Kiste als Höhlen-Ersatz
Von Beatrix Urban, Irland
3. Teil: Stubenreinheit - nicht nur bei Welpen
Die Idee ist natürlich nicht, den Welpen stundenlang in die Kiste einzusperren, weil mensch nun weiss, dass Hunde ihren Schlafplatz nicht vollmachen und somit seinen Teppichboden oder die Küchenfliesen vor Flecken und Geruch retten kann. Wer tagsüber zuhause ist, hat den entscheidenden Vorteil, das Timing des Lösens seines Welpens optimal mitzubekommen.
Nachdem der Welpe geschlafen beziehungsweise gefressen und getrunken hat, geht mensch mit ihm nach draussen, wo er hinmachen darf und soll. Je nach Alter dauert es bei Welpen zwischen zwei und zwanzig Minuten, bis alles, was rauskommen soll, auch rausgekommen ist. Oft brauchen sie mehrere Angänge und produzieren erfolgreich recht grosse Hinterlassenschaften. Am besten klappt es, wenn der Welpe sich voll auf sein Geschäft konzentrieren darf und nicht durch Spiele oder Totgequatsche von Seiten seines Menschen auch noch abgelenkt wird. Oder durch Stress ("mach schon!") gehemmt wird.
Sobald der Hundler das Timing seines Welpens erkannt hat, wird die Routine schneller gehen.
Hat der Gang nach draussen den erwünschten Erfolg nicht gebracht, kann der Welpe ruhigen Gewissens für ca. zehn bis fünfzehn Minuten in die Kiste gesetzt und nochmals ohne Spielaufforderungen oder Ablenkungen nach draussen gebracht werden. Erst wenn der Welpe seine Arbeit verrichtet hat, sollte gelobt und gespielt werden.
Bei Welpen ab ca. zwölf Wochen mit fester Routine setze ich die Kiste auch nachts ein. Die Hunde werden gegen 20 Uhr gefüttert, haben danach reichlich Zeit zum Lösen und Spielen, und ich setze sie gegen 23 Uhr in die Kisten zum Schlafen. Morgens gegen vier Uhr verkünden die jüngeren, dass es Zeit für sie ist, rauszugehen.
Dieses Gekrähe ist ein deutlich fordernderes als das Ich-will-aber-noch-nicht- ins-Bett-Gequengel, das in der Regel nach einigen Minuten abebbt. Liebe Hundler, seid versichert, niemand braucht sich für morgens einen Wecker zu stellen, die Welpen kriegen einen auf jeden Fall wach. Erfreulicherweise stelle ich immer wieder fest, dass bei allen Welpen die Kiste saubergeblieben ist.
Als Faustregel für Kistenzeit gehe ich von einer Stunde ununterbrochener Kistenzeit pro Lebensmonat bei Welpen aus.
Stubenreinheit - erwachsene Hunde
Wir dürfen immer wieder die Erfahrung machen, dass es auch erwachsene Hunde gibt, die nicht stubenrein sind im Sinne von "nicht im Haus machen". Streuner, die monate- oder sogar jahrelang als Selbstversorger gelebt haben, sind in der Regel Opportunisten und leben ohne jegliche feste Routine.
Obwohl sie ihre Schlafstätten nicht beschmutzen werden, kennen sie das Prinzip "Haus" nicht. Der Vorteil bei erwachsenen Hunden ist, dass sie auf Grund ihres Alters länger einhalten können als Welpen und mensch sich keine Sorgen um die Überstrapazierung der Blase machen muss. Erwachsene Hunde bei uns dürfen nach einem anstrengenden Tag von zwölf bis fünfzehn Stunden draussen "endlich, endlich" in ihre Kisten mit weicher Decke, Knochen und wartender Futterschüssel und haben keine Probleme damit, von 20 Uhr bis morgens gegen 8 Uhr durchzuschlafen. Ich möchte drauf hinweisen, dass dies die Regel bei gesunden Hunden ist.
Tagsüber, also in der hundeaktiven Zeit, würde ich einen Hund nicht länger als acht Stunden ununterbrochen in die Kiste tun, wenn er zum Beispiel krank ist. Dies ist keine Dauereinrichtung zur Aufbewahrung von Hunden.
Die Kiste als Ruheplatz
Tagsüber darf die Türe zur Kiste ruhig aufstehen, genauso, wie das "Körbchen" nicht weggeräumt wird. Im Gegensatz zu der allgemeinen Annahme, dass Hunde den ganzen Tag über aktiv sind, rennen, spielen und buddeln wollen, habe ich festgestellt, dass Schlafplatzangebote gerne und zu tatsächlich bestimmten Zeiten von den Hunden angenommen werden.
Ich lege am Wochenende zum Beispiel viel Wert darauf, dass alle Hunde eine Art "Mittagszeit" einhalten, die Hunde gehen dann in die Boxen und schlafen oder dösen einfach vor sich hin. Es scheint ein Bedürfnis für die Hunde gleich welchen Alters zu geben, denn alle gehen freiwillig in ihre Kisten hinein - und kommen oft selbst bei aufstehender Türe nicht mehr heraus.
Bei Familien mit Kindern ist es für den Hund auch eine Art Schutzzone, in der Kinder nichts verloren haben. Gerade jüngere Kinder können für Hunde anstrengend sein. Dem Hund sollte eine Rückzugsmöglichkeit geboten werden, die kindseits respektiert werden muss. Notfalls kann mensch auch das Kanarienvogelkäfig- Prinzip anwenden und zusätzlich über einen Metallkäfig eine Decke hängen - was von Welpen und unternehmungslustingen Junghunden allerdings als Spielaufforderung zum Tauziehen gewertet und entsprechend umgesetzt werden kann.
"Sicherheitsaufbewahrung" und Spielplatz
Wenn mensch nun das Haus mal für unbestimmte Zeit verlassen muss und seinem Hund in bezug auf Stubenreinheit und diversen Kauaktivitäten nicht hundertprozentig vertrauen mag, darf (er muss niemals) der Hund in die Kiste. Solange vorher dafür gesorgt ist, dass der Hund sein Geschäft verrichtet hat, einige Kauspielzeuge und Knochen in der Kiste hat, eine trockene Decke und ein wenig Wasser in der Hängeschüssel, kann sich mensch getrost und ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass dem Hund (oder der Fernbedienung oder dem Telefon, dem Teppich oder den anderen Möbeln) während seiner Abwesenheit etwas geschehen sollte, auf den Weg machen.
Die Abwesenheit sollte auf jeden Fall auf das Alter des Hundes und seiner Fähigkeit zum Einhalten angepasst werden.
So wie viele Kinder die unangenehme Angewohnheit haben, ihr Spielzeug überall im Haus und Garten zu verteilen, haben viele Hundler die Eigenart, ihren Hunden überall Spielsachen und Knochen anzubieten. Sobald ein Hund an die Kiste gewohnt ist, wird er anfangen sein Spielzeug und seine Knochen in seiner Kiste zu horten. Dasselbe Verhalten kennen viele Hundler von Hunden, die im Körbchen schlafen und spielen und auch dort ihre Spielzeug und oft selbst Futternäpfe hinschleppen. Das Prinzip ist dasselbe. Damit erkennt der Hund seine Kiste als seinen Platz an und verweilt sich dort auch im Spiel, wird seine Knochen dort zum Nagen hineintragen oder wenn er sich die Mühe macht, Futterbrocken aus der Schüssel in die Kiste tragen, um dort unbeobachtet zu futtern.
Besuche und Besucher
Nicht jeder Mensch, der einen Hundler besuchen kommt, legt Wert auf die Anwesenheit und ungeteilte Aufmerksamkeit, die der Hund dem Besucher zuteil werden lässt. Für uns Hundler unverständlich und nicht so einfach nachvollziehbar - aber jedem Tierchen sein Pläsierchen; es gibt Menschen, die vielleicht Angst vor Hunden haben, aus medizinischen oder hygienischen Gründen keinen Kontakt mit ihnen wünschen oder einfach nur "in Ruhe" von Mensch zu Mensch kommunizieren wollen. Für mich am Beispiel "Besuche bei Freunden mit Kleinkindern, die nicht gewohnt sind, sich alleine zu beschäftigen" total nachvollziehbar.
Oder es gibt Hundler, die sich eine Auszeit von ihren Hunden herausnehmen wollen. Was völlig in Ordnung ist. Um den Hund nicht komplett von der Gesellschaft auszuschliessen - sei es bei Besuchern im eigenen Haus oder wenn Hundler selbst Besuche macht - darf der Hund in seiner Kiste im selben Zimmer bleiben. Schliesslich soll der Hund mit Besuchern allgemein oder diesem spezifischen Besucher nicht verknüpfen: och du je, jetzt ist der Kerl hier, da muss ich wieder in die Küche. Hunde merken sich sowas. Jawoll. Wenn mit Hund ein hundefreier Haushalt besucht wird, sollte akzeptiert werden, dass der Hund im Haus nicht freilaufend erwünscht ist.
Mensch kann die Kiste als "ich bringe den Hund mit und er kann in der Kiste bleiben" Alternative anbieten. Damit ist der Hund jederzeit unter Kontrolle (Haftpflichtversicherung - es sind schon Freundschaften und Bekanntschaften an kleineren Übeln als an kaputten Haushaltsgegenständen, angesprungenen Kindern, zerkratzten Parkettböden oder Löchern in der Hose in die Brüche gegangen), fühlt sich in einem fremden Haushalt vielleicht nicht gar so fremd und ist glücklich, in der Nähe seines Menschen bleiben zu dürfen.
Autofahren und Verreisen
Viele Hunde bellen, wenn sie im Auto sind, aus dem Fenster schauen und meinen "ihr" Auto gegen Fussgänger, Motorräder, Lkw, Kühe, Pferde, Jogger und vor allem draussen herumspazierende andere Hunde verteidigen zu müssen, die Verkehrslage zu kommentieren oder einfach nur den Fahrer unterhalten wollen.
In der Regel legt sich das mit der Routine des Autofahrens, des schlichten Nichtbeachtens von Seiten des Fahrers oder simpel mit dem Alter des Hundes. Nur - bis es soweit ist, ist der Fahrer oft halbtaub oder hat sein Hörgerät auf "aus" geschaltet. In Kisten reisende Hunde können nicht sitzen oder auf den Hinterbeinen stehen bzw. in "Sprungbereitschaft" abfedern.
Wenn der Hund vernünftig an seine Kiste gewohnt ist, wird er die Kiste mit Ruheplatz und Schlafen verbinden und auch bei der Autofahrt nach einer Weile einnicken. Natürlich erfüllt eine Decke im Fussraum, hinten im Kombi oder auf dem Rücksitz gegebenenfalls in Verbindung mit diesen Hunde- Autosicherheitsgeschirren-die-auch-zum-Spaziergang-taugen dieselbe Funktion. Aber was, wenn es knallt?
Bei einem Autounfall wird ein Hund die noch so kleinste Lücke finden und raus aus dem verunfallten Wagen flitzen, noch bevor sein Mensch reagiert hat. Der Hund kann auf die Strasse rennen und weitere Unfälle verursachen bzw. selber niedergemäht werden. Sitzt er in seiner Kiste, besteht eine recht gute Chance, ihn in einer solchen Unfallsituation relativ wohlbehalten aus der Kiste auch wieder herauszuholen.
Eine Bekannte in USA hatte gerade einen Unfall mit ihrem Van, in dem drei Hundekisten mit Hunden besetzt standen. Ihr ist seitlich ein Wagen reingeknallt, ein Hund ist durch den Aufprall gestorben, die anderen beiden haben in ihren zwar demolierten aber standhaltenden Kisten überlebt. Fotos schicke ich gerne auf Anfrage zu. In jedem Fall aber blieben die Hunde von der Fahrbahn weg.
Wenn eine Reise aus irgendwelchen Gründen unterbrochen wird oder länger dauert als angenommen und eine ungeplante Übernachtung wird fällig - was dann? Meine Hunde sind es ja gewohnt, in ihren Kisten im Auto zu übernachten (bitte an Luftzirkulation denken!).
Viele Hotels, Pensionen, Motels erlauben keine Hunde. Ich habe erfolgreich die Meinungen dazu umstimmen können, indem ich mit den Kisten angerückt bin. Einen Versuch ist es allemal wert.
Kranke Hunde
Wer schon mal seinen Hund vom Tierarzt zum Beispiel nach einer Narkose abgeholt hat, weiss genau, wie Zombies laufen oder die Katze in Stephen Kings Tierfriedhof. Die Tiere haben die Operation gut überstanden, sind wohl noch wackelig auf den Beinen aber versuchen uns davon zu überzeugen, dass sie total fit sind. Sind sie aber nicht.
Sie sollten mindestens noch 24 Stunden Ruhe haben. Und zwar so, dass sie nicht torkelnderweise sich selbst durch Herumlaufen, Treppensteigen, versuchtes Türenaufmachen, Herauf- oder Anspringen verletzen können. Sie brauchen Ruhe. Striktestens. Ein an die Kiste gewöhnter Hund wird sich dankbar für die Auszeit in seine Kiste legen.
Ein nicht an die Kiste gewöhnter Hund wird sich dankbar für die Auszeit in seine Kiste legen. Ach ja? Jawoll. Und das machen wir uns jetzt zunutze, einen nicht an eine Kiste gewöhnten Hund ruck-zuck dran zu gewöhnen. Beim Tierarzt liegen die Hunde in der Regel ebenfalls in kleinen, engen "Abteilen". Beim Tierarzt macht es ihnen vielleicht nicht viel aus, sind sie doch in einer Umgebung, die nach anderen Tieren, nach Medikamenten, nach Blut und anderen Ausdünstungen riecht. Vielleicht liegt im Nebenabteil sogar eine Katze! Nicht unbedingt erfreuliche Aussichten für jeden Hund.
Sobald Hund nach Hause kommt, ist es ihm relativ egal, wo er zu seiner Ruhe kommt. Ein Aufenthalt mit Behandlung beim Tierarzt ist stressig und Hund wird froh sein, wieder nach Hause zu kommen - und in eine kleine "Höhle". Erfährt der Hund dann, dass es in der Höhle eigentlich gar nicht so schlecht ist, weil seine Decke und Spielzeugs drin liegt, er dort drin zu fressen und zu trinken bekommt, seine Menschen ihn besuchen, streicheln, nach draussen bringen und ihn nicht vergessen haben, dann wird die Höhle sein neuer bester Freund.
Trennungsangst
Auch einem Hund, der unter Trennungsangst kann die Kiste helfen, diese Schritt für Schritt zu überwinden - aber immer nur in Verbindung mit allen anderen Begleitmassnahmen, auf die ich hier nicht eingehen werde - es ist einfach ein anderes Thema. Die Kiste kann dem Hund helfen, seine Trennungsangst zu schmälern, den Verlust seines Menschen leichter zu ertragen, weil er sich in seinem Wohlfühlelement aufhält.
Sein Mensch kann ihm zum Beispiel ein T-Shirt mit seinem Geruch - oder auch alte Stinkesocken - mit in die Kiste geben. Viele Hunde fangen an, aus Verzweifelung über die Abwesenheit ihrer Menschen destruktiv zu werden. Bei Rückkehr des Menschen werden sie in der Regel geschimpft dafür - was dem Hund allerdings relativ egal sein dürfte; sein Hauptgedanke ist nur: "mein Mensch ist wieder da". Warum also dem Hund die Destruktionsphase "planen" und ihm zu zerstörende Sachen mit in die Kiste geben?
Ängstlicher/scheuer Hund
Viele vernachlässigte, misshandelte oder einfach schlecht sozialisierte Hunde und auch viele "ganz normale" Hunde verhalten sich in der Anfangszeit in einer neuen Familie zurückhaltend-passiv-beobachtend und abwartend. Diesen Hunden kann die Kiste ebenfalls helfen, Selbstsicherheit aufzubauen, Rückhalt und Rückzugsmöglichkeit zu bieten.
Ich gehe hier weiter nicht darauf ein, welche anderen Optionen begleitend zu der Kiste bei solchen Hunden nötig sind, beschreibe lediglich, wie wir "solchen Hunden" zusätzlich mit der Kiste helfen können. Bei uns gibt es eine hundsche Reizüberflutung aufgrund der Zahl der Hunde, die bei uns und auch mit im Haus leben. Schüchterne Hunde orientieren sich gerne an den erfahreneren, routinierteren und gucken viel bei ihnen ab.
Um die inter-hundsche-Sozialisierung brauchen wir uns somit keine Sorgen zu machen/nicht zu kümmern. Der Hund soll nun verstehen, dass das Auftauchen eines Menschen mit etwas für ihn Positivem in Verbindung steht, also immer wenn mensch auftaucht, gibt es a) etwas zu futtern, b) 1:1 Aufmerksamkeit oder c) es geht raus in den Garten.
Der Tagesablauf eines solchen Hundes sieht im Grunde so aus, dass er zuerst aus der Kiste kommt, nach draussen geht, dann wieder in die Kiste rein zum fressen (mein Platz!). Dann kommt er tagsüber zu den anderen Hunden zum Spielen. Abends wird der Hund (oftmals wortwörtlich) eingefangen und ab geht es in die Kiste zum entstressen. Nach ca. einer halben Stunde wird der Hund wieder rausgeführt (Leinentraining) nur für zehn Minuten, um den Hund nicht zu überfordern.
Anschliessend geht's in die leere Küche, wo der Hund "nur" nicht beachtet wird, während ich zum Beispiel Futter vorbereite, spüle, wische oder telefoniere. Dann geht es zum Futtern wieder in die Kiste. Vor dem Schlafengehen geht es noch mal raus.
Es dauert in der Regel eine Woche, bis der Hund einen freudig begrüsst, sich auf das Leinegehen freut und auch auf die "private" Zeit in der Küche. Wichtig ist für solche Hunde, dass ihre Privatsphäre nicht gestört wird, sei es durch neugierige andere Hunde oder versehentlich falsch ausgegebener Schüsseln oder Spielzeug.
Wie in Teil I bereits erwähnt, das Prinzip "Wenn ich mir die Augen zuhalte, kannst Du mich auch nicht sehen" funktioniert auch bei Hunden.
© bei der Autorin 2/2002


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