• Maulkörbe

    Was für Material, welche Grösse, Verarbeitung, Passform, Verstellbarkeit, Tragekomfort, Atmungstüchtigkeit, Gewichte, Preise. Und, wenn es denn schon sein muss: wie mache ich es dem Hund so "angenehm" wie möglich? Für etliche Hunde ist das zeitweilige Tragen eines Maulkorbs bereits Pflicht. Es ist nicht auszuschliessen, dass es in Zukunft noch mehr Hunde treffen wird. Es lohnt sich also, sich mal grundsätzlich auf dem Markt der Maulkörbe umzusehen.

    Was gibt es denn da?

    Material: Lederbesatz mit Metallkorb, Voll-Leder, teilweise aus qualitativ festem Zügelleder, Nylon und andere Kunststoffe wie Neopren. Und breite Fang-"Gurte", die nun nicht mehr wie herkömmliche Körbe aussehen, aber natürlich verstellbar mit vorderem unvergittertem Raum zum Atmen.

    Die Luftzu- und abfuhr ist neben dem reibungsarmen Sitz das Allerwichtigste. Das Hecheln, das Aufnehmen von Wasser darf nicht zu stark beeinträchtigt sein. Die Ableitung des ausgehechelten Atems darf nicht zu einem Rückstau führen, wie das bei einigen Kunststoff-Körben der Fall ist, die nur über wenige Löcher vorn verfügen oder - im tierschutzwidrigsten Fall - über gar keine Öffnung.

    Manche Körbe haben nur ein grosses Loch an der Nase. Doch sitzt der Korb mal schief, schon ist die Luftzufuhr verschlossen. Schwierig für schlechtriechende Menschen ist es, die störende Eigenausdünstung von zu verschlossenen Kunststoffkörben zu testen.

    Am tierfreundlichsten sind immer noch die so genannten Racing-Körbe (Körbe für Hetzhunde beim Rennen), die aus Draht sind, mit Abstand am meisten Luft durchlassen und auch freigeben. Diese sehr durchlässigen Körbe gibt es auch in Vollleder-Ausführung. Doch dort ist der Luftdurchlass bereits - durch die erforderlich breiteren Lederstreben - geringer als bei den dünneren Drahtstreben.

    Es gibt auch Körbe aus Neopren. Dieses Material aus wasserabweisendem Kunststoff-Textil-Gewebe ist erstens teuer, zweitens vermutlich als Materialalternative unnötig. Es soll als Vorteil aber anschmiegsamer und nachgiebiger sein, was den Tragekomfort angeht - das ist ein Argument.

    Scheuernde Materialien wie scharfkantiger, qualitativ nicht sauber verarbeitetes Hartplastik hemmen den Hund verständlicherweise, seinen Maulkorb widerstandslos anziehen zu lassen.

    Ein stufenlos verstell- und arretierbarer Verschluss ist ebenfalls wichtig, damit die Passform variabel und bequem bleibt und trotzdem ausschlupfsicher ist. Es gibt ja keine Kopfnormen, nur ungefähre Grössen. Daher ist ein sorgfältiges Anprobieren unerlässlich. Es gibt auch Körbe für "kurznasige" Hunde.

    Die Preise bewegen sich allesamt in erschwinglichem Rahmen. Zwischen 5 und knapp 40 Euro ist alles vertreten. Bei den billigen handelt es sich um kleine Grössen mit niedrigem Verarbeitungs- und Materialniveau (Nylon ohne richtigen Luftdurchlass, genietet) bis zu den empfehlenswerten Metallkörben mit Lederbesatz zwischen 15 und 22 Euro oder den wertvollen aus Zügelleder mit 37 Euro.

    Natürlich fehlen die Luxusausführungen nicht: handgenäht, gepolstert, aus besten Materialien, zwischen 100 und 125 Euro.

    Das "Neueste" sind aber die bereits kurz angeführten "Körbe", die nicht mehr wie Körbe aussehen, sondern auf den ersten Blick wie viel breiter dimensionierte Fang-Gurte (also keine "Halti"-Breite), die mehr oder weniger breit und in mindestens drei Grössen mit Klettverschluss plus Riemen um den Fang lose (mit genügend Spielraum zum Hecheln und Saufen) gelegt wird. Die direkte Luftzufuhr ist damit von vorn reichlich, weil eben kein korb-ähnliches "Gitter" behindert. Ist nicht mehr nötig. Manche dieser neu-konstruierten "Körbe" sind auch mit eingebautem Halsband zu bekommen.

    Es gibt zwei Typen von dieser hundefreundlichen Entwicklung, beide gepolstert, sie können gar nicht scheuern, wenn mal ein konventioneller Korb nicht passt. Beide Produkte sind bei Fressnapf-Filialen zu bekommen.

    Die Marke Bravo Safe ist von der italienischen Firma Ferplast. Die Grösse für Molosser (die grösste von drei) kostet bei Fressnapf 12,79 Euro. Auf dem Fang etwa maximal zehn Zentimeter breiter "Gurt", der im Genick mit Schnappverschluss gesichert wird. www.ferplast.com (auf der HP bei der Produktlinie Bravo "Nylon- Auswahl" anklicken und dann "Safe"), Ferplast Deutschland Telefon 0911-97 67 10.

    Ein anderer ist aus Deutschland: Bobi-Versand Bärbel Lange. Der Gurt ist etwas schmaler, aber breit genug und gut gepolstert. Befestigung ähnlich wie Bravo Line. Die Firma Bobi hat nach Auskunft der - im Übrigen freundlichen, sehr um Service bemühten und sachkundigen Beratung der Filialleiterin von Fressnapf in Weil der Stadt bei Stuttgart - zwar im Internet vertreten unter www.bobi-versand.de, aber die Information ist alles andere als empfehlenswert. Daher die Adresse von Bobi-Versand: Kösterskämpchen 14, 58706 Menden, Telefon 02373-39 05 58, Fax -39 11 15.

    Bobi-Gurte liegen ebenfalls im Rahmen zwischen 10 und 13 Euro.

    Nebenbei: Draht- und andere "konventionelle" Körbe hat die tüchtige Filialleiterin in eine Ecke verbannt, auf Wunsch parat. Sie tut recht daran, denn sie sagt: "Diese beiden neuen "soften" Produkte sind eindeutig besser als die herkömmlichen echten steifen und auch bei vermeintlich guter Passform scheuernden Körbe."

    Wie trainiert man dem Hund das Tragen an? Am schnellsten und wohl erfolgreichsten mit Leckerchen. Man nehme den Korb in eine Hand, eine Hand voll erlesener Leckereien in die andere und schiebe den Korb über den Fang, bereits dahinter folgt die Hand mit den verführerischen und ablenkenden Belohnungsstückchen. Die Leckereien quasi mit dem Korb auf den Fang und damit ins Maul schieben. Und lässt der den Korb ohne Abschütteln für Sekunden schon mal drauf: Loben! Feiner Hund! Übertreiben Sie mit den Leckerchen in diesem Fall. Später, bei Gewöhnung, dass dieses Zeug nicht schlimm ist, können die Leckereien wieder reduziert werden. Dann reicht das verbale Lob.

    Auch bei den anzulegenden Gurten ist das Anlegen (mit möglichst viel Spielraum zum Bewegen des Fangs) mit der gleichzeitigen "Zuführung" an leckeren Belohnungen zu verknüpfen.

    Viel Ruhe in der Stimme ist angesagt. Und mehrmaliges Üben. Man nehme sich vor dem ersten Testausflug Zeit und nicht erst, wenn es ernst - und damit nervös wird. Kurz den Korb dran lassen, dann wieder abnehmen. Nach dem Abnehmen aber um Hundes Willen keine Belohnung! Denn dies würde der Hund damit falsch verknüpfen: Wenn der blöde Korb weg ist, werde ich dafür belohnt, das versuche ich gleich selber.

    Also erst eine Belohnung, wenn der Hund den Korb "erträgt". Immer nur mit dem positiven Erlebnis belohnen, nie mit dem negativen.

    Diese Übung dann steigern und die Verweildauer des Korbes ausdehnen. Ein Abstreifen darf nicht belohnt werden!

    Einige Erfahrungen mit Körben:

    Sarah Gunther, Irland: Dieser Maulkorb, den ich hier habe, ist aus Metall und hat einen gepolsterten Riemen, um die Nase abzustützen. Der Hund kann frei atmen und auch trinken. Ich benutze das Teil aber eh nur für Tierarzt-Besuche und dann auch nur, wenns unbedingt sein muss. Den habe ich vor Jahren mal in der Tschechien gekauft.

    Für Merlin und Co. benutzte ich Greyhound-Maulkörbe aus Plastik, die sehen fragiler aus, als sie sind, die kosten hier 9 Euro.

    Zu Zeiten von Dackel und Schäfer/Brackenmix kamen wir, auf dem Land lebend, völlig ohne Maulkorb aus.

    Der Vizsla trug in öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn nötig, so ein Plastikding von Mugford, welches bei ihm hervorragend sass (Grösse und Preis hab ich vergessen).

    Für Eurasier ist - selbst nach ausdauerndem Suchen und Nachfragen beim Eusi-Club - im Handel kein passender Maulkorb erhältlich. Bezüglich der Form käme man noch am ehesten mit einer dieser "Kunststofftüten" hin, aber damit werden die Hund ja faktisch geknebelt.

    Ich hab dem Flash daher einen einfachen Drahtmaulkorb zurechtgebogen: der tut's für unsere Kurzeinsätze in der U-Bahn. Er drückt nicht, lässt den Hund frei hecheln, nimmt ihm allerdings ein klein wenig die Sicht. Ist für max. 20 Min an kurzer Leine noch relativ wurscht... Und wenn ich bei Zugfahrten kein leeres Abteil für uns kriege, setz ich mich mit Hund in den Gepäckswagon und nehm ihm eben dort den Maulkorb ab (soll heissen, er trägt ihn bloss zum Ein- und Aussteigen).

    So "nett", wie wir ausschauen, gab's da noch nie Beanstandungen... Kurz: Sollte ein Eurasier je unter dauernden Maulkorbzwang fallen, muss sich der Besitzer zwecks Massanferigung an einen Sattler wenden.

    Sabine Danks: Der Maulkorb aus Nylon ist von der Firma Wilhelm Naumann GmbH; das Logo ist schlecht zu lesen, ich glaube es soll "Bernina" heissen. Laut Herstellerangaben ist es aus starkem Nylongewebe, weich und geschmeidig, schnell anzulegen mit verstellbarem Gurt, in sechs Größen lieferbar (vom Zwergdackel bis zum Bull-Mastiff; letzere Grösse habe ich für Flori erstanden) und erlaubt hecheln und trinken, Kosten Euro 5,89.

    Ich habe es Flo vorhin mal kurz zu Testzwecken umgeschnallt, was tatsächlich recht gut geht, wenn der Hund Fieber hat und schlapp ist. Das mit dem Hecheln würde funktionieren, wenn Flo ein Maikäfer wäre und Tracheen hätte, und zum Trinken sollte man doch bei McDoof-Strohhalme besorgen.

    Der Maulkorb lässt vorne ein Löchlein frei, ansonsten ist die gesamte Hundeschnute von einer Art Nylontüte ummantelt.

    Der auch im Sortiment befindliche Windhund-Maulkorb hat mir mehr zugesagt, war aber in Anbetracht dessen, dass unser TA nicht für Gotteslohn arbeitet, mit ca. 50 Euro ganz schön teuer, da ich so ein Teil ja wirklich nur temporär brauche. Wenn Flo gefährlich wäre, würde ich uns wohl so ein Draht-Dings besorgen. Aber er ist BDHW, von daher...

    Diese "besseren" Draht-Maulkörbe kann man aber auch bei eBay viel günstiger bekommen. Zoo Plus hatte nur diesen Nylon Maulkorb, den ich uns gekauft hatte für ungefähr denselben Preis.

    HZ-Leser Peter Holzapfel: Eine der vielen Vorschriften in Italien, um die sich kein Mensch kümmert, ist die Mitführungspflicht für einen Maulkorb. Weil ich grantige Carabinieri fürchte, hab ich mitgenommen: Soft- oder Taschenmaulkorb, aus Nylon, gibt es auch aus Neopren (igitt), Firma Trixie, ca. 12 Euro. Das Ganze in tristem Schwarz. Leicht, klein, gut verarbeitet, und dem Hund durchaus für max. 15 min zuzumuten (Wir sind jetzt bei zwei )). Vernünftig hecheln geht natürlich nicht, aber wenn man eine Nummer grösser kauft, kneift auch nichts. Für kurzzeitige Anwendung m. E. okay. Heiner trägts mit Fassung.

    Zu den Fang-Gurten liegen der Redaktion noch keine Erfahrungen vor.

    Mehr Infos: www.hundezeitung.de/hundekunde/leinenzwang.html

    *

    ©Hundezeitung 08/2002