• Hunde winterfest machen

    Nein, damit ist keine Heizdecke oder ein Starterkicker oder sonstiger Quatsch gemeint.

    Ein gesunder und bewegter Hund, auch ein kurzhaariger mit genügend Unterfett (damit sind leider einige Hetzhunde ohne diesen natürlichen Kälteschutz gemeint) oder nicht zu magerer Hund braucht keine vermenschlichte Schutz-Kleidung.

    Keine Regel ohne Ausnahmen: es gibt immer noch versalzene Wege, die nun mal empfindliche Ballen angreifen, die vielleicht schon rissig waren und durch Eindringen von Streusalz schmerzen. Da kann man schon vorbeugen.

    Und es gibt Sportarten, in denen es tierfreundliche Pflicht ist, Rücken, Schultern, Oberschenkel-Muskulatur vor Energieverlusten und damit Auskühlung und vor folglichen Verletzungen zu schützen. Damit sind meist Schlittenhunde gemeint.

    Was gibt es denn so an wirklich sinnvollem "Winterzubehör", von diesen Decken für Wintersportler und kranken Hunden mal abgesehen? Booties (Schuhe), allerlei Salben gegen Schrunden und Risse.

    Hirschtalg (sevum cervinum) ist ein altbewährtes Hausmittel zur Vorbeugung gegen Hornhautbildung und Schwielen. Es ist der ausgeschmolzene Talg von Hirschen, ein graues, ziemlich sprödes Fett, wird zum Einreiben wunder oder aufgerauter Stellen an den Händen und Füssen benutzt.

    Dieses Mittel ist ausser im Internet und Naturmedizin-Läden auch in Drogerien oder auch in Globetrotter-Geschäften zu erhalten, hält eben auch Hundeballen geschmeidig, verschliesst die gefährdeten Öffnungen auf erträgliche Weise und bildet damit wenig Angriff für Salz.

    Die Preisunterschiede sind deutlich: In einem Globetrotterladen gibt es Hirschtalg als "Xenofit" mit 125 mg zu 5,45 Euro, Eine feudale, zweifellos hübsche 100 mg-Dose aus einem Naturproduktladen, mit Rosmarin und Salbei angereichert, dafür gleich 13,90 Euro. Dazwischen liegt zum Beispiel die 100 mg- Tube von Scholl (mit Kamillen-Extrakt, Aloe Vera und Rosmarin-Öl). Natürlich ph- neutral.

    "Gutgemeinter" Tip für Menschen: Rosmarinöl erfrischt die Füsse, und Salbeiöl vermindert die übermässige Schweissbildung der Füsse.

    Hammeltalg wirkt übrigens ähnlich gut.

    Melkfett gibt es meist bei landwirtschaftlichen Geschäften und bei anderen allgemeinen Supermärkten. Natürlich auch "kostbares" in Naturläden. Melkfett- Inhaltsstoffe (nach CTFA): Wasser, Mineralöl, Glyceryl Stearate, Glycerol, Ceteareth-25, Cethyl Alcohol, Methyldibromo Glutaronitrile, Phenoxyethanol. Eine nützliche Info gibt dazu aktuell im Forum "Hundewiese".

    Melkfett stösst Feuchtigkeit ab, ist aber flüssiger im Vergleich zu Hirschtalg. Es wird häufig auch bei tierlichen Hautkrankheiten benutzt. Auch Melkfett kommt ohne Konservierungsstoffe aus und ist - grösster Vorteil - im Vergleich zu Hirschtalg sehr preisgünstig. Man kann eine "teure" 250 ml-Dose für 3,63 Euro kaufen oder eine bei Aldi und anderen Geschäften, wo 100 ml deutlich weniger als ein Euro kosten.

    Ringelblumensalbe ist als Ballenschutz weniger geeignet.

    Booties (Schutzschuhe)

    Die Schlittenhunde vor allem sind notorische und harte Läufer, auch gegen sich selbst. Man sieht es ihnen oft nicht an, wenn die Ballen oder die ganze Pfote wundgelaufen ist. Sie marschieren einfach weiter. Da aber die Läufe insgesamt eines der wichtigsten Körperteile für einen Hund ist, muss nicht auf eine Verletzung gewartet werden, man sollte sich vorher präparieren. Aber das gilt für alle Vorsorgen, sonst würden sie nicht so heissen.

    Booties bekommt man in den meisten Hundesportläden, vor allem im Internet unter den Stichworten Sleddog, Mushing oder Schlittenhunde-Zubehör siehe auch Hinweis in http://www.hundezeitung.de/ausbildun...ntraining.html zur Seite eines Mushers und Schlittenhunde-Zubehör-Anbieters: www.waldschrat-adventure.de

    Denn die Schühchen brauchen ja nicht nur Schlittenhundesportler, auch andere Hunde, die sich verletzt haben. Und nicht nur zur Winterzeit. Ein Bootie kostet etwas zwischen zwei und drei Euro.

    Für den Notfall, wenn kein Bootie vorhanden ist, hilft auch erstmal eine am Lauf abgeklebte Plastiktüte.

    Decken sind für normale Hunde - es sei denn, sie sind krank oder ihnen fehlt das Unterfett (wie beschrieben) oder sie sind kurz hoch beansprucht, dann aber lang im Kalten gelassen - nicht erforderlich. Normalerweise haben genügend selbstgeschützte Hunde (mit Unterwolle und natürlichem Fett oder der Haut) den richtigen Schutz. Wenn aber doch eine nötig wird, dann eine wasserabweisende, wärmehaltende etwa aus Nylon und Fleece, die für einen mittelgrossen Hund etwa 20 bis 30 Euro kosten. Sie können auch über Brustgeschirre mit Klettverschlüssen angelegt werden.

    Spezielle Laufwärmer (leg warmers) aus Neopren kosten gut zehn Euro das Stück.

    Eine kleine Mühe kostet aber die Vorsorge für den Winter, vor allem bei klebrigem Schnee für mittel- oder langhaarige Hunde: die überlangen Haarbüschel zwischen den Fussballen und Zehen an der Lauffläche können verkleben, vereisen und den Hund am Laufen stark beeinträchtigen. Viele Hunde knabbern sich diese Eisbollen weg, aber die Haar können schon vornweg gestutzt werden. Aber nicht zu viel, nur bis zur Höhe des Balles, denn diese Haare schützen auch.

    Für den Rest an Wintervorsorge gilt die Regel: überhitzte Autos, überhitzte Wohnungen (also über 22 Grad als Richtwert) machen Hunde krank und gefährden sie drastisch, wenn sie nach dem Abtauen im Wohnraum dann wieder ins Kalte raus müssen. Die Kälte ist aber nicht das Problem, sondern die falsche, weil vermenschlichte Übertragung eigenen Temperaturempfindens auf ein anderes Lebewesen. Ohne dessen eigentlich natürlich-intelligenten Haut- und Fellaufbau zu respektieren.

    Dies geschah einem früheren Polarabenteurer, der "gutmeinend" seine Schlittenhunde vor dem Schneesturm ins Zelt geholt hatte und nach dem Sturm wieder rausliess. Die Hunde erfroren nicht, sie erstickten zuvor jämmerlich, weil die Feuchtigkeit auf der Haut in Sekunden gefror.

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    ©Hundezeitung 01/2003