• Kurz, mittel- oder langhaarig?

    Es geht nichts über persönliche Vorlieben, allgemein: Geschmack. Da können ein paar grundlegende Fakten und Erfahrungen helfen. Jeder hat zweifellos so seine Vorstellung für den idealen Hund, oft schon seit Kindertagen. Das kann aber kein Ratgeber sein. Gerade der persönliche Geschmack endet bei Anfängern leicht in einer Enttäuschung, weil sie die Vor- und Nachteile nicht ahnen.

    Dennoch einige Überlegungen: Sie lassen fast alle Haare. Es ist meist nur eine Frage der Länge des Haares. Dem Pudel und - unnatürlich - Nackthunden - sagt man nach, sie verlören keine. Bei den letzteren ist das logisch. Sie haben keine.

    Haare sind Schutz für Klimaveränderungen, vor Nässe und vor schädigender Sonneneinwirkung. Sie sorgen für einen Temperaturausgleich. Dazu gibt es meist die natürlich Doppelisolierung aus Unterwolle und Deckhaar. Das letztere soll Feuchtigkeit abweisen, die Unterwolle ist gewissermassen die Isolation unter dem "Dach". Sie sorgt für Wärme bei Kälte, für Temperaturausgleich von Klimaunterschieden und isoliert auch vor zu starker Sonneneinstrahlung.

    Sie wechseln ihr altes Haarkleid zweimal im Jahr: wenn es nach dem Frühjahr wärmer wird und wenn es im Herbst wieder kälter wird. Man sollte hier mit dem Ausbürsten etwas nachhelfen. Ist aber meist der menschliche Sauberkeitsfimmel, die Vorsorge, den Staubsauger nicht zu strapazieren, und die immer "wertvollere" menschliche Einrichtung, in der wir unsere Hunde "mit einbringen". Einen Hirten schert dies nicht.

    A pro pos scheren. Leider gibt es Moderassen, ausgerechnet von Haltern, die ihre Hunde meist in zu warmen Wohnungen halten, die aber paradox viel Wolle angezüchtet bekommen haben. Der Bobtail ist so ein leidvolles Beispiel. Der frühere Old English Sheepdog hatte - auf alten Fotos oder Bildern noch zu sehen - gebräuchliches Vielhaar. Wie ein Herden- oder Hütehund. Züchter - hier mal wieder aus den puppigen USA - züchteten einen Riesenmopp heran. Mit den Ergebnis, dass viele Halter mit dem Auszupfen und Entfilzen nicht mehr nachkamen.

    Folge: Hautkrankheiten oder Totalschur. Dem Hund war letzteres wie eine Befreiung von menschlicher Dekadenz. Anderen Kleinsthunderassen wurden andere Vermenschlichungen angezüchtet, um einen Puppen-Kämm-Wahn zu befriedigen. Nichts anderes ist es, denn sonst hätten sie ja ihre praktischere Unterwolle behalten dürfen. Die jedoch lässt sich schwerlich kämmen.

    Nur langes Deckhaar deckt nicht mehr, nur menschliche Pflegebedürfnisse, die dann auch noch mit schädlich viel (Hunde-)Haarwäsche poliert wird. Nackthunde hingegen sind ihres natürlichen Mini-Schutzes beraubt. Züchterisch. Da können die Züchter von Nackthunden noch so viel wettern. Sie können, wie manche frisch geschorenen Schafe in sehr extremen Gegenden, einen Sonnenbrand bekommen. Von anderen Schwierigkeiten abgesehen. Es sind reine Haushunde. Zur Erinnerung: Mexikaner züchteten sich früher haarlose Hunde, weil sie nachwachsende Wärmeflaschen brauchten. Das war wenigstens ein ehrlicher Grund.

    Zu den normalen haarigen Fällen: Nicht jeder Hund braucht die gleiche Isolation bei verschiedenen Aufenthaltsbereichen und Aufgaben. Ein Schlittenhund - leider wird just er im heissen mediterranen Raum zur Mode - braucht seine dicke Unterwolle mit buschiger Rute, die sich beim Schlafen über den Körper wie eine Decke ausbreitet (wie auch bei den permanenten Outdoor-Spezialisten der aktiven Herdenschutz- oder Hütehunde). Der Jäger- Stöberhund nicht. Er braucht einen zeitweiligen Wetterschutz. Aber nicht so viel, damit sich eine zu dicke Unterwolle bei Wasserarbeit nicht vollsaugt. Die meisten Jägerhunde tragen gemässigte Unterwolle bei ausreichend wasserabweisendem Deckhaar. Wie auch Schäferhunde.

    Das Deckhaar darf nicht zu lang sein, damit es sich in Dornengebüsch nicht verfängt. Diese praktische und im Grunde zu 90 Prozent der Gebrauchsfälle genügende Haar-Mittelklasse nennt man meist Stockhaar. Die Kurzhaarigen frieren im Winter (von Ausnamen abgesehen). Schon, man sieht es auf so genannten Sportplätzen, wo sie frierend herumstehen und auf Arbeit, die erwärmen würde, warten. Sportwarteplätze. Es ist eine Frage der ständigen Abhärtung, wie sehr ein Hund friert oder nicht. Kurzhaar kann in vielen klimatisch wohltemperierten Fällen völlig ausreichen.

    Herdenschutzhunde haben ein dichtes und besonders am Kragen langhaariges Fell, um sich gegen die Bisse von Wölfen und Kojoten besser schützen zu können. Aber auch sie können bei entsprechend wärmeren Klimata anpassen und bis auf Stockhaar abrüsten. Werden Hunde fast ausnahmslos in - für das andere Temperaturempfinden von Hunden - überheizten Räumen aufgehalten, so werden sie empfindlicher gegen natürliche Umwelteinflüsse. Sie übernehmen auch hier die Gewohnheiten des verwöhnten Stadt-Halters.

    Kurzhaarige im Zwinger? Leider sieht man das häufig. Keine Frage: Kurzhaarige Hunde sind in engen Zwingern in der nasskalten Jahreszeit gesundheitsgefährdet.

    Haben Sie mal das Fell Ihres Hundes so richtig in vollen Zügen gerochen? Ihre relativ unfähige Nase einfach reingesteckt? Dann erst identifizieren Sie sich mit ihm, wie er es schon lange tut. Wer mehr Hunde hat, riecht mehr.

    Wer sich vor Hundegeruch, gar vor dem Haaren graust, der möge weiten Abstand nehmen vor Hundehaltung. Man kann das eine nicht ohne das andere haben. Die Ausreden kommen leider immer haariger daher. Wer tatsächlich unter Hundehaar-Allergie leidet, möge sich bitte vorher informieren und verzichten, bevor der Hund ins Haus kommt und dann wieder hinausgeworfen wird.

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