• Trocken- gegen Feucht-Futter

    Eine prinzipielle Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen.

    Trockenfertigfutter scheint fast überwältigend häufig in aller Hunde Munde. Das allein berechtigt noch nicht zu einer Aufwärmung eines alten Streitthemas Feucht- oder Trockenfutter. Es muss mehr dran sein, neben den Vorurteilen für dieses oder jenes "Lager".

    Der grösste Teil aller Hunde und Katzen im Haushalt wird mit industriell zubereiteten Futtern versorgt. Je nach Herstellungsverfahren, Konservierungsmethode und Feuchtigkeitsgehalt lassen sie sich in Trocken-, Feucht- und halbfeuchtes Futter einteilen.

    Es ist vordringlich nur eine Frage der Marketingstrategie gewesen, warum Trockenfertigfutter so zugelegt hat. Vermutlich lag es an der Bequemlichkeit beim Füttern und vor allem die Lagerung, die dem Trockenfutter eine beherrschende Rolle zuspielte. Bis 2000 lag "feucht" noch vor "trocken". Nun hat Trockenfertigfutter die Führung bei den Hunden die Führung übernommen.

    Die neuesten Daten: Der Industrieverband Heimtierbedarf teilt nach seiner Erhebung die Gruppen für kommerziell hergestellte Hundenahrung und die Umsätze 2002 (in Klammern 2000) so ein:

    Trockenfutter inkl. Halbfeuchtfutter 347 Millionen Euro (2000: 320) Feuchtfutter 334 Millionen Euro (2000: 335) (Bei Katzenfutter liegt der Anteil an Feuchtfutter im Jahr der Erhebung 2002 mit 751 zu 180 Millionen Euro erheblich höher).

    Die Snacks, meist als Leckerli gegeben, sind unaufhörlich im Aufwind. Hier wurden im "Hundesektor" schon 243 Millionen Euro in 2002 umgesetzt. Und Snacks sind auch überwiegend zusätzliches "Trockenfutter".

    Doch die Einteilung ist zu "trocken". Denn Trockenfutter enthält auch Feuchtigkeit -zwischen 6 und 10 Prozent. "Dosenfutter" ist im Übrigen auch eine nachlässige Bezeichnung, denn es gibt Feuchtfutter auch in Aufreissbeuteln.

    Die meist verwendeten Rohstoffe sind Getreidekörner, Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Vitamin- und Mineralstoffergänzungen. Trockenfutter enthält pro Kilo der Trockensubstanz zwischen 3 000 und 4 000 Kalorien. Zum Grossteil deckt Trockenfutter den Energiebedarf für Hunde (und Katzen) ab.

    Vor- und Nachteile

    Da bei Trockenfutter auch die Schmackhaftigkeit erhöht sein muss - früher meist auch mit Geschmacksverstärker, heute sollte dies auch bei der "primitivsten" Sorte der Vergangenheit angehören - sollte auf einen freien Zugang des Tieres zum Futter verzichtet werden.

    Auch wegen der Zahnhygiene sind Trockenfutter günstig, weil der Zahnabrieb durch schroffe Brocken die Bildung des Zahnbelages hemmt. Ein Nachteil gegenüber dem Feuchtfutter besteht darin, dass Trockenfutter eine geringere Akzeptanz bei den Tieren aufweisen - im Vergleich zu feuchtem Futter auch aus der Dose. Das gilt vor allem für Trockenfutter, das fettarm ist und schwer verdauliche Rohstoffe enthält.

    Wer Trockenfutter bevorzugt, weil es bequem zu transportieren ist und nicht vergammelt, muss dem Hund natürlich das im Futter zuvor dehydrierte Wasser um so häufiger ersetzen. Man kann es zuvor in Wasser einweichen. Das gilt auch für Welpenernährung, wo die Feuchtfutter wegen der Milchzähne bevorzugt werden; auch hier kann Trockenfutter zuvor eingeweicht werden.

    Weil dem Trockenfutter Wasser entzogen wurde, muss dem Hund zur Fütterung immer viel mehr Wasser dazu angeboten werden, das ist auch unterwegs lebenswichtig, nicht nur zu Hause. Nicht eingeweichtes Trockenfutter kann ohne Verrottungsgefahr in der Schüssel bleiben, es kann problemlos auf Reisen mitgeführt werden, und es hilft, bei rauher Futteroberfläche die Zähne zu putzen.

    Feuchtfutter enthält das - dem Trockenfutter entzogene - nötige Wasser. Es läuft derzeit bei der Purdue-Universität in den USA eine Langzeitstudie, inwieweit Feuchtfütterung zu einer Verringerung von lebensgefährlichen Magendrehungen beitragen. Die hundezeitung berichtete jüngst als einzige darüber.

    Für Feucht-, also Dosenfutter muss aber die dreieinhalbfache Menge transportiert werden wie für Trockenfutter, die eigene Dosenblech-Entsorgung ist nicht umweltfreundlich. Auch wenn einige Hersteller über ihre Vertreiber die leeren Dosen wieder zurücknehmen.

    Ein weiterer Nachteil des Dosenfeuchtfutters ist beim eigenen Transport - auch bei Urlaubsfahrten - die bei warmen Temperaturen schnellere Verderblichkeit.

    Ist das Sack-Papier bei Trockenfuttern aber umwelttechnisch besser? Auch hier verbirgt sich die Gefahr, dass sich bei falscher Lagerung Milben einnisten können. Dann ist es besser, man füllt den Inhalt des Sacks in eine Plastiktonne und verschliesst sie gründlich.

    Gegen das automatische Zahnbelagsputzen (eben ein kleines Argument für die raue Trockenfutteroberfläche) hilft bei Feuchtfütterung die Zugabe von Kauflechsen oder Knochen.

    Dosenfutter benötigt jedoch keine Konservierungsstoffe, einer der grössten Vorteile dieser Fütterungsart.

    Einige Dosenfuttermarken enthalten "echte" Fleischstücke, keine Geschmacksverstärker noch Fleischmehle, Getreide, Soja oder Farbstoffe wie die meisten Trockenfutter. Eine niedersächsische "Dosen"-Firma verwendet zum Beispiel keine "tierischen Nebenerzeugnisse".

    Je nach "Zielgruppe" enthält Trockenfutter pro Kilo Trockensubstanz zwischen 8 und 22 Prozent Fett und 18 bis 32 Prozent Eiweiss (Rohproteine). Der Eiweissgehalt im Katzentrockenfutter liegt im Vergleich zum Hundefutter wesentlich höher.

    Ein Vergleich der einzelnen Bestandteile zwischen den Erklärungen bei Trocken- und Feuchtfutter ist nicht einfach, eher auf den ersten "Kunden"-Blick unmöglich, weil die Deklartionspflicht eine andere ist, die Berechnungen zum Beispiel von Rohproteinen auch eine andere, also nicht direkt vergleichbare.

    Auf den Dosen steht daher ein viel geringerer Prozent-Wert bei Rohproteinen als bei einem Trockenfutter.

    Entscheidungskriterien, wenn das Futter zu viel Eiweiss (Proteine) bei zu wenig Energie (weil Fette fehlen) enthält: Deckt man nun den Eiweissbedarf, erhält der Hund zu wenig Energie und nimmt ab. Deckt man aber den Energiebedarf, wird der Hund mit Rohproteinen überfüttert.

    Bei Feuchtfutter kann kohlehydratreicher Zusatz verabreicht werden, da es gegenüber Trockenfutter - auf die Trockensubstanz bezogen - mehr Rohprotein, Rohfett und oft auch Rohasche enthält.

    Je verdaulicher, ballaststoffärmer und hochwertiger das Futter, um so kleiner die erforderliche Menge. Das ist förderlich bei trächtigen Hündinnen, Welpen, Jung- und Arbeitshunden, die mehr Energie und mehr Eiweiss brauchen, deren Magen aber auch nicht mehr fasst als der eines Hundes ohne diese Anforderungen. Das spricht also auch für das konzentrierte Feuchtfutter.

    Ein Preisvergleich ist so umfangreich wie innerhalb der Lager. Ein Vergleich zwischen besonders günstigen und besonders teuren Trocken- und Dosen-Feucht-Futtern bei vergleichbarer Qualität dürfte unentschieden ausgehen. Denn dazu muss man auch die Verwertbarkeit des Probanden, also des individuellen Hundes, einbeziehen. Und das dürfte eine unendliche und fast unlösbare Aufgabe sein.

    Eine klare Empfehlung pro oder contra kann hier seriöserweise nicht abgegeben werden. Das muss aus den grundsätzlichen Fakten jeder Halter selber entscheiden. Vielleicht ist sogar dies zum Teil eine Geschmacksfrage. Es gibt darüber auch keine nachvollziehbare neutrale wissenschaftliche Aussage.

    Auf eine Nationenwertung bezüglich der mehr oder weniger langen Transportwege und Lagerungen (zu lange gelagert, kann auch Trockenfutter verderben) kann in dieser Gegenüberstellung verzichtet werden. In so genannt "armen" Ländern wäre dieser Vergleich irrelevant, denn dort gibt es kein Fertigfutter. Die Tierhalter in diesen Ländern müssen den Begriff "barfen" daher auch nicht kennen. Die Wahl unter den Fertigfuttern haben also nur "reiche" Nationen.

    © Hundezeitung 8/2003

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