Liegeplätze und Rückzugsräume
Wenn Sie auf einem fremden Areal sich Ihr Liegeplätzchen aussuchen, ja, eben, dann suchen Sie. Ihr Hund, auch schon als Welpe, bevorzugt sichere Schlafplätze: zug- und störungsfrei.
Rüden wandern gern in der Nacht, das heisst, sie sind oft unruhiger. Wenn Sie freiheitlich denken, und die diversen Plätze des Hundes Sie nicht stören, lassen Sie ihn seine Plätze selber suchen. Katzen fragen gar nicht danach.
Hunde halten sich gern in der Nähe ihres Rudelführers auf. Sie würden gerne seinen eigenen Platz einnehmen, was und wo immer das auch sein mag. Aber ein hundeverständiger Rudelführer sorgt für die Rangordnung gerade auch auf diesem Platz. Hier ruht nur er und sonst niemand. Wenn doch, ist jener der Boss. Kein Liegeplatz ist Ihr Bett, das Sofa und ähnliche Throne, die der Boss, also Sie, innehaben. Und zwar ohne Ausnahme. Es sei denn, Sie weisen Ihrem Hund seinen Sessel zu, aber der darf nicht bei den anderen stehen, in die sich Besucher setzen. Ein dominanter Hund würde versuchen, auch andere Throne zu besetzen. Von Anfang an ist also dieses Problem beseitigt, wenn er seinen Platz halten darf und keine anderen erobern muss.
Bei Wölfen, wenn Sie es auf die ursprüngliche Art wollen, würde sich kein Welpe oder minderrangige Hund darin versuchen, den Thron, den Lieblingsplatz des Bosses zu besteigen. Hunde, die mit ins menschliche Bett wollen, sehen darin nicht das Bett, sondern die Gleichrangigkeit im intimsten Bereich. Ihm wird gestattet, einen höheren Rang einzunehmen als ihm zusteht. Er will nur in der Nähe, per Geruch oder lokal, des Rudelführers liegen dürfen.
Ob Sie Ihrem Hund Ihr Schlafzimmer verweigern, liegt an Ihnen. Sie dürfen nur nicht mal so, mal so reagieren. Ihre Unsicherheit wird er auszuspielen versuchen. Sie verlieren dabei. Meine Hunde dürfen in meinen Schlafraum. Aber nur am Boden, wie in einem natürlichen Rudel üblich. Sie dürfen mich aber wecken, die Hündin derb und deutlich, der Rüde sehr charmant und vorsichtig. Wunderbarer Weckdienst.
Die Bodenbeschaffenheit ist wichtiger. Hunde sind für natürlichen Untergrund geschaffen und nicht für asphaltierte, splittrige, scharfkantige, elektrisch aufgeladene (schlechte Teppichböden laden das Fell elektrisch auf). Zu glatte Böden wiederum sind verletzungsträchtig.
Wenn Welpen wie erwachsene Hunde ihre Ruhe suchen und gefunden haben, sollten sie von keinem gestört werden. Gerade Kinder suchen dabei oft die Herausforderung in der Reizbarkeit anderer: im Ärgern von vermeintlich Untergeordneten. Hier müssen Eltern ein Verbot aussprechen: Lasst den Hund in Ruhe! Der Hund kann sich letztlich nur mit seinen Möglichkeiten verteidigen.
Zwinger?
Besitzer kleiner Hundetypen können dieses Kapitel natürlich überspringen. Hineingezwungen in ein Verliess, ein kleines Gefängnis draussen, ausgeschlossen vom Familienbetrieb, vom Rudel? Ein bisschen was von alledem ist schon dran. Einen Einzelhund ausschliesslich in Gartenhaft zu nehmen, ist gegen das Hundewesen. Er ist und bleibt ein Gesellschaftstier. Isolation ist die härteste Strafe für einen Hund. Er braucht den Kontakt zu Menschen, seinem Rudel. Kettenhunde, Hunde, die nur in ihrer Hütte leben müssen, Hunde, die ausschliesslich im Zwinger leben müssen, sind nicht artgerecht untergebracht. Ich halte dies für tierschändlich. Bei mehreren Hunden ist dies anders. Auch bei Hunden, die täglich intensiv und lange genug (nicht bloss in einem Spaziergang) beschäftigt werden.
Da ist ein gesicherter "Einzelraum" im Freien gar ein beliebter Rückzugsraum - zum Ausruhen. Sie können sich auch durch die Gitter verständigen. Ein Aufenthalt im Freien ist der in einer überheizten Wohnung allemal vorzuziehen. Ein den Wetterverhältnissen angepasster Hund wird - unter den beschriebenen Bedingungen - eine natürlichere Fellstruktur mit angemessener isolierender Unterwolle und Abhärtung erhalten als ein Hund, der oft wechseln muss zwischen zu warmem Haus und zugiger "Offenstallhaltung". Sonst hätten sie kein ihrem ursprünglichen Verbreitungsgrad angepasstes Fell. Und noch einmal: Menschliche Temperaturbefindlichkeiten sind nicht auf Tiere zu übertragen. Leider widerhandeln viele Rassezüchter durch künstliches Überfall oder kämmbares Extremlanghaar ohne Hundeunterwolle dieser Natürlichkeit und Gesundheit.
Ein Zwinger ist in jedem Fall nur eine höchstens zeitweilige (damit meine ich nicht acht Stunden) Sicherungsverwahrung für den Hund, auch für bösartige Nachbarn, sonstige Reizauslöser oder gar Kriminelle wie Giftstreuer.
Dass der Zwinger zugfrei und wetterfest gebaut sein muss, steht ausser Frage. Dass er für ein Lauftier wesentlich grösser sein muss als die gesetzliche Mindestanforderung, halte ich für selbstverständlich. Hunde, die an einen guten Zwinger gewöhnt sind, ziehen sich mitunter selber gerne in einen solchen zurück. Wir sollten über einen neuen Begriff für eine solche Hundebehausung im Freien nachdenken für "Zwinger". Manche Gefängnisse sind jedoch nur Zwinger. Nur den gesetzlichen Platzvorschriften zu genügen ist auf dem Tier(rechts)-sektor ohnehin viel zu dürftig.
Absolut ungeeignet für einen Zwinger-Aufenthalt sind sehr freiheitlich geprägte (mit grossen Freiheitsbedürfnis) Hundetypen wie Herdenschutz-, einzelne Schlitten-, andere "Nordische" und Hetzhunde. Dort verkümmern sie - wenn es noch glimpflich abgeht. Auch Hunde mit grossem Bewegungsbedürfnis sind für eine Zwingerhaltung ungeeignet. Ausnahme: mehrere Schlittenhunde, die nicht in Einzelboxen gehalten werden.
Die Zwingerhaltungs-Regel ist leider, dass die Zwinger immer zu klein sind - da wird an Material und Raum gegeizt, von Batteriehaltung als Tierquälerei ganz abgesehen - und dass die Hunde sich länger drin aufhalten müssen als "geplant" oder vorgegeben. Sie werden isoliert. Und das ist die schlimmste Strafe für das Gesellschafts- und Rudeltier Hund.
Das Wichtigste zuletzt: Hunde müssen von klein auf an diese Aufenthalts-Möglichkeit gewöhnt sein, sonst rebellieren sie zu recht gegen diese mehr oder weniger Gefängnisse. Nicht wenige, vernünftig in guten Zwingern gehaltene Hunde mögen ihre Hütten, weil sie sich darin zurückziehen können. Da kann sogar die Zwingertür offen bleiben.
Ein wirklich gut gesichertes, mindestens zwei Meter hoch und stabil eingezäuntes Freigehege mit (je nach Hundeanzahl) trockenen, wetter- und windgeschützten Rückzugsräumen kann man nicht mehr als "Zwinger" bezeichnen.
Autoladeraum
Für die Autofahrt gilt im Prinzip dasselbe wie zu Hause. Von Anfang an, ohne jede Ausnahme, ist sein Platz weder auf dem Schoss des Fahrers, noch des Beifahrers. Sondern mit einem fahrenden Begleiter gleich auf dem Platz, auf dem er später allein liegen wird. Natürlich ist ein Kombi besser als ein Ferrari-Rücksitz mit feinstem Leder. Auf diesem Platz muss er bleiben.
Zu Beginn kann man ihn per Begleitperson, noch besser mit lieben Kindern, auf seinem Platz halten und bei Tankstopps ablenken, damit er nicht automatisch meint, sein Halter verlasse ihn auf Nimmerwiedersehen. Der Liegeplatz in einem modernen Auto ist leider eher ein Mikrowellenherd für Hot dogs. Ideal sind steil stehende Scheiben, die wenig Sonne direkt einstrahlen lassen. Und eine verdammt gute Be- und Entlüftung. Zugfrei muss der Hund reisen können, sonst können Sie direkt zum Tierarzt/zur Tierärztin fahren, weil Ihr Hund eine Bindehautentzündung kriegt.
Ich wiederhole nicht ohne Grund: Vergessen Sie nie, was immer noch im Sommer täglich in den Zeitungen als Horrormeldung steht: Hund im geschlossenen Auto an Hitzeschlag elendig verreckt! Bei 30 Grad Aussentemperatur erhitzt sich der Innenraum des Blechkastens binnen Minuten auf 70 Grad! Hunde brauchen mehr Luftzufuhr als Menschen. Je grösser das Luftvolumen im Auto, desto wohler fühlt sich der Hund. Er soll sich auf weiten Strecken auch recken und strecken können. Fahren Sie auch nie bei der Abholfahrt gleich zum Tierarzt/zur Tierärztin, denn so ist der Hund geprägt: Oh je, Autofahren gleich Tierarzt/Tierärztin! Machen Sie das Autofahren einem Lebewesen, das empfindlicher weil natürlicher ist als wir, leichtbekömmlich. Fahren Sie zuerst zum Gassigehen. Das ist eine Erinnerung! Rallyemanieren sind beim Verladen des Hundes ab sofort in moderates Fahren umzufunktionieren.
Es gibt Hunde, die finden Autofahren zum Kotzen, und welche, die steigen bald in jedes Auto. Sie wollen nur bei Ihrem Halter wollen und nehmen das Autofahren in Kauf. Es gibt auch Hunde, die zum Autofahren verdorben wurden, gar Platzangst haben. Dann hilft nur ein dosiertes Beruhigungsmittel. Unmittelbar vor einer Fahrt sollte der Hund nicht gefüttert werden. Er muss sich vor Fahrtantritt entleeren und austoben können. Er darf diesen Blechkasten nicht als Raufspielersatz missbrauchen oder Katzen "durchs Fenster verfolgen". Legen Sie eine Pause nach maximal zwei Stunden Fahrt ein. Klappe auf, Hund raus, und tschüs? Vorsicht bitte!
Gehorsamsübung als Sicherheitskontrolle: Der Hund muss bei offener Tür im Auto verbleiben lernen. Dann wird er zu seinem Schutz angeleint, damit kein Unfall passiert, nach dem er sich erinnern könnte, dass diese Pein etwas mit dem Auto zu tun hat.
Wichtigste Regel: Ein Hund muss zuerst sicher im Auto untergebracht werden, dann erst kommen seine Bewegungsansprüche dran. Da muss man nicht erst einen Auffahrunfall abwarten. Das gilt auch für kleine Hunde.
Hausordnung gleich Rangordnung
Ich halte nichts davon, Menschen mit dem obrigkeitsgläubigen Geschmack des Expertenrats vorzuschreiben, wo sie für ihren oder ihre Hunde Tabuzonen errichten und wo nicht.
Hunde halten sich gern da auf, wo sich ihr Rudel, vor allem ihr Boss aufhält. In einem Wildhunderudel oder unter Wölfen gilt hier die erste Regel der Rangordnung. Die Liegeplätze des Bosses, seine Lieblingsplätze sind so lange tabu, bis er eben nicht mehr Alpha-Hund ist.
Es liegt also am Alpha-Tier Hundehalter, wie er damit zurecht kommt, und wie menschliche Besucher damit zurecht kommen. Bett, Sofa, Sessel - auch wenn nicht ausdrücklich zum Liegeplatz des Hundes erklärt und der Boss seine Plätze behält - sind nicht deshalb vom Hund bevorzugt, weil sie so weich sind etc. Es sind die Lieblingsplätze des Ranghöchsten. Sie sind von ihm beherrschbar, weil sie den Liegeplätzen des Alphatiers Hundehalter so ähnlich sind, zu ähnlich. Der Hund versteht den Unterschied im Design nicht. Es sind für ihn ranggleiche Plätze.
Hunde nehmen diese Angebote natürlich gern an, denn die Halter haben dem erfolgreichen Eroberungszug des Hundes nachgegeben. Der Hund ist (im Rang) buchstäblich aufgestiegen. Legt man diese Hausordnung von Anfang an fest, wird es keine Probleme geben, wenn die Eroberungsversuche auch immer wieder trickreich die Konsequenz des Anführers in Frage stellen.
Die Einhaltung der Hausordnung, für Hunde die Lagerordnung, ist auch ein Gerüst für die eindeutig Rudel- und damit Rangordnung.


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