Hundeschulen
Von Heinz Neufeind
Nach x-Hundejahrzehnten geht man nicht mehr so oft in die Hundeschule (auch wenn man nicht aufhört zu lernen). Aber Offene Türen besuchen kann man, und das reichlich.
An einem schönen Sommersonntag war dann nach einer Stunde Autofahrt eine Hundeschule im Siegerland "dran". Schöner Platz, Flusstal mit Wald, ein Agility- Parcours, Kuchentheke ,Grill und Tombola aufgebaut, genug Schatten und Sitzplätze waren vorhanden.
Schon begann die Analyse. Mit Punkt 1, den "Gurusierungsfaktor".
Du läufst eine halbe Stunde mit Deinem Hund an der Leine rum, ohne ihn eng zu führen. (Entsprechend oft musst du einwirken, weil Hund sich korrekt danebenbenimmt) .
Wirst Du in dem oben genannten Bewertungszeitraum einmal angequatscht mit so Sätzen wie "Sie waren aber noch nicht bei Herrn XY im Kurs, das merkt man, sonst hätten sie keinerlei Probleme mehr!", dann ergibt das den Faktor Guru Eins, oder auch G1 genannt. Kommt dann noch so eine ungefragte Anmache wie "Schauen Sie sich das ruhig mal an, nach so einem Kurs werden Sie Ihren Hund nicht mehr wiedererkennen!" dazu, ist dieser Unsinn glatte zwei Punkte wert: Faktor G 3! Soviel zur Erklärung. Die heutige Hundeschule hat es auf den Faktor G 0 gebracht, ein untrügliches Indiz dafür, dass der Herr des Hauses etwaigen Tendenzen seiner Fans, ihn zum Hundeguru hochzustilisieren, erfolgreich entgegengewirkt haben muss.
Punkt 2, der "Show-Faktor" wird folgendermassen bewertet: Gibt es Anzeichen dafür, dass sich auf dem Platz eine eingeschworene Mensch-Hund-Truppe befindet, die in regelmässigen Abständen Vorführungen von absolut unwichtig-spektakulären Kunststückchen darbietet, so dass alle Noch-Nicht Kunden denken, sie hätten bis jetzt alles falsch gemacht? Es gab überhaupt keine vorgeführten Kunststückchen, der Show-Faktor betrug demzufolge G 0.
Punkt 3, der Informationsfaktor, der mir besagen soll, was dem Hund und mir geschieht, wenn ich hier einen Kurs belege, ist das Mass des Sinngehaltes einer solchen "offenen Tür".
In diesem Falle gelang es dem Trainer in einer lockeren Atmosphäre, die interessierten Besucher und die anwesenden "Bereitskunden" im Verhältnis 1:1 an Gruppenübungsabläufen teilnehmen zu lassen. Bereits nach wenigen Minuten entstand der Eindruck, dass hier eine schon vor Monaten zusammen gekommene Gruppe üben würde. Mit viel Gespür für die Ängste der "Neuen" und enormem integrativem Geschick war das eine Werbeaktion mit echtem didaktischem Wert für teilnehmende Zwei- und Vierbeiner, so nach dem Motto "Jetzt habe ich in der kurzen Zeit echt was gelernt, wenn das hier immer so ist, könnte sich das ja glatt lohnen!". Dieser Punkt erhielt bei mir die höchste Wertung, nämlich Faktor 10.
Meine Hündin, meine hundeführende Frau sowie meiner einer haben uns dort jedenfalls wohl gefühlt. Wohl auch, weil der Chef einen sehr sensiblen Umgang mit seinen Schülern pflegt, aber genauso hundeverständlich eine eindeutige Autorität darstellt.
Wer also im Siegerland wohnt und eine Hundeschule sucht, in der Mensch und Hund ausgebildet und Hund nicht geknechtet sondern anhaltend eingeordnet wird, der darf nähere Informationen beim Autor des Artikels einholen.


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