• Ernährung Teil1 ist das Beste gut genug?

    Teil 1: Ist das Beste gut genug? Teil 2: Inhalts- versprechen Teil 3: Proteine und Allergene Teil 4: Futtertests

    Teil 1: Ist das Beste gut genug?

    Nicht nur wir gönnen uns oft das vermeintlich Beste, was gar nicht gut für uns ist. Auch unser Hund soll nur vom Feinsten haben. Und genau das kann auf den Magen schlagen. Tiermediziner profitieren unfreiwillig von Unkenntnis, Hysterie und Fehlern. Daher ist dieses eines der wichtigsten Kapitel, denn es entscheidet nicht nur über das Wohlbefinden unseres Hausgenossen, sondern über Gesundheit und Lebensdauer. Und es ist eines der umstrittensten, weil man nichts verallgemeinern kann. Und wenn ich es doch getan habe, dann war es ein Versehen.

    Foto: Unbekannt

    Letzten Darmendes ist eine individuelle Chose. Was dem einen bekommt, ist dem andern noch lange nicht bekömmlich. Viele Allergien auch bei Hunden deuten auf eine zunehmende Künstlichkeit der bequemen „Komplettfutter" hin. Ich mache mir nach 30 Jahren Hundefüttern nun wieder Gedanken darüber, ob ich es nicht wieder selber zusammenstelle. Aus Zutaten, denen ich vertrauen kann. Faulheit hält mich noch davon ab.

    Es braucht nicht viel dazu, denn auch früher lebten Hunde lang und gesund. Und die wilden Hunde wie die Parias - das sind die ohne Menschen lebende Hunde, die manche verblendete Tierfreunde glauben ins dekadente Industriereich entführen zu müssen, die sind schlank und rank!

    Es ist nur sehr bequem, ein halbwegs verträgliches Komplettfutter jeden Tag für mehr als einen Hund in die Schüssel zu geben. Wenn man den Herstellerangeben trauen könnte, wäre alles in Butter. Kann man? Müssten nicht bei der allgemeinen wie durchschnittlichen Qualität die Allergien zurückgehen? Tun sie aber nicht. Ich traue nur mehreren Komplett-Fertigfuttern, die ich wechselweise verabreiche, weil ich so Mängel eventuell ausgleichen kann. Eventuell.

    Hysterie geht weit. Da wird gar vor Kupferrohr-Vergiftung gewarnt. Dabei ist hierzulande Trinkwasser das am schärfsten kontrollierte Lebensmittel. Ich kannte einen Pariser Fotografen (die Ortsbezeichnung erwähne ich wegen der amüsanten Dekadenz), der seine Deutsche Dogge nur mit Filets fütterte. Aber sie musste jeden Tag zweimal in den fünften Stock laufen. Sie lebte nicht lange.

    Ein Schlittenhundsportler fütterte seine Hunde im russischem Kamtschatka ausschliesslich mit Lachs. Dekadent? Nein, dort gibt es halt kein ausgeklügeltes Komplett-Trockenfutter im Supermarkt. Rumänische oder türkische Schäfer ernähren ihre riesigen Herdenschutzhunde mit Fladenbrot, Joghurt, Schlackenmilch von den gehüteten Tieren. Basta mit der Pasta.

    Schlechte Gewohnheiten

    Warum ist der Absatz von Hunde-Snacks in Grossstädten so gross? Weil diese Hundehalter ihre eigenen - üblen - Essgewohnheiten auf ihre Hunde übertragen. Beim gemeinsamen Fernsehen, natürlich. Dafür spart man an der Bewegung. Halter und Hund sehen entsprechend aus. Snack-Hersteller, Human- und Veterinärmediziner reiben sich gegenseitig die Hände. Warum nehmen die Allergien nicht nur bei Menschen, auch bei Hunden so enorm zu? Weil Hundefutter meist konserviert werden muss. Und weil sie unsere Zivilisationskrankheiten teilen. Eine unordentliche Bandbreite der Fressgewohnheiten. Arbeitshunde wie aktive Schäfer-, Treib-, Herdenschutz-, Jagd-, Schlittenrenn-, Hilfs- oder Diensthunde sind nicht fett. Sie dürfen und müssen sich ordentlich bewegen.

    und Pflege sind enge Verwandte der Gesundheit oder Krankheit. Doch die Verwirrung wächst mit dem Angebot und den gutmeinenden Ratschlägen von selbsternannten Hundeernährungs-Experten: Was soll mein Hund denn fressen dürfen und was nicht? Das Angebot ist gross, undurchsichtig. Früher, ja früher war das einfach: Da hatten wir selbst nicht genug zu essen, der Hund bekam, was übrig blieb. Bestenfalls, als die Futterindustrie noch nicht so erfinderisch war, rührten wir den Kochlöffel selbst für den Hund. Oder wir besorgten uns abgepackte Portionen vom Schlachthof, mit Flocken vermengt. Und heute? Heute stehen wir vor dem Regal und lassen die Schulter hängen. Vom Fleisch sind wir längst abgefallen. Glenbuterol, BSE und weitere Sauereien sei dank. Das gönnen wir nicht mal dem hässlichsten Promenadenmischling.

    Sind industrialisierte Fertigfutter also besser? Kommt darauf an, was wirklich drin ist und - noch mehr - was nicht. Glauben Sie, dass sich Züchter für die Werbung eines Futterkonzerns mit „Empfehlungen" anwerben lassen, wenn sie für diese Marken Geld bezahlen müssten? Ohne Moos ist auch dort nichts los. Nach dem Motto: Das beste ist gerade gut genug für meinen Luxushund, wird er gemästet, verwöhnt - und immer häufiger zu Tierarzt/Tierärztin gebracht. Belohnungen ersetzen oft das schlechte Gewissen, wieder keine Zeit für den Hund gehabt zu haben. Solche Naschereien werden dem Hund von jenen verabreicht, die selbst davon befallen sind. Mensch und Hund verdicken gleichermassen.

    Was darf es denn heute beim acht Stunden lang alleingebliebenen Schatzi sein: Das Luxus-Döschen Luxusfutter mit acht verschiedenen Geschmacksgauklern an multimarkt-frischer Petersilie auf angewärmtem Meissner Porzellan aus der Werbung mit dem putzigen Westi? Im Fernsehen gesehen. Muss also wahr sein. Eine Belohnung statt Austoben auf einer Wiese, zwei Belohnungen statt ausgiebiger Beschäftigung. Warum versaubeuteln wir Hunde, wenn wir doch bei uns alle Register der swissenschaft in hysterischer Weise ziehen? Fit for fun bloss für uns? Ich habe aber gar nichts gegen ernährungsphysiologisch sinnvoll „gebaute" raustrukturierte Snacks als vernünftig dosierte Zwischenhappen, als wirkliche Belohnung und - nicht zu unterschätzen - als Zahnputzhilfe.

    Einige amerikanische Hersteller nennen ihre Massenprodukte „Diet" oder „Recipe". Was nach wissenschaftlicher Diät oder Rezept klingt, soll tiermedizinische Unantastbarkeit suggerieren und sich besser verkaufen. Der Markt stellt für viele Situationen und Leistungsstufen bis hin zur Diät eine ganze Palette dosierter Futter zur Verfügung. Nicht alles, was hier besonders niedlich präsentiert wird, ist deshalb auch besonders wertvoll. Nur teuer. Der deutsche Wohlstandskunde glaubt, dass auch gutes Hundefutter teuer sein muss. Man will ja nur das Beste für seinen Freizeitpartner. Das beste ist, man glaubt nicht alles, was drauf steht, und man bleibt kritisch.

    Der Anspruch „Premium-Qualität" besagt in Wahrheit erst einmal, dass es sich um ein Hochpreis-Produkt handelt. Es sagt nicht automatisch etwas über die Qualität aus, denn „Premium" ist kein neutral untersuchtes Siegel. Den Titel geben sich die Hersteller selbst, vornehmlich, um den hohen Preis zu rechtfertigen. Das schliesst natürlich nicht aus, dass es sich wirklich um erstklassiges Futter handeln kann. Der riesige Umsatz an Snacks zeugt eher von geistiger Unterernährung. Was dem Halter sein Mars-Schokoriegel, ist dem Hund sein Snack - beides vom amerikanischen Futtergiganten Mars.

    Es geht auch mit Zuschütten: Effem ist der Hersteller von Cesar, My Dog, Frolic, Loyal, Chappi, Pedigree Pal, Waltham, Advance und Principal. Für den Hochpreismarkt bietet die Tochterfirma des US-Multikonzerns Mars Corp. seine teure „Premium"-Marke Advance in zweierlei Qualitäten an: eine bessere für die Züchter und eine für die normalen Käufer. Das Advance für Welpen trägt den unglaublichen Rohproteinwert von 32 Prozent und gar bei Rohfett von 21 Prozent in sich. Bei der Züchter-Version sind diese Werte aber auf ein Normalmass gesenkt.

    Nicht viel an der swissenschaft hat derzeit Bestand. Es bleibt ein höchst umstrittenes Thema.

    Fortsetzung folgt