• Vorschlag: Hundefreundliche Versicherung

    Warum sind Hunde-Haftpflichterversicherer oft so unprofessionell unbeweglich? hundezeitung.de schlägt eine Versicherungspolitik vor, die sich an des Deutschen liebstes Kind, dem Auto orientiert. Vielleicht bewegt sich dann was in der Versicherungsdenke.

    Wir geben einige Ideen vor, die vielleicht schon anderswo praktiziert wurden, aber nicht beim nach wie vor lukrativen Markt der Tierversicherungen, hier eben mit Hunden. Dazu schlagen wir Marketing-Ideen vor. Hundezeitung tut dies nur, weil damit allen Hunden und den sozial verantwortlichen Hundehaltern aller Typen geholfen sein kann.

    Das Alleinstellungs-Merkmal (für Manager: Unique Seeling Proposition): Bonus-Malus-System wie bei Autos.

    Bisher führen die Hundeversicherer sogar noch die Hunde als prämienbestraft vor, die noch nach den ersten - noch fragwürdigeren - Annahmen als "gefährliche Rassen" geführt wurden. Die meisten Anbieter behielten diese nonsens Typisierung aber bei. Weg damit. Selbst die Landesverordner mussten ändern.

    Also: Wegfall der in der bisherigen Liste überholten, falsch bezeichneten und nicht existenten Hunderassen, die nach neuer Rechtssprechung (Landeshunde- Verordnungen) eben nicht als Rasse pauschal als gefährlich bezeichnet werden können. Biologisch ist dies ohnehin schon unmöglich.

    Daraus kann jeder Versicherungsanbieter aber einen Verkaufsvorteil ziehen, in dem er eben nicht sich den üblichen Ausschlüssen der Konkurrenzunternehmen anschliesst, sondern das Risiko verwaltungsrechtlich und biologisch nach dem Verursacherprinzip behandelt. Bei Versicherungsfällen eben mit Malus (Erhöhung der Versicherungsprämie), bei Schadensfreiheit mit Bonus (Minderung).

    Die bisherige Klassifizierung der Versicherer lässt sich nicht aufrechterhalten. Da macht ein cleverer Versicherer eben den Sprung nach vorn und richtet sich als einer der ersten Versicherer nach den neuen letztinstanzlichen Rechtssprechungen (siehe auch BVerwG).

    Dies lässt sich als gerecht und fair gegenüber den guten Hundehaltern verkaufen.

    Vergünstigung durch anspruchsvolle Hundehalter-Schulung

    Weiterer Anreiz: Man kann über anspruchsvolle Hundehalter-Seminare (wie sie nun auch immer genannt werden, aber ohne Verbands-Monopolisierung eines Führerscheins) eine zusätzliche Optimierung der Versicherungsprämie erreichen. Dies entspräche etwa bei Autoversicherungen einer Qualität wie "Garage, erfahrener Fahrzeughalter, wenige Kilometerleistung etc." oder etwa wie ein Sicherheitsseminar bei Autofahrern.

    So kann der Versicherer einen Mix schaffen zwischen hohem Anspruch an Versicherungsschutz, umfassende Prävention durch vorsorgliche Schulung und Unauffälligkeit (kein Schadens- bzw. Versicherungsfall). Und einen Kosten- Prämie-Input-Mix zwischen "schwierigen Kunden und pflegeleichten".

    Der hundefreundliche Versicherer fördert damit Sozialverträglichkeit bei hoher Gerechtigkeit.

    Alle diese neuen Argumente sind medienpolitisch sehr gut zu verkaufen, weil auch niemand mehr diskriminiert wird. Das zieht auch Kunden mit schwierigen Hunderassen an. Und es führt zur Solidarität anderer Hundehalter, die sich sagen: dies ist ein hundefreundlich fairer Versicherer.

    So schafft sich der clevere Hundeversicherungsanbieter ein Image des fairen Hundeversicherers.

    Zum Vergleich ein Bericht aus Österreich:

    "Wir verfügen - wie in Österreich üblich - über einen "Zusatz" zu unserer Hausratversicherung (zur Verdeutlichung: unsere Hauskatzen sind genauso wie alle menschlichen Haushaltsmitglieder pauschal im allgemeinen Hausrat/Privathaftpflichtversicherungs-Paket inkludiert, Hunde nicht): Der Beitrag beträgt Euro 42,88 pro Jahr. Damit wird Versicherungsschutz aus der Haftung für einen Hund bis zu einer Pauschal-Haftpflichtversicherungssumme von Euro 508.709,84 pro Schadensfall gewährt. Versicherte Risiken: Schäden, die fremde Personen an ihrer Gesundheit oder Eigentum (zum Beispiel Bissverletzung und Kleiderbeschädigung) erleiden. Schadensersatzansprüche, die zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall, den ein dem Besitzer entlaufener Hund herbeiführt, entstehen. Die Versicherung übernimmt zudem noch die gerichtlichen und aussergerichtlichen Kosten zur Abwehr von Schadensersatzansprüchen Dritter, und zwar auch dann, wenn diese unbegründet sind (!?!), ebenso die Kosten der von der Versicherungsanstalt beauftragten Verteidigung in einem Strafverfahren gegen den Hundebesitzer. Der Versicherungsschutz gilt europaweit. Laut Auskunft unseres Versicherungsberaters handelt es sich hierbei um einen alten Bonustarif für Stammkunden. Neuabschlüsse wären empfindlich teurer - sagt er. Glaub ich ihm sogar."

    *

    ©Hundezeitung 03/2003

    *