• Pflege-Anleitungen

    Warum lassen sich Hunde gern hinter den Ohren kraulen? Warum kratzen sie sich? Warum knabbern sie an sich herum? Warum lecken sie sich? Warum wälzen sie sich gern im Staub? Warum pflegen sie sich?

    Es dient der eigenen Hygiene und dem Sozialgefühl. Wenn man einen Hund hinter den Ohren krault, ist dies für den Hund beruhigend. Sein Blutdruck sinkt. Ähnlich, wie Pferde untereinander an den Halsflanken knabbern. (Verhaltensforscherin Claudia Fee hat per Blutdruck-Messgerät an Camargue-Pferden bewiesen, dass dies die Stelle ist, wo der Blutdruck beruhigend sinkt.)

    Der Zustand des Fells sagt das meiste über den psychischen und physischen Zustand des Hundes und/oder über die Qualität der Ernährung. Stumpfheit und zu starker Haarausfall (Ausnahme: die Fellwechsel im Frühjahr und Herbst) bedeuten Stress und/oder mangelhafte Ernährung. Die elegante Technik der eigenen Augenwäsche wird - wie bei vielen Lebewesen - mit reinigendem Lidzucken eingeschaltet. Das Lecken befreit von lästigen Parasiten. Das Fellknabbern ebenso, ausserdem entfilzt es das isolierende Kleid, säubert es von verklebenden Stellen, damit es besser durchlüftet. An Augen und Ohren keine Wattestäbchen benützen, denn der Watteabrieb setzt sich fest und macht alles nur noch schlimmer. Am besten sind spezielle Reinigungstropfen. Doch nicht überall kommt der Hund hin. Da wälzt er sich halt, oder wir helfen ihm durch massierendes und reinigendes Bürsten; gleichzeitig ist dies Seelenmassage. Lose Haare aus Unterwolle und Decke entfernen, wobei dieses Auskämmen während des Fellwechsels im Frühjahr und zum Herbstende noch wichtiger ist.

    Liegebeulen an den Ellenbeugen sind zu pflegen, bevor Bakterien die Oberhand bei den Abriebstellen gewinnen. Ursache für Liegebeulen ist oft eine zu rauhe, zu harte oder zu weiche Lagerstätte. An den aufgeriebenen Gelenken besetzen Milben oder Bakterien die wundgescheuerte Stelle. Diese wunden Stellen kann man mit einer Ringelblumensalbe geschmeidig halten. Reinigend und hautaufbauend wirkt das Lösungsmittel „Prurivet" von Chassot. Es ist aber keine Garantie. Überfellartige Hunde (stets ein Zuchtergebnis, für Arbeitshunde war dies hinderlich) müssen mindestens dreimal die Woche gekämmt und die verfilzten Haarenden auseinandergezupft werden, damit ihr Modefell nicht verfilzt. Wenn solche Filzteppiche vernachlässigt werden, werden sie als unverschuldete Schmutzfänger moralisch vernachlässigt. Wer ein Putzteufel ist oder hundehaar-allergisch und sich einen Komondor oder Bobtail ins peinlich saubere Haus holt, hat in die Kloschüssel gegriffen. Nicht wenige Bobtails landen total verfilzt im Tierheim, ein paar werden geschoren, den meisten Halbblinden müssen die überlangen Gesichtshaare mit süssen Schleifchen gebündelt werden, damit sie nicht gegen Laternenpfosten knallen. Und hinten rum? Wehe, solch ein Mop hat mal Dünnpfiff! Nicht von ungefähr bevorzugen die meisten professionellen Halter stockhaarige Hunde: relativ pflegeleicht, klimatisch angepasst, wetterhart genug und zweckmässig, vor allem für den Hund.

    Weisshaarige Hunde sind an den Ellenbogen abriebfreundlicher als andere. Die Unterlagendebatte (zu weich oder zu hart) halte ich für überzogen, aber die Gefahr der Ekzembildung durch Scheuern besteht, besonders auf harschen Unterlagen oder auf zu viel Kunststoff in den Teppichböden. Diese brandwunden Stellen am besten mit Ringelblumensalbe auf natürlicher Basis (fettig) behandeln.

    Bei langhaarigen Hunden und jene mit zu dichtem Ohrfell müssen die Gehörgänge häufig kontrolliert und entlüftet werden. Hält der Hund mal den Kopf schief, so ist das ein Zeichen, dass ein Fremdkörper im Ohr sitzt oder der Gehörgang verschmutzt ist. Hunde mit unnatürlich „offenen" Augenlidern (Ektropium) sind vor Zugluft und Verunreinigungen zu schützen. Sein wichtigstes Werkzeug, das Gebiss, kann funktionsfähig erhalten, also gepflegt werden. Zahnstein gedeiht auch bei Hunden. Wenn der zu weit fortgeschritten ist, muss er fachlich unter Narkose entfernt werden. Zähneputzen auf Hundeart hört sich lächerlich an, hält aber diese wichtigen Werkzeuge fit. Man kann vorbeugen, indem der Hund als Zwischenmahlzeit oder Belohnungen „Hundekuchen" mit rauer, aber fein strukturierter Oberfläche nagen muss. Nicht alle Kuchen taugen dazu.

    Ballen sind die Bereifung des Hundes. Die Ballen sollten nicht rissig sein, und wenn sie es doch werden - durch Salz im Winter - dann müssen sie abgeschmiert werden. Alte Hausmittel wie Melkfett oder neuere wie Vaseline helfen dem Mangel ab und machen die Ballen wieder geschmeidig. Gut ist auch eine Ringelblumensalbe. Die rissigen Ballen müssen aber vor dem Einmassieren gereinigt werden. Notfalls sind „Booties" (wie bei Schlittenhunden) hilfreich.

    Wachsen die Krallen so, dass der Hund untertritt (die Ferse fällt wie bei einem Spikeschuh von einem Sprinter ab, weil die überlangen Krallen den Vorderfuss hochhalten), dann kann er eine Sehnen-entzündung bekommen, weil die Ferse überlastet wird. Ausserdem krümmen sich die Krallen. Auch die unnützen Krallen an den Unterläufen („Wolfskrallen") können, wenn sie nicht fachgerecht gestutzt, in die Weichteile einstechen. Doch Vorsicht! Knipst man in die Nervenbahnen, bucht der Hund dies zurecht als ungeschickte Qual ab und zieht den fachmännischen Stutzer im weissen oder grünen Kittel vor. Immer nur ein bisschen abknipsen. Bei kleinen Krallen ist ohnehin eine Feile vorzuziehen. Für den Krallenwuchs ist die Häufigkeit, worauf der Hund läuft und damit seine Krallen abnutzen kann (oder eben nicht). Bei Hunden, die nur auf Naturboden laufen, können die Krallen schneller lang werden. Ich knipse die Krallen meines Hundes häufiger, dafür nur um maximal zwei bis drei Millimeter. Im Zweifelsfall weniger. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Tierarzt/die Tierärztin. Es tut sich nämlich auch in der präventiven Tiermedizin vieles.

    So auch bei der Technik der übelsten Hundefeinde: der Zecken. Früher glaubte man, Parfüm oder andere ätherische Öle würden die Zecken besser lösen. Irrtum! Sie graben sich nur noch schneller und tiefer ein. Die Methode, mit dem vorsichtigen Finger die Zecken so lange und schnell im Kreis, bis sie schwindelig werden und ihr Gebiss lockern, ist auch falsch, sie verbeissen sich auch. Neuester Stand der „Zecken-Entfernungs-Forschung": So gezielt gerade nach oben herausziehen, dass sie sich nicht verbeissen können, denn die Zecken saugen nicht sofort Blut. Immer gilt: Die Beisswerkzeuge dürfen nicht in der Haut stecken bleiben! Für weniger Geschickte (wie mich) ist eine Zeckenzange geeignet, mit der die Zecke am Kopf gepackt und herausgezogen wird. Scharfe Pinzetten zwicken nur den Kopf der Zecke ab. Das gibt dann die befürchtete Entzündung.

    Medizinische Abwehrmittel sind zum Beispiel die Tinkturen ExSpot oder Frontline, die auf die Stellen mit den typischen Angriffsstellen (Blutbahnen) eingerieben werden, oder Cyflee, das ins Futter gegeben wird. Doch die Zecken werden auch gegen neue Mittel resistent. Bei meinem Rüden rieb ich ExSpot vorschriftsmässig ein und es hielt ein Vierteljahr - in einem relativ zeckenarmen Gebiet. Im neuen Gebiet waren die Zecken immer schon häufiger. Da liess die Wirkung schon nach einem Monat nach. Eine biss sich immer fest. Ich las auch von einem anderen Fall, dass die Wirkung nachlasse. Die Gefahr, stärkere Dosierungen anzuwenden, steigt in gleicher Relation wie die Resistenz der Zecken gegen die Mittel.

    Jüngstes Gerücht: ExSpot und Frontline würden Krampfanfälle auslösen. Mir liegen Aussagen renommierter Tierkliniken vor, dass bisher noch keine derartigen Nebenwirkungen bekannt sind. Halsbändchen schützen höchstens bei Kleinsthunden.

    Die Haut des Hundes ist anders aufgebaut wie beim Mensch. Hunde sind nicht als Waschspielzeug oder zur Kompensation des krankhaften Putzfimmels gedacht. Hunde brauchen, wenn sie schon gewaschen werden müssen, rückfettende Spezialmittel. Dann kommt es doch so: Kaum ist der Lümmel - der sich in Kuhfladen oder Vogelaas gewälzt hat, weil er ein anderes Geschmacksempfinden hat als wir - nach der Wäsche wieder draussen, sucht er den nächsten Misthaufen. Der vermenschlichende Sauberkeitsfimmel stinkt ihm nämlich gewaltig. Er hat ganz andere Vorstellungen von Körpergeruch. Wenn er schon mal dreckig ist, lässt man ihn lufttrocknen oder reibt die Haut trocken. Nach dem Trocknen einfach bürsten. Basta. Wenn jedoch zu oft zu viel Unterwolle ausgebürstet wird, wächst sie um so schneller nach. Gewissermassen eine biologische Korrektur menschlicher Fehlleistungen. Es gibt Hunde, die kaum oder gar nicht haaren, zum Beispiel Pudel. Die Intensität des Haarausfalls hängt nicht von der Länge des Fells ab.

    Schwarze Hunde haben unter Hitze besonders zu leiden, weil Schwarz die UV-Strahlen am schnellsten in Wärme wandelt. Kurzhaarige dunkle, gar nackte Hunde (eine unnatürliche Zucht) leiden unter Sonnenbrand. Hunde mit angezüchtet unnatürlich viel Deckhaar wie Bobtails leiden mehr unter Hitze als Schlittenhunde. Ein gesunder Hund aus einer verantwortungsvollen Zucht oder Mischung hat stets seinen Isoliermantel für das jeweilige Klima bei sich. Leider sind ausgerechnet in Südfrankreich nordische Hunde en vogue - hirnverbrannt. Kurzhaarige Hunde sind dann „wetterfest", wenn sie fit gehalten werden - und nicht in überheizten Räumen. Hunde walken ihr Fell mit den Schneidezähnen durch, um wieder Isolation (Loft) herzustellen. Das tun sie auch bei ihren Rudelgenossen, weil es nebenbei den Sozialzusammenhalt fördert.

    Gute Transporteure für Läuse und Flöhe sind Katzen und Igel. Wenn auch nicht jedes Kratzen davon kommt - wie bei Menschen meist nur eine Verlegenheitsgeste: Eine Kur ist angesagt. Tiermediziner nach geeigneten Mitteln fragen.

    Am Ende der Pflegereihe steht der Analbereich. Fährt der Hund mit seinem Hintern Schlitten, sind die Analbeutel am After verstopft. Wenn Sie die Beutel selbst nicht ausdrücken können oder wollen, zeigen Ihnen Tierarzt oder Tierärztin, wo und wie man drücken muss. Auch auf freie Harngänge ist zu achten. Ungewöhnlicher Ausfluss deutet auf eine Entzündung, besonders bei läufigen Hündinnen an Genitalausgängen.