Hund und Auto
Beratung für die mobile ZweckgemeinschaftZur Einführung gleich ein drastisches Beispiel. Es
führt alle Dummheiten vor, die man in Beziehung auf eine
Autofahrt mit Hunden machen kann. Nur eine nicht: Unfälle
können allen Hundehaltern passieren. Man
kann jedoch vorbeugen.
Die dpa-Nachricht: "Bei dem Versuch,
ihre Hunde einzufangen, hat eine Frau auf der A 3
Nürnberg-Würzburg einen Serienunfall mit fünf
Verletzten verursacht. Sie selbst sowie eine 73-jährige
Rentnerin in einem nachfolgenden Wagen wurden schwer verletzt. Die
40-jährige Frau war bei Höchststadt ins Schleudern
geraten und in die Mittelleitplanke gerast. Als sie die
Autotür öffnete, sprangen ihre beiden Hunde aus dem
Wagen. Die Frau versuchte, die Tiere einzufangen und wurde von
einem Auto erfasst und auf die Fahrbahn geschleudert. Vier weitere
Autos fuhren in die Unfallstelle. Einer der Hunde wurde
tödlich verletzt. Der andere wurde eingefangen und in ein
Tierheim gebracht."
Wenn die Hunde gesichert im Auto
untergebracht worden wären, also dort, wo sie hingehören,
hätten sie nicht aus dem Auto springen können. Und so
weiter. Wie oft muss man das Hundehaltern noch sagen, wenn sie
schon nicht von selbst drauf kommen, ihre Tiere vor dem
Möglichen zu schützen! Es ist nicht nur gefährliche
Dummheit, sondern die pure Ignoranz nach dem dummen Motto: Mir
passiert das doch nicht!
Die vermeintlich heitere Variante des mobilen Themas: Wie entzückend, wenn sich der luftige Hund lustig aus dem Cabrio hängt. Heiter flattern die Haare im Winde. Auch bei Limousinen sieht man die Hunde und ihre Menschen gern die Augen in den Wind strecken. Das ist überhaupt nicht witzig! Vor allem nicht für den Hund.
Manche Halter wundern sich noch
nach Jahren, warum ihr Hund danach immer so rote Augen hat und
"weint". Die chronische Bindehautentzündung bringt nur Geld in
die Kasse des Tierarztes/der Tierärztin. Dem Hund bringt es
scheinbare Luft in einem mobilen Blechkasten, aus dem er eigentlich
bei jeder sich bietenden Gelegenheit entrinnen will. Nix wie raus
hier! ist seine Devise. Hunde, denen vom ihren Halter nachgesagt
wird, sie führen gerne Auto und sprängen in jede offene
Autotüre hinein, glauben nur, dass der Hund gern im Auto
fährt. In tierlicher Wahrheit sucht er nur jede Gelegenheit,
um bei seinem Herrchen oder Frauchen zu sein, und wenn es im Auto
ist. Wenn er Glück hat, wird er nicht enttäuscht am Ziel:
es geht ab in die Wiese! Wenn er Pech hat, muss er beim Einkaufen
brüten bis zum elenden Verrecken. Auto und Hund sind eine
notgedrungene Zweckgemeinschaft. Wo der Mensch, da ist auch sein
Hund gern, und wenn es im Auto sein muss. Dabei sind sie nicht
gerade füreinander geschaffen. Hunde sind erstens Lauftiere
(was man selbst von einem notorischen Jogger nicht behaupten kann),
zweitens brauchen sie extrem frische Luft. Drittens sind es das
mobile Revier verteidigende Jäger. Und dann nehmen sie ihre
angelernte Aufgabe wahr, demolieren sie in astreiner tierlicher
Übersprungshandlung die wertvolle Conolly-Lederausstattung.
Ist ihnen aber sch*-egal: sie verteidigen die mobile
Hundehütte. Was tun? Ein neues Auto kaufen? Keine schlechte
Lösung, wenn Sie ohnehin an einen `Wechsel dachten und der
vierrädrige Mikrowellenherd nicht ideal scheint.
Hundefreundlich ist auf jeden Fall ein möglichst grosses
Luftvolumen in Relation zur Hundegrösse. Und ein kühler
Rückzugsraum, und zwar dort, wo es nicht nur die Versicherung
gestattet. Auf längeren Reisen sollte der Hund sich
aufrichten, strecken können. Beim Innenmass des Autos misst
man dazu die absolute Höhe des Hundes und gibt ein paar
Zentimeter Luft hinzu. Ausserdem schafft reichliches Luftvolumen
zusätzlichen Sauerstoff, und den benötigt ein Hund mehr
als Menschen. Hitzestaus im stehenden Wagen sind eine tödliche
Gefahr für Hunde. Es sind also nicht nur möglichst steil
eingebaute Fensterflächen (besonders im Laderaumbereich) zu
berücksichtigen, sondern auch die Wanderung des Sonnenstandes
während der Parkzeit. Bei einer Aussentemperatur von 30 Grad
heizt sich der Innenraum des Autos nach kurzer Zeit auf 70 Grad
auf!
So gesehen sind altmodische Autos
hundefreundlicher, weil sie kleinere und steilere Glasflächen
haben. Deshalb müssen Sie sich aber kein neues Auto kaufen.
Linderung schafft auch der Einbau eines Sonnenrollos (ca. 35 Mark
im Zubehörhandel) an der Heckscheibe. Eine Klimaanlage
nützt nichts, wenn der Motor abgestellt ist. In Betrieb
verhindert eine Klimaanlage auch das Beschlagen der
Fensterflächen (wer schon nasse Hunde befördert hat,
weiß, wie vorteilhaft das ist!). Moderne Autos mit sehr flach
eingebauten Scheiben (besonders im Heck) heizen wie
Mikrowellenherde auf. Da kann es dann durchaus sein, dass Sie gar
nicht an einem Hot Dog-Stand anhalten müssen, weil Ihr Hund
sich bereits in diesem Aggregat-Zustand befindet. Für Welpen
und schwergewichtige wie gebäudeschwierige Hunde wie Dackel
und Basset Hound) ist es gesund, wenn die Ladekante so niedrig wie
möglich ist. Denn das Rausspringen beziehungsweise der
Aufprall aus grosser Höhe geht auf die Gelenke, die sich - wie
das Skelett und die Muskulatur - besonders bei schweren Typen erst
im langwierigen Aufbau befinden. Schon aus
versicherungs-technischen Gründen soll der Hund unfallsicher
untergebracht sein. Trenn-Netze, -Gitter oder Hundeboxen
schützen den Hund, der im schlechtesten Fall wie eine Bombe
durch den Innenraum schiesst. Schlittenhundler haben mehr als zwei,
drei Hunde zu transportieren. Da geht es nicht ohne speziellen
Hundehänger, wenn er zugfrei ist. Die Hunde sind nach dem
Training so müde, dass sie sich in ihrer Box ohnehin nicht
mehr rühren und erst mal bis nach Hause pennen. Ideal sind
relativ steil stehende Front- und steile Heckscheiben,
genügend Stehfreiheit im Laderaum für die jeweilige
Hundegrösse, sehr wirksame Be- und Entlüftung im
Laderaum. Einschränkungen für Welpen und Junghunde (bis
zwölf Monate): Einstieg und Ausstieg sollten so niedrig wie
möglich sein. Die hohen Ladekanten bei Geländewagen sind
deshalb für wachstums-schwierige oder laufbehinderte Hunde
(Kleinhunde, Dackel, Basset Hounds, schwere und
Hüftdysplasie-gefährdete Rassen) muskulatur- und
gelenkschädigend. Man muss sie mindestens für die
Welpenzeit einige Wochen hinein- und heraustragen. Das gesamte
Luftvolumen im Auto sollte mindestens das Zehnfache des
Hundeumfangs betragen. Je mehr Luftvolumen, desto weniger
Aufheizung. Man verhindere unangenehme Gerüche. Hunde riechen
- für uns unvorstellbar - 60-fach besser, also empfindlicher
als Menschen. Vergessen Sie bei der Sicherheit des Hundes nicht,
dass Sie ihn lehren müssen, nicht einfach aus dem Auto zu
springen, wenn Sie die Heckklappe oder Türe öffnen. Es
kann in der Stadt der letzte Hupf gewesen sein. Er muss sich erst
setzen, bis Sie ihn angeleint haben. Dann erst darf er raus. Leider
werden Hunde nicht an dieses Ding gewöhnt. Oder beim
stressigen Transport, nur, weil man vorher sich nicht organisiert
hat, aus der engen Grossstadtwohnung ins Freie transportiert, damit
sich der Hund dann endlich lösen kann. Dass der Hund den
Stress gewöhnt wird, macht ihm das Automitfahren nicht eben
leichter.
Schlimme Erfahrungen machen meist Tierheimhunde, die oft in aggressiver Stimmung beim stressigen - meist notwendigen - Wegholen der Hunde diese zu anderen gestressten in ihren Transporter schmeissen, und - Klappe zu, Schwanz drin. Und Gas! Diese Hunde müssen später mühsam von dieser Angst befreit werden. Was nie im Tierheim geschieht. Die Züchterin meiner Hündin fuhr den Wurf vor Abgabe um ihre Farm. Meine Hündin hat keine Probleme mit dem Autofahren, im Gegensatz zu meinem Rüden, der aus dem Tierheim geholt wurde. Gerade im Prägealter, er war drei Monate alt, als ich ihn befreite, wirkt dieser Schock manchmal lebenslang nach. Die Angst vor der Heckklappe konnte ich ihm jedoch bald abbauen. Autofahren ist ein manchmal notwendiges Übel für die Hunde. Wenn alle Therapien nicht helfen, hilft nach Absprache mit dem Tierarzt ein Beruhigungsmittel.
Wählen Sie selbst, wenn Sie ohnehin vor einem Autowechsel oder vor einer Neuanschaffung stehen. Geben Sie Ihrem Auto Punktzahlen von 1 (niedrigster Wert) bis 10 (höchster Wert) mit diesen Kriterien:
Auto-Ausstattung Punktzahl für Ihr Auto 1. Klimatisierung: 1.1 Aufheizung vorn (Neigung und Grösse der Verglasung)* 1.2 Aufheizung hinten (Neigung und Grösse der Verglasung)* 1.3 Aufheizung seitlich (Neigung und Grösse der Verglasung)* 1.4 Be- und Entlüftung Laderaum* 1.5 Gesamtklimatisierung* 2. Laderaum: 2.1 Nutzbare Laderaumhöhe* 2.2 Nutzbare Innenladefläche * 2.3 Laderaumkantenhöhe (Ein- und Ausstieg)* 2.4 Teilweise/komplett umlegbare Rücksitzbank* 2.5 Ebener Laderaumboden* 3. Fahrwerk und Fahrkomfort: 3.1 Seitenneigung des Fahrzeugs* 3.2 Dämpfungs- und Federungsabstimmung* 3.3 Nickschwingungen beim Bremsen und Beschleunigen* 3.4 Geräuschniveau* 3.5 Vibrationen*
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©Hundezeitung 09/2002


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