Ach was muss man oft so lesen von herzzerreissend bösen Umständen, in denen arme Viecher landen in Tierheim-Verliessen. Am Sonntag haben dann Gutmenschen ein Erbarmen, zwischen Schweineschnitzel und Kaffee, um statt in den Zoo abwechslungsweise mal ins Tierheim zu gehen, wo sie dann ungefragt Tiere mit Billigfutter durch den Maschendraht maltraitieren. Wie im Zoo, Schilder zur Warnung vor ungebetenem, eigensüchtigem Futterspenderwahn werden dumpf ignoriert. Als ob die Tiere am Verhungern wären oder gar falsch ernährt würden. Egal. Man gibt. Nicht nur Zootiere sind ja so dankbar.
Auch Tierheimhunde sind ja so dankbar. Deshalb gehen sie dorthin. Die Dankesheischenden.
Und billig sind die Hunde in den Tierheimen! So, wie sie da in diese Lage geraten sind, müssen sie ja froh sein, wenn sie einer rettet. In welche mieseren Umstände auch immer. Gerettet ist gerettet. Heiligenschein ist in der läppischen Schutzgebühr inbegriffen. Wo anders, also bei Luxushundezüchtern, langt das gerade mal zur Mehrwertsteuer. Was so billig ist, kann nicht viel wert sein. Bis auf jene Spargeizgeilen, die kurz davor sind zu fordern, dass ihnen bei der Tierheimvermittlung auch noch ein Bargeldscheck überreicht wird. Denn das Tierheim muss doch aus Dankbarkeit ihnen die lackierten Schweissfüsse lecken.
Aber wenigstens sind die Tierheimhunde dafür so dankbar.
Die Gutmenschen holen sie aus dem Gefängnis, posaunen die gute Tat bei den Nachbarn herum, damit alle sie loben und preisen als edle Retter. Denn Tierheimhunde sind ja so dankbar.
Da kann man dann auch redselig und hirnlos rechtfertigen, warum es zu keinem Luxuszüchterhund gelangt hat. Man musste ja gerade einen neuen Wagen kaufen. Beides geht nicht.
Dafür sind Tierheimhunde aber so dankbar.
Sie haben dem Glauben geschenkt, daß diese Hunde alle aus üblen sozialen Verhältnissen stammen, ja aus ausländischen Gefangenenlagern oder Tötungsstationen.
Da müssen diese Hunde ja so was von dankbar sein, das sie da raus kamen! Und dann in die Hände von Liebrettern gerieten! Sie werden ewig sabbern vor Dankbarkeit.
Andere Hunde als Tierheimhunde sind ja so undankbar. Aber vielleicht kommen sie mal in die glückliche Lage, Tierheimhunde zu werden und dann in Dankbarkeit vor sich hinzusabbern, bis ein Gutmensch kommt, mit Küchentuch den nassen Weltschmerz abwischt und weichherzig sülzt: den kaufen (vulgo: befreien) wir, der ist sicherlich so dankbar dafür.
Sie werden nach dem Rettungsdrama aus dem ekligen Tierheim (so viele Gitter, so viele Tiere, so viel Geruch) in einen goldenen Käfig versteckt, von anderen Hunden ferngehalten, mit sündhaft teurem Futter verwöhnt, mit Vermenschlichung versaut, im Dankekäfigheim mit Leckerchen verwöhnt (sie hatte es ja so schlecht dort, waren schlank!).
Weil Tierheimhunde ja so dankbar sind.
Da können sich auch die nicht so nachdenklichen Tierheimmenschen nicht zurückhalten und blasen in das gleiche Horn. Eine Tirolerin berichtet: "Einem wird ja sogar im TH gesagt, dass dieser Hund oder diese Katze besonders dankbar sind für Liebe." Ja dann! Es gibt demnach auch in der Dankbarkeit bei Tierheimhunden Unterschiede.
Wofür, bitte, solchen Tierheimhunde dankbar sein?
Wenn Menschen auf einen Schlag Tieren gegenüber ihre Schuld abtrügen, müssten sie ein Menschenleben lang mit Erbfolge die Tiere ständig auf dem Menschenrücken tragen.
Das wäre eine Ratenzahlung gegen Dankbarkeit und ein bisschen Sühne für blanken Unverstand.
Wer von dankbaren Tieren spricht, diese Dankbarkeit also einfordert, strotzt nur vor Selbstgefälligkeit, aber mit dem IQ unterhalb einer Wasserschüssel.
Nicht vergessen: Weihnachten ist ein wunderliches Dankesfest. Da setzen alle Tiere, fein geclickert, zum scheineiligen Kaufrauschengel-Event ihr Nimm-mich-ich-bin-so-dankbar-Grinsen auf. Ist das nicht schön?
Das ganze Editorial (sorry, eigentlich muss es Leidartikel heissen) ist nur den Phrasendreschern gewidmet, die Dankbarkeit von Tieren einfordern. Die anderen dürfen sich amüsieren. Kostet eh nichts, wie die ganze Hundezeitung.
Für die hier Betroffenen jedoch gilt meine dringende Erinnerung: Für den fälligen Tierheimbesuch die alten Lebkuchen vom letzten Jahr entsorgen, äh, schenken, gell?
Denn nur ein paar mit Tierheim-Thanks-Giving-Invasoren ungeschulte Tierheim-Mitarbeiter sind auch so dankbar wie ihre Hunde. Doch nicht alle Tierheimmenschen sind so wie ihre Hunde! Die meisten unhöflichen undankbaren Tierheimmenschen darf man nicht mal besoffen um Mitternacht oder nüchtern, aber vor Dankbarkeitswillen trunken am Ruhetag (der gilt übrigens für alle Insassen des Tierheims) stören, bloss weil man die Dankbarkeit der Tiere mal testen will. Man will ja wissen, wofür die Dankbarkeit eingefordert wird. Tierheimhunde, zudem als Gebrauchthunde, sind doch immer verfügbar, daher sind sie so dankbar. Manche Dankbarkeitsbetroffene sind der Meinung, dass Tierheime Gefängnisse sind (ich sag es denen: wegen der Gitterstäbe zum Schutz vor leckerlibewaffneten Sonntags-Überfallern mit neurotischem Streichelzwang, weil Tierheimhunde ja auch dafür so … Sie ahnen, was? Nein?) - ganz im Gegenteil zu ihrem gezwungenen Plüschheim im hundefeindlichen Hochhaus und kleinkarierten Strebergarten mit geistiger und körperlicher Abwesenheitsgarantie. Isolationsfolter und Lügen über Tierliebe inbegriffen.
Nicht zu vergessen sind auch ein paar gebrauchte Sprüche wie: Tierheimhunde sind ja…
In Tierheimen steht immer ein grosser Container herum für leeres Stroh und hohle Phrasen.
Passen Sie gut auf ihre Hunde auf!
Ihr Rainer Brinks
P.S.: Man kann über die Feiertage aus heiterem Himmel undankbar gewordene Tierheimhunde ab 2. Januar wieder gegen frische, noch dankbarere eintauschen. Reklamationen bitte einklagen beim Verbrauchertierschutzbund, oder beim Phrasendreschtierverband.
*
*


Bereiche
Für jeden veröffentlichten Artikel unterstützen wir das
Artikel im Bereich Editorial