Hunde mit ins Bett zu nehmen, kann zum Rangordnungsproblem werden, denn Wildcaniden würden es nie wagen, das Lager des Rudelführers unaufgefordert zu belegen. Sie würden auch nie dazu aufgefordert. Es sind beileibe nicht nur kleine Hunde, die das Menschen-Bett wärmen. Eventuelle Schwierigkeiten im Dominanzverhalten werden dann auch gern unter der Decke gehalten.
Vielfach nehmen aber überwiegend Frauen den oder gar die Hund(e) im eigenen Lager als Kuscheltier und Wärmeflasche zu sich, schützen aber vor, sie hätten keine Probleme mit der Rangordnung. Sie wundern sich aber plötzlich, wenn ein unbedarfter Hund dann auch ins Bett pinkelt. Er markiert schlichtweg, kynologisch korrekt, hygienisch weniger, rangordnungsmässig wird das eine Aufgabe für die Rudelführerin.
Es sind nicht umsonst viele "Witze" im Umlauf, die den knurrenden Rottweiler zeigen, der den Ehemann aus dem Bett vertreibt. Es muss also kein kleiner Schosshund sein. Bemerkenswert ist doch, dass aller Kenntnis nach kaum Männer Hunde mit ins Bett nehmen.
Ich legte mich - als meine Hunde Welpen waren - zu ihnen auf deren Lager. Das ist wirklich hundeverständliches Sozialliegen.
Meine Hündin durfte mal eine Ausnahme machen, als sie frisch nach der Kastration Schmerzen hatte und meine Nähe suchte. Ich war eben gerade im Bett. Natürlich liess ich sie dort, sie suchte sich einen Winkel im grossen Bett aus. Nächste Nacht hatten ihre Schmerzen nachgelassen und sie schlief wieder in ihrem Lager.
Meine Hunde versuchen es nicht, in mein Bett zu gelangen - Howdy überprüfte es mal als Welpe, nach meinem Verbot blieb es bei diesem Versuch. Es ist und bleibt mein Rückzugsraum. Daher ist der Zutritt für untere Ränge untersagt. Ausnahmen von der Regel bestätigte ich eben. Ich bin leider nicht so konsequent wie Hunde. Aber ich suche auch keine anders gelagerte Ausrede für andere Motive, um Hund ein mein Bett zu lassen.
Warum nehmen vornehmlich Frauen ihre Hunde mit ins Bett?
Was man früher gern abfällig als Schosshund bezeichnete, war in der Tat eben ein Pläsier-Tierchen mit Kuschelfell, das frau buchstäblich überall mit hinnehmen konnte. Auch ins Bett. Er war schon im alten China und umliegenden Ländern (siehe etwa Pekingese oder Lhasa Apso) quasi der Ersatz, wenn der Herrscher des Hauses seinen Konkubinen etwas die Langeweile und das Warten auf den Beglücker vertrieb, indem er den Gemahlinnen und Mätressen was zum Kuscheln und Herzen hinterliess. Als Warmhalter bis zu seinen Besuchen. Da mussten die Hunde möglicherweise kurzfristig aus dem Bett. Insofern waren Schosshunde damals schon Sozialarbeiter - oder auch Psychokrücken. Sie wurden kolossal - proportional zu den "harten" Jäger- und Wachhunden der Herren - verwöhnt.
Der Begriff "Schosshund" erklärt nicht die Körpergrösse, sondern die vermenschlichte Einstellung zum Hund. Auch grössere Hunde werden zu Bettgenossen gemacht - und dabei zum Problem. Ich berichte von einem Fall mit dem hier absichtlich verschwiegenen Synonym von einem starken Hund:
Ein Ehepaar mittleren Alters bat um Hilfe. Erster bis letzter Eindruck: Hund nicht eingeordnet, wird überaus stolz (vor)geführt. Der Mann, wirklich kein Schmächtling, aber bewaffnet mit Ketten und starken Leinen wie ein mexikanischer Guerrillero. Warum? Der Rüde machte alles und jeden an. Aus jeder Situation. Der Rüde fixierte, wen er durfte. Insider wissen nun, was Sache ist. Die Frau liebte ihn. Aber eines Tages gestand sie, sie habe Angst, er erkenne sie ab und an nicht im Dunkeln, und knurre sie an. Gut, ich glaubte ihr. Später wusste ich auch mehr...
Wir machten Dunkel- und Schattentraining, bei Flutlicht. Ich gab der Frau meinen kanadischen Reitermantel, dunkel und lang und breit, und meinen breiten Hut. Also verkleidet. Er sollte unterscheiden, sie doch riechen können. Natürlich roch er sie, und knurrte sie dennoch an. Ich konnte ihn am langen Seil grad noch zurückhalten. Wir unternahmen viele Tests, um herauszufinden, wie worauf unter welchen Umständen der Hund so und nicht anders reagiert. Am Ende eines Trainings kam so langsam raus, dass der Hund auch das eigene Auto von innen zerpfückte. Ich fragte dann, ich möchte mal bei Ihnen vorbeischauen. Im Haus. Oh, Entsetzen, Ausreden, das ginge grad nicht, die Handwerker und so. Aha.
Mir war schon klar: er durfte zu Hause alles. Denn die Eheleute waren im beruflichen Stress, der Hund mindestens acht Stunden allein, bei der Heimkehr wurde er aus schlechtem Gewissen verknuddelt und gekost. Der Rüde quittierte dies auf seine Weise: durch angebotenes, belassenes und gefördertes Dominanzverhalten, mit der Tendenz zur Aggression. Die Leute hatten früher Airedales, und damit keine Probleme (sagten sie).
Dazu sei gleich angeführt: Hundetrainer sind zunächst immer auf das angewiesen, was ihnen die Problemverursacher erzählen. Und das ist nicht immer die reine Wahrheit...
Nächster Test: Wir machten ein kleines Anti-Dominanz-Training, wobei die Eheleute (die Tochter verwöhnte den Rüden auch, kam aber auch nach Bitten nicht zu unseren Gesprächen) hoch und heilig versprachen, die notdürftigsten Rangordnungsregeln zu beherzigen: immer sie zuerst durch die Türe, der Hund raus aus dem Schlafzimmer (das hatte ich dann auch schon rausbekommen, dass er drin war, ist aber normal überhaupt kein Problem), Fressen nach den Menschen. Kleine Grundausbildung beim Spazierengehen. Basta.
Dann machten wir einen Test, um damals meine neuen "Kooperativen Tests" mit verschiedenen Hunden zu kontrollieren. Die Selbstsicherheit des Hundes ohne Halter wird getestet. Androhungs-Schauspiel aus zunächst grosser Entfernung, die durch Bedrohungstheater dem Hund immer näher auf den Pelz rückt, doch nie näher als 50 Meter. Kurz: der Rüde suchte seinen Herrn schon bei den ersten Bedrohungsgesten bei 100 Meter. Der Herr war bitter enttäuscht. Denn er bekam nun vorgeführt, dass sein Hund alles andere als selbstsicher ist.
Nach Wochen fiel dieses unglückliche Team wieder auf, wir waren im lockeren Gespräch nach Abschluss einer Stadt- und Park-Begehung. Der Rüde war sehr gehorsam (vermutlich würde er mal ernst genommen von uns Trainern), er wurde dennoch gesichert vom Halter mit seiner martialischen Ausrüstung. Der Rüde attackierte ohne Anzeigen einen vorbeigehenden Passanten an und packte einen Hemdärmel (ob der Hund ein Schutzhundetraining hatte, weiss ich nicht). Nichts weiteres passiert. Der Angegriffene wurde von uns "psychologisch versorgt" und machte keine Anstalten einer Anzeige. Glück gehabt, an einen Hundefreund geraten. Nach dem Sommer 2000 wärs um den Hund offiziell geschehen gewesen.
Denn das kam auch noch heraus: Ich frage vor einem Training von schwierigen Fällen immer nach einer vorherigen gründlichen tiermedizinischen Untersuchung, bevor ich "Hand" anlege. Der Rüde war chronisch schwer magenkrank. Zur fehlenden Rangordnung nebst Schwächen im Durchsetzen der Halter kam also beim Patienten noch eine permanente Überreizung, vielleicht gar Schmerz dazu.
Ich sagte den Haltern - nachdem dem ich das Training abgebrochen hatte und eine langfristige tierärztliche Therapie empfahl:Wenn ich den Hund bei Euch nicht beobachten kann, versteckt ihr was, was entscheidend ist. Dann rückte die Frau heraus: Er schläft in ihrem Bett und der Mann muss woanders nächtigen, wenn der Hund im Bett ist. Das tut er womöglich noch heute, wenn er noch lebt, der Hund.
Zoophilie
Eine sarkastische Passage zur Hundehaltung im Bett aus dem Buch "Kleine Kynologie" von Hundefreund und emeritiertem Genetik-Professor Dr. Wilhelm Wegner:
"Es tut einer festen Bindung zwischen Herr/Frau und Hund/Hündin keinen Abbruch, wenn man ihn/sie nicht mit ins Bett nimmt oder die Kinder des Hauses belecken läßt, was schon aus hygienischen Erwägungen abzulehnen ist. Diese auch als ‚Zoophilie' bezeichnete, maßlose, übertriebene Tierliebe mit deutlich hysterischen Zügen führt öfter dazu, daß Kinderzimmer zu zoologischen Gärten umfunktioniert werden - mit allen den Edipemiologen und Hygieniker konsternierenden Konsequenzen - sie hat aber für den Kommerz und die Kleintierpraxis zweifellos lukrative Aspekte. Auch die Haustierkundler Herre und Röhrs messen Hunden eine Funktion als ‚Bettwärmer' zu, was selbst Nackthund-Züchtungen noch legitimiere. Amüsiert beobachtete (Anm. d. Red.: der berühmte Schriftsteller) Graham Greene in einer seiner Kurzgeschichten das ungebrochen tierische Verhalten solcher Betthupferl: Ein Pekinese, eben dem warmem Pfühl seiner Herrin entschlüpft, hatte nichts Eiligeres zu tun, als sich in verwesendem Aas städtischen Mülls zu suhlen."
© Hundezeitung 9/2003
*


Bereiche
Für jeden veröffentlichten Artikel unterstützen wir das
Artikel im Bereich Ratgeber