• Lure Coursing für Hetzhunde

    Lure Coursing für Hetzhunde

    Anfang des 20. Jahrhunderts fand die Hetzjagd auf lebende Hasen in Europa ein überfälliges Ende, bis auf Spanien und Russland. In der Ukraine und Kirgisien können die Chortaj-Hunde noch mit ihren Reitern hetzen.

    Als Ersatzbeschäftigung blieb den Hetzhunden und ihren Haltern nur noch das Rennen auf Bahnen. Die Langstreckenläufer unter den Hetzhunden sind aber dafür anatomisch nicht selektiert worden, nicht selten vermag dieser langweilige Ersatz sie nicht zu befriedigen; man könnte meinen, es beleidige ihre Intelligenz.

    Vor rund 60 Jahren entwickelten die Hetzhundefreunde das Lure Coursing. "Lure" heisst Lockmittel. Es soll Hetzjagden auf ein Ersatzobjekt simulieren. Auf einem Naturgeläuf wird ein Parcours abgesteckt. Umlenkrollen werden dazu in den Boden gesteckt, über die ein ca. 500 bis 1000 Meter langes Seil ausgelegt wird. Am Ende des Seils hängt ein Hasenfell. Die Spule dazu wird inzwischen von einem Motor angetrieben. Durch die Umlenkrollen kann das Seil in den Hunden angepassten Geschwindigkeiten über den Boden geschleppt werden: Simulation einer flüchtenden Beute, mit den typischen Fluchtwegen eines Hasen.

    Foto: Unbekannt

    Dieser Reiz und der Geruch des echten Fells lösen meist den angeborenen Hetztrieb aus. Längere Gerade, das Hakenschlagen und Durchlaufen von Hindernissen ahmen die Aufgabe des Verfolgens eines Hasen nach. Am Schluss bleibt das Fell liegen, die Hunde dürfen nun ihren Erfolg ausleben, weil sie des Lure-Hasen habhaft werden.

    Afghanen, Greyhounds und Whippets sind für die Hasenjagd als Einzeljäger selektiert, sie hetzen daher überwiegend mit gleichbleibend hohem Tempo. Zur Gemeinschaftsjagd gezogene frühere Grosswildjäger wie Deerhounds oder Barsois benötigen mehr Raum und Abstand, um zu taxieren, wohin der "Hase" läuft, um dann entweder vehement zu beschleunigen oder ihm den Weg abzuschneiden.

    Foto: Unbekannt

    Die Hunde sollten dazu idealerweise fast synchron laufen, damit sie den anderen Hund nicht behindern oder gar aus Konkurrenzgründen bedrängen. Daher gilt Maulkorbpflicht. Greift ein Hetzer einen Konkurrenten an oder behindert ihn, wird ihn ein Richter aus dem Rennen nehmen.

    Ein Richter vergibt Punkte für Geschwindigkeit, Intelligenz, Mut, Hetzlust, Überholen des Partners, Ausdauer und Fangverhalten. Die kleinen Hetzer wie Whippets und Windspiele laufen 450 Meter, die grösseren 700 bis 1000 Meter.

    Beim Vorlauf sind die Rennkonkurrenzen zufällig aufgestellt. Im Finale wird der Lauf nach den vorher erzielten Punkten eingeteilt, damit möglichst gleich gute Hunde zusammen laufen. Je nach Gesamtpunktzahl können die Hunde die Qualifikationsgrade "vorzüglich", "sehr gut" und "gut" erreichen.

    *

    © Hundezeitung 9/2005