• Kind und Hund

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  • Kinderlieb?
  • Aufenthalt
  • Zwinger?
  • Autoladeraum
  • Hausordnung gleich Rangordnung

    Zu Anfang gleich grobe Klötzchen auf ein geradezu sträfliches Werbeversprechen vieler Rassehundezüchter- und -vereine, meist auch in Hundebüchern und -zeitschriften ohne Nachdenken verbreitet:

    Da wird gesungen, dass diese und jene Rasse besonders "kinderlieb" sei, noch lieber wird von "kinderlieben Welpen" geschwärmt. Hat man je von kinderhassenden Welpen gehört oder gelesen? Der Hund wird auch geistig auf den Arm genommen. Nicht nur als Maskottchen auf den Editorials in Hundezeitschriften.

    Geradezu gefährlich verharmlosend und eine "Problemlösung" versprechend ist die Überschrift eines Buches "Der kindersichere Hund". Das gibt es nicht.

    Wenn ausgerechnet eine Fachfrau in "Das Tier" eine Tabelle mit dem standardisierten Kriterium "Kinderliebe" zu vorgestellten Hunderassen veröffentlicht (zum Beispiel in Ausgabe 6/98 über den Berger Picard mit nicht begründbaren 7 von 10 Punkten "bewertet"), dann verhöhnt sie die gläubige Leserschaft. Stempel dazu: "Die Expertin". Alles unter der Überschrift "Klartext". Die Seite war vom Futtermulti Effem ("Pedigree Pal") gesponsort, aber nicht als PR angezeigt. (Es hat einer gemerkt: Inzwischen ist diese unsägliche Falschinformation in der Versenkung verschwunden.)

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    Jeder Erbforscher oder Ethologe weiss, dass solche Eigenschaften (wie auch "Lernfähigkeit", auch so ein Kriterium in diesem Klartext) nie angeboren, sondern nur erlernbar sind. Selten so viel biologischen Schwachsinn gelesen. Und die Käufer fallen drauf rein, weil sie als "Expertin" hausiert. Repariert werden solche unhaltbaren wie gefährlichen Werbesprüche dann in Hundeschulen unter der Rubrik "Problemhund". Wenn es gut geht. Es trifft wieder mal den Falschen. Den ehrlichen, den unverstandenen Hund. Als ob andere Rassen (und Mischlinge?) nicht kinderfreundlich sein könnten, als ob Kinderliebe angeboren wäre, als ob nicht jedes junge Tier kinderlieb sein könnte.

    Hunde sind kinderlieb, wenn die Kinder lieb zu Hunden sind. Die Kinder sind nicht schuld, wenn sie von ihren Eltern und anderen Erziehern keine Achtung, keinen Respekt vor dem anderen Lebewesen gelehrt bekommen: wenn Eltern aus purer Erziehungs- und Beschäftigungsfaulheit meinen, ein Lebewesen sei ein Spielzeug wie ein Computer oder eine Puppe. Leider werden Tiere auch in dieser materiellen Haltung gekauft - und oft genug auf den Müll (Tierheim) geworfen, wenn sie nicht als Spielzeug funktionieren. Von wem sollen denn die Kinder den respektvollen Umgang mit Tieren lernen, wenn nicht von ihren Vorbildern? Mit der zunehmenden Verrohung der Kinder fürchte ich auch um den Rest an Respekt vor Haustieren.

    Das Ergebnis unkontrollierten Streichelzwangs "Auf ihn! Hier ist ein lebendiger Streichelzoo!" mündet oft Angst vor Hunden, weil die ja nach gefährlich-beschwichtigenden Ausreden der Halter "nichts tun". Weitere Ausreden stehen im Anhang unter "Satire".

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    Auch der kleinste Hund ist kein Spielzeug oder Teddybär, das man bedenkenlos wie zwanghaft verknuddeln muss und nach Gebrauch in die Ecke stellt. Solche notorischen Verhaltensweisen werden von eigennützig denkenden Eltern an ihre Kinder weitergeleitet, ungeachtet der Freiheiten des Grapsch-Subjektes.

    Der zweite Konflikt ist, zum Schutz der Hunde und der Kinder, ist die Rangordnung. Wenn das Ranggefüge, die Dominanzen innerhalb einer Familie (mehr noch: einer WG) nicht so deutlich geordnet ist, wie bei einem biologischen Gefüge unter Rudeltieren erforderlich, sind Schwierigkeiten programmiert. Der letzte, der dann gebissen wird, ist der Hund. Dass wir Industriemenschen kein natürliches Verhältnis zur Natur haben, verrät das hausgemachte Subjekt, der Hund. Es gibt ganz eindeutig keine Problemhunde, sondern höchstens Hunde, die zum Problem gemacht werden. Poliert wird dieser Glaube durch verdummende Fernseh-Serien oder Tierfilme mit lächerlich unbiologischen Inhalten. Sonst glauben wir doch auch nicht alles! Ausgerechnet von Lebewesen verlangen wir automatisch programmierte Roboter. Am liebsten vollausgebildete Welpen, die im Aussehen kindisch bleiben. Kinder sollten auch in die Grundschule. Womit ich nicht Welpen mit Menschenkindern vergleiche. Aber Verhalten und Lernprozesse, wenn sie denn ermöglicht werden, laufen ähnlich biologisch ab. Bis Erwachsene eingreifen.

    Leider sind viele Hundebücher nur eigennützig geschrieben, das heisst: die beschriebene Rasse wird schöngeredet. Damit man sie kauft, die ach so süssen Hundebabies. Denn die Sprache verrät die Gesinnung: "Babies" gleich Kindersatz. Selbst die süssesten Welpen sind keine Menschen, sie werden leider dazu gemacht. Da verrät sich die falsche Tierliebe: Frau kam auf den Hund, nimmt ihn aber nicht ernst. Der Hund bekommt alles Recht, sich ebenso zu gebärden und spielt die überlassene Rolle des entzückenden Terroristen gern. Es blieb ihm in seinem biologischen Verständnis auch gar nichts anderes übrig. Leider landet er dann oft auf dem Vorurteilshaufen "Problemhund".

    Erwachsene Hunde behandeln Kleinkinder (und nur solche!) als sichtbar krabbelnde komische Welpen auf zwei ungeschickten Beinchen und Händchen: fürsorglich, beschützend - und untergeordnet. Kleinkinder stehen im Rang eindeutig unter den erwachsenen, auch unterhalb von pubertären Hunden, denn ein achtmonatiger Hund eines mittelgrossen Typs entspricht schon etwa einem zehnjährigen Kind. Ein erwachsener Hund wird sich mit "Händen und Füssen wehren" (also mit seinem wehrhaften Gebiss), wenn er dominiert werden sollte von einem Wesen, das eindeutig unter seinem Rang steht. Durch körperliches Handicap sind da kleinwüchsige Hunde weit weniger tolerant als grosse Hunde, die sich in ihrer Souveränität von Krabbelkindern nicht angegriffen fühlen. Einmal konnte ich eine kindessüchtig blinde Mutter davon abhalten, dass ihr Quengel mit der Schaufel auf meinen Hund losging. Auf die blöde Ausrede, er wolle ja nur dem Hund spielen, musste ich deutlich fragen, ob er denn später mal mit dem Schaufelbagger auf sie zufahren dürfe, wenn er mir ihr spielen wolle? Hätte ich meinen Hund geopfert, hätte er logischerweise Kinderfeindlichkeit angesetzt. Das blieb ihm erspart, durch weitere positive Erlebnisse mit tierfreundlich erzogenen Kleinkindern. Die ungeschickte Grobheit von Kleinkindern darf nicht an anderen Lebewesen ausgetobt werden, ob Kaninchen oder Hund.

    Mein Hund wedelt jedesmal, wenn er ein Kleinkind sieht. Er winselt, wenn ein Kleinkind weint. Wenn der dreijährige Junge eines Freundes zu Besuch kommt, behandelt ihn mein Rüde natürlich wie einen Welpen. Das ging freilich einmal zu weit: er wollte ihn auch (artgerecht) sexuell unterordnen. Er unterscheidet Kinder nach ihrem Umgang mit ihm: Sind sie bis etwa sechs, sieben Jahre alt, wedelt er; sind sie älter, kann er wütend werden. Warum? Weil ihn die älteren (ausschliesslich Jungen und nur - wenn ich nicht im Garten bin) mit Knallern und hinterlistigen Attacken ärgern. Alles klar?

    Werden die Kinder älter und dominanter (oft auch Mutproben gegenüber dem blöden, weil braven Hund), werden auch die Probleme der Rangordnung deutlicher. Biologische Folge: die Rangordnung innerhalb des gemischten Rudels (aus Menschen und Tier) wird neu ausgefochten. Da jedoch keiner gern vom Thron gestossen werden will, sollte man sich eben auf diese Eigenschaften der Rangordnungskämpfe einstellen, durch konsequente Einordnung nach der Übernahme des Hundes.

    Das Kind ist nicht darauf vorbereitet, sich wie ein Welpe unterzuordnen, sich welpenhaft zu benehmen. Es muss also respektvollen Abstand zum Hund halten, ihn auch in Ruhe lassen, ihn vor allem nicht an Rute und Kopf mitsamt den Ohren maltraitieren. Kinder wollen doch auch nicht dauernd auf den Kopf gehauen werden. Der erwachsene Hund, besser noch: die geschulte Hündin toleriert viel. Aber er setzt Grenzen. Die müssen den Eltern in ihrer Verantwortung aller klar sein, den Kindern klar gemacht werden.

    In keinem Fall ist der Hund Ersatz für Aggression, die Kinder an Schwächeren abzuladen versuchen. Kinder dürfen Hunde nicht massregeln, erziehen (kommt von "ziehen"). Es zeugt von absoluter Verantwortungslosigkeit und Überforderung, wenn man Kinder mit einem Hund, der über 20 Kilo wiegt, allein spazieren gehen lässt. Da hilft keine Ausrede von der Sorte, dass der Hund ja so gutmütig sei und aufs Wort folge. Er folgt seinem Boss aufs Wort, vielleicht, und Kinder unter - sagen wir mal pauschal - zehn Jahren dürfen nicht Boss über den Hund spielen. Sie können also auch nicht auf ihn einwirken, wenn der tatsächliche Boss fern vom Zweier-Rudel ist. Die Rangfolge ist ausser Haus. Was geschieht, wenn der Hund auf einen anderen stösst, der vielleicht nicht so gutmütig oder gut erzogen ist, der frei herumläuft; oder Katzen, die den Hund zum Verfolgen reizen; ein plötzlicher Knall, der den Hund erschrickt? Wenn es zu Hundekämpfen kommt: Was dann? Das Kind bekommt es auf jeden Fall mit der Angst zu tun, ist überfordert. Schliesslich ist das Vertrauen zum Hund und vom Hund zum Kind dahin. Dasselbe gilt auch für das Alleinlassen mit Kindern unter 10 (pauschal). Die Rudelordnung ist ohne den Boss aufgelöst. Alte Eifersüchteleien brechen eventuell auf, vom Kind wie vom Hund. Den schrecklichen Rest liest man allenthalben in den Zeitungen als Unfall. Das heisst unweigerlich: kein Kind darf mit dem Hund allein sein! Wer gegen diese Verantwortung verstösst, kommt als tragischer Unfall in die Zeitung oder ins Fernsehen. Und der Hund wird abgeschoben, bestenfalls. Der grundsätzlich ehrliche Hund kann nicht Zeugnis abgeben.

    Ich achte streng darauf, dass meine Hunde nicht von einigen verzogenen Kindern (tierhassende Eltern erziehen Kinder zu Tierhassern) zu Hassern auf alles werden, was wie eines dieser kleinen Terroristen aussieht. Denn Hunde übertragen logischerweise schlechte Erfahrungen. Mein Rüde wedelte bislang bei allem, was nur entfernt wie ein Kind aussah. Nun haben es einige kleine Rotzlöffel geschafft, dass er ein Feindbild aufbaut und dieses natürlich auf die Junghündin überträgt. Noch freut sich Sabah über jedes Kind. (Wir sind umgezogen.)

    Die Schuld liegt nicht bei den Kindern, sie kennen es nicht anders, weil ihre erwachsenen Vorbilder Tierquälerei vorleben. Es gibt ja erfreulicherweise das Gegenteil. Wenn Kinder lieb zu Hunden sind, sind Hunde lieb zu Kindern.

    Tiere handeln aus biologischem Eigennutz, die Existenzsicherung bedeutet. Menschliche Erziehungs-Alternativen wie die (missverstandene) antiautoritäre "Erziehung" stossen bei nichtmenschlichen Lebewesen auf Unverständnis. Sie sind unbiologisch. Manchmal merken die Antiautoritären diese Machtübernahme gar nicht. Tiere sind auch in dieser Hinsicht logische Lehrmeister. Und schon deshalb lebensnotwendig für Kinder.

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    Als Bedrohung kann ein Hund das Federballspielen mit einem von oben herab geführten Schläger halten, einen heimlichen Steinwurf, das heimliche Hereinwerfen von Gegenständen in sein Revier (Garten), das aggressive Begegnen mit Fahrrädern, Inline-Skatern, etc., die aufgeblasene Körperhaltung (von oben herab bedrohen) eines fremden Kindes, weil es Angst hat, dies aber durch Imponierhaltung kompensiert, dem Hund etwas hinterherwerfen. Eine Bedrohung beziehungsweise Herausforderung ist auch das Fixieren mit den Augen. Für den erwachsenen Hund bedeutet dies: Bist Du mir unterlegen oder ich Dir? Der starre Augenkontakt ist unter Hunden eine Klärung der Machtverhältnisse. Es kann bei gleichrangigen Hunden zum Angriff führen. Ändern Kinder (aus Dominanz gegenüber einem vermeintlich unter ihnen rangierendem Hund, oder aus kollektiver Aggression) ihr vorher freundliches Verhalten zum Hund, wird sich sein Verhaltensmuster zum Negativen ändern. Denn er fühlt sich durch diese Aggression in seinem Rang herausgefordert. Und wenn des der niedrigste Rang war. Hunde kämpfen dann anders um ihre Position als Kinder, wie man weiss. Es liegt an den Eltern, ihren Kindern diese einfache Erklärung beizubringen.

    Warum sind Hundehalter oft schockiert, wenn der Hund ihr Kind beisst? Weil sie sich nicht in die Situation des Hundes versetzen wollen, bevor das Rudel erweitert wird. Meist wurde der Hund vorher zum Boss gemacht (als Kindersatz verhätschelt), und dann wird er plötzlich herabgestuft. Warum soll er das akzeptieren? Er versucht, wenn die Oberbosse (Eltern) nicht da sind, den neuen Rudelgenossen unterzuordnen. Mit seinen Waffen. In einem Hunderudel wird kein Neuer, und sei er noch so klein, ohne Probleme in die bestehende Ordnung, aufgenommen. Er muss seinen Rang finden. Das geht meist nicht ohne Bisse ab. Genauso geht es einem psychisch starken, also dominanten Hund, wenn das Rudel, mehrheitlich aus Menschen bestehend, um ein (Menschen-)Baby erweitert wird. Natürlich kommen selbst bei Rüden Welpenschutzinstinkte auf. Aber insgeheim fühlt sich der vorher zum Vizechef gemachte Hund verunsichert, welchen Platz er in der neuen Situation einzunehmen hat. Je kleiner sein Rudel, um so grösser die Gefahr für den Hund, dass er herabgestuft wird. Also versucht er, den neuen Genossen erst mal zurechtzuweisen. Auf seine hündische Art. Ich rate daher einem Paar, das sich ein Kind wünscht, sich ja keinen dominanten Hundetyp auszusuchen, sondern einen, der sich schon in seinem Welpenrudel willig unterordnen liess.

    Zum Aufbau eine unabsichtlich entzückende Hund-Kind-Beziehung Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, erzählt von einer Bordeauxdoggen-Züchterin: "Wir wohnten in Wuppertal in einem recht grosszügigen Haus mit einer parkähnlichen Gartenanlage. Leider bestand nicht mehr die Möglichkeit, die Umfriedung des Gartens instand zu halten. Unser Rüde hatte sich angewöhnt, morgens durch die Balkontür hinauszuschleichen, um seine Rundgänge zu machen. Vielleicht hatte ihn meine Hausbedienstete ihn durch einen anderen Eingang hineingelassen. An diesem Tag vergass ich, mich nach dem Hund umzuschauen. Abends vermisste ich ihn wieder. Ich ging in den Garten, um nach ihm zu schauen. Er kam mir aus einem Gebüsch dann auch freudig entgegen gesprungen. Er war völlig ausgelaugt. Ausserdem hatte er einen seltsamen Strick um den Hals. Ich wagte gar nicht weiterzudenken. Am nächsten Morgen schellte es recht früh. Ich öffnete die Tür. Draussen standen die Kinder aus der Nachbarschaft mit ihren Schlitten in der Hand. Sie fragten mich, ob sie sich wieder meinen Hund zum Rodeln ausleihen dürften. Es sei doch immer so schwierig, den Schlitten wieder den Berg hinaufzuziehen. Und der Hund rutsche auch nicht so schnell, den er habe ja vier Beine. Na jetzt wusste ich, was tags zuvor passiert war."

    Neuzeitliche Nachrichten: Drei Rottweiler bissen ein Mädchen tot, das in das fremde Grundstück geklettert war. Polizei, Tierarzt und Halter waren der Meinung: die Hunde sind immer kinderlieb gewesen, niemals auffällig. Das den Hunden fremde Kind sei eben in das Revier der Hunde eingedrungen und dabei auch noch hingefallen. Der Halter war ebenfalls geschockt - und liess die drei Rottweiler einschläfern. In Stralsund und Belgien haben ebenfalls Rottweiler zugebissen, mit tödlichem Ausgang. Einmal liess die Mutter ein fünf Monate altes Baby mit dem Hund allein, im anderen Fall wurde ein sechsjähriges Mädchen von drei Rottweilern ihres Vaters totgebissen.

    Andere Beispiele: Ein Junge liebt seinen jungen Dobermann, der andere Zwillingsbruder schlägt ihn, heimlich. Nur die Eltern wollen nichts bemerkt haben, erfreulicherweise aber der Hundeausbilder, denn ein Tier ist immer ehrlich. Mein Rüde hat inzwischen leider einen Kieker auf Jungs. Denn einer warf wiederholt eine Cola-Dose in unseren Garten. Wohl, um seinem Kumpel zu imponieren. Es sind fast ausschliesslich Jungs, die Hunde quälen oder reizen.

    Die Kinder sind nur das Produkt bequemer oder fehlender Erziehung. Und wenn dann auch noch ein mit ähnlich dummen Argumenten wie "kinderlieb" angeschaffter Hund mal als Aggressionsableiter, mal als Spielzeug, dient, ist das Unglück programmiert. Diese Unfälle werden in letzter Zeit immer häufiger, weil die Eltern versagen.

    Es gibt nichts Erbaulicheres, als der echten Freundschaft zwischen Kindern und Hunden zuschauen, ihr Verständnis erleben zu dürfen. Die Symbiose zwischen Kindern und Hunden scheint unzerbrechlich, wenn jede Partei gute Erfahrungen mit der anderen machen durfte. Die Eltern sind gefragt. Das heisst aber: Der emotionale Kinderwunsch nach einem Hund ist kein Kauf-Befehl! Und Hunde sind keine Streichelobjekte! Statt falscher Tierliebe bitte mehr Respekt!

    Der Vergleich mit einem anderen, gerade bei Kindern beliebten Tier erhellt die Respektlosigkeit und Einfalt der Zoobesucher: bei Delphinen. Die Biologin Courtney Stark stellt in "Sea World", dem Amüsierbetrieb in Florida, zunehmende Verhaltensstörungen bei den Delphinen fest. Da werden selbst diese Tiere bissig, wenn ihnen Brillen, Plastikbecher als Fische angeboten werden. Die Delphine sind total überreizt. Tiere werden nur noch als Amüsement zur Schau gestellt. Tierliebe in seiner krankhaften Form durch zunehmende Entfremdung vor existierender Biologie. Haustiere werden für Kinder zum Beschäftigungsersatz.

    Vom wem lernen Kinder den Respekt vor anderen Lebewesen, wenn nicht von den Erwachsenen? Von wem lernen sie Grausamkeiten wenn von den Erwachsenen? Studien beweisen, was erfahrene Hundehalter (dies sind auch Eltern) längst wissen: Aggressionen leiten sich immer zuerst an Schwächeren ab. Schrille, spitze (hochfrequente) Schreie sind akute Reizauslöser für Hunde! Auch sehr junge, wie der folgende Bericht erhellt - eine Verbindung zum folgenden Kapitel: Kinder entführten einen zwei Monate Alten Pitbull-Welpen gegen ausdrückliche Erlaubnis eines Gastwirts, dem der Welpe zur Aufsicht übergeben worden war. Im Spiel, so die Polizei, biss der Welpe einen zehnjährigen Jungen, der ambulant behandelt werden musste. Die "Südwest-Presse" in Ulm überschrieb diesen vernachlässigbaren Unfall freilich reisserisch, bewußt kampfhundefeindlich: "Pitbull beisst Kind". Wie geschrieben: der Pitbull war erst acht Wochen jung, doch das Urteil der Zeitungsredakteure ist blutrünstiger als der Vorfall - bei dem der Pitbullwelpe sich vermutlich gegen aggressive Kinder wehrte. Hätte dies ein Schäferhund getan, würde sich kein Mensch drum scheren.

    Verantwortungsvolle Beispiele gegen das Verkaufsargument "kinderlieb" gibt es. Die Kangal - Züchterin Elisabeth von Buchwaldt schreibt in ihrer Internet-Homepage im Kapitel Haltung klipp und klar: "Wieder und immer wieder muss daran erinnert werden, dass der Kangal kein sanfter Riese ist und erst recht kein Kinderhund." Sie meint damit natürlich nicht, dass der Kangal keine Kinder mag. Sie beugt mit dieser Warnung nur der faulen Ersatzlösung Hund vor. "Kinderhund" ist kein Aufgabengebiet für einen Hund, egal wie gross der Hund auch ist. Und kein Hund ist ein Ersatz für irgend was.

    Aufenthalt

    Liegeplätze und Rückzugsräume
    Wenn Sie auf einem fremden Areal sich Ihr Liegeplätzchen aussuchen, ja, eben, dann suchen Sie. Ihr Hund, auch schon als Welpe, bevorzugt sichere Schlafplätze, wie schon im letzten Kapitel erwähnt: zug- und störungsfrei.
    Rüden wandern gern in der Nacht, das heisst, sie sind oft unruhiger. Wenn Sie freiheitlich denken, und die diversen Plätze des Hundes Sie nicht stören, lassen Sie ihn seine Plätze selber suchen. Katzen fragen gar nicht danach.
    Hunde halten sich gern in der Nähe ihres Rudelführers auf. Sie würden gerne seinen eigenen Platz einnehmen, was und wo immer das auch sein mag. Aber ein hundeverständiger Rudelführer sorgt für die Rangordnung gerade auch auf diesem Platz. Hier ruht nur er und sonst niemand. Wenn doch, ist jener der Boss. Kein Liegeplatz ist Ihr Bett, das Sofa und ähnliche Throne, die der Boss, also Sie, innehaben. Und zwar ohne Ausnahme. Es sei denn, Sie weisen Ihrem Hund seinen Sessel zu, aber der darf nicht bei den anderen stehen, in die sich Besucher setzen. Ein dominanter Hund würde versuchen, auch andere Throne zu besetzen. Von Anfang an ist also dieses Problem beseitigt, wenn er seinen Platz halten darf und keine anderen erobern muss. Bei Wölfen, wenn Sie es auf die ursprüngliche Art wollen, würde sich kein Welpe oder minderrangige Hund darin versuchen, den Thron, den Lieblingsplatz des Bosses zu besteigen. Hunde, die mit ins menschliche Bett wollen, sehen darin nicht das Bett, sondern die Gleichrangigkeit im intimsten Bereich. Ihm wird gestattet, einen höheren Rang einzunehmen als ihm zusteht. Er will nur in der Nähe, per Geruch oder lokal, des Rudelführers liegen dürfen.

    Ob Sie Ihrem Hund Ihr Schlafzimmer verweigern, liegt an Ihnen. Sie dürfen nur nicht mal so, mal so reagieren. Ihre Unsicherheit wird er auszuspielen versuchen. Sie verlieren dabei. Meine Hunde dürfen in meinen Schlafraum. Aber nur am Boden, wie in einem natürlichen Rudel üblich. Sie dürfen mich aber wecken, die Hündin derb und deutlich, der Rüde sehr charmant und vorsichtig. Wunderbarer Weckdienst.

    Die Bodenbeschaffenheit ist wichtiger. Hunde sind für natürlichen Untergrund geschaffen und nicht für asphaltierte, splittrige, scharfkantige, elektrisch aufgeladene (schlechte Teppichböden laden das Fell elektrisch auf). Zu glatte Böden wiederum sind verletzungsträchtig.

    Wenn Welpen wie erwachsene Hunde ihre Ruhe suchen und gefunden haben, sollten sie von keinem gestört werden. Gerade Kinder suchen dabei oft die Herausforderung in der Reizbarkeit anderer: im Ärgern von vermeintlich Untergeordneten. Hier müssen Eltern ein Verbot aussprechen: Lasst den Hund in Ruhe! Der Hund kann sich letztlich nur mit seinen Möglichkeiten verteidigen.

    Zwinger?

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    Besitzer kleiner Hundetypen können dieses Kapitel natürlich überspringen. Hineingezwungen in ein Verliess, ein kleines Gefängnis draussen, ausgeschlossen vom Familienbetrieb, vom Rudel? Ein bisschen was von alledem ist schon dran. Einen Einzelhund ausschliesslich in Gartenhaft zu nehmen, ist gegen das Hundewesen. Er ist und bleibt ein Gesellschaftstier. Isolation ist die härteste Strafe für einen Hund. Er braucht den Kontakt zu Menschen, seinem Rudel. Kettenhunde, Hunde, die nur in ihrer Hütte leben müssen, Hunde, die ausschliesslich im Zwinger leben müssen, sind nicht artgerecht untergebracht. Ich halte dies für tierschändlich. Bei mehreren Hunden ist dies anders. Auch bei Hunden, die täglich intensiv und lange genug (nicht bloss in einem Spaziergang) beschäftigt werden. Da ist ein gesicherter "Einzelraum" im Freien gar ein beliebter Rückzugsraum - zum Ausruhen. Sie können sich auch durch die Gitter verständigen. Ein Aufenthalt im Freien ist der in einer überheizten Wohnung allemal vorzuziehen. Ein den Wetterverhältnissen angepasster Hund wird - unter den beschriebenen Bedingungen - eine natürlichere Fellstruktur mit angemessener isolierender Unterwolle und Abhärtung erhalten als ein Hund, der oft wechseln muss zwischen zu warmem Haus und zugiger "Offenstallhaltung". Sonst hätten sie kein ihrem ursprünglichen Verbreitungsgrad angepasstes Fell. Und noch einmal: Menschliche Temperaturbefindlichkeiten sind nicht auf Tiere zu übertragen. Leider widerhandeln viele Rassezüchter durch künstliches Überfall oder kämmbares Extremlanghaar ohne Hundeunterwolle dieser Natürlichkeit und Gesundheit. Ein Zwinger ist in jedem Fall nur eine höchstens zeitweilige (damit meine ich nicht acht Stunden) Sicherungsverwahrung für den Hund, auch für bösartige Nachbarn, sonstige Reizauslöser oder gar Kriminelle wie Giftstreuer. Dass der Zwinger zugfrei und wetterfest gebaut sein muss, steht ausser Frage. Dass er für ein Lauftier wesentlich grösser sein muss als die gesetzliche Mindestanforderung, halte ich für selbstverständlich. Hunde, die an einen guten Zwinger gewöhnt sind, ziehen sich mitunter selber gerne in einen solchen zurück. Wir sollten über einen neuen Begriff für eine solche Hundebehausung im Freien nachdenken für "Zwinger". Manche Gefängnisse sind jedoch nur Zwinger. Nur den gesetzlichen Platzvorschriften zu genügen ist auf dem Tier(rechts)-sektor ohnehin viel zu dürftig. Absolut ungeeignet für einen Zwinger-Aufenthalt sind sehr freiheitlich geprägte (mit grossen Freiheitsbedürfnis) Hundetypen wie Herdenschutz-, einzelne Schlitten-, andere "Nordische" und Hetzhunde. Dort verkümmern sie - wenn es noch glimpflich abgeht. Auch Hunde mit grossem Bewegungsbedürfnis sind für eine Zwingerhaltung ungeeignet. Ausnahme: mehrere Schlittenhunde, die nicht in Einzelboxen gehalten werden. Die Zwingerhaltungs-Regel ist leider, dass die Zwinger immer zu klein sind - da wird an Material und Raum gegeizt, von Batteriehaltung als Tierquälerei ganz abgesehen - und dass die Hunde sich länger drin aufhalten müssen als "geplant" oder vorgegeben. Sie werden isoliert. Und das ist die schlimmste Strafe für das Gesellschafts- und Rudeltier Hund. Das Wichtigste zuletzt: Hunde müssen von klein auf an diese Aufenthalts-Möglichkeit gewöhnt sein, sonst rebellieren sie zu recht gegen diese mehr oder weniger Gefängnisse. Nicht wenige, vernünftig in guten Zwingern gehaltene Hunde mögen ihre Hütten, weil sie sich darin zurückziehen können. Da kann sogar die Zwingertür offen bleiben. Ein wirklich gut gesichertes, mindestens zwei Meter hoch und stabil eingezäuntes Freigehege mit (je nach Hundeanzahl) trockenen, wetter- und windgeschützten Rückzugsräumen kann man nicht mehr als "Zwinger" bezeichnen.

    Autoladeraum

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    Für die Autofahrt gilt im Prinzip dasselbe wie zu Hause. Von Anfang an, ohne jede Ausnahme, ist sein Platz weder auf dem Schoss des Fahrers, noch des Beifahrers. Sondern mit einem fahrenden Begleiter gleich auf dem Platz, auf dem er später allein liegen wird. Natürlich ist ein Kombi besser als ein Ferrari-Rücksitz mit feinstem Leder. Auf diesem Platz muss er bleiben. Zu Beginn kann man ihn per Begleitperson, noch besser mit lieben Kindern, auf seinem Platz halten und bei Tankstopps ablenken, damit er nicht automatisch meint, sein Halter verlasse ihn auf Nimmerwiedersehen. Der Liegeplatz in einem modernen Auto ist leider eher ein Mikrowellenherd für Hot dogs. Ideal sind steil stehende Scheiben, die wenig Sonne direkt einstrahlen lassen. Und eine verdammt gute Be- und Entlüftung. Zugfrei muss der Hund reisen können, sonst können Sie direkt zum Tierarzt/zur Tierärztin fahren, weil Ihr Hund eine Bindehautentzündung kriegt.

    Ich wiederhole nicht ohne Grund: Vergessen Sie nie, was immer noch im Sommer täglich in den Zeitungen als Horrormeldung steht: Hund im geschlossenen Auto an Hitzeschlag elendig verreckt! Bei 30 Grad Aussentemperatur erhitzt sich der Innenraum des Blechkastens binnen Minuten auf 70 Grad! Hunde brauchen mehr Luftzufuhr als Menschen. Je grösser das Luftvolumen im Auto, desto wohler fühlt sich der Hund. Er soll sich auf weiten Strecken auch recken und strecken können. Fahren Sie auch nie bei der Abholfahrt gleich zum Tierarzt/zur Tierärztin, denn so ist der Hund geprägt: Oh je, Autofahren gleich Tierarzt/Tierärztin! Machen Sie das Autofahren einem Lebewesen, das empfindlicher weil natürlicher ist als wir, leichtbekömmlich. Fahren Sie zuerst zum Gassigehen. Das ist eine Erinnerung! Rallyemanieren sind beim Verladen des Hundes ab sofort in moderates Fahren umzufunktionieren.

    Es gibt Hunde, die finden Autofahren zum Kotzen, und welche, die steigen bald in jedes Auto. Sie wollen nur bei Ihrem Halter wollen und nehmen das Autofahren in Kauf. Es gibt auch Hunde, die zum Autofahren verdorben wurden, gar Platzangst haben. Dann hilft nur ein dosiertes Beruhigungsmittel. Unmittelbar vor einer Fahrt sollte der Hund nicht gefüttert werden. Er muss sich vor Fahrtantritt entleeren und austoben können. Er darf diesen Blechkasten nicht als Raufspielersatz missbrauchen oder Katzen "durchs Fenster verfolgen". Legen Sie eine Pause nach maximal zwei Stunden Fahrt ein. Klappe auf, Hund raus, und tschüs? Vorsicht bitte! Gehorsamsübung als Sicherheitskontrolle: Der Hund muss bei offener Tür im Auto verbleiben lernen. Dann wird er zu seinem Schutz angeleint, damit kein Unfall passiert, nach dem er sich erinnern könnte, dass diese Pein etwas mit dem Auto zu tun hat. Mehr im Kapitel "Hund und Auto".

    Wichtigste Regel: Ein Hund muss zuerst sicher im Auto untergebracht werden, dann erst kommen seine Bewegungsansprüche dran. Da muss man nicht erst einen Auffahrunfall abwarten. Das gilt auch für kleine Hunde.

    Hausordnung gleich Rangordnung

    Ich halte nichts davon, Menschen mit dem obrigkeitsgläubigen Geschmack des Expertenrats vorzuschreiben, wo sie für ihren oder ihre Hunde Tabuzonen errichten und wo nicht.
    Hunde halten sich gern da auf, wo sich ihr Rudel, vor allem ihr Boss aufhält. In einem Wildhunderudel oder unter Wölfen gilt hier die erste Regel der Rangordnung. Die Liegeplätze des Bosses, seine Lieblingsplätze sind so lange tabu, bis er eben nicht mehr Alpha-Hund ist. Es liegt also am Alpha-Tier Hundehalter, wie er damit zurecht kommt, und wie menschliche Besucher damit zurecht kommen. Bett, Sofa, Sessel - auch wenn nicht ausdrücklich zum Liegeplatz des Hundes erklärt und der Boss seine Plätze behält - sind nicht deshalb vom Hund bevorzugt, weil sie so weich sind etc. Es sind die Lieblingsplätze des Ranghöchsten. Sie sind von ihm beherrschbar, weil sie den Liegeplätzen des Alphatiers Hundehalter so ähnlich sind, zu ähnlich. Der Hund versteht den Unterschied im Design nicht. Es sind für ihn ranggleiche Plätze. Hunde nehmen diese Angebote natürlich gern an, denn die Halter haben dem erfolgreichen Eroberungszug des Hundes nachgegeben. Der Hund ist (im Rang) buchstäblich aufgestiegen.

    Legt man diese Hausordnung von Anfang an fest, wird es keine Probleme geben, wenn die Eroberungsversuche auch immer wieder trickreich die Konsequenz des Anführers in Frage stellen. Die Einhaltung der Hausordnung, für Hunde die Lagerordnung, ist auch ein Gerüst für die eindeutig Rudel- und damit Rangordnung

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