• Denk mal für Tiere?

    Denk mal für Tiere?

    24. Dezember 2004

    Ein Denkmal für Tiere, die im Kriegsdienst starben! Welch ein Zynismus! Es ist eine skulptierte Geste der vergangenen Verlegenheit. Wenn auch lieb gemeint.

    Der Sachverhalt titelt in der Überschrift: Kriegerdenkmal für Tiere. Da denktman doch unwillkürlich: Schön, man denkt mal an Tiere, die ungefragt zu Kriegszwecken missbraucht wurden und meist daran starben. Aber ein Symbol dafür`? Für wen wohl? Ich würde es für sinnvoll und sehr artgerecht halten, wenn hier Hunde und andere Tiere, die des Markierens mächtig sind, hier ihre Duftmarke beziehungsweise liquide Meinung hinterliessen. Aber es ist nur eine ätzend erschreckende Selbstloberei der Menschen, die glauben, die müssten Tiere per Denkmal ehren.

    Typisch. Damit ist was getan?

    Der Gedanke selbst ist nicht schlecht, im Gegenteil: er ist überfällig. Doch das Umsetzen in ein Denkmal ist der Denkfehler an sich.

    Doch erst mal das schöne Vorhaben, das so absolut im Sinne der getöteten Tiere sein muss (Zynismus on) - die Meldung: "Wir haben uns nie bei ihnen bedankt" - Millionen sind im Kriegsdienst für die britischen Streitkräfte gestorben. "Sie hatten keine Wahl", steht auf einem Denkmal, das Prinzessin Anne jetzt in London einweihte. Das Monument erinnert an tierische Helden und Opfer der Kriege: Hunde, Pferde oder Tauben.

    Das umgerechnet 1,5 Millionen Euro teure Monument steht am Rande des Hyde Parks. Zwei mit Kriegsgerät bepackte Maultiere aus Bronze laufen auf eine Steinwand zu. Auf der Mauer sind schemenhaft weitere Kriegsopfer zu sehen: Pferde, Hunde, Tauben, Elefanten, Kamele und sogar Glühwürmchen. Auch die Leuchtkäfer konnten sich während des Ersten Weltkrieges ihrem Dienst am Vaterland nicht entziehen. Sie spendeten britischen Soldaten nachts Licht, damit die Männer Karten und ihre Feldpost lesen konnten, melden britische Zeitungen.

    Allein im Ersten Weltkrieg gingen auf britischer Seite acht Millionen Pferde zugrunde. 200.000 Brieftauben wurden im Zweiten Weltkrieg für den Transport von Nachrichten eingesetzt, viele davon kehrten nicht zurück. "Wir haben uns nie bei ihnen bedankt", sagte Jilly Cooper, eine der Initiatorinnen des Projekts, dem "Daily Telegraph".

    Das Kriegerdenkmal soll auch an besondere Heldentaten erinnern. Zum Beispiel an den Hund Rob, der bei mehreren Geheimmissionen in Afrika und Italien über 20 Mal mit dem Fallschirm absprang. Besonderen Einsatz zeigte auch die Brieftaube "Mary of Exeter". Während des Zweiten Weltkriegs versuchten deutsche Soldaten, die Brieftaube abzuschießen. Trotz eines verstümmelten Flügels und drei Streifschüssen an der Brust kehrte sie nach Hause zurück. Für ihren Einsatz wurde die Taube mit einem militärischen Verdienstkreuz geehrt."

    Fein. Wer hat sich da aber selbst geehrt? Es wäre sinnvoller gewesen, statt dieses 1,5 Millionen überteuerten Monuments zum grössten Teil bedürften Institutionen wie Tierheimen zugute kommen zu lassen. Denn dann wäre das Geld angelegt und nicht in einer selbstsüchtigen Entschuldungsskulptur mit Medienevent zu zelebrieren.

    Nicht auszudenken, die Deutschen würden ihre zahlreichen Tieropfer aus den beiden Weltkriegen ebenfalls mit einem Monument ehren! Es wäre ein Massenevent! Kurz vor der Wahl 2006 wäre ein Termin frei. Kanzlers Hund, ohnehin gut im Geschäft dank Kanzlers Gattin, die sich als Hundeanfängerin mutig einem nicht gerade durch kynologisch sinnvolle Qualität aufdringlich bekannten Hundezubehörsgeschäftsmann an den erklärt selbstlos einträglichen Hals warf, würde sicherlich mediengerecht an das Denkmal pinkeln, wenn er nicht von sachkundigen Body Guards daran gehindert würde.

    Entschuldigung, ich fantasierte nur mal eben in Marmor. Wir haben ja nichts Wichtigeres zu tun.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!

    Ihr Rainer Brinks

    *

    *