Kiste als Höhlen-Ersatz
Von Beatrix Urban, Irland
Letzter Teil - Das Wie
Bei den ersten Versuchen, mit geschlossener Kiste zu arbeiten, sollte der Mensch des Hundes immer dabei bleiben. Es gibt Hunde, die mit Angst/Panik reagieren können und sofort beruhigt werden müssen.
Bitte sicherstellen, dass alle grossen und kleinen Geschäfte vorher erledigt worden sind. Falls die Kiste doch einmal nass- oder vollgemacht werden sollte, kommentarlos reinigen und beim nächsten Mal beim Geschäftemachen besser aufpassen … oder frühzeitiger nach Hause kommen.
Bei längeren Aufenthalten das Halsband entfernen. Die Kiste darf niemals als Strafmassnahme benutzt werden.
Niemals auf die Kiste draufhauen, um den Hund "zur Ruhe zu bringen". Bei Gequengel strikt und konsequent ignorieren. Ggf. aus dem Raum gehen. Reizwörter einführen zum in die Kiste gehen und zum herauskommen.
Wie in den einführenden Teilen schon erwähnt, nehme ich zur zeitlichen Faustregel: ein Lebensmonat gleich eine Stunde ununterbrochener Kistenaufenthalt. Mehr können Welpen nicht - mehr dürfen wir nicht fordern.
Zu Anfang stelle ich eine Kiste einfach in den Raum, mit einer Kuscheldecke drin, ein paar versteckten Leckerchen, einem Spielzeug. Welpen sind von Natur aus neugierig und werden die Kiste als nicht "bedrohlicher" empfinden als die Nische unter dem Schreibtisch, die Ecke am Putzschrank oder hinter der Couch.
Also werden sie dort früher oder später reinkriechen … und mit Begeisterung feststellen, dass die Kiste Laune machen kann. Der Hund kann sich dort verstecken, Leckerchen finden, in Decken wühlen, vielleicht darf er mal eine Papprolle zerschreddern und in Ruhe spielen - oder seine Spielsachen/Knochen zerlegen, ohne dass er gestört wird.
Soll der Hund nun "schlafen" gelegt werden (und ich benutze hier absichtlich den Vergleich, ein Kleinkind ins Gitterbett oder in den Spiel-"stall" zu legen, denn nichts anderes ist die Kiste für den Hund), ist es bei Welpen leicht, sie vorher müdezuspielen und dann zum Schlafen in Ruhe "abzulegen". Dann wird in der Kiste gefüttert und für den Zeitraum des Fütterns die Türe zugemacht.
Quengelnde Hunde ignoriere ich, wenn ich einschätzen kann, dass er "nur" rauswill; dieses Quengeln sollte sich nach einer kurzen Zeit legen. Quengeln wegen eines Toilettenbedürfnisses hört sich anders an und diesem sollte nach menschlicher Aufforderung nachgegeben werden. Nach einem Kistenaufenthalt muss der Hund herumlaufen und spielen dürfen, damit er nachvollziehen kann, dass die Kiste nur eine vorübergehende Sache ist. Sobald "Ruhe im Karton" herrscht, gibts ein Extra-Leckerle oder Spielzeug. So schwer es mir manchmal fällt (und oft besonders meinen Ohren): kein Hund wird aus der Kiste geholt, solange gequengelt wird. Selbst der ausdauerndste Quengler muss irgendwann Luft holen und Pause machen. Diese Pause kann genutzt werden, um das Reizwort zum Herauskommen zu üben. Der Hund wird verstehen, dass er aus der Kiste gelassen wird, wenn das Wort gesagt wird, nicht weil er quengelt. Das Quengeln darf allerdings nicht das Wort generieren. Präzises Timing ist angesagt.
Es ist wie bei allen anderen Situationen im Hunde-Mensch-Alltag so, dass das Alter des Hundes unabhängig davon ist, ob ein Hund an eine Kiste gewöhnt werden kann oder nicht. Gerade ältere Hunde mit mehr Lebenserfahrung als Welpen kommen schneller auf den Trichter und werden die Kiste nutzen, besonders, wenn die Türe aufsteht. In unserer multiplen Hunde-Familie kann es sogar zu Rangeleien kommen, wer die Kiste benutzen darf. Oft sind mehrere Hunde in einer Kiste zu finden, obwohl Hundebetten mit Einlagen und auch auf dem Boden liegende Decken Kuschelecken anbieten. Daher ziehe ich den Schluss: Würden sich die Hunde drum streiten, wenn sie die Kiste als etwas Bedrohliches/Beengendes ansehen würden? Es scheint eher, dass es ein Privileg ist, die Kiste aus eigenem Antrieb wählen zu wollen. Denn die Kistenwahl erfolgt strikt der Rangfolge nach.
Wenn der Einsatz der Kiste in den Alltag mit eingebaut und niemals als Strafmassnahme benutzt wird, dann werden Hunde in gewissen Situationen die Kiste ohne Aufforderung aber aus Erfahrung aufsuchen. Zum Beispiel beim getrennten Füttern eines Hundes, der sich nicht um Futter zanken wird, aber trotzdem seine gewisse Portion einnehmen muss, ohne dass sich jemand anders an seiner Schüssel bedient.
Der höherrangige Hund steht dann draussen vor und macht seinen Meckeranspruch geltend, der niedrigrangige Hund muss nicht erwidern und kann in Ruhe futtern. Wenn also nun der Zeitpunkt der Fütterung kommt und ich mit den Schüsseln in der Hand auftauche, gehen die entsprechenden Hunde freiwillig in ihre entsprechenden Kisten.
Wenn es an der Zeit ist, durchzuputzen und draussen regnet es dermassen stark, dass die Hunde nicht raussollen, passiert folgendes: Sobald der Eimer und der Mop, der Schrubber und die Tücher in einen Raum gestellt werden, setzt sich die "Kistenprozession" in Bewegung. Je nach Zusammensetzung der anwesenden Hundegruppe durchaus jeden Morgen/Abend anders. Die Hunde suchen sich ihren Kistenpartner aus, die Alphas besetzen, die Omegas gesellen sich dazu. Wenn die Kiste hinten im Auto steht und der Hund es gewohnt ist, drin zu verreisen, wird er anstandslos dort hineinspringen.
Gegenargumente
Als Kisten-Fan fallen mir ehrlich gesagt keine verwertbaren Gegenargumente ein. Es gibt Menschen, die grundsätzlich jede Art von Freiheitsberaubung (zum Beispiel auch bei Nagetieren) und Bewegungseinschränkung ablehnen, die in der Konsequenz den Gebrauch von Leinen und Gartenzäunen als Zwang ansehen.
Ein einziges Argument pirscht sich nach vorne: Size is the Limit. Es ist natürlich einfacher, einen mittelgrossen Hund in eine Kiste zu tun als etwa eine Dogge. Ich bin nicht einmal sicher, ob es Kisten gibt, die 1,5 mal der Länge einer Dogge, eines Irischen Wolfhound, eines Bernhardiners oder Mastiffs entsprechen.
Aber vielleicht hat jemenscht Lust, das herauszufinden?
© bei der Autorin 2/2002


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