• TV sucht Nachobenpinkler

    1. März 2005

    Eine Redaktions-Mitarbeiterin einer privaten Fernsehproduktion für ein populäres, meist populistisches Print-Magazin, das im Hamburg erscheint, und eine eigene TV-Sendung mit einem sehr populären Moderator hat, fragte mich per Mail: "Ich recherchiere gerade etwas für eine Sendung und würde sie gerne um Hilfe bitten: Ich bin auf der Suche nach einer Hundrasse, die wohl im Stehen "pinkeln" und dadurch auch eine Art Rangordnung markieren . Dies gehört wohl zu den Rassemerkmalen. Vielleicht wissen Sie, um welche Hunderasse es sich dabei handelt."

    Ich antwortete:

    "Welcher Hunde-ahnunglose Mensch hat Ihnen denn diesen Bären aufgebunden? Dass es eine Hunderasse gebe, die im Stehen pinkeln.... Ohoh. Im Stehen pinkeln alle! Alle vier oder drei Beine stehen dabei auf dem Boden, eines, selbst auch bei manchen Hündinnen, heben ein Bein, mehr oder weniger hoch. Manche gar aber auch zwei Beinen, machen quasi einen Vorderlaufstand, um höher zu markieren. Das machen im Übrigen auch Bären oder Katzen, auch Marder, alle ursprünglich caniden-verwandt. Wieso soll das rassespezifisch sein? Es gibt dazu keine rassespezifische Disposition."

    Nur Sekunden danach diese Mail von ihr:

    "Herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort. Wir hörten von einer Rasse, die vor einem Baum auf ihrem Vorderpfoten stehen und quasi nach oben "pinkeln", mit dem Ziel, die Markierung hoch zu setzen und dadurch eine Stärke symbolisieren wollen, die sie nicht haben. Gibt es eine solche Hunderasse?"

    Fast so geduldig wie mit Hunden antwortete ich:

    "Ich weiss nicht, warum Sie die Frage nun fast wiederholen? Ich habe sie beantwortet. Ich wiederhole aber noch mal gern: An einer einzigen Rasse dies festzumachen ist biologischer Unsinn. Aber ich fürchte, sie brauchen so ein Unikum, um es in einer Sendung vorzuführen."

    Sie antwortete zum letzten Mal, richtig lieb:

    "Danke für Ihre Hilfe."

    Bitte. Ob es hilft, weiss ich nun nicht. Ich fürchte gar, sie zitieren mich! Ich weiss, welche Rasse sie vorzüglich meinte. Den Lundehund. Ich habe es ihr natürlich nicht mitgeteilt. Da ich aber mindestens von Elchhunden weiss (respektive von Bea), dass die es auch so können, steht zu erwarten, dass es eben nicht rassespezifisch ist. Ach ja, hundezeitung-Webmaster Richard, dem ich den Mail-Wechsel zuschickte, antwortete: "Ich kenne von unserer Hundewiese einen Kleinpudel-Kerl, der nen kompletten Handstand (Vorderlauf-Stand) macht, um höher zu pinkeln - lachst dich kringelig!"

    Die Redakteuse hat mir aber nicht verraten, wer ihr diesen Bären-Stuss von dieser Rasse aufgebunden hat. Solche Anfragen sind aber das Resultat, wenn Rassefanatiker die letzten Spezifikationen erfinden, um ihren Hund so fernsehgeil aufzubereiten. Das würde bedeuten: nun machen sie die Lundehunde platt. Modelundehunde. Den "hochintelligenten" Border Collie haben (neben der Besitzerin) diese TV-Leute, die hier wieder so ein geiles, vor allem intelligentes Thema suchten, auch tüchtig verbraten. Vielleicht macht sich ein Institut dran und kreiert nun eine Pisser-Studie?

    Möge der arme Kerl - den sie sicherlich finden, um ihn ins Studio zu ziehen, damit er dort auf eine präparierte Baumwand nach oben markiert - vorher ein paar verantwortliche Rechercheure des Flachsinns bespritzen. Die machen sich hernach sicherlich in die Hosen vor Kringeliglachen.

    Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf, wenn sie einen dieser TV-Redakteur-Spezies treffen, die Nachobenpinkler oder ähnliche tolle Hunde sucht! Vielleicht haben Sie auch gleich eine neue Dressurmethode anzubieten? Gibt doppeltes Honorar und danach Vorträge in allen Vereinen.

    Ihr Rainer Brinks

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    PS. Für Statisitiker: Dies ist das 100. Editorial, das in der Hundezeitung erscheint.

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