"Batcane" versus Blindenführhund
Von Bille Büchner
"Batcane" ist ein "neues" Hilfsmittel - ein Gehstock mit Schallwellen - für Sehbehinderte, siehe hundezeitung-Editorial vom Oktober "Blindenführhunde bald arbeitslos?" Der Stock wurde erstmals in einer englischen Fachzeitschrift vorgestellt.
Wenn "Nature Science Update" schreibt, auch Blinde können bald vom Echolot-System profitieren, so ist das wohl überholt. Denn schon seit Ende des zweiten Weltkriegs gibt es diverse elektronische Hilfsmittel für Sehbehinderte, die u. a. auch mit dem Echolot-System arbeiten.
Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie auch sehr störanfällig sind. Bei Regen- oder Schneefall verschlechtert sich ihre Funktionstüchtigkeit zunehmend, da jeder Regentropfen und jede Schneeflocke als Hindernis wahrgenommen und dementsprechend auch angezeigt werden.
Viele dieser Geräte zeigen Hindernisse durch akustische Signale an, einige wie "Batcane" durch Vibration.
Weitere Nachteile all dieser technischen Hilfsmittel sind: ihre Anwendung erfordert eine sehr hohe Konzentration des Benutzers auf das Gerät es ist nur ein langsames Vorwärtskommen möglich, da die Geräte sonst nicht mehr zuverlässig Hindernisse anzeigen können da viele Hindernisse keine glatte Oberfläche haben und das Echo dadurch bedingt unterschiedlich reflektiert wird, ist für den Benutzer die Deutung der Signale oft nur sehr schwer möglich im Regelfall befinden sich mehr als nur ein Hindernis im Wirkungskreis des Gerätes. Dies hat zur Folge, das Tongemische bzw. mehrere Vibrationen gleichzeitig auftreten.All die genannten Probleme führen dazu, das viele Sehbehinderte diese Benutzung oft als sehr stressreich und schnell ermüdend empfinden. Hinzu kommt, dass diese Geräte zwar Hindernisse melden, der Sehbehinderte aber muß sich erst einmal an diese herantasten, um dann nach einer Ausweichmöglichkeit zu suchen.
Im Gegensatz dazu das Gehen mit einem Blindenführhund: der Hund passt sich dem Tempo des Menschen an, so dass sowohl gemütliches Schlendern als auch ein forscheres Voranschreiten möglich sind ein gut geschulter Führhund vermeidet bei seiner Arbeit den Kontakt mit dem Hindernis und führt den Menschen um das Hinderniss herum der Hund zeigt alle Arten von wahren Hindernissen an, seien es Steine, Büchsen etc. auf dem Weg, Pfützen, Bahnschienen, abgeflachte Bordsteinkanten, tief hängende Dinge, Radfahrer, Passanten etc., und umgeht sie. Er zeigt dagegen keine Scheinhindernisse wie zum Beispiel fallende Blätter, Regentropfen oder Schneeflocken an. der Hund ist in der Lage, immer wiederkehrende Wege allein auf ein einziges Signalwort zu finden und führen. Der Mensch muß also auf solchen Wegen nicht ständig aufpassen, um entsprechende Richtungssignale zu geben der Hund sucht selbständig nach entsprechendem Signalwort Türen, Geschäfte, Briefkästen, freie Sitzgelegenheiten etc. Dadurch wird der Sehbehinderte unabhängiger von der Hilfe durch seine Mitmenschen beim Aufsuchen und Finden entsprechender Örtlichkeiten. in Gefahrensituationen verweigert der Hund auch aktiv den Gehorsam gegenüber dem Menschen, um ihn so vor Schaden zu bewahren ein weitere Vorteil liegt in der deutlich geringeren Vereinsamung. Sehende Menschen haben spürbar weniger Hemmungen mit Sehbehinderten - über das Gesprächsthema Hund - in Kontakt zu treten.Sicherlich kommt ein Blindenführhund nicht für jeden in Frage. Seien es gesundheitliche Bedenken (z. B. Allergie), Zeitmangel, räumliche Unzulänglichkeiten oder schlicht und einfach "Desinteresse" an einem Hund. Für mich persönlich aber wird der Hund stets die erste Wahl sein.
Leider aber werden wohl die Krankenkassen auf Grund chronisch leerer Kassen die Befürwortung eines Blindenführhundes in immer selteneren Fällen aussprechen, ist doch "Batcane" deutlich preisgünstiger. Für Krankenkassen argumentativ erleichternd kommt hinzu, dass in immer mehr Bundesländern lautstark darüber nachgedacht wird, das Blindengeld zumindest stark zu kürzen, wenn nicht gar ganz zu streichen.
Ihr mögliches Motto: Wenn schon die Bundesländer kein Geld mehr für Sehbehinderte haben, wo sollen es dann wir armen Krankenkassen hernehmen?
So bleibt mir nur zu hoffen, dass die Führhunde mit ihren immensen Qualitäten und Vorteilen nicht der Technikgläubigkeit und den Sparzwängen zum Opfer fallen.
*
*


Bereiche
Für jeden veröffentlichten Artikel unterstützen wir das
Artikel im Bereich Hundewissen