• Techniken bei der Grundausbildung / Praxistipps

    aus der Praxis - für die Praxis

    Techniken

    Einführung

    Eine der wichtigsten Erkenntnisse über die Ausbildung von Hunden: Unsere Schwierigkeiten mit der Konsequenz. Menschen haben durch ihre Sprachvielfalt mehr Differenzierungsmöglichkeiten, kennen auch das Entweder-oder, das Vielleicht, das Naja, das Fünfe-gerade-sein-lassen. Genau jene Schattierungen kennen Hunde nicht, übertrieben gesagt. Anders herum: Sie wollen Eindeutigkeit, sonst nehmen Sie sich, was sie kriegen können, unter anderem die Herrschaft.

    Dies ist bei unterwürfigen Hunden, die auch nach dem Welpenalter leicht und locker zu "beherrschen" und damit auch zu führen sind, weniger das Problem. Devote Hunde sind leicht zu händeln, geradezu soldatenhaft gehorsam. Diensthundeführer brauchen solche Hunde. Ich nicht. Ich will einen selbstständigen, selbstsicheren Hund, der seinen Willen ausleben darf, und zwar in den Grenzen, die ich ihm setze. Und genau hier fängt die Aufgabe an: Denn es liegt mehr Arbeit an mit einem dominanten Hund, wie es Herdenschutzhunde meist sind.

    Ein schlauer, selbstbewusster Hund braucht eine eiserne Ordnung, sonst "erkämpft" er sich mit aller seiner nicht zu unterschätzenden Intelligenz seine Freiheiten, versucht mit aller Schläue, mehr für seine biologischen Eigennutz herauszuholen. Es muss lange nicht zur Bedrohung oder zu wirklich auffälligen Dominanzen kommen. Hundeausbildung ist ein Prozess, kein Zustand. Und gerade eigenwillige Hunde lehren uns, was Konsequenz ist. Wehret den Anfängen, und - man möge vom ersten Tag an gleich Konsequenz üben. Im Fach "biologische Konsequenz" - aus überlebens-sicherndem Eigennutz - sind uns schlaue Tiere haushoch überlegen.

    Nun wissen Sie, was ich mit Konsequenz meine: Das A und O jeder Hundehaltung. Dazu gehört eine für den Hund sich deutlich unterscheidende Laut- und Körpersprache. Perfekte Hundeausbildung wie hundertprozentige Konsequenz wird es nie geben, aber sie anzustreben und sich dabei zu korrigieren lohnt sich. Da lernt man (wieder), sich durchzusetzen. Gleichgültige, "lasche" Menschen dagegen werden von einem willensstarken Hund konsequent vorgeführt. Anhaltend erfolgreich und tiergerecht arbeiten kann man nur mit dem Hund, nie gegen ihn. Ich entschuldige mich im voraus dafür, dass dieser Satz wiederholt wird. Mit Absicht.

    Lerntechnik

    Die wichtigste Formel, um anderen Lebewesen etwas beizubringen, heisst Reiz-Reaktion. Nur ein Reiz löst Reaktion aus.

    Um diese Reaktion gezielt zu fördern, verstärkt man sie mit hundegerechten Hilfsmitteln (Reiz-Reaktions-Verstärkung) und zeitgleich hundeverständlichen Hör- oder/und Sichtsignalen (Verknüpfung).

    Hunde sind als Beutejäger Bewegungsseher, besonders Hetzhunde. Ein Fernseh-Test der menschlichen Art mit meinen Hunden bewies, dass sie sich erstens nur für Tiere auf der Mattscheibe interessierten, und stärker noch, wenn sie sich bewegten.

    Auch im Garten reagieren Hunde spontan auf sich bewegende Objekte, bis hin auf einen Kilometer. Stehen die Objekte still, nehmen sie nicht mit den Augen wahr. Möglicherweise aber mit der Nase. In der ersten Phase schwenkt der Hund mit leicht zum Boden geneigtem Kopf links und rechts aus und nimmt in Serien von je sechs Schnupperzügen die Düfte auf. Sind die Gerüche intensiver, steigert er diese Frequenz auf 36 Schnupperzüge. Bei entdeckter Fährte gehen nasenorientierte Hunde (nicht Hetzhunde, die mit den Augen arbeiten) sofort mit ihrem Riechorgan auf den Boden. Bei Feuchtigkeit riechen die Fährten noch intensiver. Hundenasen sind in der Lage, geringste Konzentrationen aufzunehmen.

    Für hunde-ausbildende Menschen ist eine Anpassung an das hundliche Lernverhalten nötig, weil der Hund mit seiner artgerechten Sinnes-Reiz-Struktur vorzugsweise eindimensional wahrnimmt: Dem besten Leistungsorgan, der Nase nach. Hetzhunde arbeiten dagegen primär auf Sicht. Hundeaugen sind bewegungsreiz-orientiert - daher die Verfolgung von unnatürlicher "Beute" wie Radfahrer, Jogger oder Autos. Radfahrer und vor allem Jogger könnten sich auch arrangieren, wenn sie wollen: Radfahrer durch Klingeln, damit der Halter seinen Hund anleinen kann, Jogger durch ruhiges Gehen vor die paar Meter, bis der Hund an der Leine ist. Objekte oder Subjekte werden also anders wahrgenommen als sich bewegende. Menschen können mehr Reize koordinieren als diese in Gemeinschaft jagenden Sicht- und Riech-Beutegreifer. Katzen können zweidimensional jagen: auf Sicht und Geruch.

    Die Lerntechnik für Hunde müssen Ausbilder auf die Sinnes- und Wahrnehmungstechnik des Hund abstimmen.

    Achten Sie also von vornherein auf seine Erstrangigkeit bei Reizauslösern. So können Sie im Vorfeld seine gegebenenfalls unangenehmen Reaktionen erkennen und gegenwirken - durch ruhiges, konsequentes Einwirken. Ohne jedes Geschrei, ohne jede Gewalt. Sie sehen voraus. Weil Sie seine systematisch ablaufenden Koordinaten berechnet haben, was ihn ihm einen Reiz auslöst.

    Beobachten Sie mal Ihren Hund, in welcher Reihenfolge er auf städtische Verkehrsreize bearbeitet und agiert oder auch nicht ("abhakt"). Wir nehmen viele Reize auf, wir sind heute gar trainiert mit der Reizüberflutung. Wenn nicht, geraten wir in Konzentrationsnöte, in Platzangst oder ähnlicher Panik.

    Der Hund hingegen geht systematisch, aber eindimensional vor. Je nach Bevorzugung seiner hervorragenden Sinne wie primär Nase, sekundär Auge. Beispiel: Mein Rüde, ein Landei (seine Stadterfahrung hat er vielleicht noch abgespeichert), fängt gut und gern Mäuse. Mitunter vom Gitter eines Hasenstalls weg, aus den Korntonnen (wobei ich ihm wieder heraushelfen muss). Er ist als Hund schnell. Aber ein Laie gegen eine Katze, vorausgesetzt, sie kann noch Mäuse fangen. Eine Katze koordiniert Auge und Nase. Ein Hund arbeitet dagegen eindimensional: entweder per Geruch- oder Sichtsinn. Zwischen diesen Abstimmungs-Verzögerungen läuft ihm die Maus durch die Beine und sucht das Weite.

    So sollten wir unsere Lernmethoden auch auf diese systematische Abfolge einrichten. Das fängt bei der ruhigen, aber deutlichen Zeichensprache (Laut- oder Körpersprache) an und hört bei der Konsequenz der Zeichen noch lange nicht auf. Die eigene kontrollierte Atemtechnik beruhigt sie und den Hund. Man kann dies nicht theoretisch lernen. Dies geht nur mit Eigenkontrolle (Videoaufnahmen sind dazu hervorragend geeignet) und durch Beobachtung - von den Fehlern anderer. Schon deshalb ist der zumindest zeitweilige Besuch einer verständnisvollen Hundeschule sinnvoll. Voraussetzung für die kynologische Lerntechnik ist die Kenntnis von Laut- und Körpersprache des Hundes, siehe entsprechendes Kapitel am Anfang. Und die physische wie psychische Voraussetzungen hundetypischen Lernens, siehe Kapitel "Reizvolle Erklärungen".

    Spieltechnik

    Foto: Unbekannt
    Es mag lächerlich vorkommen, wenn ich sage: Wir müssen selbst mit dem Hund wieder das "ernsthafte" Spielen lernen. Denn Spielen ist beim Hund nicht Herumalbern, sondern Lernen fürs Leben. Doch ich weiss es aus eigener Erfahrung: Ich habe mich auch anfangs wie ein steifer Stock angestellt. Wie soll der Hund meine Spielaufforderung verstehen, wenn er gar nicht sehen und hören kann, dass das ein "Spiel" sein soll? Ich bewegte mich kaum, agierte nicht. Also konnte mein Rüde nicht reagieren. Nur durch die Beobachtung eines anderen Trainers und durch Video erschrak ich, wie "deppert" ich herumstand. Ich musste also lernen, mich deutlich verständlich zu machen, was ich eigentlich von meinem Hund wollte. Meine Aktionen mussten ihm deutlich machen, was ich meinte. Bewegung war angesagt: In die Knie gehen, um ihm das Herkommen anziehend zu gestalten; mit den Händen anregend "fuchteln", damit er meine Sichtzeichen erkennen konnte; mich spielerisch "flüchtend" rückwärts zu bewegen, um ihm ein Nachfolgen zu erleichtern. Ich musste lernen, den "Affen" zu machen, zu schauspielern, "Theater" machen. Und siehe da! Der Rüde reagierte viel verständlicher. Meine Akbash-Hündin hat von meinem Lernprozess profitiert.

    Schauspieler übertreiben ja auch, um sich den Zuschauern deutlich zu machen. Gewiss, wir sind in den nordischen Temperaturbereichen auch keine heissen Gestikulateure, das hat man uns auch gehörig anerzogen. Doch ich weise den Altvorderen keine Erziehungsfehler vor. Mimik und Gestik sind leider verkümmert, doch sie sind erweiterte Kommunikationssignale. Wie anders ist es zu verstehen, dass wir uns auf Reisen mit wildfremden Leuten, deren Lautsprache wir nicht mal andeutungsweise verstehen, nun eben doch verständlich machen können, als mit den beliebten "Händen" und "Füssen"? Machen wir also für die spontanere Verständlichmachung den "Affen" für unsere Hunde. Sie danken es, weil sie uns endlich deutlicher verstehen.

    Zur Praxis: Eine junge Frau hat beim ersten "Kooperativen Test" mit ihrem Malinois gezeigt, wie man aktiv mit dem Hund spielt. Sie warf nicht nur ein Stöckchen, um den Hund damit allein zu lassen ("Fang es und lass mich dann in Ruhe"), sondern sie war aktiv, band den Hund richtig beweglich ein in weitere Spielaktionen. Sie liess den Hund nicht mit dem einmaligen Spielauffordern allein. Schlicht: Die Frau agierte beispielhaft und nachahmenswert. Die Ansprache an unsere Hunde erweitert sich auch durch die Lautsprache. Gleichtönende Laute machen keinen Unterschied. Hunde hören nicht nur besser als Menschen, sie trennen auch viel feiner die Töne. Wie soll der Hund zwischen Gebot und Verbot unterscheiden können, wenn wir alles im gleichen, womöglich nuscheligen Gemümmel von uns geben? Hier würde natürlich Sprechunterricht helfen, aber so weit wollen wir nicht gehen. Es hilft uns (für andere Menschen ja auch) und dem Hund, wenn wir die Gebote angenehm und anregend betonen, also mit höherfrequenter Stimme, ohne schrill und panisch zu werden. Einfach freudig, wie der Hund es auch verstehen soll. Das Verbot ist ebenfalls akzentuiert auszusprechen, soll er es auch als Verbot "Nein" verstehen. Tiefer im Ton und prägnant, kurz und bündig.

    Der grösste Fehler sind dann "moderierende" Zwischentöne. Das Geplapper zwischen den gerade eben eindeutigen Hörzeichen verwirrt den Hund, hebt für ihn quasi die Eindeutigkeit auf. Ich kenne mich nämlich auch: Das "Und jetzt!", "So, nu mach schon!", womöglich noch falsche Worte für die gewünschte Ausführung - all diese Fehler machte ich auch. Mein Hund machte auch, was er meinte, das es das Richtige sei. Oder auch nicht. Die Folge kennen wir: Er tut erst mal nichts, oder reagiert verwirrt. Der Hund handelt wieder biologisch und macht fortan, was er für richtig hält. Nur Hunde, die schon lange bei ihrem Halter sind, lernen sogar, dessen Macken zu tolerieren und filtern dank Gewohnheit und Erfahrung heraus, was Herrchen oder Frauchen eigentlich gemeint haben wollte.

    Im Grunde übertragen wir unsere Unsicherheit, Nervosität, Stimmungen, falsche Nachsicht und falsches Verständnis auf den Hund. Wie soll er da uns verstehen?

    Betonen Sie also auch hier, wie es gemeint war: Freudig oder korrigierend streng. Ihr Hund hört auch diese Unterschiede schneller heraus. Und verhunzen Sie es sich nicht, wenn Sie zwischen den klaren Anordnungen ihn wieder zuquatschen. Kennen wir doch noch als Kinder: Dauernde Anordnungen, Ermahnungen der Eltern machten uns "taub". Die Ohren wurden auf Durchzug gestellt.

    Tun wir es ihnen für unseren Hund nach. Seine Reaktionen bestätigen unseren Erfolg. Es gibt keine bessere Überzeugung als Ehrlichkeit und Deutlichkeit. Wenigstens für Tiere. Verwechseln Sie nicht das Lob zum richtigen Anlag und richtigen Zeitpunkt mit überschwenglichem Verknuddeln. Denn dies versteht der Hund als Spielaufforderung. Schweigen ist stupide Arbeit. Ihre Körper- und Lautsprache entscheidet über seine Motivation. Sie starten und beenden ein Spiel.

    Nicht jeder Hund spielt wie der andere. Manche sind das Gegenteil eines spielfreudigen Typs: Hetz- oder Herdenschutzhunde zum Beispiel. Ja nach Temperament und Masse müssen Spiele ausgesucht und dosiert werden.

    Aus diesen spielerisch geübten und erlernten Techniken erwachsen die folgenden:

    Jagd- und Beutefangtechnik

    Wir ärgern uns, wenn der Hund jagt. Dabei arbeiten, erziehen wir gegen die Natur des Hundes. Die Erinnerung an den Hund als im Rudel arbeitendes Hetztier mag hundeinteressierte Leser sicherlich langweilen, aber dies ist nun mal seine primäre Lebenseigenschaft, und sie ist bis heute in relativen Formen erhalten geblieben. Wenn sie normal gebaut sind und ihre aussergewöhnlichen Sinne alle beieinander haben. Von den Wölfen haben sie ihre grundsätzlichen Eigenschaften geerbt, Arbeitsteilung bei Jagd und Versorgung und phänomenale Ausdauer beim Treiben und Hetzen der Beute, bis sie ermüdet.

    Aus dem Spüren, Hetzen und Treiben sind durch geschickte Menschen Spezialisierungen geworden. Die einkreisende Arbeit von Hüte- oder Schäferhunden ist nichts anderes als umfunktioniertes Treiben. Manchmal schlägt die alte Grundform bei Hütehunden durch, wenn sie in einer Art Disfunktion ihre anvertrauten Schafe einen Abhang hinuntertreiben. Dumm gelaufen.

    Auch das Cutten (Trennen von einzelnen Tieren in der Herde) ist nichts anderes als eine neu formierte Jagdart, die wir an Wölfen beobachten können, wenn sie schwächere Tiere vom Herdenverband abschneiden, isolieren - um sie besser erbeuten zu können. Das letztere hat man den Schäferhunden aberzogen. Nicht immer erfolgreich...

    Ganz anders arbeiten Herdenschutzhunde. Diese Hunde sind sehr stark territoriumsgeprägt. Und vor allem ausdrücklich tiergeprägt, nämlich auf ihre Schützlinge. Manche Hirten tun sich schwer, eine aktive Herdenschutzhündin von ihrer Herde zu trennen, damit sie von einem Rüden gedeckt werden kann. Sie trennt sich ungern von ihren Schutzbefohlenen. Die Welpen von Herdenschutzhunden halten sich von Kindheitsbeinen an bei Schafen auf, weil sie sich innerhalb der Herde bewegen sollen, auf dass Wölfe erschrecken, wenn sie in einer Herde einbrechen, weil da plötzlich "Schafe" beissen. Tagsüber halten sich die riesigen, wehrhaften Hunde ausserhalb der Herde auf, auf Distanz, eine unsichtbare Grenze, die kein fremdes Lebewesen schadlos übertreten kann.

    Mit den Jahrtausenden selektierten Menschen spezielle Eigenschaften aus den vielseitig talentierten Meutejägern: Reine Hetzhunde, die mit enormer Geschwindigkeit und Ausdauer auf Sicht jagen; daher ist ihre Nasenleistung zweitrangig. Sprinter wie meist Terrier oder kleine, echte Schäferhunde, das erkennt der Fachmann an der Winkelung der Hinterläufe, Ausdauertraber mit Jagdtrieb wie Schlittenhunde, haus- und hofgebundene und territorien-variable (Wanderherden und Höfe) Wachhunde als Herdenschutz-, Berg-, Sennen- oder grosse Treibhunde, reine häusliche Wachhunde - auch in Kriegszügen - wie Molosser, Erdjagdhunde mit kleinem Körperbau, Apportierer, Stöberer, Vorsteh- und Spürhunde als Jagdhelfer. Und die kleinen bis mittelgrossen "Schäfer"-Hütehunde, die das Nutzvieh treiben und trennen.

    Nicht wenige der kleinen Terrier waren stark mit Rattenbekämpfung beschäftigt. Es war einmal. Die meisten dieser ehemaligen Aufgaben sind heute entfallen, die Spezialisten arbeitslos. Doch ihre Talente werden anderweitig gefördert und genutzt.

    Die meisten Hundetypen sind also Beutegreifer. Sie wären als Einzelkämpfer - wie Katzen (mit Ausnahme der Löwen) - nicht überlebensfähig aufgrund ihrer körperlichen Eigenschaften. Also jagen sie in Rudeln. Gar mancher Besitzer von mehreren Hunden wird dies erfahren haben, wenn seine Meute mal Witterung aufgenommen hat und zusammen jagt. Und dort sind die Gesellschaftsjäger, also Teamarbeiter, erfolgreicher wie die Einzelgänger. Das lehrt die Evolutionsgeschichte. Wildhunde und Hyänen in Afrika, Wölfe im Norden lehren uns noch heute, wie sie gemeinsam Jagdaufgaben aufteilen und beim Erbeuten kooperieren. Es wird zuerst getrieben, bis einem schwächeren oder durch geschickte Ablenkung getrennten Beutetier die Puste ausgeht. Wölfe sind in dieser Hinsicht wahr Meister, was Ausdauer und Kooperation angeht. Diese Eigenschaften, Fluchttiere zu hetzen, ist selbst den meisten unserer Haushunde noch intus. Ersatzweise lösen Radfahrer, Jogger, Autos, ja Flugzeuge solche Jagdinstinkte aus.

    Alles, was sich von den Hunden wegbewegt, löst diesen Reiz aus. Nicht, was sich auf sie zubewegt. Das kann, angesichts einer Meute wildtrampelnder Mountainbiker oder galoppierender Reitpferde (nebst freilaufender Hunde-Begleitung), schon eher eine Bedrohung darstellen. Was ich auch als Fussgänger verstehen kann.

    Das Erbeuten kann spielerisch antrainiert und dabei kontrollierbar gemacht werden. Es kann auch gefördert werden bis zum Unglück. Autos sind zu hart für Hunde. Sie sterben manchmal, wenn sie in deren "Läufe" beissen wollen, um die Beute am Weiterlaufen zu hindern oder gar flachzulegen. Jedem Hund, auch einem Hetzhund, kann das Nichtjagen bestimmter Objekte (mit Mensch) abtrainiert werden. Bei meinem früheren Irish Wolfhound half angesichts eines Rudels Rehe allerdings - nachdem ich mein Verbotszeichen ertönten liess - ein rein zufällig anwesendes Gewitter mit Donnerhall. Welch himmlische Verknüpfung!

    Spiel- ist gleich Lebens- weil Beutefangtechnik: Beutestück ist ein durchlöcherter Socken. Im Rudel wird um die Beute gestritten - Ziehen an beiden Enden. Socken- statt Tauziehen. Wer bekommt das "Filet"? Es musste so kommen: Aus einem Socken werden zwei Teile. Einer hat nun keine Lust mehr. Der andere fühlt sich als Sieger. Einer nimmt ein "Beutestück" zwischen die Pfoten und zieht mit den Schneidezähnen so lange daran, bis die Beute wieder zerkleinert ist. Dann wirft er das Stückchen spielerisch in die Luft, schleudert es weg, wie ein Orca seine Robbe, die er gerade erbeutet hat, oder wie eine junge Katze ihre Maus, die sie gerade gefangen, verletzt, aber noch nicht getötet hat. Es ist eine Übung.

    Die Einzelkämpfer Katzen sind in der Reizkoordinierung beim Jagen und Erbeuten den arbeitsteiligen Gesellschaftsjägern Hunde überlegen. Vor allem in der Koordination ihrer Sinne (Augen, Nase, Gehör). Hunde arbeiten dagegen aus Vererbung hetz- und geruchsorientiert. Es sind vor allem Lauftiere.

    Kampf- und Tötungstechnik

    [Update Febr. 2001]


    Aus den beschriebenen Jagdtechniken folgen zwangsläufig auch Tötungsabläufe. Sie rekrutieren sich vornehmlich aus den körperlichen Voraussetzungen. Dabei ist es, um ein altes machohaftes Vorurteil gleich zu begraben, nicht entscheidend, ob der Hund ein Kraftprotz von ungeheuren Ausmassen ist, sondern vielmehr Schnelligkeit, Schmerzunempfindlichkeit und Erfahrung. Hat freilich ein Molosser mit seiner Gebisskraft zugeschnappt, ist jedes normale Genick geknackt.

    Aktive Herdenschutzhunde müssen heute noch ihre Schutzbefohlenen gegen Wölfe abwehren, wenn auch die meisten Besitzer nur mit den "Heldentaten" ihrer dickfelligen "Arbeitslosen" übertreiben. Die meisten dieser Hunde hierzulande haben so viele Wölfe gesehen wie die modernen Molosser jene Bullen, die ihre Vorgänger früher an der Schnauze packten und das Atmen "abstellten".

    Hier packe ich aus das rein vermenschlichte Feindbild wie Hund und Katz an den Ohren. Aus der Sicht der beiden vermeintlichen Kontrahenten gibt es dieses auf beide Arten beschränkte Feindbild nicht. Haushunde verteidigen ihr Revier gegen alles, was nicht dazugehört. Nur Katzen nicht, die mit ihnen im Haushalt leben und mit ihnen aufgewachsen sein. Fremde Katzen ignorieren die Reviere von "eingezäunten" Hunden oft. Diese Respektlosigkeit kann - bei flinken und energischen Hunden - tödlich ausgehen. Auch grössere Katzen töten kleinere. Es sind natürliche Nahrungs- und Konkurrenzkämpfe.

    Der zweite Faktor ist die Psyche. Das Sprichwort von den Riesenseelchen (zum Beispiel Deutsche Doggen oder Irish Wolfhounds) hat was Wahres. Letzten Endes haben sie es meist nicht nötig, ihre körperliche Überlegenheit demonstrieren zu müssen. (Wie bei Menschen auch.) Die Kleinen sind die Giftzwerge, weil sie sich häufiger behaupten, durchsetzen müssen. An Pauschalurteilen haftet immer eine Prise Wahrheit, aber es bleibt pauschal. Letzten Endes hat das biologisch begründete überwiegende Verhältnis der erzieherischen Charakterbildung ab Welpenalter den grössten Einfluss darauf, ob aus dem Hund ein Raufer wird, ein Vernichter oder ein Lamm.

    Immer wieder kursieren wilde Gerüchte über "Totschüttel-Assoziation" als Strafe oder Nicht-Strafe. Das Totschütteln ist eine Technik, die Haushunde nicht von ihren Verwandten und Vorfahren übernommen haben. Diese Technik ist von jenem Verhalten ansatzweise adoptiert, die (ursprünglich gattungsverwandte) Einzelgänger wie Bären und Katzen zur Tötung der Nachkommenschaft aus einer Verbindung mit einem männlichen Konkurrenten anwenden, um das Muttertier wieder schneller empfängnisbereit zu machen. Biologischer Eigennutz von Einzelgängern. Bei Wölfen, Wildhunden oder Hyänen, die im Rudel leben, wird dies durch die strikte Ordnung der Alpha- Begattungsränge vermieden.

    Nur Schütteln ist bloss verwirrend, weil es dem Totschütteln gleichkommt. Der Welpe kennt dies nicht von eigenen Eltern, kann also nichts "asoziieren". Freilich kann der Mensch einem Welpen diese Verknüpfung durch Schütteln plus Verbotshörzeichen beibringen - etwa bei wiederholt verbotenem Pinkeln an die falsche Stelle. Dann erst "assoziiert" der Welpe. Vornehmlich einzelne Haushunde übertragen das "Totschütteln" in spielerischer Form auf schüttelbare Gegenstände, im Ernstfall auf kleinere Lebewesen von der Grösse eines Welpen, aber nie auf eigene. Es sei denn, die Hunde sind sexualverhaltensgestört aggressiv.

    Das Wegwerfen ist auch rein technisch dagegen etwas völlig anderes als das Schütteln. Das kommt auch in den besten Hundefamilien vor: Den garstigen Welpe am Genick gepackt und aus dem Nest geworfen.

    Die dritte, lebenserhaltende Varietät des Genickpackens ist die Rettung der Welpen vor Gefahren oder zu einem Transport. Jungtiere können bis zu einem tragefähigen Gewicht verletzungsfrei befördert werden, weil bei ihnen eine Tragestarre einsetzt. Diese Tragestarre-Zone dehnt sich auf den ganzen Rücken aus.

    Hat ein Hund Erfahrung mit Tieren, die ihre Waffen einsetzen, wird er an den ungeschützten Weichteilen angreifen, um das Opfer zu schwächen, wie alle Beutegreifer. Es gibt durchaus variable Kampftechniken durch körperliche Veränderung. Kurzschnauzige, die nicht über die grössere Hebelwirkung eines langen Fanges verfügen, lernen das Rammen, oder setzen ihre Vorderläufe stärker ein, wie beim ritualisierten Schulterringen. Andere legen einfach ihr enormes Gewicht auf den Gegner. Es sei denn, der Gegner war viel schneller und klemmt sich wie ein trainierter Bullenbeisser an der empfindlichsten Stelle eines Hunde fest: an der Schnauze. Die (früher) antrainierte Technik von Molossern. Dazu wurde der Unterkiefer so angezüchtet (Vorbiss), dass die Nase zum Atmen freiblieb. So konnten die Bullenbeisser und die späteren echten Kampfhunde sich verbeissen, bis dem Gegner die Luft ausging.

    Viele Besitzer von dickfelligen Hunden glauben, dass dieser Panzer vor Bissen schützt. Es kommt auf die Unterfelldicke an, auf die Nehmerhärte des Hundes. Hunde sind im Ernstkampf schmerzunempfindlich. Desensibilisierung kann leider auch antrainiert werden, was vornehmlich kriminelle Kampfhundler tun. Auf freier Wildbahn wäre dies bald tödlich, weil die Vorsicht ausbleibt.

    Der angedeutete Übergenickbiss ist zunächst eine Demonstration eigener Stärke bei etwa gleichgrossen Hunden. Kleineren Hunden gegenüber ist die Fangposition über dem Genick ein Zeichen des Unterdrückens, das Genickbrechen dagegen tödlich. Der tödliche Kehlbiss kommt selbst unter Wildformen des Hundes selten vor. Denn über der Kehle befinden sich bei Opfern entweder der gleichgefährliche Fang mit Reisszähnen, Hauer, Hörner oder spitze Geweihe.

    Einzelbeweis für jene, die dem Haushund von heute Tötungsabsichten pauschal abspreche: Mein Hund ist nicht mit Katzen aufgewachsen. Also betrachtet er jede als Eindringling. Leider erwischte er eine unvorsichtige, die sich in unser Haus eingeschlichen hatte. Er packte sie an den Weichteilen. Nicht vorne, wo sie ihm die Augen auskratzen könnte. (Das ging so schnell und bereits so verletzend vor sich, dass ein Eingreifen von mir ihr Leiden ganz entschieden verlängert hätte.) Erst als sie schwer geschwächt war, schüttelte er sie, dann brachte er den tödlichen Genickbiss an. Er kontrollierte, bis sie keine Lebenszeichen mehr von sich gab.

    Fernseh-Tierfilme über tötende Beutegreifer sind für viele städtische Tierfans zu unwirklich geworden, als dass sie dieses natürliche Verhalten auf hauseigene Jäger übertragen wollten. Die Entscheidung über Sieg oder Verlieren fällt jedoch nicht über die schiere Kraft oder gar das Aussehen, sondern über den Mut, über die Kunst des Täuschens von Aggression und Überlegenheit und über die Schlauheit. Gar mancher Dachs schlug einen normalerweise überlegenen Puma oder Luchs in die Flucht, meist weicht selbst ein Grizzly vor einem höchst aggressiven Vielfrass, oder Tausende von Ameisen zerlegen einen Elch. Auch unter menschlichen Kampfsportlern ist der grösste und schwerste längst nicht der Sieger. Auch hier ist alles relativ.

    Generell, aber auch nur generell, kann gesagt werden, dass schnelle grosse Hunde ihre Gegner erst einmal überrennen, bevor sie zupacken; schwere mit ihrem Gewicht arbeiten (erdrücken), reaktionsschnelle und mit stabilem Schädel versehene rammen, kleine und drahtige präventiv aggressiv sind, um zu beeindrucken. Körpereigenschaften bilden solche Techniken aus.

    Es wird zurecht davor gewarnt, einem Hund nicht davonzulaufen, löst dies beim Hund eben den Reiz des Hetzens und im "Erfolgsfalle" das Niederreissen aus. Angst- oder Todes-Geschrei aus verständlicher Panik erhöht seinen Tötungstrieb. Ein Hund ist ab entsprechender Grösse immer noch ein Beutegreifer, wenn auch ein über 100 000 Jahre häuslich und menschlich gezähmter. Mehr oder weniger. Doch eines ist auch klar: In der freien Wildbahn verletzen sich Beutegreifer nur, wenn es unausweichlich ist. Sie können es sich nicht leisten, verletzt zu werden. Erst der aggressive Hundehalter fand seine Freude daran, Artgenossen des Hundes aufeinander zu hetzen.

    Dazu serviere ich ein blamables Verständnis vieler altmodischer Hundeausbilder, besonders unter den Schutzhundlern. Warum meinen solche Leute, Hunde seien "unberechenbar" oder "hinterlistig", wenn sie von hinten angreifen? Haben denn diese Leute nicht kapiert, was täglich bei Tierfilmen im Fernsehen vorgeführt wird, wie Beutegreifer wie Grosskatzen oder Hundeartige ihre Beute greifen? Von hinten, an den Weichteilen niedergerissen. Vorne gibt es eventuell Verletzungen durch Hörner oder Zähne.

    Meine beiden Herdenschutz-Hündinnen griffen als Welpen bis Junghunde meinen dominanten, freilich gütigen Rüden immer noch einmal an, auch spielerisch - aber das ist eben die Übung fürs Leben. Sie gaben nie auf. Und er hat auch im Spielkampf eine professionelle Technik und Wendigkeit. Er zeigte ihnen im Junghundealter seine Nahkampftechniken. Auch das Packen der Läufe, bei einer erfolgreichen Verfolgungsjagd, als Niederreissen, dann der Kehlbiss. Alles wie ein Kumite-Karateka. Andeuten, aber nicht durchziehen. Er überrollte die jungen Schülerinnen 20 mal, sie griffen 21 mal an.

    Täglich im Fernsehen wird diese intelligente Technik serviert, doch wir vermenschlichen unsere Hausbeutegreifer wieder einmal, weil wir von uns ausgehen. Menschliche Kämpfer erschiessen meist nicht hinterrücks. Sie gehen frontal aufeinander zu. Tierisch dumm.

    Eine andere, natürliche Geschichte über aktive Herdenschutzhunde. Sie lehrt vor allem, dass es nicht die schiere Grösse und die Masse an Körpergewicht sind, die Kampfkraft ausmacht. Sondern die Beweglichkeit, modern gesagt: die Fitness. Diane Spisak, die Züchterin meiner verstorbenen Akbash-Hündin Sabah, berichtete mir aus der Praxis der Herdenschutzhundearbeit: Sabahs Grossvater mütterlicherseits, Akkush, galt als der kleinste Rüde von ganz Nordamerika (68 Zentimeter Schulterhöhe und 36 Kilo). Aber er tötete mehr Kojoten, als 90 Prozent aller als Herdenschutzhunde arbeitenden Akbash je auch nur zu sehen bekamen.

    Dann eine traurige Geschichte über einen ihrer früheren Würfe, die lehrt, dass man vor allem nicht aktive Herdenschützer mästen soll. Kojoten haben schon lange den Platz der Wölfe eingenommen, weil die Wölfe entweder aus dem Gebiet von den Herdenschutzhunden vertrieben oder abgeschossen wurden.

    In Texas wurden im Sommer 1999 zwei eher mächtige Akbash-Hündinnen (eine war wirklich fett) in der Nacht von einem Rudel Kojoten angegriffen. Die beiden Hündinnen töteten vier Kojoten, bevor die Übermacht an Kojoten sie killten. Was für eine Horrorszene am Morgen, als die Besitzerin die toten Hündinnen und die Kojoten entdeckte. Der Akbash-Rüde beschützte eisern seine Gänse, war aus unerfindlichen Gründen nicht in den ungleichen Kampf verwickelt. Es waren sicherlich mehr als die vier Kojoten, welche die Gänsefarm angriffen.

    Vor allem ist es ungewöhnlich, dass Kojoten im Rudel auftreten. Sie sind normalerweise schlaue Einzelgänger, die sich nicht an die grossen Hunde wagen. Aber die Kojoten adaptierten das Verhalten der Hunde (oder Wölfe) und taten sich zu mehreren zusammen. Sie lernten, die Hunde nicht frontal anzugehen, sondern sie zu umgehen und dann von allen Seiten zu attackieren.

    Die Hündinnen waren zu schwerfällig, um die flinken Kojoten abzuwehren. Auch ein Riesenbär muss sich einer Übermacht von reaktionsschnellen Wölfen beugen. Es ist daher wichtig, bewegliche Herdenschutzhunde zu halten. Gegen einen ausgewachsenen Schwarzbären oder einen Puma hat auch der stärkste einzelne Herdenschutzhund im Ernstfall keine Chance. Anderslautende Behauptungen sind Futter fürs Lagerfeuer.

    Doch eine gut zusammenarbeitende, sehr bewegliche Gruppe von ranken Hunden hält jedem Angriff stand, ja mehr: da haben auch viele schlaue Kojoten schlechte Karten. In diesem Fall waren es zu wenige Hunde für die Übermacht. Und die tapfer kämpfenden Hündinnen waren nach Meinung der Züchterin und Tierärztin übergewichtig.

    Rangordnung

    Die Rang-Einordnung ist das entscheidende Merkmal in der Hundeerziehung. Pferde- und Rinderhalter wissen; dass Neuankömmlinge oder zeitweilig Abwesende sich in die Herde wieder einordnen müssen - oder es wird ihnen derb von der Herde beigebracht. Diese Rangordnung wird von klein auf geprägt, durch die Familie (Gruppe; Rudel, Herde). Kinder in vielköpfigen Familien lernen dies, Einzelkinder haben es viel schwerer. Wir halten aber meist nur einen Hund. Als Welpe war er in seinem Wurf kurzzeitig eingeordnet. Dann aber wird er oft einzeln gehalten.

    Ein Hund ist normalerweise der geprägteste Rudelgenosse. Wer als Einzelgänger, oft noch als isolierter Hund nicht darin eingeordnet ist, hat beim ersten Kontakt mit mehreren Hunden Schwierigkeiten. Vielmehr: der Halter des Einzelhundes hat sie. Er übertrug ja seine (manchmal gar fremden-abwehrende) Lebensweise auf das geborene Rudeltier. Kommt er aber auch als Einzelhund so früh wie möglich in eine Welpenschule und in Kontakt mit älteren, sozialisierten Hunden, erinnert er sich und kann sich wieder spielend einordnen.

    Rudelbesitzer wie zum Beispiel Schlittenhundehalter wissen sehr genau, dass diese Ordnung oft kontrolliert werden muss. Denn die Halter von Rudeln sind immer Oberboss. Sie, die ihre Hunde nicht bloss im Zwinger halten, wissen aber verdammt gut: Die Ordnung aufrecht zu halten ist ein hundelebenslanger Prozess. Einer der besten Musher (Schlittenhundeführer) ist eine Frau: Susan Butcher aus Alaska. Sie fährt nicht nur fast regelmässig Siege mit ihren Alaskan Huskies bei den härtesten Rennen ein.

    Sie hält enge Verbindung mit ihren vielen Hunden. Jeden Sommer "bekommt" sie zwischen 50 und 100 Welpen. Im Gegensatz zu vielen ihrer männlichen Kollegen braucht sie den engen Kontakt zu ihren Hunden. Susan: "Meine männlichen Kollegen behandeln ihre Hunde oft nicht gut. Sie isolieren sie, sie sind für sie nur Rennmaterial. Aber ich brauche den täglichen Kontakt mit meinen Hunden. Es geht auch mit 50 Welpen. Denn ihre Sozialisierung ordnet sich selbst." Um eigennützigen Missverständnissen von Massenzüchtern vorzubeugen: Die Hunde bei Mushern sind eben nicht isoliert!

    Wie korrigiert man aufsässige Hunde schon von Beginn an? Mit verständlichem Spielen, was auch hier das Gegenteil von Herumalbern bedeutet. Sie sind sein Star! Sie weisen ihm sein Spielzeug zu und Sie nehmen es auch wieder weg. Dadurch prägen Sie Ihren Hund auf sein bevorzugtes Spielzeug, mit dem sie "arbeiten" können, das heisst, ihn schon als Welpe korrigieren können. So können Sie ihn vor Ersatzhandlungen wie Möbelknabbern oder Kissenzerfetzen ablenken. Damit wird im auf nette Weise beigebracht, dass ab sofort neue Spielregeln gelten. Der wahre Boss beginnt ein Spiel, und er beendet es auch wieder - mit klarer, auffordernder Körpersprache und Lauten: Hör mal her! Sie machen ihn erst einmal aufmerksam auf sich. (Hier beginnt schon das Problem.)

    Das geht so: Sie nehmen Spielhaltung ein: neigen sich ihm zu - nie drohend, gehen sogar auf den Boden oder Rasen, drücken Ihren Oberkörper so herab, wie Ihr Hund das macht, wenn er spielen will. Statt mit seiner Rute zu wedeln, wie er es beim Spielauffordern macht, rufen Sie ihn auffordernd heiter an mit seinem Namen. (Er wird ganz verduzt reagieren: "Nanu! Das war doch vorher mein Ding!") Aber er wird Ihr neues Spiel gern aufnehmen. Kontrollierter Körperkontakt ist dabei ein Therapiemittel. Er soll ja keine Angst vor Ihnen bekommen.

    Durch das kontrollierte Körperspiel erhält der Hund seinen gewünschten Kontakt (wie dies auch im Hunderudel der Fall ist), dabei wird der Hund spielerisch korrigiert. Nehmen Sie vor dem eigentlichen "Anpfiff zum Spielbeginn" sein Lieblings-Spielzeug und tragen Sie es stolz mit sich umher. Er darf keinesfalls das Spielzeug selbst nehmen. Will er dies tun, verbieten Sie ihm das mit dem Verbotszeichen: "Nein!" Er soll sich distanziert, respektvoll zu Ihnen und dem sich ankündigenden Spiel verhalten. Er wird es kaum aushalten vor Freude, muss es aber.

    Genau dieses Verhalten kontrollieren wir damit. Er darf ja auch bei Besuchen nicht die Menschen zuerst "überfallen". Er muss ins zweite Glied zurücktreten. Und diese Vorstufe begründen wir spielerisch. Dann begeben Sie sich zuneigend auf alle Viere. Auch dann darf er nicht auf Sie losstürmen, um das Spielzeug (seine Beute) eine Beute) abzujagen. Tut er dies doch, sprechen Sie immer ruhig, aber deutlich: "Nein!" Er kennt dieses Droh- und Verbotsknurren nämlich schon als Welpe. Es sitzt bis heute. Machen Sie das aber nie bei einem fremden Hund! Und noch gefährlicher: Für Kinder ist dies absolut tabu!

    Er weiss jetzt, er darf nur "mitspielen", wenn Sie ihn dazu auffordern. Hat er bislang mühevoll stillgehalten, also Respekt gezeigt, dann fordern Sie ihn auf, indem Sie das Spielzeug zwischen ihm und sich ablegen (wie einen alten Knochen). Will er jetzt endlich darf los, folgt Ihr unmittelbares "Nein!" Damit kontrollieren Sie doppelt, dass er nur agieren darf, wenn Sie es ihm gestatten. Diese Kontrolle unterstützt auch andere "Unterordnungen". Nach einer respektvollen Pause, in der er irritiert wirkt, weil er bislang die Initiative ergreifen durfte, dann darf er immer noch nicht. Sie können Ihren Hund testen, indem Sie ihm quasi den Rücken zukehren, so tun, als ob Sie ihn nicht mehr kontrollieren würden. Er versucht es natürlich. Irrtum. Sie fahren herum und sprechen "Nein!". Sie bestätigen damit Ihr Verbot.

    Er speichert dann nach diesen mehrmaligen Tests: Ich darf (noch) nicht. Also warte ich, bis mein Boss es gestattet. Sind Sie sicher, dass er Ihr Verbot verinnerlicht hat, dann fordern Sie ihn zum Spiel auf. Er wird Ihr Angebot dann um so dankbarer und respektvoller annehmen. Lassen Sie (immer noch mit ihm am Boden) ihn dabei kurz in Ruhe mit dem Spielzeug. Dann beenden Sie das Spiel. Sie "pfeifen" das Spiel ab, Sie sind immer noch am Boden, nehmen jetzt Spielzeug auf - und weg damit. Lässt er sicher aus, nehmen Sie das Spielzeug weg und loben ihn, aber nur kurz! Dieses knappe Lob ("brav") wird er lernen, ernst zu nehmen.

    Er darf keinesfalls das Spielzeug wieder zurückerobern. Das Ding wird aufgenommen und weggelegt. Mit Absicht immer an den selben Ort. Und der bleibt tabu für den Hund. Während der ganzen Aktion erfolgt kein einziges Streicheln, vor allem: kein Knuddeln! Ein im Rang eingeordneter Hund wird immer auch ein ausgeglichener sein.

    Warum sind sozialgeprägte Herdenschutzhunde, die allesamt eine mehr oder minder hoch getragene Rute kennzeichnet, unter anderen, auch noch grösseren Hunden fast immer die Bosse, die Souveräne, die fast ausnahmslos anerkannten Friedensrichter? Weil neben der Körpergrösse vor allem die aufrecht, oft über dem Rücken gerollte buschige Rute für sozial geschulte Hunde ein klares Zeichen der Überlegenheit ist. Vor allem unter Wölfen eindeutiges Signal der Ranghoheit. Es ist nebenbei auch eine Steigerung der aufgestellten Rückenhaare bei einer Drohgeste.

    Korrekturtechnik

    Sie werden den Begriff "Strafe" hier vergeblich suchen, denn dieser nicht nur menschliche, sondern ausschliesslich preussisch-militante Begriff hat im Zusammenhang mit Lebewesen, und vor allem Tieren nichts zu tun. Es bleibt ein Unikum des herrischen Menschen, der andere erziehen möchte. Vor allem: Tiere strafen einander nicht ab. Sie weisen ab oder zurück, verteidigen, behaupten sich, oder korrigieren als Elterntiere.

    Man möge, wenn man mit Tieren umgeht, gefälligst auch deren Korrekturen übernehmen, denn diese Verständigungstechnik wird als bekannt schneller verstanden. Mitunter sind Hunde untereinander recht "körpersprachlich". Das geht aber hundeverständlich zu. Nur Menschen über- oder untertreiben. Sie verhätscheln oder sind gleich so brutal, dass es der Hund nicht versteht. Er ist verwirrt.

    Ich wende bei meinen Hunden durchaus körperliche Korrekturen an, ich "wirke" ein, aber eben nur in der Körpersprache, wie sie Hunde unter sich auch kennen. "Softies" verstehen das nicht, weil sie vermenschlichen. Das mag bei einem Kleinhunde noch gut gehen, da merkt es der Halter nicht so, aber nicht bei einem natürlichen selbstsicheren grossen Hund. Der nimmt sich dieses vermenschlichten Missverständnisses auf seine biologisch konsequente Art an und löst es - er ist der Boss, und sein Halter merkt es nicht.

    Ich kann so nach den anfänglichen Korrekturen (ich richte dies alles in den ersten Welpenwochen bei mir, ein Althund kann dabei hervorragend assistieren) dabei nicht jedesmal auf jede Einwirkung verzichten. Ich brauche nur im Notfall den Rempler, das über den Fang greifen (Ersatz für Schnauzenpacken), die Augenfixierung oder gar - nur einmal bei meinen Herdenschutzhündinnen als Welpen - biss ich über den Fang. Wie es erziehende Hundeeltern eben auch tun.

    Je konsequenter ich dies zum richtigen Anlass und vor allem richtigen Zeitpunkt (im Ansatz der Untat) tue, um so weniger häufig muss ich meine körperlichen Korrekturen einsetzen. Grobheiten oder gar Brutalitäten versteht kein Hund, er hat aber das Vertrauen verloren. Und das ist ein Erziehungs-Schwerverbrechen.

    Anders herum wird auch kein Schuh draus, um mit den trefflichen Worten der Bordeaux-Doggen-Kennerin Angelika Kolbeck zu fragen: "Haben Sie schon mal eine Hundemutter mit der Zeitung in der Hand gesehen?"

    Das Strafen mit Methoden, die mit "mittelalterlich" noch nett umschrieben sind, ist immer noch üblich: Mit der Schnauze in den Kot stossen, Schütteln, was das Genick hält, Prügeln, Schlagen mit der Hand oder der Leine bis zur Folter durch Elektroschock. Hier nehme ich eindeutig Stellung zu Methoden, die dem Hund völlig unverständlich sind. Auch als Strafe. Und sage, was der Hund versteht, wie er bei Untaten, die ohnehin meist der Mensch verursachte, korrigiert werden kann. Ich liebe Lernen durch Umkehrschluss und das Reflektieren, was hier manchmal in die Hose gehen kann, weil es vermenschlicht.

    Würden Sie gerne lernen, dass man nicht einfach in die Hose pinkelt, wenn man gelehrt bekommen hat, dass dies an einem anderen, vermeintlich geeigneteren Ort zu geschehen hat? Der Hund versteht ein Hineinstossen mit ausgerechnet seinem empfindlichsten Körperteil, der Schnauze, nicht. Er übernimmt einfach nicht unsere geruchliche Scham vor Kot. Weil wir den Fehler gemacht haben, dass er seine zugewiesene Toilette woanders aufsuchen muss wie bisher (im freien Hundelager bei der Hundemutter oder in einem anderen Haus mit anderen Türen etc.)

    Auch hier lehren die natürlichen Eltern, wie man es hundeverständlich macht: Schon im Ansatz seines Tunwollens am Genick aufnehmen, als Verbotsverstärker ein "Nein" draufgeben, und nichts wie hin an den Bestimmungsort. Dann beruhigen ("können" Sie unter Stress?) und dann suchen lassen. Wer der Hund macht, was er muss, loben. Damit verknüpft er das richtige Tun am richtigem Platz zur richtigen Zeit.

    Nie schütteln! Denn dies kennt der Hund (wahrscheinlich) nicht, das verwirrt ihn nur. Es wäre "Totschütteln". Am Genick packen und unter "Nein" wegwerfen, das ist etwas völlig anderes als kräftiges Schütteln! Denn dies ist ebenfalls ein probates Mittel der Korrektur, freilich ein deutliches. Scheuen Sie sich nicht davor!

    Hundeeltern machen es (sofern sie noch natürlich agieren) ebenso. Wolfs- oder andere hundeartige Eltern auch. Dies ist ein Hinauswerfen aus dem Nest. Als hundsgerechte Strafe der höheren Sorte.

    Ich habe dies bei einer Pitbullwelpen-Hündin gemacht, als sie Anstalten zum Festbeissen mit erhöhter Aggression zeigte. Einfach am Kragen packen und wegwerfen. Klingt brutal, ist es aber für Welpen keineswegs. Die kennen das. Das "Nein" begleitete die Hündin. Sie schüttelte sich, um ihren Gleichgewichtssinn im Kopf wieder herzustellen (wie Katzen, die aus grosser Höhe springen), und sie wedelte. Sie hatte verstanden. Mit Wegwerfen, damit wir uns richtig verstehen, meine ich natürlich das eher symbolische Entfernen vom Tatort, keinen Weitwurf.

    Andere Korrekturtechniken, die ein ähnlich hundeverständliche Wirkung erzeugen, besonders bei Rangproblemen: Auch hier übernehme ich möglichst die Mittel aus der Natur. Am Genick runterdrücken oder den Überschnauzendruck. Beides ist reine Körpersprache "unterdrücken".

    Wer zu dominant-aggressiv ist, muss wieder eingeordnet, in diesem Fall untergeordnet werden. Wie es Hunde- oder Wolfseltern eben bei ihren Frechdachsen auch tun. Mit der Hand über die Schnauze greifen, deutlich packen (nicht ersticken oder sonst irgendwie quälen!) und leicht runterdrücken. Mit dem Genick ebenfalls. Dies ist eine körpersprachlich deutliche Unterordnung. Immer mit dem Verbotszeichen "Nein" verknüpft.

    Ich bemerke hier mit hundsgemeinem Genuss, dass solche beschriebenen Korrekturen bei vielen natürlichen (ich betone: natürlichen) Hundefamilien selten vorkommen, weil die Welpen meist folgen. Nun gibt es leider Leute, die solche Techniken bei erwachsenen oder gar fremden Hunden plötzlich entdecken. Das ist natürlich fatal, kann fürchterlich ins Auge gehen. Mit solchen Korrekturen muss man bei der Entstehung von Problemen anfangen und nicht, wenn der Kittel bereits brennt.

    Hunde, die an der Leine, mit der Kette, mit einem vermenschlichten Schwitzkasten würgend gestraft werden, haben alle Rechte, um ihr bedrohtes Leben zu kämpfen. Denn nur als Lebensbedrohung kann man diese dumm-groben Methoden empfinden. Der Hund wird jedes Vertrauen verlieren, bei psychisch und physisch starken Hunden kann dies schmerzliche Folgen für den Missetäter haben. Und der hat nicht das kleinste Mitleid von mir. Denn derart bedrohte Hunde haben bei mir das Recht, um ihr Leben zu kämpfen, auch wenn es der Mensch "gar nicht so gemeint hat". Wie dann, wenn nicht genau so?

    Jede Korrektur ist die bessere, die ohne Körpereinsatz auskommt, also nur mit Stimme, womit ich natürlich kein Gebrüll meine. Auch für Tiere gilt: Wer brüllt, hat noch lange nicht recht. Aber es gibt - ich nenne sie mal "willensstark", andere mögen das als Sturheit auslegen - Hunde, die nicht jeden (dummen) Befehl wie ein Soldat ausführen, besonders eigenwillige Rüden. Da müssen immer deutliche und konsequente (das heisst: meist zum richtigen Zeitpunkt, also nie nach der erfolgten Untat, das ist zu spät) Zeichen herhalten, im äussersten Fall die genannten Korrekturen. Wenn Sie mit lautsprachlichen Korrekturen bei ihrem Hund auskommen: gratuliere!

    Leinen, Zeitungen und andere Strafinstrumente sind völlig ungeeignet. Eine Leine soll was Gutes bedeuten und keine Furcht hervorrufen. Eine Hand ist immer und stets etwas Gutes. Wie soll der Hund unterscheiden, wenn die Hand einmal schlägt und dann streichelt? Der Hund misstraut zurecht. Ich erkenne Hunde sofort, wenn sie handscheu sind, weil sie vor meiner hingehaltenen zurückweichen. Hunde sind ehrlich, sie verraten einem Kenner alles.

    Es ist gerade für sensible Hunde viel härter, wenn man sie nach einer ihnen als Fehler bekannten Untat nicht beachtet. Kein Tadel, einfach zur Tagesordnung übergehen. Für einen Hund, der aus Erfahrung sein "schlechtes Gewissen" durch unterwürfige Gesten geradezu welpenartig aufbessern will, eine harte Nuss.

    Die Mutter meiner Maremmano-Hündin brachte es ausgerechnet als aktive Herdenschützerin, die voll "da" sein und selbst entscheiden müssen bei Bedrohung oder Diebstahl (die meisten Räuber haben nur zwei Beine!) eine ganz schlichte, fast sanfte Korrekturmethode bei ihren rotzfrechen Welpen an: sie schubste sie nur weg. Basta.

    Methoden der Elterntiere zu übernehmen, war schon immer die klügere, weil den Tieren bekannte.

    Kontaktliegen

    Sie kennen das schöne Bild aus vielen Tierfilmen, in denen Wolfsrudel im trauten Verband zusammen liegen. Sie pflegen damit Körperkontakt. Das hält nicht nur wegen der angenehmen Körperwärme zusammen, es soll auch das Sozialgefüge pflegen. Dieses Sozialverhalten haben Hunde, die in einem Rudel gehalten werden, übernommen.

    Da wir meist Einzelhunde halten, tun wir gut daran, dieses Kontaktliegen ebenfalls zu übernehmen. Das kann man überall praktizieren, im Garten oder im Hause, nur nicht auf den Liegeplätzen des Halters. Am liebsten ist den Hunden dieses soziale Beieinanderliegen nach dem gemeinsamen Spiel (statt der Jagd) zur Befriedung.

    Das Kontaktliegen ist eine wichtige Sozialübung. Es beruhigt nach einem Spiel und bestätigt das Rudelbewusstsein durch Geruch. Im Leben der wildlebenden Beutegreifer spielt das Kontaktliegen nach der Vertilgung der Beute eine wichtige Rolle, denn es fördert die Bindung durch Geruch, und es bestätigt die Zusammengehörigkeit zu einem Clan.

    Es ist ein übernommenes Ritual unter allen Herdentieren (auch Pferden und Rindern). Nach der Jagd, nach dem gemeinsamen Mahl, nach dem Spiel liegt man zusammen und signalisiert sozialen Frieden. Menschen hocken nach dem Mahl auch noch gelassen zusammen. Dieses Kontaktliegen senkt übrigens den Blutdruck von beiden Lebewesen: Mensch und Tier.

    Die gegenseitige Körperwärme strahlt Ruhe aus. Auch hier gibt es falsche, weil ausschliessliche Rückzugsplätze: Ihr Bett, Sofa, Sessel und seine Lager. Dort entstehen Rangordnungsprobleme oder Bedrängungen. Richtig verstandenes Kontaktliegen gibt es nur auf "neutralem" Boden. Und es muss freiwillig erfolgen.

    Wenn Sie ihm (dem Hund) dann noch die Stirn leicht massieren, wird er selig einschlafen. Dies soll übrigens auch bei allen Lebewesen wirken, die sich gut riechen und leiden können. Konsequenz

    Eine der wichtigsten Erkenntnisse über die Ausbildung von Hunden: Unsere Schwierigkeiten mit der Konsequenz. Menschen haben durch ihre Sprachvielfalt mehr Differenzierungsmöglichkeiten, kennen auch das Entweder-oder, das Vielleicht, das Naja, das Fünfe-gerade-seinlassen. Genau jene Schattierungen kennen Hunde nicht, übertrieben gesagt. Anders herum: Sie wollen Eindeutigkeit, sonst nehmen Sie sich, was sie kriegen können, unter anderem die Herrschaft.

    Dies ist bei unterwürfigen Hunden, die auch nach dem Welpenalter leicht und locker zu „beherrschen" und damit auch zu führen sind, weniger das Problem. Devote Hunde sind leicht zu händeln, geradezu soldatenhaft gehorsam. Diensthundeführer brauchen solche Hunde. Ich nicht. Ich will einen selbstständigen, selbstsicheren Hund, der seinen Willen ausleben darf, und zwar in den Grenzen, die ich ihm setze. Und genau hier fängt die Aufgabe an: Denn es liegt mehr Arbeit an mit einem dominanten Hund, wie es Herdenschutzhunde meist sind.

    Ein schlauer, selbstbewusster Hund braucht eine eiserne Ordnung, sonst „erkämpft" er sich mit aller seiner nicht zu unterschätzenden Intelligenz seine Freiheiten, versucht mit aller Schläue, mehr für seine biologischen Eigennutz herauszuholen. Es muss lange nicht zur Bedrohung oder zu wirklich auffälligen Dominanzen kommen. Hundeausbildung ist ein Prozess, kein Zustand. Und gerade eigenwillige Hunde lehren uns, was Konsequenz ist. Wehret den Anfängen, und - man möge vom ersten Tag an gleich Konsequenz üben. Im Fach „biologische Konsequenz" - aus überlebens-sicherndem Eigennutz - sind uns schlaue Tiere haushoch überlegen. Nun wissen Sie, was ich mit Konsequenz meine: Das A und O jeder Hundehaltung.

    Dazu gehört eine für den Hund sich deutlich unterscheidende Laut- und Körpersprache. Perfekte Hundeausbildung wie hundertprozentige Konsequenz wird es nie geben, aber sie anzustreben und sich dabei zu korrigieren lohnt sich. Da lernt man (wieder), sich durchzusetzen. Gleichgültige, „lasche" Menschen dagegen werden von einem willensstarken Hund konsequent vorgeführt. Anhaltend erfolgreich und tiergerecht arbeiten kann man nur mit dem Hund, nie gegen ihn.

    Ich entschuldige mich im voraus dafür, dass dieser Satz wiederholt wird. In konsequenter Absicht.

    Die innere Uhr

    Tiere orientieren sich nach äusseren Informationen beziehungsweise Reizen wie Temperaturen, Sonnenstände, Töne oder nach Gewohnheiten, die mit etwas Reizvollem verknüpft waren und ständig wiederkehrten, zur Gewohnheit wurden. Natürlich orientieren sie sich auch nach dem so genannten Biorhythmus, zum Beispiel dem Fortpflanzungstrieb inklusive allen Vorsorgemassnahmen wie Höhlen aufsuchen, Nestbauen, Laichplätze aufsuchen. Hungergefühl und Müdigkeit sind auch Signale.

    Hunde haben ein sehr gutes Zeitgedächtnis. Die wichtigsten sind natürlich Fress- und Spaziergang-Termine. Da trainiert er die Gewohnheiten, als unterstützende Informationen kennt er gewisse Abläufe, Geräusche und Rituale vor dem eigentlichen Geschehnis: Mantelanziehen, Herumlaufen, in die Küche gehen.
    Mein schlitzohriger Rüde mahnt mich bereits am Folgetag, wenn ich aus Jux und Tollerei mal dreimal am Tag spazieren gehe, am nächsten aber wieder wie üblich zweimal. Kein Hund kann zählen, wie wir das meinen. Aber er hat ein Gedächtnis, für das, was ihm wichtig war.

    Die verblüffenden Geschichten über jahrelange Treue, wenn ein Hund immer wieder zum Zug läuft, um vermeintlich sein Herrchen oder Frauchen abzuholen, obwohl diese längst tot sind, sind einfach zu erklären.

    Der Hund „speicherte" den exakten Ablauftermin des Abholservices durch jahrelang trainierte Gewohnheiten (Abläufe). Mitunter kann der Hund pünktlicher sein als der Zug. Die Verknüpfung, seinen Menschen als Rudelführer wieder zum Revier einzubringen wie nach einer Jagd, verstärkt diesen Terminreiz. Viele Jagdgenossen kommen aber später, durch andere Umstände, oder überhaupt nicht mehr. Aber der Hund ist sehr konsequent in seinem Bestreben, das Rudel zusammenzuhalten. Er versucht es immer wieder.

    Denn er konnte nicht riechen, es nicht selbst erleben, dass ein Rudelmitglied nicht mehr existiert. Damit fehlt ihm ein Glied in seiner biologischen Beweiskette. Kann er einen Toten am Geruch und diesen Veränderungen erkennen und verwesen riechen, wird er verstehen und irgendwann ablassen.

    Er wird aber immer den letzten Ort aufsuchen, an dem er seinen Boss erlebt hat. Auch in dieser Ausdauer ist der Hund sehr konsequent. So werden Gräber über Jahre besucht. Für Menschen unerklärlich, weil sie nicht so gut und nachhaltig riechen können.

    Mit menschlicher Treue hat dies freilich wenig zu tun. Es ist nur Gewohnheit und - höchstens - Rudeltreue.

    Es gibt sie aber zuhauf, jene für uns stumpfsinnigen Organträger mit vergleichsweise extrem niedriger Riech-, Hör- und Orientierungsleistung unglaublichen Sinnes-Leistungen von Hunden, die über Kilometer Entfernung Gerüche (eben bis zu 60-fach stärker als Menschen!) wahrnehmen und genauer als jede hochmoderne lasergesteuerte Rakete ihr Ziel finden.

    Es sind aber immer den Hunden angenehme, also erinnungswürdige oder existenzerhaltende Ziele. Zum Beispiel ihre menschlichen Rudelführer.

    Belohnungs-Prinzip

    Manche Hundeausbilder tun so, als hätten sie dieses Lernprinzip vor jüngster Zeit erfunden. Dabei waren es vermutlich nicht mal die alten Griechen, die begleitenden und mitjagenden Delphinen mal einen Fisch aus dem Boot zu den Mitjägern rüberwarfen, als Dank für das Zeigen von Fischschwärmen.

    So verbündeten sich tierliche und menschliche Jäger zu einer Jagd- und Beutegemeinschaft. Vermutlich ist dieses Dankesgabe als Belohnungs-Prinzip viel älter. Wilden Hunden wurde dieses Prinzip nach und nach mit Vertrauen und weggeworfenen Fleischstücken an das Menschenlager belohnt. Die Hunde entdeckten dies als höchst komfortable Beutefangmaschine und übernahmen auch den Schutz des Menschenlagers als Wachposten, später weitete sich das zu schützende Territorium auch auf deren Nutzherden aus. Es waren nämlich immer einige Hunde, die lieber bei den automatischen Spendern blieben und sich es in der Wurfnähe einrichteten. Das Hunderudel gesellte sich so immer näher an das Menschenrudel.

    Junge Hunde spielten so mit jungen Nutztieren und gewöhnten sich daran, diese nicht als Nahrungsquelle zu sehen, denn mit späterer Beute spielt man nicht als Welpe. Die Hunde wurden von den Hirten nach Eignung, in der Herde zu leben, selektiert und für die Verschonung der Nutztiere einschliesslich des dann natürlich gewordenen Schutzes des erweiterten Rudels (um Menschen und seine Tiere) ebenfalls entlohnt. So arrangierten sich ehemals wilde Hunde und der ehemalige Nahrungskonkurrent Mensch. Und sie profitierten beide davon. Die ältesten Arbeitshunde waren neben den nordischen Lastenziehern (Schlittenhunde) die Herdenschutzhunde, später erst die im Jagd- beziehungsweise Treiben geschickten Hunde - kleinere, daher flinkere - zu den Treibern umfunktioniert. Auch dafür fiel immer mal ein Stück ab.

    Dieses Belohnungspinzip machten sich vor den modernen Hundetrainern die Dompteure und Tiertrainer in Zirkussen zu eigen. Für Leistung gab es eine Belohnung. Dann erst kamen Hundetrainer auf diese Prinzip.

    Dass dieses Leistungs-Belohnung-Schema von den meisten Hundebesitzern völlig verhunzt wird, in dem sie den Hund ohne jeden Anlass damit vollstopfen, nur um zur Motivation zu verführen, die Arbeitshundler wie Schäfer ausschliesslich per Stimme erledigen, ist ein Missverständnis. Der Hund, wenn nicht schon damit völlig versaut, nimmt das Prinzip der Leistungsbelohnung nicht mehr ernst. Das Prinzip geht vor die Hunde. Es ist nur komfortable, mit Belohnung zu motivieren, weil die Laut- und Körpersprache verarmt ist. Man sollte das Belohnungs-Prinzip nicht verkommen lassen zu einer Überfütterungsmaschine. Damit man sich selber um den wirklichen Lernerfolg bescheisst. Zudem werden sämtliche ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse den Hunden dem Frass vorgeworfen. Übergewicht ist die Folge. Meist sind es auch übergewichtige Menschen, die hier ihrer Disziplinlosigkeit Vorschub leisten - Studien beweisen diesen Zusammenhang.

    Man möge den Sinn der Belohnung wieder zum Prinzip erheben. Belohnung nur nach vollbrachter Leistung. Alles andere ist Selbstbetrug. Was machen eigentlich Arbeitshundler wie Schäfer ohne diese prallgefüllten Brustbeutel?

    Reduzieren wir diese Zusatzfütterei, denn zu der ist das meist geworden, wieder auf den früheren Sinn. Dann freut sich auch der Hund und weiss, warum er belohnt wird. Der überwiegende Teil wird per Stimme und Körpersprache erarbeitet. Da liegt aber der Hase bei den Hundefreunden im Pfeffer. Im Übrigen lassen sich aktive Arbeitshunde, schon durch lange Leistungsselektion, durch diese Häppchen nicht bestechen.

    Man mache auch bitte einen Unterschied zwischen Motivieren und Belohnen. Motivieren muss man, damit der Hund eine Leistung vollbringt, und Belohnen soll man ihn dann dafür, dass er sie wie gewünscht erbracht hat. Manche schlauen Füchse unter den Hunden tricksen dabei ihre Halter aus, setzen sich nur halb hin, aber nicht ganz, täuschen damit ihren Halter, der sich selbst zufrieden ist, weil es nur den Anschein hat, der Hund habe gemacht wie geheissen. Der Hund bekommt sein Häppchen und lacht sich eins. Er nimmt sich nur, was er kriegen kann, der Hund.

    Wer hier der dumme Hund ist, muss ich nicht speziell ausführen. Belohnen kann man mit einem gezielten und nicht verknuddelnden Streichen über die Flanke des Hundes. Fertig. Mehr braucht der Hund nicht. Sehen Sie mal einen guten Schäfer zu. Der macht es so. handelte er so wie manche Vollstopfer, müsste er einen Esel mit Käsewürfeln oder vom Hundehandel verführerisch angebotenen Snacks mitschleppen. Snacks machen leider die Hälfte des Hundefuttermarktes aus. Eine amerikanisierte Unsitte.

    Traurig ist, dass die meisten Hundehalter nicht mal richtig Loben können. Entweder machen sie gar nichts, bleiben stumm wie ein altes, verhasstes Ehepaar, oder sie tun zu viel des Falschen. Verknuddeln ist für den Hund wie Spielraufen, Loben ist Belohnung.

    Regeln, nach denen ich mit Tieren umgehe:

    Es genügen fünf biologische Regeln, um Hunde zu verstehen und mit ihnen artgerecht umzugehen:

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