Wie kaufe ich einen Hund?
Wie erkenne ich einen guten Züchter?
Tierheim
Rüde oder Hündin oder mehrere oder was?
Hundehändler
Mensch-Hund-Typberatung
Welpenwahl und -qual
Woran erkennt der Laie einen gesunden Welpen?
Eignungstest
Wie kaufe ich einen Hund? Soll ich? Darf ich? Vor allem soll man eines nicht: ihn spontan kaufen, oder im Hundesupermarkt (der wie aus Zufall so "günstig" viele Rassen da hat), oder gar aus der Zeitung - mit der Frage wie bei einem Gebrauchtmöbel: Was soll er kosten? Glauben Sie, dass diese auszugsweise und wenigen Erfahrungen übertrieben sind? Nein. Stark untertrieben. Leider. Nicht wenige Hundekäufer wären tierfreundlicher verfahren, hätten sie auf einen Hund verzichtet.
Um zu verdeutlichen, wie die Praxis aussieht, hier der Bericht einer Züchterin. Sie züchtet eine Kleinst- und eine Riesenrasse:
„Drei meiner Welpen sind seit letzter Woche in den neuen Familien. Alles läuft bisher sehr gut. Die restlichen vier sind noch da. Mehrere Leute musste ich gleich am Telefon abwimmeln oder bei einem Besuch wieder wegschicken. Unglaublich, mit was man konfrontiert wird: Ganztags berufstätig, von morgens 7 Uhr bis abends ca. 18 Uhr, mit 40-minütiger Mittagspause. Ne - da läuft ja gar nichts!!! Eine Dame aus Lörrach fragt: „Können Sie den Welpen so lange noch behalten, bis er stubenrein ist?" Auf meine Frage hin, weshalb, meinte sie nur, sie hätte so teure Perserteppiche liegen.... Meine Güte, was will sie dann mit einem Hund? Das merkwürdige ist nur, dass sie schon einen Labradormix hat. Solche oder ähnliche Sachen erlebe ich täglich. Es ist schon mehr als bedenklich, mit welcher Leichtfertigkeit sich die Leute eine Hund anschaffen oder wollen. Das Schlimme ist nur, dass ich genau weiss, dass eine Abfuhr bei mir leider nicht bedeutet, auf einen Hund zu verzichten. Es gibt genügend Züchter, die überhaupt nicht nach den Lebensumständen fragen und einfach verkaufen. Es ist zum Kotzen!!"
Zurück zum Thema. Welche Ziele haben Sie mit Ihrem Hund vor? Haben Sie sich nun zwölf oder nur vier Rassen ausgesucht, die Ihren optischen Ansprüchen, Ihrem Temperament, Ihrer Situation nahekommen? Wollen Sie wissen, wie ich mir einen Hund aussuchen würde?
Ich suchte mir erst einen bestmöglichen Züchter von vergleichbaren oder in Frage kommenden Rassen (falls es eine Rasse sein muss) aus. Denn es gibt so viele gute Züchter wie - sagen wir mal - Autowerkstätten und Autoverkäufer zusammen. Also verdammt wenig. Wenn ich wählen könnte zwischen zwei ähnlichen Hunderassen, würde ich die vom besseren Züchter nehmen.
Wie erkenne ich einen guten Züchter? Daran, dass ich einen Welpen vorbestellen müsste und nicht aus einem Supermarktangebot den "günstigsten" in den Warenkorb gelegt bekomme. Daran, dass er nicht einen Supermarkt an Rassen anbietet, sondern sich auf höchstens zwei verschiedene Rassen beschränkt. Dass der Züchter sich seine Käufer genauso verantwortungsvoll aussucht wie ich ihn. Dass er mich spontan besuchen will, um meine Versprechungen auf Wahrheit zu überprüfen. Dass er mir Röntgenbilder über den Befund der Hüftdysplasie (HD) und andere mögliche Erbkrankheiten der Elterntiere zeigt. Dass er die Hundchen nicht im adretten Wohnzimmer präsentiert, sondern bei ihrer leiblichen Mutter. Ich bin beeindruckt, wenn der Züchter flugs zum Wurfstall geht und mich der Hundemutter mitsamt den Welpen in gewohnter Umgebung vorstellt. Noch besser: Wenn später der Hundevater vorgestellt wird. Wenn sich der Züchter Zeit nimmt und mir ein Loch in den kribbeligen Bauch fragt. Wenn ich mich nicht überredet vorkomme, sondern überzeugt. Wer auf "Papiere" besonderen Wert legt, erhält auch papiererne Werte, denn erstens werden auch die tollsten Papiere mit allen Signien auch von grossen Verbänden mit grossen Namen (nachweislich) gefälscht, zweitens kommt es mir auf Zuchtgesundheit an, und die ist aus den meisten Papieren nicht ersichtlich, schon gar nicht nachweisbar. Drittens sind manche "Papiere" das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. Stempel, Daten, alles kann man fälschen. Leider kommt dies bei Hundezüchtern so oft vor, dass ich hier sehr nachdrücklich davor warnen muss. Täuschungsmanöver nach Staubsaugervertreterart (wobei ich dies nur als Ironie verstanden wissen will) bellen den emotional verzückten Käufern angesichts bäriger, zuckersüsser, schnuckeliger Welpen die billigsten Verkäufersprüche entgegen. Kleines Sortiment gefällig?
"Eigentlich wollte ich den Welpen behalten", womit nur die Kauflust angeregt wird, denn er würde ihn natürlich doch verkaufen. "Ich habe nur noch den übrig, alle anderen sind bereits vergeben." Das ist entweder der Welpe, der übriggeblieben ist, den keiner wollte, weil der Züchter die besseren bereits vergeben hat, oder er hat die Wahrheit erzählt. "Nehmen Sie den!" ist ganz verdächtig, denn der Züchter trifft aus oft dubiosen Gründen die Vorwahl. Warum wohl? "Ich züchte nur aus Liebhaberei" oder "als Hobby", was das gleiche ist. Wenn ich Hunde so lieb habe, dann will ich sie behalten und nicht abgeben. Er soll ehrlich sagen, dass er verkauft und nicht heuchlerisch "unter Tränen schweren Herzens abgibt". Ernüchtert? Gut so. Ich geb gleich noch eins drauf, mit dem Beispiel von Anzeigen, wie nichtssagend Hunde oft angepriesen werden: "Verkaufe Berner Sennenhund-Welpen günstig. Telefon... Zuchtwart." Ein paar Zeilen darunter derselbe Text mit "Golden Retriever-Welpen. Mit "Zuchtwart" schmückt sich der Mann. Es ist weder eine Berufsbezeichnung noch irgend ein Titel. Und Zuchtwart innerhalb eines Zuchtverbandes kann man nur für eine Rasse sein. Was wartet er? Seine Zucht. Oft nicht mal die Stätte. Mit "günstig" lockt er Leute, die zweifellos teure Rassewelpen günstiger haben möchten. Doch "günstig" kann bei einem schlechten Züchter mit dubiosen Ahnentafeln oder noch dubioseren Zuchttieren für den Käufer sehr ungünstig werden. Erhöhte Tierarztkosten sind nur ein Teil des kommenden Ärgers. Nebenbei: in Deutschland sind Welpen von Rasseverbänden wie dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) - im Vergleich zum Ausland - am teuersten. Züchter verkaufen mit den scheinheiligsten Motiven. Die folgenden, drei hintereinander geschalteten Kleinanzeigen in ein und derselben Tageszeitungsausgabe verdeutlichen den unmoralischen Zustand der Züchtermehrheit, und denjenigen der Zielgruppe, denn sie fällt gern drauf rein: "Golden Retriever und Tibet-Terrier preiswert abzugeben". "Süsse Labrador-Welpen aus Liebhaberzucht zu verk." Preiswert kann seinen Preis wert, kann aber auch der Hinweis auf mindere Qualität sein (Sonder-angebot mit Verfallsdatum). Mit "süss" lockt man Mäuse; fehlt nur noch die Steigerung "Babies". Nur wenige Züchter beschreiben ihre Lieblingsrasse ehrlich, ehrlich im Sinne des Hundes und des Interessenten (Käufers). Ein Beispiel liefert der Deutsche Bordeauxdoggen-Klub. Der Vorsitzende Friedel Schulthoff lügt in einem Artikel über diese schwere Rasse in "Hundewelt" 4/98 die Leute nicht an, die von vielen anderen Züchtern erfahren, dass ihre Rasse absolut robust sei. Schulthoff hat als wohlhabender Mann keine Verkaufshilfen nötig und hält bei Risiken nicht hinterm Berg. Zur Gesundheit der Bordeauxdoggen meint er: "Zählt zu den HD-anfälligen Rassen. Auftretende Fälle von Herzbeschwerden, Leukämie und auch Epilepsie kommen, wie auch bei anderen Rassen, gelegentlich vor." Eben. Er phantasiert auch nicht mit einer unwahren Lebenserwartung, sondern gibt sie - je nach Veranlagung und Aufzucht - mit einer korrekten Spannweite von "7 - 12 Jahre" an. Bemerkenswert scheint mir noch, dass der Welpenpreis bei diesem Klub (im VDH) nicht überspannt ist wie bei anderen Molosser-Rassen, sondern bei nachvollziehbaren 3 000 Mark. Und die Bemerkung, dass der Bordeauxdogge "mehr das harmonische Miteinander mit den Haltern als ständige Konfrontation und Druck" liegen. Diese Ehrlichkeit gerade, was die Gesundheit betrifft, lässt den Schluss zu, dass bei diesem Klub der Kunde offen beraten wird. Hier scheinen seriöse Züchter am Werk zu sein. Im Gegensatz dazu demaskiert sich eine Briard-Züchterin im Internet in ihrem Artikel mit der Überschrift: "Hüftgelenksdysplasie - aber noch lange nicht krank". Die Verharmlosung einer anerkannten Erbkrankheit ist schlicht Eigennutz und Eigenwerbung. Hätte sie nämlich HD-freie Hunde (und es gibt sie ), würde sie gerade diesen Zustand hervorheben. Und noch eine Tatsache: Die meisten Ersthundekäufer wollen ausgerechnet einen mindestens mittelgrossen Hund, wie die jährlichen Registrierungsstatistiken für Welpen des grössten deutschen Rassehundeverbandes (VDH) belegen: Von den meistverkauften Rassen sind zwei Drittel mindestens mittelgross (55 Zentimeter und mehr). Zu gross für die meisten Erst-Halter- und vor allem -innen.
Tierheim Einen Hund aus dem Tierheim zu holen, ist grundsätzlich aller Ehren wert. Solange die Tierheime voll sind, sollte man auf anderweitige Hundevermehrung verzichten. Eine radikale Ansicht, zu einseitig, denn was holt man sich da ins Haus? Die Frage ist erlaubt, wie denn die Hunde dorthin gelangen? Meist nach dem Motto: Kann und will ich das Problem mit dem Hund nicht lösen, so löse ich einfach das Problem. Der Hund wird im Tierheim entsorgt. Der Hund behält nicht nur sein Problem, die Trennungsangst, es wird vervielfältigt und verstärkt. Doch auch bei der hehren Entscheidung, einen Hund aus dem Tierheim zu holen, sind Bedenken angebracht. Oft müssen die Tiere dem miserablen Halter weggenommen werden. Doch hier mehren sich die Probleme. Denn jeder Hund, der in eine weitere Hand gerät, ist eine weitere Verhaltensstörung aufgebürdet. Ein radikales, aber verhaltenskundlich belegbares Urteil: Jeder Hund, der in ein Tierheim muss, hat automatisch eine Verhaltensstörung. Allein schon durch die Trennung von bisher Gewohntem, auch wenn es noch so mies war. Das Tierheimpersonal, ehrenamtlich, und auch fachlich überfordert, muss versuchen, die Hunde wieder loszuwerden. Theoretisch mit grosser Fürsorge. Es bleibt oft notgedrungen bei der Theorie. Es gibt "solche und solche" Tierheimleitungen.
Merksätze: Auch Tierheime müssen ihre Asylanten wieder loswerden. Die Kenntnisse der Tierheimmitarbeiter über Hunde sind oft mangelhaft. Alten Hunden kann man zwar nur noch wenig beibringen, sie sind aber um so dankbarer für die letzen schönen Jahre. Dies ist wirklich ein Grund, wenn man "nur" einen Hund will. Mitleid ist ein falscher Kaufberater. Es gibt keine Daten, wie viele Tierheimhunde wieder zurückgebracht wurden. Die Verhaltensstörungen potenzieren sich. Am schlimmsten sind die Fälle, wenn ein erwachsener starker Hund aus erniedrigenden Verhältnissen geholt wird, meist isoliert von allem, dann in ein Massenlager kommt, dort an eine aufpeppelnde Pflegerin gerät, die seinen Rang erhöht, und dann kommt er als "kinderlieber" Hund in ahnungslose und von Tierheim schlecht informierte Hände. Alte Hunde hingegen sind wirklich dankbar und froh, aus dem Massenlager fliehen zu dürfen. Und wollen nur noch ihre letzte Ruhe. Wie es oft um den Fachverstand steht, erhellt aus der Aussage einer Tierheim-Mitarbeiterin in der Fernsehsendung "Ein Heim für Tiere": Da wurde ein sieben Monate alter Junghund als "Welpe" angeboten.
Eine qualitativ hohe Muttertier-Welpen-Bindung und Prägung samt Betreuung kann nur bei verantwortungsvollen Züchtern erfolgen. Doch die sind rar. Denn Hundekauf bleibt Vertrauenssache.
Rüde oder Hündin oder mehrere oder was? Erstellen Sie für sich und für Ihre Familie ein Profil nach Temperament, Aktivität, Platz- und Auslaufsituation, Körperkraft, Durchsetzungsvermögen und Leistungsanforderungen und übereinstimmende Charaktereigenschaften. Und vor allem Zeit. So stellen Sie Harmonie her und keine prinzipiellen Konflikte. Glauben Sie bitte nicht, dass ein Riesenhund gleich ein riesiger Verteidiger sei. Meist sind Riesen wie die Deutsche Dogge und der Irish Wolfhound Sensibelchen, und die Kleinen wie Terrier sind die Giftzwerge, wie bei Menschen auch. Doch die Körperkräfte von Hund und - im Wortsinne - Halter müssen zueinander passen. Eine Zuordnungshilfe finden Sie im Kapitel "Mensch-Hund-Typberatung".
Rüde oder Hündin? In Grösse und Gewicht sind bei vergleichbaren Typen die Hündinnen in der Regel 5 bis 8 Prozent kleiner und zwischen 10 und 15 Prozent leichter als die Rüden. (Nur bei Herdenschutzhunden ist der Unterschied grösser.)
Nach aller Erfahrung (aber auch die ist kein Gesetz) sind Rüden - nomen est omen - rüder, dominanter, rebellischer, Hündinnen etwas fürsorglicher, fügsamer. Rüden markieren häufig, auch wenn kein Tropfen Urin mehr im Tank ist. Rüden laufen läufigen Hündinnen nach, auch scheinläufige Hündinnen ziehen Rüden an. Diese Nachteile haben sich also gegenseitig auf. Arbeitsrüden werden daher prophylaktisch kastriert. Eine Kastration verhindert meist Herumstreunen, sexuelle Dominanz und vor allem ungewollte Nachkommenschaft.
Ich habe schon an anderer Stelle - bei den "Reizvollen Erklärungen" betont, dass eine Kastration - besonders bei Rüden - kein Ersatz für Erziehungs- oder Veranlagungsfehler (der letzte ist der seltenere Fall) oder gar eine Korrektur für unerwünschtes Verhalten sei. Das grassiert gerade gerne unter Ausbilderinnen-Kreisen. Ich sage knallhart: Diese Frauen haben ein Problem, nicht der gemeinte Hund. Zumal die Wirkung einer Kastration eine höchst unterschiedliche ist. Von der für die Halter und für den Hund problematischen viel intensiveren Verbrennung der Nahrung mal ganz abgesehen. Die Rationen halbieren!
Natürlich gibt es unerwünschte Verhaltensweisen bei beiden Geschlechtern: Rüden, auch kastrierte, markieren jede Nuance von Urin - wo auch immer die sich befindet. Es kann nicht nur beim Spazierengehen regelrecht lästig werden. Schlittenhundeführer lassen ihr Hunde ein- bis zweimal ordentlich auspissen, bevor sie ans Geschirr kommen. Und dann hat es sich auch für Rüden ausgepisst. Alles danach ist ein mehr oder weniger wissentlich toleriertes Dominanz-Verhalten. Erwachsene Hündinnen machen nur dann, wenn es nötig ist. Höchstens Vier- bis fünfmal am Tag. Fertig. Rüden müssten auch nur ein paar mal richtig Wasser lassen, der Rest - des zehnfachen - ist Markieren. An alles, was vorher hundeartige Geruchsspuren hinterliess. Egal welche Gegenstände und wo auch immer. Hier sollte die Verantwortung des Hundehalters einsetzen und erzieherisch durchkorrigieren. Wo ein Rüde mal hingemacht hat, machen andere Rüden sofort drauf. "Revieransprüche" gehen spazieren und werden ständig in Frage gestellt und müssen daher ständig erneuert werden. Aber die Stadt ist jedermanns Revier und nicht der eigene Hundegarten. Es ist die Aufgabe des Halters, seinen Rüden am sozialverträglichen Platz sich entleeren zu lassen. Der Hund kann nichts für seinen ignoranten Halter.
Die Sorge um eine ungewollte Nachkommenschaft mit durchaus möglichen zwölf Welpen in der Zweizimmerwohnung ist auch verständlich. Es ist die Verantwortung des Hündinnenhalters, dafür zu sorgen, dass dies nicht geschieht. Wir haben zu viel unerwünschte Tiere im Tierheim. Es ist aber auch die Verantwortung eines deckbereiten Rüdenhalters, dafür zu sorgen, dass sein Rüde nicht unkontrolliert vor anderen Häusern herumstreicht (würde der Rüdenhalter das angenehm finden?) und seine Lüste natürlich einklagt, und vor allem - darin sind Tiere eben trickreich - keinen Weg zur deckbereiten Hündin findet. Meist höre ich von solch egoistischen Rüdenhaltern die dumme Ausrede inklusive Schulterzucken ("geht mich doch nichts an"): Das sei eben die Natur. Macht der Halter das auch so? Er drückt sich mit dieser plötzlichen Entdeckung der Natur vor seiner Verantwortung. Ich würde einem solchen Rüden-Besitzer mindestens die Hälfte des unbeabsichtigten Wurfs ins Haus stellen. Wenn nicht alle. Damit der lernt, dass er sich nicht alle Freiheiten über seinen Rüden herausnehmen kann. Er soll dann "Alimente" bezahlen. Das Geld für verkaufte Welpen würde er ja gerne einstrichen. Aha.
Humanpsychologische Potenzängste sollten dagegen nicht auf Tiere übertragen werden. Schon gar nicht sollten die Tiere vor der Pubertät kastriert werden; dies ist ein brutaler Eingriff in die Sexualentwicklung und medizinisch verwerflich.
Den Eintritt in die Geschlechtsreife nennt man auch bei Hunden Pubertät. Geschlechtsreif ist eine Hündin, wenn sie zum ersten Mal läufig wird. Dieser Zeitpunkt ist kein rassespezifisches Merkmal, sondern auch innerhalb einer Rasse vor allem vom Erreichen eines bestimmten Körpergewichts abhängig. Auch Haltungseinflüsse spielen dabei eine Rolle. Der Eintrittstermin ist daher sehr variabel. Im allgemeinen tritt die erste Läufigkeit in einer Altersspanne von 5 bis 14 Monaten auf: Kleine Rassen werden früher geschlechtsreif als grosse; bei Zwergrassen schon ab unglaublichen 16 Wochen! Der Zyklus variiert auch unter Hündinnen: zwischen zwei (manchmal gar drei) Läufigkeiten sechs bis sieben Monate. Das Individuum selbst hält jedoch exakte Brunstzeiten ein. Läufige Hündinnen müssen dann vor deckungsbereiten Rüden, die nicht zu Zuchtzwecken vorgesehen sind, geschützt werden.
Wie erkennt man den Beginn der Läufigkeit? Durch das Anschwellen der Vulva (Scham) und das Auftreten von fleischig-wässrigem Ausfluss. Die Vorbrunst (Proöstrus) kann zwischen vier Tagen und drei Wochen dauern. Die eigentliche Brunst (Östrus) bedeutet die Bereitschaft der Hündin, das Bespringen von Rüden zu dulden. Diese Phase variiert ebenfalls stark, zwei bis zwölf Tage. In der Nachbrunst (Metöstrus) bildet sich die Gebärmutter (Uterus) zurück, zwischen 9 und 20 Tagen. Danach kommt der Zyklus-Schluss (Anöstrus). Alle Anzeichen für Läufigkeit gehen zurück, die Vulva ist wieder klein und wird wieder von umgebenden Haaren bedeckt. Auch diese Phase schwankt erheblich, zwischen zwei und vier Monaten.
Hündinnen großer Rassen werden gar nur einmal im Jahr läufig und das erste Mal mit ungefähr einem Jahr. Ein Einzelhund sucht als Rudeltier ständig seinesgleichen. Eine Menschenfamilie kann ihm nur Ersatz bedeuten. Mehrere Hunde? Schön für die Hunde, sie ordnen und beschäftigen sich selbst. Doch wo halten, wie bezahlen, wer beschäftigt sie, wie viele dürfen mitfahren, wie viele spazierengehen, wer versorgt die Hunde bei Ausfall oder Verhinderung des/der Halter? Gibt es Eifersuchtsszenen, Rangkämpfe? Es ist grundsätzlich einfacher, sich zuerst einen Hund heranzuziehen und dann einen jungen, passenden Artgenossen ins Haus zu holen. Doch die Situation muss dafür geeignet sein.
Eine Studie der Buffalo-Universität (USA) an hundert Paaren hat ergeben, dass in Situationen, die Stress erzeugen, bei Paaren mit Hunden oder Katzen der Blutdruck langsamer stieg als bei Paaren ohne Haustiere. Ausserdem bleibt man erwiesenermassen mit einem Haustier fit. Heutzutage ein herausragender Grund, sich ein Haustier zuzulegen.
Hundehändler Das ARD-Fernseh-Magazin "Report" vom 10. August 1998 brachte es mal wieder auf die Mattscheibe: Ein Rassehund muss plötzlich her. Man guckt in die Zeitungsanzeigen und findet Angebote. Wie geschickt: Gleich mehrere Rassen bei einem Züchter. Nix wie hin. Süss werden sie rausgeputzt, süss sind sie alle, wo doch das Herz ohnehin schon entschieden hat. Mitbezahlt wurden gefälschte Abstammungspapiere, gefälschte Impfdaten (falls er überhaupt geimpft wurde) und ein psychisch wie physisch erbarmungswürdiger Zustand. Meist zum Preis, den wirklich seriöse Züchter (mit nur einer, höchstens zwei Rassen) verlangen. Wobei bei den Dealern noch Tierarzt-Reparaturrechnungen dazukommen, die nicht selten den Kaufpreis verdoppeln lassen. Doch meist sind die Tiere nicht einmal aus eigener Zucht, sondern von befreundeten Un-Züchtern zugekauft. Der Gewinn bei einem Modehund wie dem Golden Retriever beläuft sich dann auf 700 Prozent. Ein Tierarzt berichtete in "Report", dass ein Dealer nicht selten mit 40 Welpen aufkreuzte. Das Impfen ging dann wie im Akkord. Was scherte beide da - wenn schon - schon falsche Impfungen, die manchmal zum Tode führen. Der Hund ist verkauft wie besehen. Massendealer bieten marktgerecht Moderassen feil. Wie auf dem Supermarkt.
Mensch-Hund-Typberatung Leider ist es so, dass viele Ersthundekäufer von den Verkäufern im Stich gelassen werden, wenn es darauf ankommt, für den Käufer und den passenden Hund zu beraten. Und zwar uneigennützig. Nur wenige Züchter leisten sich diese ehrliche Beratung, die nicht selten im Ratschlag enden, sich vom Wunsch nach einem Hund generell zu verabschieden. Weil die Situation für den Hund nicht artgerecht wäre, weil die Käufer nicht geeignet sind, einen Hund zu halten. Kein Mensch zwingt einen, sich einen Hund aufzubürden, den man/frau nicht halten kann. Die meisten unerfahrenen Halter schaffen sich zu grosse, zu kräftige Hunde für ihre Verhältnisse an. Meist auch noch durchsetzungsschwache Menschen, die sich einen veritablen Abschrecker wünschen, ihn aber nicht beherrschen können. Der Hund ist dann der Boss. Fatale Wunschprojektionen. Bei einem Kleinhund nur ein kleines, nervendes Problem, nicht jedoch bei einem Dobermann, Rottweiler oder Schäferhund.
Die meisten Züchter sind nun mal Verkäufer ihrer Günstlinge. Das eigennützige Verkaufen endet oft im Tierheim. Hundebücher oder Zeitschriften sind meist Rassehundeverkaufshelfer, die Artikel meist von Züchtern der beschriebenen Rasse, nicht selten sogar von Vereinsvorsitzenden verfasst. Es sind also zu 99 Prozent Interessenvertreter, die "beraten", in Wahrheit aber vermarkten. Deshalb hier ein Versuch, eine Annäherung von Temperamenten, Bewegungs- und Zeitansprüchen und Eigenschaften von Hund zu Mensch neutral (pro Hund und pro Käufer) in Form eines nach besten Wissen und Gewissen verfassten Kriterien-Katalogs anzubieten. Dazu verhilft auch das Kapitel "Vorentscheidung" mit Fragenkatalog.
Man bringe die Temperamente und Eigenschaften wie Haltungs- und Zeitsituation nebst Wunschvorstellungen der ganzen künftigen Halterfamilie mit dem des Hundes auf einen Nenner. Ein zweibeiniger Ofenhocker passt nicht zu einem vierbeinigen Temperamentsbolzen und -Frei-heitsfanatiker, ein körperlich schwacher Mensch nicht zu einem Hundegiganten (Hund zieht Mensch), ein Jogger nicht zu einem Phlegma, ein Naturbursche nicht zu einem Schosshund. Ein Hundefreund, der auf einen Vierbeiner verzichtet, weil er ihm keine artgerechte Lebensweise anbieten kann, der ist ein echter Tierfreund. Und ein Hund kostet. Je nach Grösse, zwischen 100 und 400 Mark monatlich.
Welpenwahl und -qual Auch hier kommt es in erster Linie auf das abgestimmte Temperament und die Ansprüche des Halters und seiner Umgebung an. Sie können keinen Hund halten, wenn Ihr menschlicher Partner oder Familienmitglieder dagegen sind. Das Gefühl ist gerade angesichts von verführerischen Hundekindern der schlechteste Kaufberater. Zwei Beispiele, die ich kenne, verdeutlichen, wie auch aus einer so genannten Zufallsverbindung Unglücke entstehen können, wenn man den Wurf loswerden muss: Eine mittelgrosse Jagdhündin wurde "versehentlich" gedeckt. Nun suchten die Halter nach dem Wurf acht Abnehmer. Sie wurden alle acht Welpen los. Unter anderem an eine ältere Dame, deren erwachsene Kinder meinten, wenn es Schwierigkeiten gäbe, wären sie ja auch noch da. Erst hiess es, alles okay, dann gab es halt doch welche, nachdem die Hündinnen-Besitzerin nachgehakt hatte: "Wie erzieht man einen Hund? Er macht Probleme!" Warum überlegen sich die Leute nicht vorher, was sie kaufen? Ein anderer, leider nicht seltener Käufer ist Türke. Schon um der Ausländerfreundlichkeit wegen bekam er den Hund. Der Mann fragte jedoch etwas, was bei mir sofort eine fatale Ahnung auslöste: "Kann man den (Welpen) scharf machen?" Sorglosigkeit der Hündin gegenüber, einen Wurf in die Welt setzen zu lassen, ohne dafür geeignete Abnehmer zu wissen. Und dann der Notverkauf, auch noch an einen Menschen, der einen Hund als Waffe benützen will, aus welchem vorgeschobenen Grund auch immer.
Typische Anzeige aus einem Wochenblatt: "American Pit-Bull Terrier, reinweiss, sehr menschenlieb, 15 Monate alt, aus Arbeitsgründen und Zeitmangel nur in gute Hände abzugeben." Als Junghund ist er menschenlieb, logo. Der Hund käme auch zum ersten Mal in gute Hände, denn wer aus solch fadenscheinigen Gründen (plötzlich und unerwartet, wie der alljährliche Flugurlaub?) seinen Hund abschiebt, ist ein Hundefeind. Mindestens ein Heuchler.
Tierquälerei sind Hundesupermärkte, wo man die Auswahl unter verschiedenen Rassen hat. Blind genug vor Tierliebe, die lebende Geldmaschinen nicht sehen zu wollen, vor allem ihre erbärmliche Situation, die dubiosen Abstammungen, die auf Bedarf gedeckt werden, und das am Fliessband. Bei solchen Hundesupermärkten werden nur gängige Moderassen angeboten und dem Spontanhundefan auch beschafft, wenn nicht gerade am Lager vorrätig. Ich beurteile einen Welpen nach dem Züchter.
Woran erkennt der Laie einen gesunden Welpen? Er hat klare, glänzende Augen ohne Ausfluss und Verklebungen. Die Nase ist frei von Verkrustungen und Ausfluss. Man darf die Rippen nicht sehen, soll andererseits nicht aufgedunsen wirken. Das Fell soll glänzend und frei von Flöhen und Läusen, von Scheuerstellen oder Bakterien sein. Der Bauch darf nicht aufgebläht sein (eklatanter Wurmbefall!). Die Ohren müssen frei von strengem Geruch und Absonderungen sein. Zahnfleisch und Lefzen sollen rosa sein, die Zähne gemäss dem Alter in gutem Zustand. Der Afterbereich soll sauber sein. Der Welpe darf sich nicht ängstlich (eingeklemmter Schwanz) verdrücken.
Wenn ich für meine Hündin einen Wurf plante, nachdem ein psychisch wie physisch gesunder Partner (auch von ihr!) ausgesucht worden wäre, und nachdem ich genügend geeignete Abnehmer verpflichtet hätte: Die Welpen-Interessenten müssten einen beinharten Charaktertest über sich ergehen lassen oder - es käme nicht mal dazu. Es sei denn, ich kenne die Leute vorher schon gut genug. Aber ich würde sie auch danach nie aus meinen fürsorglichen Klauen lassen.
Der Eignungstest oder Wie ich die folgende Tabelle lese Die folgende Tabelle ist ein Anhaltspunkt für eine ehrliche Selbstanalyse: Bin ich überhaupt geeignet für einen Hund, und wenn ja, für welchen und für welchen nicht?
Ich erlebe immer wieder Menschen, die sich gegenüber einem mindestens mittelgrossen (ab 55 Zentimeter Schulterhöhe) Hund nicht durchsetzen können - und damit meine ich nicht nur die körperlichen Haltekräfte, sondern in einer konsequenten Grundausbildung. Aber sie haben sich einen - sagen wir mal - Schäferhund zulegt, weil sie sich - warum auch immer - beschützt fühlen wollen, oder der Hund soll sich selber gegenüber anderen zur Wehr setzen können. Aber die Halter - nicht nur Frauen! - sind schon im Junghundealter, in der Pubertät, mit dem Hund überfordert. Der Hang zum grossen Hund ist leider so gross wie fatal. Drei Viertel der meistgekauften Hunde in Deutschland sind mindestens mittelgross. Dabei wären die meisten Halter nicht nur wegen der Umgebungs- und Zeit-Situation mit einem kleinen Hund besser bedient - vor allem der Hund. In der Tabelle sind nur die maximalen Hundegrössen erwähnt. Es kann, soll, darf auch immer kleiner sein.
Also fragen Sie sich nach dieser Tabelle, ob sich nicht doch was anderes als der Wunsch-Traumhund findet. Eine Fehleinschätzung wird für Mensch und Hund zum Trauma. Es kann natürlich sein, dass der Hund eine menschliche Schwäche aufdeckt und gar beheben lehrt. Dass man sein bisheriges Leben anders einrichtet, die nicht nur dem Hund gerecht wird, sondern auch selbst eine neue Lebensform ermöglicht. Das wäre die weiseste Art, auf den Hund zu kommen. Auf den richtigen.
| Menschen | Hunde |
| Zierlicher, ruhiger oder älterer Typ in kleiner City-Wohnung | alle Kleinhunde bis 35 cm Schulterhöhe (ausser Terrier) |
| Aktiver jüngerer Typ in kleiner Citywohnung | alle Kleinhunde bis 40 cm (besonders Terrier) |
| Zierlicher, ruhiger oder älterer Typ in mittlerer Wohnung im Randbezirk | Hunde bis 50 cm (keine Terrier und Zwergschnauzer, keine Jägerhunde) |
| Aktiver jüngerer Typ in mittlerer Wohnung im Randbezirk | Hunde bis 50 cm (keine Jägerhunde) |
| Ruhiger, kleiner, hundeerfahrener Typ in grosser Wohnung/Haus mit Garten in Kleinstadt/Aussenbezirk | mittelgrosse Hunde bis 65 cm (kein Rottweiler oder grosser Molosser, keine Schlitten-, Herden- schutz- und Hetzhunde) |
| Ruhiger, kräftiger, hundeerfahrener Typ in grosser Wohnung oder grossem Haus mit Garten in Kleinstadt/Aussenbezirk | mittelgrosse Hunde bis 70 cm (keine Schlitten- und Hetzhunde) |
| Sportlich-aktiver Typ in grosser Behausung auf dem Lande mit viel Auslauf | mittelgrosse Hunde bis 70 cm zum Beispiel Schlittenhunde (keine schweren Molosser und Hirtenhunde) |
| Eher unsportlicher, sehr kräftiger Typ auf dem Lande in grosser Behausung mit viel Auslauf | grosse Hunde bis über 70 cm (keine grossen Hetzhunde) |
| Junges Paar mit Kleinkind oder Kindwunsch in mittlerer Wohnung mit Garten | Hunde mit hoher Reizschwelle von 40 bis 65 cm (eher Hof- und Sennenhunde als Terrier, Ausnahme: Airedale) |
| Menschen, die einerseits einen nervenstarken Schutz-und Wachhund wollen, aber viel Fremdbesuch erwarten; mit grossem Anwesen | kein Herdenschutzhund, kein Fila Brasileiro, sonst alle Molosser oder grosse Hirtenhunde |
| Menschen mit grossen Anwesen, mit Hundeerfahrung und Durchsetzungsvermögen, die einen unbestechlichen Wach- und Schutzhund, aber nur ausgesuchten Kontakt wollen. Tabu für "Schutzhundler" und unsichere Menschen | Herdenschutz- und grosse Wachhunde |
| Sehr selbstsichere und geduldige, sportliche, aber sehr konsequente und körperlich robuste Menschen, die sehr sozial eingestellt und hundeerfahren sind | Bullterrier-Varietäten von verantworlichen Züchtern, und Molosser |
| Die sich nicht durchsetzen können | nur einen kleinen, unterwürfigen Hund |
| Generell unzuverlässige Menschen; die eine Waffe auf vier Beinen, die einen Hund "scharf" machen wollen, die Minderwertigkeitskomplexe kompensieren wollen; die "keine Zeit haben"; die einen Hund als Kindersatz oder Spielzeug wollen; die jähzornig sind; die alkohol- bzw. drogenabhängig sind; die nur unterwegs, noch nicht sesshaft sind; die nicht "nein" sagen können. | keinen Hund |


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