so lange) aber noch gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr Rainer Brinks
*
*


Bereiche
Für jeden veröffentlichten Artikel unterstützen wir das
Artikel im Bereich Editorial