Sinnvolles und -loses an Zubehör
Achtung! Dies betrifft Welpen-Anwärter - die anderen haben schon bezahlt: Vermutlich haben Sie sich bereits mit Leinen, Halsbänder, Schüssel, Decken - alles zusammen für 200 Mark oder mehr - eingedeckt. Vor lauter Vorfreude. Rausgeschmissenen Geld, und alles untauglich: zu gross oder zu klein. Das meiste können Sie gleich wieder entsorgen.
Selbst mir ist das passiert, nach grosser Freunde, wieder einen jungen Hund aufnehmen zu dürfen. Mir fehlte die aktuelle Kenntnis von dem, was es so alles gibt an Mist und an Sinnvollem. Ich hätte ja fragen können, aber nein, man glaubt Bescheid zu wissen.
Ich habe bis auf die Schüsseln nichts mehr von dem Spontankauf. Der Zubehörhandel bietet fast alles, was das Hundemenschenherz begehrt. Das heisst nicht, dass das Zeug auch sinnvoll ist. Ich erspare Ihnen, Ihrem Hund und mir eine schwarze Liste unsäglich lächerlicher Teilchen, die manchen hundelosen Zeitgenossen zu recht zum Spott verführt. Menschen, denen die Tierliebe nur aus dem Geldbeutel quillt, ist mit Vernunft nicht beizukommen. Wohl fühlen sich danach nur Verkäufer und Käufer, der seinem Konsumfetischismus via Hund frönte. Ein Schäfer könnte darüber nicht mal lachen. Das Gesellschaftsspiel Kaufen findet in diesen Zubehörläden einen tollen Fundus an Übersprungshandlungen - des Sich-selber-Beschenkens. Sinnvoll, weil praxiserprobt, haltbar und dem Hund angemessen, ist dabei nur wenig.
Natürlich entscheiden die momentane und künftige Grösse und Gewicht des Hundes, die Fellbeschaffenheit über Halsbandweite, Leinenlänge oder Korb beziehungsweise Decken über die Art und Grösse der Gegenstände, die für die ersten Tage benötigt werden. Es ist nur billiger, wie wenn man eine Kleinkind-Ausrüstung anschaffen muss. Der Austausch ist ähnlich häufig, weil ein Hund schneller wächst als ein Mensch. Und der Geldbeutel entscheidet mit.
Lager: Ein Korb mit angemessener Ein- und Ausstiegshöhe, mit atmungsfähigem, also kunststoff-freiem Bezug, möglichst waschbar, mit nicht zu harter und nicht zu weicher Auflage. Der Welpe soll darin seinen unantastbaren Rückzugs- und Schlafraum finden und behalten. Sein Stammplatz. Es tut auch eine nicht zu flauschige Decke. Manche Hunde ziehen dies vor. Auf jeden Fall muss dieser Schlafplatz zugfrei sein und darf nicht im Durchgangsbereich herumstehen, wo der Hund nur gestört wird und er von anderen. Manche selbstständige Rüden sind nachts unruhig, wechseln gern ihre Schlafplätze.
Halsband/Kette: Auch bei kleinwüchsigen Hunden ist gerade im Welpenalter ein dem Hund angenehmes Leder- oder Stoffband mit entschärften Kanten und Einfassungen einer Kette vorzuziehen. Ketten können zu schwer sein und zu lose um den Hals hängen. Der Hund kann sich bei zu lockeren Gehängen aufhängen. Bei zu feingliedrigen Ketten kann sich ein wolliger Hund das Fell ausrupfen. Ketten kommen, falls überhaupt, erst später zum Einsatz. Auch hier gilt: Grossgliedrige Ketten beschädigen das Fell nicht, im Gegensatz zu feingliedrigen. In die Kettenglieder kann in würgefreier (!) Stellung, also auf Zug arbeitend, der Karabinerhaken eingeklinkt werden. Wie deutlich, aber nicht quälerisch eine Grossgliederkette in Zugstellung funktioniert, erkennt mein Rüde immer wieder beim Korrekturtraining - nach langer Zeit mit dem Lederhalsband. Ein zu eng oder zu eng werdendes Band würgt den Hund bald, genauso ein zu schmales, das schneidet ein. Es ist wie eine Fessel, die Atemwege zuschnürt und generell das Halsbandtragen unangenehm macht. Das Band darf den Welpen nicht erschlagen, es darf nicht zu schmal sein, womit er sich beim Ziehen einschnürt oder würgt. Beim Hundesport oder für sehr grosse Hunde ist ein Halsband mit eingebautem Griff sinnvoll. Das Mass der Dinge: Die flache Hand muss zwischen Halsrücken und Band passen.Bei Stachelhalsband-geschädigten Hunden oder als Lauflernhilfe hilft auch ein Brustgeschirr mit angebautem Griff. Am besten, weil gewaltfrei, ist die Obedience-Lernmethode ohne Leinenruck, wo man nur ein normales Halsband braucht.
Ich habe mehrere Leinen. Die gebräuchlichste ist eine kurze Schlaufe, mit einem Koppelstück mit zwei Verteilern, woran ich beiden Hunde anhänge. Gehe ich mit der grösseren Hündin mal allein weg (kommt nur in Ausnahmefällen vor wie zum Tierarzt), dann reicht die kurze Schlaufe. Ich mag es, auf kurzem Weg zu signalisieren. Dann zwei verstellbare Lederleinen von rund 1,80 Meter Maximaler Länge (die ich nicht mehr brauche). Und einen Ausbildungsstrick von gut einem Meter. Die Karabinerhaken haben selbst einen: Sie sollten sicher einhaken, andererseits aber im Stress (bei Angriffen) unter Zug des Hundes schnell und sicher auszuklinken sein. Die meisten verhaken sich da.
Fieberthermometer: Mit einem speziellen Hundethermometer mit schneller digitaler Anzeige können Sie Ihrem Tierarzt/Ihrer Tierärztin erste Hinweise bei Erkrankungen geben. Ich empfehle "Hestia F 1 Signal waterproof". Fieber wird beim Hund im After gemessen. (Normalerweise liegt die Körper-Innentemperatur bei Hunden zwischen 37,5 und 38,5 Grad. Welpen, Junghunde und Kleinrassen liegen an der oberen Grenze.) Das Thermometer ist nicht ruckartig einzuführen, sondern vorsichtig, eventuell mit einem Gleitmittel, damit sich der Hund nicht ruckartig hinsetzt, das Thermometer abbricht und sich dabei verletzt.
Wasserkanüle: Bei Überhitzungen oder Vergiftungen kann man dem Hund wenig Wasser zwischen die Kiefer träufeln. Bei Harnwege- oder Genitalentzündungen muss man mit lauwarmem Wasser aus der Kanüle reinigen, bevor man Breitband-Antibiotika einspritzt.
Antizecken- und -flohmittel: Spezielle Halsbänder wirken wenig und nur kurz. Hervorragend bewährt hat sich der flüssige Wirkstoff Permethrin in "ExSpot" von Mallinckrodt, den man auf Hals- und Schwanzwurzel aufreibt. Der Wirkstoff pflanzt sich mit den Bewegungen des Hundes auf der ganzen Hautoberfläche fort. Eine Behandlung wirkt bei meinem Hund rund drei Monate. ExSpot ist zwar sauteuer, aber hochwirksam Dieses Mittel ist schädlich bei Katzen! Wie üblich in allen solchen Fällen: Nicht verzagen, Tierarzt/Tierärztin fragen. Das gilt auch für die Reinigung der Gehörgänge und Augenpartien. Von den immer noch gebräuchlichen Halsbändern gegen Zecken halte ich nach aller Erfahrung nichts. Sie wirken - wenn überhaupt - nur einige Tage.
Von Mäntelchen und sonstigen hunde-unartigen Klamotten nehme man bitte Abstand. Der Hund hat hoffentlich ein gesundes Fell, und er ist mit einem viel robusteren Temperaturempfinden ausgerüstet als der empfindsam gewordene Mensch. Auch kurzhaarige Hunde. Es liegt vornehmlich daran, dass der Hund natürlich ernährt, gepflegt und vor allem bewegt wird. Bei Wind und Wetter. Er härtet schneller ab als der Mensch. Nur Nackthunde oder hautkranke Hunde brauchen eventuell einen atmungstüchtigen Schutz. (Die Mexikaner züchteten sich haarlose, also "nackte" Hunde als Wärmflaschen.)
Alles andere sind - auch - menschliche Mode-Torheiten.


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