Ich möchte ein Mittel zum Zweck vorstellen, das von vielen Hundlern abgelehnt oder gar nicht erst in Betracht gezogen wird, wenn es unter anderem zum Thema "Stubenreinheit, verängstigter/unsicherer Hund" und auch "allzu übermütiger Hund", "Trennungsangst" als Hilfe zur Überbrückung, nicht als alleinige "Kur" von Trennungsangst und "Alleinlassen" kommt.
Als Befürworter dieses Hilfsmittels möchte ich das Wort "Hilfe" so verstanden wissen, dass in allererster Linie dem Hund geholfen wird, nicht dem Halter. Hier also einige Gedanken zum Thema Crating (engl.: crate = Kiste). Einsatz von Hundekäfigen und Transportkisten - kurz: die Kiste.
Das Höhlenbedürfnis
Wer einen Hund hält, sollte wissen, dass dieser Hund vom Wolf abstammt und sich trotz Domestizierung (Haushundwerdung) über die Jahrtausende viele Basisinstinkte erhalten hat. Da in der Wildnis die Wölfe Höhlen nutzen oder selber graben, um ihre Jungen zur Welt zu bringen, und selbst Haushündinnen, die bei der Geburt auf sich alleine gestellt sind, dasselbe Verhalten an den Tag legen, wenn sie dürfen und gelassen werden, behaupte ich nun einfach mal: Alle Welpen brauchen eine Höhle.
Wer kennt dieses Höhlensuchverhalten von seinem eigenen Welpen oder auch erwachsenen Hund denn nicht? Es wird gerne unter Tischen oder Betten, in Pappkartons oder hinter Sesseln ein ruhiges Plätzchen gesucht. Im Garten wird unter einem Strauch eine Grube gebuddelt. Nicht nur Katzen schlafen ab und zu in Kleiderschränken. Mir ist ein Welpe in den Wäschetrockner gekrochen, um zu schlafen.
Es wird gerne im domestizierten "Körbchen" geschlafen. Diese Lieblingsplätze werden nicht nass- oder vollgemacht. Alle Welpen lernen von ihren Müttern, dass die Schlafhöhle sauber zu bleiben hat; sie putzt den Kleinen die Stoffwechsel-Ausgänge und Geschlechtsorgane ab, frisst fest Hinterlassenschaften auf und hält so die Höhle sauber. Der unmittelbare Lebensraum wird nicht beschmutzt. Bei Wildhunden ist das auch notwendig, da sich sonst Feinde von den Exkrementen angezogen fühlen könnten.
Die Höhle ist in der Regel so klein, dass sie den Bewohnern eben nicht genug Platz bietet, um in einer Ecke zu pittern, in der nächsten zu schittern und in den verbleibenden Ecken zu schlafen, essen und spielen.
Das nenne ich Hamsterkäfig-Prinzip, da Hamster sich ihre Käfige so einzuteilen scheinen.
Deshalb bieten sich Garagen, Zwinger (als Ganztags- und Allround-Lösung) und zweckentfremdete Wirtschafts- oder Kellerräume meines Erachtens nicht als idealer Aufenthaltsraum für Hunde an.
Diese zugeteilten Orte sind einfach zu geräumig und werden mit Sicherheit verschmutzt. "Auslauf und Bewegungsfreiheit" können in den meisten Fällen sowieso nie genügen.
Wer mit Hunden unterschiedlicher Grösse zusammenlebt, wird beobachtet haben, dass grosse Hunde durchaus erfolgreich versuchen, sich in für sie viel zu kleine Hundebetten oder andere Behältnisse hineinzurollen. Auch grosse Hunde können sich dafür sehr klein machen, um im Freien der Witterung nur die kleinstmögliche Oberfläche zu bieten und daher nicht so schnell auszukühlen.
Begleitet von emotionalen Ausbrüchen und Kommentaren wie "oh, wie niedlich" bis zu "guck mal, ist der doof" stört sich der Hund nicht weiter dran; ihm gibt die räumliche Enge die Sicherheit, dass er im Schlaf zusammengerollt bleibt und nicht "auseinanderfällt", darüber hinaus eben seine eigene Körperwärme optimal konservieren kann.
Oft hängt ein Bein oder der Kopf über den Hundebettenrand und suggeriert uns eine für den Hund unbequeme Stellung, die leider von vielen Hundlern durch Umquartieren "korrigiert" wird. Wenn sich der Hund strecken oder eine andere Position einnehmen will, wird er das aus eigenem Antrieb tun. Er braucht uns dazu nicht.
Temperaturausgleich kann zum Beispiel durch ein auf den Rücken legen und eine Wärmeableitung durch ein "alle Viere von sich" erfolgen.
Oft legen sich mehrere Hunde in ein solches Bett hinein; "gequetscht" ist der eher elegantere Ausdruck, der das Massenschlafen eines solchen "Hundehaufens" auf engstem Raum beschreibt. Nicht zwingend bequem für die Hunde, die durchaus körperliche Nähe suchen, sondern wichtig fürs domestizierte Sozial-, in der Wildnis fürs Überleben.
Dieses Sicherheitsbedürfnis gilt besonders für ehemalige misshandelte, vernachlässigte schlecht mit Menschen sozialisierte, verängstigte oder schleicht neu in einer Familie aufgenommene Hunde. Sie kauern sich anfangs vielleicht unter Sofas, hinter den Staubsauger im Wirtschaftsraum oder einfach nur in dunkle Ecken, um zu beobachten, was um sie herum vorgeht, wann und warum.
Diese Hunde "funktionieren, denken und schlussfolgern" wie ein zweijähriges Kind, das die Augen schliesst und annimmt, weil es die Umgebung nicht sehen kann, kann die Umgebung es ebenfalls nicht sehen. Diesen fehlangenommenen Umkehrschluss kann der Hundler für sich konstruktiv nutzen (mehr im zweiten Teil).
Fazit: Jeder Hund hat also dieses Höhlenbedürfnis, so wie Kinder ihre Kuscheldecken, Lieblingsteddies usw. (auch zur Geruchs-Identifizierung) haben. Diese Höhle braucht tatsächlich aus geschilderten Gründen nicht viel grösser zu sein als dem Hund zu erlauben, sich umzudrehen und sich bequem hinzurollen. In dieser gemütlichen Höhle fühlt der Hund sich sicher unbeobachtet, sollte sich mit der Gewissheit in sie zurückziehen können: "Dies ist meine Höhle, hier kann mir nichts passieren".
Auch Hunde brauchen ihre Privatsphäre. Und die verdiente Ruhe auch die so genannten hyperaktiven Hunde.
Der menschliche Faktor Warum lehnen also viele Hundler den Einsatz von Kisten ab? Vielleicht, weil die Klappkäfige eben das sind, wonach sie aussehen: Käfige. Vielleicht, weil die flugtauglichen Kisten keinen direkten Einblick auf den Hund zulassen und ihn optisch von uns isolieren und "ausschliessen".
Würden die Kisten aussehen wie niedliche kleine Hundehäuschen mit Fenstern, Schornstein, über der Türe schaukelnden Knochen, Pfotenabdrücken aussen und aufgemalten Blümelein, hätten sie auf Grund des freundlichen Aussehens möglicherweise eine grössere Akzeptanz. Obwohl sie immer noch das wären, was sie eigentlich sind: von innen betrachtet bleibt eine Kiste nun mal eine Kiste.
Von Beatrix Urban, Irland
© bei der Autorin 2/2002


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