Von Wolf Steiger über die ostschweizerische Schule für Blindenführhunde
Der Weg zum topausgebildeten Führhund ist lange und zeitaufwendig. Als eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Ausbildung der Führhunde bezeichnet der Ausbilder den "Pflegetisch". Er ist etwas tiefer als ein gewöhnlicher Tisch, nicht so breit und nicht so lang. Mit einem griffigen Kunstteppich belegt. Jorge Moreno, der Ausbilder der ostschweizerischen Blindenführhunde-Schule, erläutert, wie es schon den Welpen Spass macht, sich auf dem Tisch zu bewegen.Die Hunde der Schule springen alle sehr gerne auf diesen Tisch. Warum? Hier werden sie täglich gestreichelt, dies ist emotional wichtig. Natürlich werden sie auch gepflegt und geputzt. Moreno sagt: "Ein gesunder Hund ist auch ein sauberer Hund, während wir ihn pflegen, streicheln wir ihn auch gleichzeitig, das fördert den Kontakt."
Auf dem Pflegetisch lernt der Hund sich ruhig und gelassen zu verhalten. Hier oben wird der Hund auch untersucht und kontrolliert auf Zecken, Schwellungen, Schnitte... Die grundsätzlichen Befehle "Sitz", "Platz", "Steh", "Wenden", "Warten" usw. erlernt der Hund spielerisch auf dem kleinen Tisch. Weil die verschiedenen Positionen auf dem Pflegetisch ausgezeichnet abgesichert werden können, wird der Hund auch dementsprechend wieder auf Befehle im Verkehr reagieren. Das "An-der-Leine Ziehen" bei "Platz" verstärkt das Verharren und wird gleichzeitig mit grossem Lob quittiert. Erst auf Befehl verlässt er die Position.
"Auf dem Tisch", erläutert Moreno, "lernt der Hund auch das Unbehagen gegen Tiefe überwinden. Dadurch wird er später problemlos über Treppen steigen, die so konstruiert sind, dass der Hund zwischen den Tritten auf den tiefen Boden sieht. Etwas, das vielen Hunden oft Mühe bereitet."
Ausbildungsintervalle
Dem Hund das Richtige beizubringen dauert Wochen, ein Fehlverhalten auszulösen jedoch nur Sekunden. Später etwas "flicken" kann wiederum Wochen in Anspruch nehmen.
Passung "Unsere Anwärter für einen Blindenführhund können bei uns gewissermassen ihr "Lieblingsmodell" aussuchen. Weil wir nicht selber züchten, bedienen wir uns der verschiedensten Rassen, die sich speziell eignen", führt Jorge Moreno, der auch die Blindenführhundeschule leitet, aus. "Die psychologischen Hintergründe sind uns sehr wichtig", meint Moreno. "Eine sehbehinderte Person, die ein bestimmtes Fell einfach nicht anfassen mag, das genügt uns schon, um zu sehen, dass ein solches Gespann nicht funktionieren würde."
Die wichtigsten Voraussetzungen in der Ausbildung der Blindenführhunde sind Vertrauen, Akzeptanz und Arbeitsfreude - ohne das geht es nicht. Bei der Übergabe der Führhunde von der Schule zum Sehbehinderten leiden die Hunde nicht. Sie schliessen sich sehr schnell an und freuen sich, bei der gelernten Arbeit über jedes Lob ihrer neuen Bezugsperson.
Eigentliche Ausbildung
Bis zur Übergabe Die erste Phase der Ausbildung umfasst viele Übungen. Wichtig ist, dass der Hund die vielseitigsten Erfahrungen sammeln und diese positiv verarbeiten kann. Erst darauf erlernt er alles, was ein Blindenführhund beherrschen muss.
Von einem gewissen Ausbildungsstand an wird auch in fremden Städten trainiert. Beim Üben unter Dunkelbinde ist immer ein zweiter Trainer hinter dem Ausbilder. Der zweite Trainer könnte notfalls rasch eingreifen, wenn es die Situation im Verkehr erfordern würde.
Einführungsphase Jetzt beginnt der Einführungslehrgang, den der Sehbehinderte und sein Führhund gemeinsam durchlaufen. Der Ausbilder wird während der sechsmonatigen Einführungszeit das Führgespann auch weiterhin betreuen. Wenn die Bereitschaft da ist, gewöhnen sich Mensch und Hund rasch aneinander. Der Sehbehinderte und sein Hund lernen ihre gegenseitigen Bedürfnisse kennen und fassen Vertrauen zueinander. Eine Bindung entsteht. Nach der Einführungszeit wird das Gespann von Experten geprüft.
Der blinde Mensch lernt mit seinem Hund zu kommunizieren und dessen Signale sicher zu interpretieren. Er lernt die Hörzeichen, die er ihm bei der Führarbeit geben muss und wie er sich mit der Hilfe des Hundes orientieren kann. Er gewinnt dank seinem vierbeinigen Partner einen grossen Teil seiner Selbständigkeit und Mobilität zurück.
Mit freundlicher Genehmigung von HUNDE - die Zeitschrift der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft SKG
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